Malaiische Sprache


Malaiische Sprache
Malaiisch (Bahasa Melayu – بهاس ملايو)

Gesprochen in

Malaysia, Brunei, Singapur, Indonesien, Süd-Thailand, Süd-Philippinen, Timor-Leste
Sprecher ca. 200 Millionen
Linguistische
Klassifikation
  • Austronesisch
     Malayo-Polynesisch
      West-Malayo-Polynesisch
       Sunda
        Malaiische Sprachen
         Malaiische Sprache
          Lokales Malaiisch
    Malaiisch
Offizieller Status
Amtssprache von MalaysiaMalaysia Malaysia
BruneiBrunei Brunei
SingapurSingapur Singapur
Sonstiger offizieller Status in: IndonesienIndonesien Indonesien (Regionalsprache)
Sprachcodes
ISO 639-1:

ms

ISO 639-2: (B) may (T) msa
ISO 639-3:

msa

Indonesisch (Bahasa Indonesia)

Gesprochen in

Indonesien, Osttimor
Sprecher ca. 30 Millionen (Muttersprachler)

162 Millionen (insgesamt)

Linguistische
Klassifikation
  • Austronesisch
     Malayo-Polynesisch
      West-Malayo-Polynesisch
       Sunda
        Malaiische Sprachen
         Malaiische Sprache
          Lokales Malaiisch
    Indonesisch
Offizieller Status
Amtssprache von IndonesienIndonesien Indonesien
Sonstiger offizieller Status in: OsttimorOsttimor Osttimor (Arbeitssprache)
Sprachcodes
ISO 639-1:

id

ISO 639-2:

ind

ISO 639-3:

ind

Die malaiische Sprache (Malaysisch (Bahasa Melayu) in Malaysia bzw. Indonesisch (Bahasa Indonesia) in Indonesien) gehört mit etwa 200 Millionen Sprechern zu den meistgesprochenen Sprachen der Erde. Für die Mehrzahl der Sprecher ist es allerdings nur die Zweitsprache. Insbesondere in Indonesien gibt es hunderte von Regionalsprachen, die sich stark vom Malaiischen unterscheiden. Malaiisch dient daher als Verkehrssprache, die hauptsächlich im geographischen Raum von Malaysia und Indonesien verwendet wird. Malaysisch bzw. Indonesisch sind außerdem die Amtssprachen des föderalen Staates Malaysia, des Sultanats Brunei und der Republik Indonesien. Die beiden Sprachversionen unterscheiden sich nur geringfügig, sodass sie wissenschaftlich als eine einzige Sprache behandelt werden.

  • Malaiisch (Bahasa Melayu) ist Amtssprache in Malaysia (hier auch MalaysischBahasa Malaysia), Singapur und Brunei. Von etwa 12 Millionen Sprechern auf der malaiischen Halbinsel sprechen es etwa 7,2 Millionen als Erst- und 4,8 Millionen als Zweitsprache. Größere Gruppen von Sprechern findet man außerdem in Myanmar, in Hongkong und in den USA. Malaiisch hat den Language Code ms beziehungsweise may oder msa (nach ISO 639).
  • Indonesisch (Bahasa Indonesia) ist Amtssprache in Indonesien. Es wird von etwa 162 Millionen Menschen gesprochen. Für 21 Millionen, von denen die meisten auf Java leben, ist es Erstsprache. 141 Millionen benutzen es als Zweit- oder Verkehrssprache. Außerhalb Indonesiens wird es unter anderem in Saudi-Arabien, Singapur, den Niederlanden und den USA gesprochen. In Osttimor, von 1975 bis 1999 eine Provinz Indonesiens, hat Indonesisch laut der Verfassung den Status einer „Arbeitssprache“. Viele der Studienlehrgänge an den Universitäten Osttimors werden in dieser Sprache gehalten. 36 % der Bevölkerung können Indonesisch sprechen, lesen und schreiben, weitere 1 % sprechen und lesen, 11 % nur lesen und 7 % nur sprechen.[1] Indonesisch hat den Language Code id bzw. ind (nach ISO 639).


Sofern im Folgenden nichts anderes angegeben ist, gelten die Aussagen für beide Sprachenvarianten.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Malaiisch gehört zur westlichen Gruppe des malaiisch-polynesischen Sprachzweigs innerhalb der austronesischen Sprachfamilie.

Die ersten schriftlichen Zeugnisse des Altmalaiischen stammen aus dem 7. Jahrhundert.

Malaiisch erfuhr viele Einflüsse aus Indien, woher Hinduismus und Buddhismus kamen. In späterer Zeit kamen mit dem Islam arabische und persische Einflüsse hinzu. Vom 14. Jahrhundert an wurde es hauptsächlich mit arabischen Schriftzeichen geschrieben. Die unterschiedlichen kolonialen Einflüsse haben zu manchen unterschiedlichen Lehnwörtern geführt. Siehe dazu im folgenden Unterschiede Bahasa Malaysia und Bahasa Indonesia.

Aufgrund der mangelnden Sprachpflege während der britischen Kolonialherrschaft war die malaiische Sprache im Vergleich zur Kolonialsprache Englisch terminologisch verarmt und wurde als stark veraltet angesehen. Nachdem Malaysia 1957 unabhängig geworden war, führte eine staatliche Sprachkommission Tausende von Neologismen ein. Die so erneuerte Sprache wurde wenig später ins Schulwesen integriert. Sie hieß von 1957 bis 1969 Bahasa Kebangsaan (Nationalsprache), seit 1969 heißt sie Bahasa Malaysia.

In Indonesien wurde mit der niederländischen Kolonisierung im 19. Jahrhundert die lateinische Schrift eingeführt. Mit der Unabhängigkeitserklärung des Landes 1945 wurde Bahasa Indonesia zur offiziellen Staatssprache erklärt.

1972 wurde ein einheitliches lateinisches Schriftsystem und eine weitgehend übereinstimmende Orthographie in Malaysia und Indonesien geschaffen. Malaysia hatte bis dahin arabische Schriftzeichen benutzt. Alte Menschen schreiben in Malaysia heute noch in arabischer Schrift, und man findet noch Schilder mit arabischen Schriftzeichen, aber in malaiischer Sprache.

Unterschiede zwischen Indonesisch und Malaysisch

Die Unterschiede zwischen den beiden Sprachen entwickelten sich erst in der Kolonialzeit und betreffen größtenteils den Wortschatz. Sie sind anfangs nur wenig größer gewesen als zwischen BRD-Deutsch und DDR-Deutsch die beispielsweise Plastik/Plaste und Kollegium/Kollektiv als unterschiedliche Wörter für den gleichen Begriff verwenden. Genauso lassen sich zwischen den beiden malaiischen Sprachen solche spezifischen Wörter finden – oft bedingt dadurch, dass manche Wörter in Malaysia von den britischen Kolonialherren und in Indonesien von den niederländischen Kolonialherren eingeführt wurden. Bei technischen Fachausdrücken sind die Unterschiede am häufigsten; geradezu berühmt ist die immer zitierte Übersetzung von Auspuff: Auf Indonesisch heißt es knalpot und auf Malaiisch ekzos (vom englischen exhaust). Alle Wörter, die Dinge bezeichnen, die es vor der Kolonialzeit noch nicht gab, sind im Malaysischen fast immer aus dem Englischen entlehnt und im Indonesischen meist aus dem Niederländischen. Klassisches Beispiel, für Deutsche in der Schreibweise leicht nachvollziehbar, ist das Wort für „Taxi“ auf malaysisch „teksi“, was der englischen Aussprache entspricht, auf indonesisch „taksi“, was der niederländischen Aussprache entspricht.

Mittlerweile lässt sich über die letzten Jahrzehnte eine Tendenz erkennen, dass zunehmend Wörter aus anderen in Indonesien beheimateten Sprachen, wie dem Javanischen, Eingang in die Indonesische Sprache gefunden haben und somit die eigenständige Entwicklung der beiden Sprachen in den letzten 100 Jahren einen gewaltigen Sprung gemacht hat. Während sich Indonesier und Malaysier in der Kolonialzeit noch nahezu flüssig untereinander verständigen konnten, ist dies heute unter jungen Indonesiern und Malaysiern nur noch zu einem Grad möglich, wie es unter Sprechern verschiedener skandinavischer Sprachen der Fall ist.

Auf der anderen Seite berichten viele Ausländer, die jeweils eine Variante der Sprache erlernt haben, dass sie sich nach kurzer Eingewöhnung auch in dem jeweils anderen Land gut verständigen konnten, insbesondere wenn sie es mit gebildeten Menschen zu tun hatten. Daher scheint es, dass sich die Unterschiede vor allem auf den niederen Sprachebenen (Umgangssprache, Slang) ausgebildet haben (vergleichbar ist das Verhältnis von internationalem und Quebecer Französisch).

Zu Irrtümern bezüglich der Gleichheit der beiden Sprachen führt aber auch die nicht korrekte Annahme vieler nur oberflächlicher Kenner, das Wort Bahasa bezeichne diese gemeinsame Sprache. Dabei bedeutet „Bahasa“ aber lediglich „Sprache“, und eben nicht Malaiisch, Malaysisch oder Indonesisch. Die korrekten Bezeichnungen sind: Malaiisch: Bahasa Melayu, Malaysisch: Bahasa Malaysia und Indonesisch: Bahasa Indonesia. Bei der Verwendung von „Bahasa“ als Oberbegriff handelt es sich um Slang. Dass man trotz der anfänglich nur geringen Unterschiede von verschiedenen Sprachen spricht, hat damit zu tun, dass es in Indonesien eine Antikolonialbewegung „Ein Volk – ein Land – eine Sprache“ gab und man deshalb nach der Unabhängigkeit nicht „Bahasa Melayu“ haben wollte. Durch die selbstständige ständige Weiterentwicklung beider Sprachen haben sich beide mittlerweile zu einem Grad voneinander entfernt, dass sie nunmehr eigenständige Sprachen darstellen.

Singapur hatte mit der Einführung von Bahasa Melayu kein Problem, da sie dort eine dem Englischen untergeordnete Rolle spielt. Auch in Brunei ist Malaiisch überwiegend Sprache der Verwaltung und Lingua Franca während die ansässige Bevölkerung andere Sprachen spricht. Generell kommt man speziell in Singapur aber auch in Brunei mit Englisch erheblich weiter. In Singapur sprechen mehr Leute Englisch als Malaiisch, weil es dort mehr Chinesen als Malaien gibt. Auch in Malaysia sprechen zwar die rund 26 % Chinesen und rund 9 % Inder lieber Englisch, aber nur hier ist Malaiisch tatsächlich die mehrheitliche Umgangssprache. In Indonesien hingegen ist Englisch wenig verbreitet (Ausnahme Touristengebiete) und die Bahasa Indonesia ist für viele eine Zweitsprache, die von den Älteren ohne Schulbildung und von Menschen in entlegenen Gebieten gar nicht verstanden wird.

Aussprache

Malaiisch (Malaysisch/Indonesisch) ist für Deutschsprechende ausgesprochen einfach zu lernen. Die Aussprache ist unproblematisch, da sie der deutschen sehr ähnelt. Einige Unterschiede in der Aussprache:

  • c – wie deutsch „tsch“
  • e – der wohl schwierigste Buchstabe, denn er bezeichnet zwei unterschiedliche Laute: manchmal wird e wie das letzte e von „Ende“ [ə] gesprochen oder ganz verschluckt; es entspricht in etwa dem Schwa-Laut im Hebräischen, im Deutschen entspricht es am ehesten dem kurzen offenen ö, wie wir es im Wort „Böller“ vorfinden; daneben gibt es Wörter, in denen es als ein offenes e [ɛ] wie in „Nest“, „Geld“ ausgesprochen wird – in vielen Lehr-und Wörterbüchern wird das offene e zur Unterscheidung mit einem Akut (é) bezeichnet.
  • h – [h] am Wortanfang immer gesprochen, in der Mitte manchmal und am Ende nur leicht gehaucht [ʰ]
  • j – wie dsch in „Dschungel“ oder j in „Job“)
  • k – [k] nicht behaucht, wie in „Kind“. Am Ende eines Wortes manchmal auch nur durch ein unterdrücktes Ausklingen (Stakkato, phonetisch: Knacklaut) der letzten Silbe, angedeutet. (zum Beispiel „nggak“ [ŋgaʔ]: Slang für „nein“ – das 'k' wird nicht gesprochen, aber das 'a' betont abgebrochen / kurz)
  • kh – [x] wird wie ch in „Lachen“ gesprochen
  • ng – [ŋ] wie in „Menge“
  • ngg – [ŋg] wie in „Tango“
  • ny – [ɲ] wie in „Kampagne“
  • r – [r] mit der Zunge gerolltes r
  • s – [s] immer scharf, also wie ss oder ß im Deutschen
  • sy – [ɕ] schwaches sch wie in „schämen“
  • w – [w] wie das englische w in „water“
  • y – [j] j wie „ja“
  • z – [z] stimmhaftes s wie in „Besen“


Konsonanten
  bilabial labio-
dental
alveolar post-
alveolar
palatal velar glottal
Plosive p b   t d     k g ʔ
Affrikaten     t͡ʃ d͡ʒ      
Nasale m   n   ɲ ŋ  
Vibranten     r        
Frikative   (f) (v) s (z)   x  
Approximanten w       j    
Laterale     l        

Die Laute in Klammern tauchen nur in Lehnwörtern auf.

Monophthonge
  vorne zentral hinten
geschlossen i   u
mittel e ə o
offen   a  

Grammatik

Die indonesische und malaiische Sprache ist eine überwiegend isolierende Sprache, das heißt es gibt keine Deklination, keine Konjugation und nur sehr wenig Verbflexion und Derivation. Auch gibt es keinen Artikel. Ein grammatisches Geschlecht gibt es nur in wenigen, aus dem Sanskrit entlehnten Wörtern (z. B.: putra = der Sohn, putri = die Tochter bzw. putera = der Sohn, puteri = die Tochter im Indonesischen).

Plural

Ein einzelnes Nomen kann sowohl singularische als auch pluralische Bedeutung haben, der Plural kann jedoch auch fakultativ durch Verdopplung oder durch Zahl bzw. andere Wörter, aus deren Kontext der Plural bereits hervorgeht, besonders gekennzeichnet werden:

  • orang (Mensch/Menschen), orang-orang (Menschen), dua orang (zwei Menschen), guru (der Lehrer/die Lehrer), para guru (die Lehrer – die Lehrerschaft). Bei einigen Verdopplungen bekommt das Wort jedoch eine neue Bedeutung z. B. mata = Auge, mata-mata = Polizist.

Bei der Verwendung von Zahlwörtern werden oft zusätzlich Klassifikatoren gebraucht, jedoch bei informellen Gesprächen meist nicht. So benutzt man:

  • für zwischen kirsch- und melonengroße Gegenstände buah (Bed.: „Frucht“) z. B. dua buah kelapa (zwei Kokosnüsse)
  • für Tiere ékor (Bed: Schwanz) z. B. empat ékor ayam (vier Hühner)
  • für Menschen orang (Bed: Mensch) z. B. sembilan orang jérman (neun Deutsche)
  • für Papier lembar oder helai (beide Bed: Blatt) z. B. satu lembar kertas (ein Blatt Papier), verkürzt auf selembar kertas.
  • für kleine, runde Gegenstände biji (Bed: Kern) z. B. sepuluh biji batu (zehn (kleine, runde) Steinchen)
  • für lange, stabähnliche Gegenstände batang (Bed: Stab) z. B. tujuh batang rokok (sieben Zigaretten)

Tempus

Alle Zeitenformen werden nicht durch Veränderungen des Verbs, sondern durch zusätzliche Adverbien oder Hilfsverben ausgedrückt.

  • Ich schreibe gerade einen Brief: Saya sedang menulis surat (wörtlich: Ich gerade schreiben Brief)
  • Gestern schrieb ich einen Brief: Kemarin saya menulis surat (wörtlich: Gestern ich schreiben Brief)
  • Morgen werde ich einen Brief schreiben: Bésok saya akan menulis surat (wörtlich: Morgen ich werden schreiben Brief)
  • Ich werde einen Brief schreiben: saya akan menulis surat (wörtlich: ich werden schreiben Brief)
  • Ich habe den Brief schon geschrieben: Saya sudah menulis surat (wörtlich: ich schon schreiben Brief)

Man erkennt, dass sich das Verb „menulis“ (schreiben) in keiner Form ändert. Der zeitliche Zusammenhang wird ausschließlich durch die Adverbien oder Hilfsverben (hier: akan = werden) ausgedrückt.

Wortbildung

Vor- und Nachsilben können auch die Bedeutung der Worte – ähnlich wie auch im Deutschen – verändern. In einigen Formen werden dabei bestimmte Anlaute assimiliert.

Beispiel: Wortstamm: tulis (schreiben)

  • menulis: schreiben (aktive Verbform) – hier fällt das t weg.
  • ditulis: geschrieben (passive Verbform)
  • penulis: Schreiber/Schriftsteller (jemand, der schreibt)
  • menulisi: beschreiben, beschriften (im Sinne von auf etwas schreiben)
  • ditulisi: beschrieben werden (im Sinne von mit Schrift versehen werden)
  • menuliskan: (etw.) aufschreiben.
  • dituliskan: aufgeschrieben werden
  • tertulis: aufgeschrieben; schriftlich (Zustandspassiv)

Assimilationsregeln

Die Assimilation erfolgt nach eindeutigen Regeln abhängig vom ersten Laut des Stammwortes und der Vorsilbe. Die Vorsiben me- und pe- folgen denselben Assimilationsregeln, während auf die Silben di-, ke-, memper- und se- keine Assimilation erfolgt. Hier die Regeln dargestellt anhand der Vorsilbe me- mit Beispielen, die Assimilation der Vorsilbe pe- erfolgt entsprechend.

me → mem
b : baca → membaca (lesen), → pembaca (Leser)
p (p fällt weg!): pesan → memesan (bestellen)
me → meny
s (s fällt weg!): séwa → menyéwa (mieten)
me → men
c: cari → mencari (suchen)
d: dengar → mendengar (hören)
j: jual → menjual (verkaufen)
t (t fällt weg!): tari → menari (tanzen)
me → meng
alle Vokale: ambil → mengambil (nehmen, holen), elak → mengelak (ausweichen)
g: gambar (Bild, Zeichnung) → menggambar (zeichnen)
h: hitung → menghitung (zählen)
k (k fällt weg!): kirim → mengirim (schicken)
me → me
alle anderen: larang → melarang (verbieten)

Anwendung des Stammwortes und der assimilierten Form

Da indonesische Wörterbücher häufig nach den Wortstämmen sortiert sind, ist es hilfreich, anhand dieser Regeln von einem Wort auf dessen Stamm schließen zu können. Auch in Nebensätzen, in denen ein Verb in einer dem passiv ähnlichen Art und Weise verwendet wird, benutzt man im indonesischen den Stamm des Wortes. Beispiel: surat yang saya tulis … = Der Brief, den ich schrieb, … (Erläuterung: Da es im Indonesischen keine Deklinationen gibt, wird das Relativpronomen ‚yang‘ allein durch seine Stellung quasi zum Subjekt des Nebensatzes und demzufolge ist dann die Verwendung des Verbs passivisch – der Brief wurde geschrieben – auch wenn es im Deutschen anders ausgedrückt wird. Diese grammatische Eigenheit ist für an Deklinationen gewöhnte Sprecher oft schwer nachzuvollziehen, weil die fehlende Deklination beim Übersetzen automatisch eingesetzt wird.)

Schrift

Üblichste Schrift für die malaiische Sprache ist eine Lateinschrift. Eine Rumi genannte Variante hat in Malaysia, Brunei und Singapur offiziellen Status, Indonesien hat eine davon abweichende Latein-Orthographie. In Brunei ist eine Abwandlung der arabischen Schrift, genannt Jawi, kooffiziell.

Wortschatz

  • Selamat pagi!: Guten Morgen! (Selamat: gut/gesegnet, pagi: Morgen/morgens )
  • Selamat malam!: Guten Abend! (malam: Abend/abends – pada malam: am Abend )
  • Selamat datang!: Willkommen! (datang: kommen)
  • Selamat makan!: Guten Appetit! (makan: essen)
  • Selamat jalan!: Gute Reise! (wörtlich: gute Straße! / guten Weg!)
  • Sampai jumpa lagi Auf Wiedersehen (wörtlich: Bis treffen wieder)
  • Apa khabar/kabar?: Wie geht’s? (wörtlich Was [sind die] Neuigkeiten?)
  • Terima kasih!: Danke! (wörtlich Nehmen – Geben oder auch annehmen Liebe)
  • Khabar/kabar baik!: Es geht gut! (wörtlich „Nachricht gut“)
  • hati-hati!: pass auf Dich auf! oder Sei vorsichtig!
  • orang: Mensch
    • orang utan: [malaiisch: Orang Utan] (wörtlich Waldmensch)
    • orang Jérman: Deutsche(r) („Mensch deutsch“)
    • orang asli: Eingeborener (wörtlich Mensch echt/ursprünglich)
    • orang asing: Fremder (wörtlich Mensch fremd)
  • Ya: ja
  • tidak: nein/nicht (Verneinung von Tätigkeiten und Eigenschaften)
    • tak, ngga(k): Slangformen von Nein (wie oder Nee)
    • Saya tidak mau: ich möchte nicht (wörtlich ich nicht wollen)
  • bukan: nicht/kein (Verneinung von Nomen)
    • Saya bukan orang Inggris, saya orang Jérman: Ich bin kein Engländer, ich bin Deutscher
  • belum: noch nicht
    • Saya belum menikah/kawin: Ich bin noch nicht verheiratet (wörtlich ich noch-nicht heiraten)
  • sudah: schon
    • Saya sudah menikah/kawin: Ich bin schon verheiratet (wörtlich ich schon heiraten)
  • Jangan!: Nicht! (im Sinne von tu das nicht oder lass das)
    • Jangan datang!: komme nicht!
  • ini/itu: dieses/jenes
    • Saya mau ini: ich möchte dieses
  • makan/minum/tidur/pergi/mengerti: essen/trinken/schlafen/gehen/verstehen
    • Saya mau makan: Ich möchte essen
    • sudah makan (kah)?: schon gegessen?
  • Awak boleh pergi makan tengah hari dengan saya?: Gehst Du mit mir Mittagessen?
    • makan tengah hari: Mittagessen makan malam Abendessen
    • Saya belum mengerti/paham: Ich verstehe noch nicht
    • mengerti? paham?: verstanden?
  • berapa?: wie viel?
    • Berapa harganya? : Was kostet dieses? (wörtlich: Wie viel Preis dieses)
  • 0,1,2,3,4,5,6,7,8,9,10: kosong, satu, dua, tiga, empat, lima, enam, tujuh, (de)lapan, sembilan, sepuluh
  • 11, 12, 13, 14, …: sebelas, dua belas, tiga belas, empat belas, …
  • 20, 21, 22, 23, …: dua puluh, dua puluh satu, dua puluh dua, dua puluh tiga
  • 100,1000,10000,100000,1000000: seratus, seribu, sepuluh ribu, seratus ribu, satu juta

Sprachbeispiel

Sukarnos indonesische Unabhängigkeitserklärung (indonesisch).[2]:

Proklamasi
Kami, bangsa Indonesia, dengan ini menyatakan kemerdekaan Indonesia.
Hal-hal yang mengenai pemindahan kekuasaan dan lain-lain, diselenggarakan dengan cara saksama dan dalam tempo yang sesingkat-singkatnya.
Jakarta, tujuh belas Agustus, seribu sembilan ratus empat puluh lima.
Atas nama bangsa Indonesia,
Sukarno/Hatta.

Übersetzung: Wir, das indonesische Volk, erklären hiermit die Unabhängigkeit Indonesiens. Angelegenheiten, die Machtübertragung und andere Dinge betreffen, werden möglichst sorgfältig zeitnah behandelt./ JAKARTA, 17 AUGUST 1945 / Im Namen des indonesischen Volkes / Sukarno/Hatta

Sprachregulierung

Malaiisch wird reguliert durch:

  • Déwan Bahasa dan Pustaka (Hall of Language and Scripture)

Indonesisch wird reguliert durch:

  • Pusat Pembinaan dan Pengembangan Bahasa

Literatur

  • Erich-Dieter Krause: Lehrbuch der indonesischen Sprache. 6. Auflage. Buske, Hamburg 2004. ISBN 3-87548-328-6
  • Reni Isa: Bahasa Indonesia. Ein Arbeitslehrbuch. Percakapan, Contoh Kalimat dan Keterangan, Latihan. Taschenbuch. Regiospectra, Berlin 2007. ISBN 3-940132-01-2
  • Harald Haarmann: Kleines Lexikon der Sprachen. Von Albanisch bis Zulu. C.H. Beck, München 2001. ISBN 3-406-47558-2
  • Hans Kähler: Grammatik der Bahasa Indonesia. 3., revidierte Auflage. Wiesbaden 1983. ISBN 3-447-02345-7
  • Yohanni Johns: Bahasa Indonesia – Introduction to Indonesian Language and Culture. Periplus, London 1987, 1990. ISBN 0-945971-56-7
  • Bernd Nothofer, Karl-Heinz Pampus: Bahasa Indonesia. Indonesisch für Deutsche. 2 Teile. Wörterverzeichnis. J. Groos, Heidelberg 1992, 1996. ISBN 3-87276-831-X
  • Frank D. Wickl: Das Klassifikatorensystem der Bahasa Indonesia. Abera, Hamburg 1996. ISBN 3-934376-02-9

Weblinks

Belege

  1. Direcção Nacional de Estatística: Population Distribution by Administrative Areas Volume 3 English (Zensus 2010)
  2. Youtube-Video mit Originalton Sukarnos

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