MOVE


MOVE

Move (MOVE) ist eine 1972 von Vincent Leaphart (1931–1985)[1], alias John Africa, und Donald Glassy – ein weißer Graduierter der Universität Pennsylvania[2] − gegründete afro-amerikanische, politische und nach eigenem Bekunden "der Natur verbundene" Organisation, die erstmals in Philadelphia, Pennsylvania, USA in Erscheinung trat. Die Mitglieder trugen den angenommenen Nachnamen „Africa“. Äußerlich waren sie durch ihren Dreadlock-Haarschnitt charakterisiert, der anfangs noch teils als provozierend für die weiße Oberschicht betrachtet wurde. In den Anfangsjahren richteten sich ihre Aktivitäten vor allem gegen die „Korruption des Systems“. Ebenso setzten sie sich für Kinder- und Tierrechte ein. Im Gegensatz zur Norm der Gesellschaft kompostierten sie ihren Müll, vermieden den Einsatz technischer Gerätschaften und unterrichteten ihre Kinder zu Hause (Hausunterricht). Ausgelöst durch das brutale Durchgreifen der Polizei radikalisierte sich die Gruppe früh.[2]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Herkunft und Ansichten

MOVE wurde im Jahr 1972 als Christian Movement for Life vom charismatischen Führer Vincent Leaphart alias John Africa gegründet. Africa, ein funktionaler Analphabet, diktierte dem graduierten Studenten Donald Glassey ein Dokument, dass als The Guideline bekannt wurde. Darin befürwortete er eine Rückkehr zu einer Gesellschaft von Jägern und Sammlern und lehnte wissenschaftlichen, technischen und medizinischen Fortschritt ab. Seine Anhänger nahmen nach seinem Vorbild den Nachnamen Africa an, um ihrem Mutterkontinent den Respekt zu erweisen und trugen ihr Haar in Dreadlocks. 1973 kaufte Glassey ein Haus in Powelton Village, einem alternativen Stadtviertel in Philadelphia. John Africa und andere MOVE Mitglieder bildeten dort eine Kommune.

Aktivitäten vor 1978

Ab 1975 häuften sich Anwohnerbeschwerden über Müllansammlungen, Fäkaliengeruch, Rattenplagen und Verstößen gegen die Bauvorschriften. MOVE kompostierte Müll und menschliche Ausscheidungen im Hinterhof des Hauses. Aufgrund ihrer Position zu Tierrechten sahen sie es als moralisch falsch an, Ungeziefer zu töten. Im März 1976 kam es zu einem nächtlichen Zusammenstoß mit Polizisten am Haus. Laut Angaben von MOVE wurden dabei Mitglieder brutal geschlagen und unter anderem die dreiwöchige Life Africa durch Polizeibrutalität getötet. Als Beweis wurden Journalisten und Stadtvertreter in das Haus eingeladen und der Leichnam des Kindes präsentiert.[3] Laut einer Aussage des ehemaligen MOVE Mitglieds Valerie Brown, durch ihren Anwalt kurz nach den Ereignissen 1985 (s.u.), starb Life Africa durch "natürliche Umstände", die möglicherweise nicht eingetreten wären, wenn MOVE an moderne Medizin geglaubt hätte, und sie nutzten den Tod des Kindes für politische Zwecke gegen die Polizei."[4] MOVE lehnte eine Obduktion des Leichnams ab. Ab September 1976 begannen MOVE Mitglieder Waffen und Bomben zu horten sowie das Haus zu verbarrikadieren. Nachdem 1977 städtischen Inspektoren der Zugang zum MOVE Haus gerichtlich erlaubt wurde, erschienen MOVE Mitglieder mit Schrotflinten, Gewehren und Pistolen vor ihrem Haus, teils in Khakiuniformen.[5]

Schießerei 1978

Nach dem Scheitern von weiteren Verhandlungen wurde das Haus in Powelton Village im August 1978 von 300 Polizisten und Feuerwehrmännern umstellt. Bei der darauf folgenden Schießerei wurde ein Polizist, James Ramp, getötet und sieben weitere Polizisten, fünf Feuerwehrleute, drei MOVE-Mitglieder, sowie drei Unbeteiligte verletzt. Laut MOVE hatte die Polizei zuerst geschossen und Ramp durch eigenen Beschuss getötet, laut Polizei und dem größten Teil der anwesenden Presse kamen die ersten Schüsse aus dem MOVE-Haus. Kameraaufnahmen zeigen Polizisten, die Delbert Africa schlagen und treten, während sie ihn aus dem Haus zerren. John Africa ist bei der Konfrontation nicht anwesend. Im Anschluss an die Konfrontation wird das Haus sofort planiert. Laut Angaben der Behörden wollte man hierdurch verhindern, dass MOVE sich dort erneut verschanzt. MOVE sieht im Abriss des Hauses eine absichtliche Vernichtung von Beweisen.

Neun MOVE-Mitglieder wurden für den Tod des Polizisten zu Haftstrafen zwischen 30 und 100 Jahren verurteilt. Laut des in diesem Prozess vorgelegten ballistischen Gutachtens, kam die Kugel, die Ramp tötete, aus einem Gewehr, dass kurz zuvor von Phil Africa gekauft worden war und im MOVE Haus gefunden wurde. Eine der "MOVE Nine", Merle Africa, starb seitdem im Gefängnis eines natürlichen Todes. Für sieben Verurteilte sind seit 2008 Bewährungsanhörungen zugelassen, die zunächst verweigert wurden, aber jährlich wiederholt werden. Laut John Africa werde keine Sportmannschaft aus Philadelphia je einen Titel gewinnen so lange die "Move Nine" nicht freigelassen werden.[6]

Bombenabwurf 1985

1981 verlegte MOVE die Kommune schließlich in ein Reihenhaus in der Osage Avenue in einem anderen Bereich von West Philadelphia. Am 13. Mai 1985 sollte schließlich auch dieses geräumt werden, laut Aussage der Polizei als Reaktion auf monatelange Beschwerden der Anwohner über die politischen Reden, und außerdem wegen der Gesundheitsgefährdung durch die menschlichen Exkremente auf den Komposthaufen. Zunächst wurden Tränengasgranaten in das Gebäude geworfen und das Dach mit zwei Wasserwerfern beschossen. Auf dem Dach war durch MOVE eine Art Bunker errichtet worden, aus dem auf die Polizei und Feuerwehr geschossen wurde. Nachdem durch einen intensiven Schusswechsel in den folgenden zwei Stunden keine Aufgabe in Sicht war, ließ man eine 2 kg C4 Sprengladung von einem Helikopter aus auf das Dach abwerfen. Durch die Explosion fing das Haus und schließlich der gesamte Block Feuer, wodurch letztlich 65 Wohnhäuser zerstört wurden. Elf MOVE-Mitglieder, darunter der Gründer John Africa, fünf Kinder, sowie fünf weitere Erwachsene, starben im Feuer, Ramona Africa und ein Kind entkamen.

Bürgermeister Wilson Goode setzte schon bald danach eine Untersuchungskommission ein, die allgemein als MOVE-Kommission bekannt wurde. In deren am 6. März 1986 veröffentlichtem Report wurde der Abwurf der Sprengladung über einem bewohnten Reihenhaus als "skrupellos" bezeichnet. In einer Zivilklage vor einem Bundesgericht wurde 1996 die Stadt Philadelphia zur Zahlung von 1,5 Mio. Dollar an eine Überlebende und zwei Angehörige verurteilt. Die Geschworenen befanden, dass die Stadt unangemessene Gewalt zur Räumung des Hauses eingesetzt hätte.

Mord an John Gilbride 2002

John Africas Witwe, Alberta Africa, hatte nach dessen Tod John Gilbride Jr geheiratet und mit diesem circa 1996 ein Kind, Zachary Africa. 1999 reichte Gilbride die Scheidung ein. In einem darauf folgenden Sorgerechtsstreit wurde ihm schließlich 2002 das teilweise Sorgerecht für seinen Sohn zugesprochen, wodurch ihm unbeaufsichtigte Besuche erlaubt waren. MOVE kündigte an, sich diesem Urteil mit aller Macht widersetzen zu wollen und verbarrikadierte erneut das Haus. Wenige Stunden vor seinem ersten Besuch bei seinem Sohn, wurde Gilbride von einem unbekannten Angreifer durch eine Schnellfeuerwaffe getötet. Der Fall ist nach wie vor nicht aufgeklärt. Ursprünglich hatte MOVE behauptet, die Regierung habe Gilbride hinrichten lassen um den Mord MOVE zuzuschieben, 2009 äußerte jedoch Alberta Africa die Ansicht, Gilbride sei am Leben und verstecke sich irgendwo.

Derzeitige Aktivitäten

Ramona Africa ist die momentane Sprecherin der Gruppe und hält Vorträge bei linken Veranstaltungen in den USA und in anderen Ländern. Darüber hinaus versucht die Gruppe die Freilassung des MOVE Sympathisanten Mumia Abu-Jamal zu erreichen, der seit 1981 für den Mord an dem Polizisten Daniel Faulkner in der Todeszelle einsitzt. Dessen Unterstützergruppe Concerned Friends and Relatives of Mumia Abu-Jamal wird vom Gruppenmitglied Pam Africa geleitet.

Weblinks


Einzelnachweise

  1. Wagner-Pacifici, R.E.:Discourse and Destruction: The City of Philadelphia versus MOVE. Chicago 1996
  2. a b Nicola, L.R., Thornburg, T., Muncie, I.: Injustice in America: The city of Philadelphia's handling of the MOVE organization. 1991
  3. http://www.angelfire.com/ga/dregeye/move.html Auszug aus "25 years on the MOVE"
  4. http://antimove.blogspot.com/2005/03/what-is-truth-about-what-happened-to.html
  5. http://www.philly.com/dailynews/special/MOVE_through_the_years.html
  6. http://www.philly.com/philly/news/20100507_The_madness_of_MOVE_continues.html

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