Lothar Kreuz


Lothar Kreuz

Lothar Kreuz (* 9. September 1888 in Berlin; † 24. Januar 1969 in Stuttgart) war Orthopäde, Sanitätsoffizier und letzter Rektor der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Kreuz studierte in Berlin und Halle (Saale). Dort schloss er sich den Corps Normannia Berlin (1908) und Borussia Halle (1910) an.[1] Er meldete sich nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs freiwillig als frisch examinierter Arzt am 2. August 1914 zum Füsilier-Regiment „General-Feldmarschall Graf Blumenthal“ (Magdeburgisches) Nr. 36. Als Unterarzt der Reserve kam er mit dem Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 272 ins Feld. Er beendete als Oberarzt der Reserve (seit 3. November 1917) den Krieg.

Am 15. Dezember 1918 ging er an die Orthopädische Universitätsklinik der Charité in Berlin und war seit dem 15. Februar 1919 als Assistenzarzt tätig. Er promovierte am 3. Februar 1921 zum Dr. med.[2] und wurde nach der Habilitation am 26. Juli 1926 Privatdozent an der Charité. Seit 2. April 1927 Oberarzt, wurde er 1930 a. o. Professor an der Universität Berlin und zugleich Leiter der Orthopädischen Abteilung des Städtischen Krankenhauses Berlin-Britz.

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten trat er 1933 der NSDAP [3] sowie am 26. April 1933 der SS bei. 1935 ging er als Professor nach Königsberg.

Ab 1936 wirkte er an einem DFG-Forschungsprojekt über die Erbbiologische Bedeutung der angeborenen Miß- und Fehlbildungen mit.[3]

Kreuz war ab 1938 medizinischer und orthopädischer Berater des Heeres. In gleicher Funktion war er auch beim Ausbildungsstab der SS-Sanitätsabteilung III und im wissenschaftlichen Stab des SS-Hauptamtes tätig. 1940 wurde er vom Ersatztruppenteil Reserve-Lazarett Kompanie 113 Berlin-Dahlem zum Feldheer entsandt. Am 1. August 1944 wurde er zum Generalarzt der Reserve ernannt.

Von 1942 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 war Kreuz der letzte Rektor der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin. In seiner Antrittsrede als Rektor sagte er unter anderem: „Kameraden, der Führer hat uns die Tore zu einem neuen Zeitalter aufgetan“.[4] Kreuz bekleidete seit 1. September 1943 den Rang eines SS-Standartenführers.[3] Am 18. August 1942 ernannte ihn Adolf Hitler zum Mitglied des Wissenschaftlichen Senats des Heeressanitätswesens.[3] 1944 wurde er Beirat des Generalkommissars für das Sanitäts- und Gesundheitswesen Karl Brandt.[3]

Von Juni 1945 bis 1946 war Kreuz in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft.

1948 wurde er Oberarzt in der Chirurgie des Universitätsklinikums Tübingen, 1949 Ehrenprofessor und seit 1952 Direktor der orthopädischen Klinik und Ordinarius für Orthopädie an der Universität Tübingen. 1964 wurde er emeritiert.

Auszeichnungen

Werke

  • Begegnungen mit Aphrodite: eine psychologische Studie zur Genetik des Schönen, 1964

Literatur

  • Dermot Bradley: Die Generale des Heeres 1921-1945 Band 7 Knabe-Luz; Biblio Verlag, Bissendorf 2004; ISBN 3-7648-2902-8, S.215-216.
  • Michael Grüttner: Biographisches Lexikon zur nationalsozialistischen Wissenschaftspolitik, Synchron Wissenschaftsverlag der Autoren, Heidelberg 2004, ISBN 978-3935025683, S. 98f.

Einzelnachweise

  1. Kösener Corpslisten 1960, 5, 347; 96, 535
  2. Dissertation: Zur intrapelvinen extraperitonealen Resection der Nervus obturatorius
  3. a b c d e Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, S. 340.
  4. Zitat bei Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Fischer Taschenbuch 2005, S. 340.

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