Local Control Network


Local Control Network

Local Control Network (abgekürzt LCN) ist ein universelles Gebäudeautomationssystem, welches vorwiegend in Wohn- und Zweckbauten zum Einsatz kommt. Seit seiner erstmaligen Vorstellung an der Industriemesse in Hannover im Jahre 1992 wird LCN in Objekten unterschiedlichster Nutzung und Komplexität eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Von der konventionellen Elektroinstallation zur modernen Gebäudeleittechnik

Verbundene Systeme bilden ein Netzwerk

In der Gebäudeinstallation wird heutzutage überwiegend noch konventionell verdrahtet. Die einzelnen Verbraucher und Geräte eines Gebäudes sind deshalb völlig eigenständig und lediglich getrennt voneinander ansteuerbar. Ganz anders in der Automobilindustrie: Hier sind Leitsysteme als selbstverständlicher Bestandteil von modernen Autos bereits heute Normalität. Sämtliche Verbraucher innerhalb von modernen Automobilen sind untereinander vernetzt.

Die Gebäudeleittechnik steht heute am Anfang einer ähnlichen Entwicklung. Die zunehmend höheren Anforderungen der Gebäudenutzer an Komfort, Sicherheit, Flexibilität und an eine effiziente Energienutzung werden diese Entwicklung beschleunigen. Ein Gebäude muss in Zukunft einfach und schnell an die unterschiedlichsten Nutzerbedürfnisse anpassbar sein. Deshalb werden in der modernen Gebäudeautomation die einzelnen Verbraucher und Systeme miteinander zu einem leistungsfähigen Computernetzwerk vernetzt.

Herkunft

LCN ist ein proprietäres Gebäudeleitsystem, welches vom deutschen Hard- und Software-Entwicklungs-Unternehmen Issendorff KG entwickelt wird. Seit seiner Entstehung waren der typische Einsatz im Wohn- und Zweckbau sowie die Einbettung des Systems in die konventionelle Elektroinstallation zentrale Anforderungen an die Funktionsweise und den Aufbau von LCN. Seit dem Start der serienmäßigen Produktion im Jahre 1993 wurde LCN kontinuierlich weiterentwickelt. Die LCN-Technologie verfügt auch heute noch über freie Kapazitäten, um neuen und zukünftigen, heute noch nicht absehbaren Anforderungen gerecht zu werden.

Anwendungen

LCN als universelles Bussystem übernimmt vielseitige Anwendungen der Gebäudeleittechnik. Da es eine Verdrahtung mit vier Leitern erfordert, ist es für den Neubau konzipiert. Eine Nachrüstung ist nur mit erhöhtem Aufwand möglich. Typischerweise wird es zur automatischen Licht-, Rollladen- oder HLK-Steuerung, für Überwachungsaufgaben, für zeit- oder gruppenweise Abläufe sowie zur Fernsteuerung und Visualisierung von Gebäuden eingesetzt. Dank des modularen und flexiblen Aufbaus kann LCN auch für unkonventionelle Anwendungen wie Besuchsanzeigen, komplexe Temperatur- und Energiesparfunktionen, intelligente Fenstersteuerungen usw. eingesetzt werden. LCN wird auch an externe Steuerungen wie Brand-, Wetter- oder Mediensysteme sowie an verschiedene weitere Kommunikationsstandards angekoppelt.

Mit einem LCN-Modul lässt sich eine Einzelraumregelung realisieren

Modularer Bausatz dank Modulen und Peripherie-Bausteinen

LCN ist ein dezentral organisiertes Netzwerk von intelligenten Mikrocomputern, den „LCN-Modulen“. Sämtliche verfügbaren LCN-Module sind hinsichtlich Intelligenz und Leistungsfähigkeit absolut identisch und demzufolge auf die gleiche Art und Weise programmierbar. Somit unterscheidet sich LCN grundsätzlich von hierarchisch aufgebauten Systemen, welche von einem übergeordneten Rechner (z. B. SPS, DDC-GA) gesteuert werden. Die einzelnen LCN-Module unterscheiden sich lediglich bezüglich der Bauform und bezüglich der Hardwareausstattung: So stehen beispielsweise zwei verschiedene Bauformen der LCN-Module für den zentralen Einsatz in der Verteilung sowie für den dezentralen Einsatz in Unterputz- oder Abzweigdosen zur Verfügung.

Jedes Modul verfügt über zwei unabhängig voneinander ansteuerbare, dimmbare Ausgänge. Zusätzlich kann jedes Modul mit einer Palette von Ergänzungskomponenten wie Sensoren, Tastern, Aktoren, Kopplern usw. ergänzt werden. Dadurch sind LCN-Module flexibel und für vielseitige Anwendungen einsetzbar: z. B. im autarken Einsatz als leistungsfähige Licht-/Heizungssteuerung eines einzelnen Raumes oder als Bestandteil eines vernetzten Verbundes von mehreren Modulen für die Steuerung und Visualisierung von Licht, Rollladen, Heizung, Raumüberwachung im Wohnbau bis hin zum integrierten Teilnehmer von umfangreichen Großprojekten im industriellen Bereich.

Das Herz des LCN-Systems ist das LCN-Modul. Verschiedene Bauformen stehen für unterschiedliche Anforderungen wie z. B. den Einsatz in Niederspannungsumgebungen oder für Hochleistungsanwendungen zur Verfügung. Jedes LCN-Modul kann als Sensor und Aktor zugleich eingesetzt werden.

Kommunikation

Die einzelnen LCN-Module werden über einen zusätzlichen Installationsdraht (den Datendraht) miteinander verbunden. Dieser Draht wird genau gleich behandelt wie jeder andere Starkstromdraht, obwohl er nur Niederspannung führt. Für die Kommunikation zwischen den Modulen wird der Neutralleiter als Rückleiter genutzt. Damit ist ein LCN-Modul durch direkten Anschluss an Phase, Neutralleiter und Datendraht vollständig in ein LCN-Netzwerk eingebunden und zur Kommunikation bereit. Aus diesem Grund entfällt der Aufbau eines unabhängigen Niederspannungsnetzes für die Datenübertragung.

Topologie

Mit LCN können unter Einhaltung gewisser Maßnahmen beim Übergang zwischen Sicherungs- und FI-Schutzgruppen beliebige Topologien realisiert werden. Bis maximal 250 Module können dann in der untersten Busebene in beliebiger Struktur (sternförmig, linien- oder baumförmig) über den Datendraht miteinander verbunden werden. Dieser Busverband wird auch als ein Segment bezeichnet. Bei großen LCN-Projekten mit mehr als 250 Modulen oder bei Unterteilung des Busses zur besseren Übersicht können bis maximal 120 Segmente miteinander verbunden werden. Damit kann ein LCN-System im Maximalausbau bis zu 30.000 Module umfassen.

Programmierung (Software)

Die Programmierung von LCN erfolgt durch den qualifizierten Elektroinstallateur mit Hilfe der LCN-Programmiersoftware, welche auf einem PC oder Laptop installiert wird. Der PC wird über den LCN-Koppler an beliebiger Stelle im LCN-Netzwerk angeschlossen. Die Busparametrierung befindet sich nicht nur im Bus, sondern auch als Projektkopie auf dem Rechner. Projekte können deshalb auch unabhängig vom LCN-System geschrieben und anschließend ins LCN-Netzwerk übertragen werden.

Das LCN-System ist abwärtskompatibel: Dies bedeutet, dass die neusten Versionen der LCN-Soft- und -Hardware jeweils mit den ältesten LCN-Komponenten zusammenarbeiten.

Siehe auch

Weblinks


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