Antiochos IV.

Antiochos IV.
Münze mit dem Abbild Antiochos IV. Auf der Rückseite Apollon auf einem Omphalos. Die griechische Aufschrift lautet ΑΝΤΙΟΧΟΥ ΘΕΟΥ ΕΠΙΦΑΝΟΥ ΝΙΚΗΦΟΡΟΥ (Antiochos, der erschienene Gott, der Siegreiche).

Antiochos IV. Epiphanes (griech. der Erschienene (Gott); * um 215 v. Chr.; † 164 v. Chr.) war ein König aus der Dynastie der Seleukiden. Er war der jüngste Sohn des Antiochos III. und der Laodike von Pontos. Laut Diodor galt Antiochos als mächtigster König seiner Zeit.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Als eine der Bedingungen des Friedens von Apameia 188 v. Chr. musste Antiochos von seinem Vater als Geisel nach Rom entsandt werden. Dort lebte er vierzehn Jahre lang, bis er 178 v. Chr. gegen seinen Neffen Demetrios ausgetauscht wurde.

Antiochos lebte danach mehrere Jahre in Athen, bis er mit der Hilfe der Attaliden als Gegenprätendent zu seinem Bruder Seleukos IV. aufgebaut wurde. Noch bevor er die Grenze zum Seleukidenreich erreicht hatte, wurde Seleukos IV. ermordet. Antiochos konnte dadurch 175 v. Chr. kampflos die Macht übernehmen, indem er sich zum Vormund seines gleichnamigen Neffen erklärte, dessen Mutter heiratete und den Mörder seines Bruders, Heliodoros, hinrichten ließ. Laut Appian (Syriake 45) erhielt er dafür von der Bevölkerung Syriens den Beinamen epiphanes („der Erscheinende“) verliehen, da er sich durch die Beseitigung des Usurpators als rechtmäßiger König erwiesen habe. Antiochos ließ sich daraufhin als theos epiphanes („erscheinender Gott“) propagieren und verdrängte seinen Neffen, für den er eigentlich nur stellvertretend regieren sollte, aus der Herrschaft. Der gewaltsame Tod des Neffen im Jahr 170 v. Chr. ging vermutlich auf seine Veranlassung zurück.

Antiochos IV. sicherte seine Herrschaft nach außen durch aufwendige Geschenke und Stiftungen an hellenische Mächte wie Pergamon und Rhodos sowie mehrerer Griechenstädte ab. Unter anderem veranlasste er in Athen den Bau des monumentalen Olympieiontempels. Auch von Rom wurde seine Herrschaft anerkannt, was 173 v. Chr. in einen Freundschaftsvertrag mündete, indem Antiochos die noch auszustehenden Zahlungen aus dem Frieden von Apameia beglich und die gegen Makedonien gerichtete Politik Roms unterstützte.

169/168 v. Chr. war Antiochos erfolgreich in den sechsten syrischen Krieg gegen Ägypten verwickelt. Nach einem Sieg bei Pelusium konnte er das ganze Nildelta besetzten und Alexandria belagern. Der Sturz der beiden Könige Ptolemaios VI. und Ptolemaios VIII. und die Vereinigung Ägyptens mit Syrien schien greifbar nahe. Dies führte allerdings zu einer Intervention Roms, das die Bildung eines hellenischen Großreiches nicht akzeptieren wollte. Auf eine demütigende und ultimative Art und Weise wurde Antiochos am so genannten „Tag von Eleusis“ von einem römischen Gesandten zum Rückzug aus Ägypten aufgefordert. Um ein militärisches Eingreifen Roms, welches kurz zuvor Makedonien unterworfen hatte, abzuwenden, musste Antiochos auf diese Forderung eingehen und sich nach Syrien zurückziehen. Im Gegenzug etablierte sich damit Rom als dominierende Macht im östlichen Mittelmeerraum.

In den Folgejahren betrieb Antiochos in der Provinz Koilesyrien eine aggressive Kulturpolitik, um die Bevölkerung des Landes zwangsweise zu hellenisieren. 167 v. Chr. brachte er Jerusalem wieder unter seine Kontrolle nachdem es dort zu Unruhen gekommen war. Um seine Herrschaft in Jerusalem zu stabilisieren gründete Antiochos inmitten der Stadtmauern eine griechische Polis, verbot den Jahwekult und ließ den Tempel zu einer Kultstätte des Zeus umweihen. Damit aber provozierte er 166 v. Chr. den Aufstand der Hebräer unter dem Hasmonäer Mattathias, der langfristig zur Unabhängigkeit der Provinz Koilesyrien (Judäa, Galiläa, Samarien; heute Palästina und Israel) und zur Bildung eines unabhängigen jüdischen Staates unter den Nachkommen des Mattathias führte.

Antiochos IV. war der letzte Seleukide und damit auch der letzte hellenistische Herrscher der einen Feldzug in die östlichen Provinzen („obere Satrapien“) Asiens führte (Anabasis), um diese wieder seiner Herrschaft zu unterwerfen, nachdem sie sich zuvor unter den Parthern und Gräkobaktriern von den Seleukiden losgesagt hatten. Um seine Kriegskasse zu füllen beabsichtigte er in der Landschaft Elymais einen der Artemis geweihten Tempel zu plündern. Damit scheiterte er jedoch an dem Widerstand der Einheimischen und starb auf dem Rückzug. Seine Abwesenheit von Syrien konnte Judas Makkabäus nutzen, um im Jahr 164 v. Chr. Jerusalem zu erobern und den Tempel von neuem dem hebräischen Gott zu weihen.

Antiochos IV. wird in der Bibel (Daniel 7,8), in dem apokalyptischen Bild von den vier Tieren, allegorisch als das „kleine Horn“ bezeichnet.

Nachkommen

Antiochos IV. war mit Laodike verheiratet, die zuvor schon mit seinem Bruder Seleukos IV. verheiratet gewesen war. Sie war vermutlich identisch mit der Schwestergemahlin des ältesten Bruders, der ebenfalls Antiochos hieß, und wäre somit auch die Schwester von Seleukos IV. und Antiochos IV. gewesen. Mit ihr hatte er zwei Kinder:

Der Seleukidenkönig Alexander I. Balas gab sich als ein unehelicher Sohn von ihm aus.

Literatur

  • Peter Franz Mittag: Antiochos IV. Epiphanes. Eine politische Biographie. Berlin 2006, ISBN 3-05-004205-2 (KLIO. Beiträge zur Alten Geschichte. Beihefte. Neue Folge, Bd. 11).
  • Jochen Lippstreu: Antiochos IV. als Architekturstifter. In: W. Hoepfner. G. Zimmer (Hrsg.): Die griechische Polis. Architektur und Politik. Tübingen 1993, S. 131–141.

Weblinks


Vorgänger Amt Nachfolger
Seleukos IV. König des Seleukidenreiches
175–164 v. Chr.
Antiochos V.

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