LNER


LNER
Der „Flying Scotsman“ vor der Hauptwerkstätte der LNER in Doncaster

Die London and North Eastern Railway (LNER) war die zweitgrößte der sogenannten "Big Four", der vier britischen Eisenbahngesellschaften, die 1923 im Zuge einer Neuordnung des Eisenbahnwesens, dem sogenannten Grouping, geschaffen wurden. Die Gesellschaft existierte vom 1. Januar 1923 bis zur Schaffung der British Railways am 1. Januar 1948.

Inhaltsverzeichnis

Gründung

Mit dem Inkrafttreten des Railways Act 1921 am 1. Januar 1923 entstand die LNER durch Zusammenlegung zahlreicher Eisenbahngesellschaften. Das Streckennetz hatte eine Gesamtlänge von 6.590 Meilen (10.606 km). Der größte Teil davon, 1.757 Meilen (2.828 km), stammte von der North Eastern Railway, gefolgt von der North British Railway mit 1.378 Meilen (2.218 km).

Nach dem Zusammenschluss besaß die LNER

  • 7.700 Dampflokomotiven, 140 elektrische Triebwagen, 6 Elektrolokomotiven und 10 Triebwagen mit Verbrennungsmotor
  • 20.000 Reisezugwagen und 29.700 Güterwagen
  • 12 Hochsee- sowie eine größere Anzahl an Binnenschiffen
  • Docks, Hafenanlagen und Piers an mehr als 20 verschiedenen Orten, darunter Harwich und London
  • 23 Hotels

Die LNER war zusammen mit der London, Midland and Scottish Railway (LMS) an der Midland and Great Northern Joint Railway beteiligt, die dann 1936 vollständig in der LNER aufging.

Streckennetz

Wie der Name schon andeutet, bediente die LNER von London ausgehend den östlichen und nördlichen Teil des Landes bis hinauf nach Schottland. Dazu gehörten die Hauptstrecke East Coast Main Line zwischen London über York und Newcastle upon Tyne nach Edinburgh sowie die Strecken von Edinburgh nach Aberdeen and Inverness. Der größte Teil Englands östlich der Pennines gehörte zum Gebiet der LNER, darunter das Flachland von East Anglia. Die Hauptwerkstätten der Gesellschaft befanden sich in Doncaster.

Leitende Ingenieure

Sir Nigel Gresley, einer der bekanntesten Lokomotivkonstrukteure der Welt, war zwischen 1923 und 1941 leitender Ingenieur (Chief Mechanical Engineer, CME) der LNER, eine Position, die er zuvor schon bei der Great Northern Railway ausgefüllt hatte. Zu seinen Schöpfungen gehören die offiziell schnellste Dampflokomotive der Welt, die "Mallard" (Klasse A4) sowie die nicht weniger berühmte Klasse A3, zu der die oben im Bild gezeigte Lokomotive "Flying Scotsman" gehört.

1941 folgte Edward Thompson, der bis 1946 im Amt war. Arthur Peppercorn war nur während 18 Monate tätig, er entwarf unter anderem die LNER-Klasse A1 Peppercorn.

Verstaatlichung

Die LNER wurde 1948 verstaatlicht und ging zusammen mit den drei anderen der "Big Four" in der British Railways auf. Ein Grund für diesen Zusammenschluss war, dass er die Reparatur der Kriegsschäden organisatorisch vereinfachte und beschleunigte. Nach der Privatisierung von British Rail ging die Franchise für die Fernschnellzüge auf der East Coast Main Line an das Bahnverkehrsunternehmen Great North Eastern Railway (GNER), deren Name bewusst so gewählt wurde, dass sie an die LNER erinnert.

Ursprungsgesellschaften der LNER

Hauptgesellschaften

Die Hauptgesellschaften, aus denen die LNER entstand waren (in Klammern Länge des Streckennetzes):

Tochtergesellschaften

Drei Tochtergesellschaften führten ihren Betrieb eigenständig durch:

  • Colne Valley and Halstead Railway (31 km)
  • East and West Yorkshire Union Railway (15 km)
  • Mid-Suffolk Light Railway (31 km)

Die übrigen Tochtergesellschaften existierten nur dem Namen nach, wurden aber aus juristischen Gründen gleichwohl im Railways Act genannt.

Ursprüngliche Muttergesellschaft NER:

  • Brackenhill Light Railway
  • Fawcett Depot line (9 km)
  • Great North of England, Clarence and Hartlepool Junction Line (10 km)

Ursprüngliche Muttergesellschaft GCR:

  • Humber Commercial Railway and Dock
  • Mansfield Railway (16 km)
  • North Lindsey Light Railway (19 km)
  • Seaforth and Sefton Junction Railway
  • Sheffield District Railway (7 km)

Ursprüngliche Muttergesellschaft GER:

  • London and Blackwall Railway (10 km)

Ursprüngliche Muttergesellschaft GNR:

  • East Lincolnshire Railway (76 km)
  • Horncastle Railway (12 km)
  • Nottingham and Grantham Railway and Canal (37 km)
  • Nottingham Suburban Line (6 km)
  • Stamford and Essendine Railway (20 km)

Ursprüngliche Muttergesellschaft NBR:

  • Edinburgh & Bathgate Railway (16 km)
  • Forth & Clyde Junction Railway (49 km)
  • Gifford & Garvald Railway (15 km)
  • Kilsyth & Bonnybridge Railway (14 km)
  • Lauder Light Railway (16 km)
  • Newburgh & North Fife Railway (21 km)

Ursprüngliche Muttergesellschaft H&BR:

  • South Yorkshire Junction Railway (18 km)

Zwei oder mehr ursprüngliche Muttergesellschaften:

  • Nottingham Joint Station Committee
  • West Riding Railway Committee (52 km)

Unabhängig betriebene Gemeinschaftsunternehmen

Weblinks


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