King-George-V.-Klasse (1940)


King-George-V.-Klasse (1940)
Dieser Artikel behandelt die Schlachtschiffe der King-George-V-Klasse von 1940, für die ältere Schlachtschiffklasse gleichen Namens, siehe King-George-V-Klasse (1910)
King-George-V-Klasse
Die King George V vor Guam, 1945
Die King George V vor Guam, 1945
Geschichte Flagge
Typ Schlachtschiff
Einheiten 5
Technische Daten
Verdrängung

36.727 ts

Länge

227 m

Breite

31 m

Tiefgang

9,9 m

Besatzung

1314 - 1631

Antrieb
Geschwindigkeit

28,0 kn

Reichweite

5400 sm bei 18 kn

Bewaffnung
  • 10 × BL 14" (356 mm) Mk VII
  • 16 × QF 5.25" (133 mm) Mk I
  • 64 × QF 2 pounder "pom-pom" (40 mm)
Bordflugzeuge

4

Die King-George-V-Klasse war eine Klasse von fünf modernen Schlachtschiffen der britischen Royal Navy, die im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz kamen. Abgesehen von der HMS Vanguard waren sie im Weltkrieg die modernsten und zugleich letzten gebauten Schlachtschiffe Großbritanniens.

Besonderheiten waren die für ein britisches Schiff dieser Art außergewöhnlich starke Panzerung und die Bewaffnung mit 10x 356 mm-Geschützen in zwei Vierlingstürmen sowie einem überhöhten vorderen Doppelturm. Das erste noch nicht ganz fertiggestellt in den Kampf geschickte Schiff HMS Prince of Wales wurde am 24. Mai 1941 bei einem Gefecht mit der Bismarck schwer beschädigt, das Klassenschiff HMS King George V war im Anschluss an der Jagd auf die Bismarck beteiligt.

Die HMS Prince of Wales wurde wiederum ca. 6 Monate später von japanischen Flugzeugen vor Malaysia als einzige Einheit versenkt, die anderen überstanden den Krieg ohne ernste Schäden. Sie bewährten sich trotz einiger kleinerer Schwächen recht gut und wurden erst in den 1950er Jahren endgültig außer Dienst gestellt. Die King George V war von 1940 bis 1948 das Flaggschiff der Home Fleet.

Von 1937 bis 1942 wurden die folgenden fünf Schiffe dieser Klasse gebaut:

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vorgeschichte

Diese damals für britische Verhältnisse modernen Schlachtschiffe wurden innerhalb der Begrenzungen der Washingtoner und Londoner Flottenkonferenzen entworfen. Gemäß den Vereinbarungen von 1922 waren Schlachtschiffe auf eine Wasserverdrängung von 35.000 tons beschränkt.

Bei der Konferenz von 1936 wurde eine Verlängerung dieser Frist sowie eine Begrenzung der Höchstkalibers auf 356 mm (14 Zoll) vereinbart, obwohl zu diesem Zeitpunkt nur noch Großbritannien, die USA und Frankreich das Abkommen unterzeichneten. Italien und Japan hatten sich aus diesem Abkommen bereits zurückgezogen (das Deutsche Reich war aufgrund des Versailler Vertrages mit der Begrenzung der Verdrängung auf 10.000 ts und des damit zusammenhängendem Fehlens von Großkampfschiffen von 1919 bis 1935 bei diesen Konferenzen nicht vertreten und damit auch niemals diesen Beschränkungen unterworfen).

Festlegung auf 35.000 ts

Die Begrenzung auf 35.000 ts, was die Royal Navy für die kleinste effektive Schlachtschiffgröße hielt, war auch aus wirtschaftlichen Gründen erstrebenswert. Die britische Regierung hatte in den späten Zwischenkriegsjahren nur wenig Geld zur Verfügung, um dem Aufrüsten Deutschlands, Italiens und Japans ab 1935 entgegenzuwirken. Die Schlachtschiffe dieser Länder überschritten in der Folge diese Obergrenze zum Teil erheblich. Aufgrund der immer stärker werdenden Anforderungen an die Luftabwehrfähigkeiten moderner Kriegsschiffe und des damit verbundenen Gewichts- und Platzverbrauchs hielt die Royal Navy das 14 Zoll-Kaliber (356 mm) für die beste Wahl für ein Schiff dieser Größe, um einen bestmöglichen Kompromiss aus Bewaffnung und Panzerung zu erzielen.

Entwurf

Rumpf

Die Konstruktion des Rumpfs unterschied sich deutlich von allen zuvor gebauten britischen Schlachtschiffen. Zum ersten Mal wurde dieser vollständig verschweißt statt vernietet, was die Stabilität begünstigte und zugleich das Gewicht senkte.

Die Bugform war dabei eher konservativ fast senkrecht gewählt, also kein „Atlantikbug“, was darin zu suchen ist, dass die Royal Navy verlangte, die vorderen schweren Geschütze auch nach vorne hin ungehindert bei einem Erhöhungs-Winkel von 0° abfeuern zu können. Dieser in der Praxis eher geringe Vorteil wurde jedoch dadurch erkauft, das vor allem bei schlechtem Wetter bzw. schwerer See das Vorschiff sehr viel Wasser aufnahm. Dadurch verschlechterte sich einerseits die Seetüchtigkeit, erschwerte aber auch die Bedienung der vorderen schweren Artillerie und führte durch Wassereinbruch auch zu Ausfällen des vorderen Vierlingsturms.

Ein Charakteristikum dieser Klasse war der unmittelbar hinter den vorderen schweren Geschütztürmen auf einem überhöhten Aufbau (der nach vorne in etwa wie ein halbiertes Sechseck aussah) mit leichtem Versatz nach vorne platzierten Kommandoturm. Dieses Merkmal wurde auch bei der Modernisierung anderer britischer Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer übernommen wurde (siehe z. B. HMS Warspite und HMS Renown).

Die Hülle war mit Schwerpunkt auf maximalen Schutz als auch Gewichtsersparnis ausgelegt, um im Rahmen der Konstruktionsverdrängung von 35.000 ts zu bleiben, weshalb diese etwas kürzer ausfiel. Dadurch konnte die Zitadelle mit den wichtigen inneren Anlagen wie die Maschinenräume relativ kompakt gehalten und so in der Länge Panzergewicht eingespart werden, wobei die hydrodynamischen Eigenschaften des Rumpfes dagegen geringfügig schlechter ausfielen und die mögliche Höchstgeschwindigkeit bei gleicher Antriebsleistung etwas herabgesetzt war.

Ein weiteres typisches Merkmal dieser Klasse war die an den Seiten deutlich sichtbar abstehende Seitenpanzerung, die sich nach vorne und hinten verjüngte bis sie allmählich nahtlos in den Rumpf überging. Alles in allem erwies sich der Rumpf als unter den gegebenen politischen und wirtschaftlichen Zwängen gut gelungenen Kompromiss, wenn man von der Hauptschwäche, dem fast immer „nassen“ Vorschiff, einmal absieht.

Bewaffnung

Vordere Geschütztürme der Howe

Der Entwurf, der im April/Mai 1936 fertiggestellt wurde, sah ursprünglich eine Hauptbewaffnung bzw. Hauptartillerie von zwölf 14 Zoll-Geschützen (356 mm) in drei Vierlingstürmen (zwei vorn und einer achtern) vor. Dieser wurde später aus Gewichts- und Schwerpunktgründen auf 10 Geschütze in zwei Vierlingstürmen, jeweils einer vorn und achtern, sowie einem überhöhten Zwillingsturm hinter dem vorderen Turm reduziert. Das eingesparte Gewicht wurde daraufhin für eine Verstärkung der Panzerung verwendet. Hinzu kamen 16 Geschütze der Mittelartillerie vom Kaliber 5.25 inch (13,30 cm) sowie zahlreiche Flugabwehrkanonen kleineren Kalibers (darunter auch die berühmten Pom Pom-Mehrfach-Flakgeschütze).

Die exotischen Vierlingstürme, die sonst nur bei zwei französischen Schlachtschiffklassen vorkamen (Dunkerque-Klasse, Richelieu-Klasse), erwiesen sich im Einsatz jedoch eher als Fluch denn als Segen, da sie weit mehr Wartungsaufwand verursachten und aufgrund der beengten Platzverhältnisse im Inneren die Bedienung erschwerten. Zusätzlich gab es in der ersten Zeit ihres Einsatzes noch zahlreiche Funktionsstörungen, wodurch u.a. Geschütze im Gefecht ausfielen. Nicht selten sorgte auch das bei unruhiger See aufgenommene Wasser auf dem Vorschiff für Unregelmäßigkeiten im Betrieb. Ihre artilleristische Leistung vermochte trotz aller offensichtlichen Nachteile durchaus zu überzeugen, wenn sie auch keinesfalls an die der deutschen 380 bzw. italienischen 381 mm-Geschütze herankam.

Panzerung

Beim Entwurf dieser neuen Einheiten wurden auch Konsequenzen aus dem enttäuschenden Abschneiden vor allem der leicht gepanzerten Schlachtkreuzer in der Skagerrakschlacht von 1916 gezogen, in der die unzureichend gepanzerten britischen Schiffe schweren Schaden erlitten bzw. leicht versenkt werden konnten. Die britische Admiralität forderte daher eine möglichst starke Panzerung, sowohl vertikal als auch horizontal.

Mit einer Seitenpanzerung von bis zu 15 Zoll (381 mm) und 6 Zoll (152 mm) Deckpanzerung gehörten die KGVs zu den bestgeschützten Kampfschiffen ihrer Zeit. Ihre seitliche vertikale Panzerung wurde vom nominellen Wert her nur noch von den japanischen Superschlachtschiffen Yamato und Musashi übertroffen.

Das Gesamtgewicht der Panzerung dieser Schiffe lag bei ca. 14.000 Tonnen, was die KGVs im Verhältnis zur – im Vergleich zu vergleichbaren Schiffen relativ bescheidenen – normalen Gesamtverdrängung von 35.000 ts zu Schlachtschiffen mit einem der höchsten prozentualen Anteile an Panzerung machte.

Die Türme der Hauptartillerie wiesen mit 406 mm an der Front, 305 mm zu den Seiten sowie 280 am Heck eine ebenfalls starke Panzerung auf, der Kommandoturm war dagegen mit einer Stärke von etwas über 100 mm vergleichsweise eher leicht gepanzert. Dies war dadurch bedingt, dass die Royal Navy der Ansicht war, dass ein schwer gepanzerter Kommandoturm von geringem Nutzen war, da dieser sowohl die Sicht als auch die Führung des Schiffes behinderte und die Erschütterung bzw. Schockwirkung durch einen Treffer durch schwere Artillerie das hier befindliche Personal ohnehin handlungsunfähig gemacht hätte. Die relativ kompakt gehaltene Zitadelle war an jedem Ende von Schotten umschlossen und besaß eine maximale Stärke von 318 mm.

Dennoch war die Seitenpanzerung technisch streng betrachtet nicht ganz auf der Höhe der Zeit, da sie nicht abgeschrägt war. Eine abgeschrägte Panzerung verfügt erstens über eine höhere Durchgangsstrecke die das auftreffende Projektil überwinden müsste (d.h. es müsste mehr Panzerung durchschlagen) und hat zweitens die Eigenschaft auftreffende Geschosse abzulenken. Wegen der höheren Schutzwirkung bei nominell geringerer Stärke hätte sich bei Abschrägung der Panzerung als Nebeneffekt die Möglichkeit einer Einsparung von Gewicht ergeben, der anders hätte genutzt werden können (z.B. wiederum bei der Bewaffnung).

Aufgrund dieser Tatsachen erreichte die Seitenpanzerung der KGVs nicht ganz die Schutzwirkung wie z.B. jene abgeschrägte der italienischen Littorio-Klasse mit nominell 350,05 mm, dessen Deckspanzerung mit bis zu 207 mm über den Munitionskammern ebenfalls stärker bemessen war. Die Seitenpanzerung der Yamato-Klasse, die zweitstärkste in der Geschichte mit nominell 410,00 mm, war ebenfalls abgeschrägt und besaß dadurch eine weit höhere Schutzwirkung im Gegensatz zu einer senkrecht angeordneten Panzerung gleicher Stärke.

Eine Schwäche der Seitenpanzerung der KGVs, die sich erst später im Einsatz offenbarte, war, dass diese (hier hatte diese eine Stärke von 3 inch bzw. 76 mm) nicht weit genug unter die Wasserlinie reichte. Als die Schäden der HMS Prince of Wales nach dem Beschuss durch das Schlachtschiff Bismarck und den begleitenden Schweren Kreuzer Prinz Eugen am 24. Mai 1941 beim Gefecht in der Dänemarkstraße im Trockendock untersucht wurden, entdeckten Experten der Royal Navy neben diversen Treffern der Bismarck drei schwere 203 mm-Treffer der Prinz Eugen unterhalb der Wasserlinie. Einer von diesen hatte im vorderen Bereich das innere Torpedoschott durchschlagen und das sehr nahe am vorderen 356 mm-Hauptmagazin – ein Treffer der in jenem Gefecht beinahe zur Vernichtung des Schiffes ähnlich wie beim durch die Bismarck mit wenigen Salven versenkten Schlachtkreuzer HMS Hood hätte führen können.

Trotz allem war die Seitenpanzerung der KGVs letzten Endes keineswegs mangelhaft entworfen worden. Sie war nach dem Prinzip des „Liquid Sandwich“ konstruiert und bot den Magazinen, Maschinen- und Kesselräumen unter erfahrungsgemäßen Gefechtsbedingungen einen recht guten Schutz gegen seitliche Granaten- und Torpedotreffer.

Antriebsanlage

Die Antriebsanlagen waren wie bei Schweren Kreuzern nach dem Prinzip der „Unit-Propulsion“ konstruiert, das heißt zu jedem Turbinenraum gehörte ein Kesselraum. Damit konnte sowohl Raum als auch Gewicht eingespart werden. Die Leistung der Maschinenanlage, die aus 8 Admiralty-Dreifach-Dünnrohr-Dampfkessel mit Überhitzern und 4 Parsons-Turbinen mit Einfachgetriebe bestand und sich als weitgehend zuverlässig erwies, fiel – vor allem wegen des geringeren dafür zur Verfügung stehenden Raumes – mit maximal 125.000 WPS allerdings etwas geringer aus als bei vergleichbaren zeitgenössischen Schlachtschiffen anderer Länder, was eine etwas geringere Höchstgeschwindigkeit von 28,0 kn mit sich brachte.

Die Bauart „Unit-Propulsion“ sollte sich jedoch bei einem Gefecht als schwerer Nachteil erweisen – und das wiederum bei der HMS Prince of Wales – als diese sich zusammen mit dem Schlachtkreuzer HMS Repulse im Rahmen der Force Z in den Gewässern von Malaysia bei Kuantan auf der Suche nach einer vermuteten japanischen Invasionsflotte befand und dabei am 10. Dezember 1941 (also ca. 6 Monate nach dem Gefecht mit der Bismarck im Nordatlantik) von japanischen Bombern bzw. Torpedoflugzeugen angegriffen wurde. Ein Lufttorpedo traf zwar die durch die Seitenpanzerung gut geschützte Backbordwand und verursache praktisch keinen Schaden, ein weiterer jedoch offenbar den Lagerblock, an dem die mit voller Drehzahl laufende Welle der äußeren Backbord-Schraube die Bordwand verließ. Infolge dieses Treffers in die Wellenhose der Backbordaußenwelle entstanden bis zum Stoppen der Welle erhebliche Vibrationen, die zahlreiche Schäden an Installationen und den Abdichtungen der wasserdichten Abteilungen im Schiffsinneren verursachten. Die mit hoher Drehzahl laufende Welle wurde aus ihren Lagern gerissen, was zu weiteren starken Zerstörungen im Schiffsinneren führte. Durch den zerstörten Wellentunnel der getroffenen Welle drangen schnell tausende Tonnen Wasser in den zugehörigen Maschinen- bzw. Turbinenraum und aufgrund der beschädigten Schotten auch in mehrere benachbarte Generatorenräume. Dadurch fiel aufgrund dieser konstruktiven Schwäche die Stromversorgung der gesamten achteren Hälfte des Schiffes aus. Dies erschwerte die Lecksicherung und aufgrund des Ausfalls der elektrischen Lüfter mussten nach kurzer Zeit weitere Maschinenräume verlassen werden, da sich kein Personal mehr dort aufhalten konnte. Durch den Stromausfall fiel an Deck auch die Hälfte der Flak aus, die auf der achteren Schiffshälfte stationiert war. Das Schiff nahm durch die großflächigen Überflutungen im Inneren starke Schlagseite nach Backbord ein, was das Drehen der Flak-Türme selbst von Hand nochmals erheblich erschwerte. Die HMS Prince of Wales, das Führungsschiff des Verbandes, war durch diese Kettenreaktion nach einem einzigen Torpedotreffer nicht nur manövrierunfähig, sondern praktisch auch gefechtsunfähig und sank nach weiteren Torpedotreffern etwa 2 Stunden später.

Politische Verwicklungen

Als die mehr oder weniger von den Briten freiwillig gewählte Begrenzung des Kalibers der Hauptgeschütze bei den anderen Marinen im Gegensatz zu den beabsichtigten Zielen keine Schule machte, geriet der Entwurf dieser Schiffe in der Presse unter heftige Kritik. Die konservativen Kreise in Großbritannien gingen sogar so weit, diese – wenn auch letztlich nicht zu Recht – als ausgesprochene Fehlkonstruktionen zu bezeichnen. Die Entwurfsplaner mussten sich nunmehr der undankbaren Aufgabe annehmen ihre Arbeit zu rechtfertigen und argumentierten im Gegenzug, dass durch die 10 Geschütze vom Kaliber 356 mm das Gewicht einer abgefeuerten Breitseite (Addition des Gewichtes aller auf einmal abgefeuerten Granaten) trotz des kleineren Kalibers dennoch höher sei als bei älteren britischen Schlachtschiffen mit 8x 381 mm-Geschützen wie auch vergleichbaren ausländischen Schlachtschiffen mit einer Hauptartillerie von 8x 380 mm wie z.B. der deutschen Bismarck-Klasse oder 9x 381 mm wie z.B. der italienischen Littorio-Klasse. Sie unterstrichen, dass die 14 inch-Geschütze (356 mm) bei normalen Gefechtsentfernungen praktisch jede gängige Schiffspanzerung durchschlagen konnten, außerdem in der Lage wären, Salven in schnellerer Abfolge zu verschießen. Außerdem parierten sie Kritik damit, dass wegen des vorherrschenden eher schlechten Wetters im Nordatlantiks die größere Reichweite der ausländischen Geschütze größeren Kalibers nicht benötigt würde, da die Sicht ohnehin wetterbedingt eingeschränkt sei und dadurch auch die optischen Entfernungsmessanlagen nicht ihr volles Potential ausreizen könnten. Ein weiteres Argument der Konstrukteure war noch, dass die 10 Geschütze der neuen britischen Schiffe mit 10 Granaten zahlenmäßig größere Salven verschießen konnten und somit die Wahrscheinlichhkeit eines Treffers erhöhten.

Die erstere Aussage, mit der es bereits gelang, den größten Teil der – nicht immer fachkundigen – Kritiker ruhigzustellen, war zumindest im Bezug auf die älteren britischen Schlachtschiffe zutreffend, bei genauerer Betrachtung stimmte dies im Vergleich zu den ausländischen Schiffen nur, wenn wie ursprünglich geplant auch tatsächlich drei 356 mm-Vierlingstürme eingebaut worden wären. In der Praxis entsprach die Argumentation daher nicht den Tatsachen, da das Breitseitengewicht der KGVs am Ende geringer als das der italienischen Schiffe mit einer Hauptartillerie von 9x 381 mm war – was jedoch kaum einer bemerkte. Die zweite, nach der jede gängige Panzerung durchschlagen werden konnte, trifft nur eingeschränkt zu, da das kleinere britische Kaliber sich gegen die zum Teil abgeschrägten Panzerungen der Gegner viel schwerer getan hätte. Die Schiffe der King George V-Klasse hätten im Gegenzug durch die gegnerischen Schlachtschiffe mit ihren größeren, schneller fliegenden sowie in der Reichweite überlegenen Granaten auf Distanz gehalten werden können, was es viel wahrscheinlicher machte, dass sie in der Folge selbst schwer getroffen worden wären. Das schlechte Wetter des Nordatlantiks hätte dabei in der Praxis nichts an den Vorteilen der ausländischen Schiffe mit größeren Kalibern geändert. Unter Idealbedingungen konnten die KGVs mit 10 Granaten mindestens eine (bei Gegnern mit 9 Hauptgeschützen) oder zwei (bei 8 Hauptgeschützen) Granaten mehr pro Breitseite verschießen, doch aufgrund der häufigen Funktionsstörungen der Vierlingstürme und des wegen der wenig günstigen Bugform häufig nassen Vorschiffs war dies praktisch nie realistisch. Zudem ist zweifelhaft, ob 1 oder 2 kleinere Granaten mehr pro Breitseite für die schwer gepanzerten gegerischen Schlachtschiffe eine wirklich ernste Gefahr darstellten.

Den Konstrukteuren gelang es am Ende zwar, die zum Teil sehr scharfen Kritiker in der Presse noch vor Indienststellung der ersten Einheit zum Schweigen zu bringen, aber der Ruf einer Fehlkonstruktion haftete den Schiffen latent weiter an. Die faktische Niederlage der HMS Prince of Wales im Gefecht gegen die Bismarck am 24. Mai 1941 schien den Gegnern Recht zu geben, die Beteiligung des Typschiffs HMS King George V an der Versenkung der Bismarck kurze Zeit später konnte den Schaden einigermaßen wieder wettmachen. Die überraschende Versenkung der HMS Prince of Wales vor Malaysia am 10. Dezember 1941, knapp 6 Monate nach dem Zusammenstoß im Nordatlantik, die ein großer Schock für die Briten war, gab den Gegnern weit weniger Aufwind als anfangs befürchtet, da bei diesem Kampf gegen Flugzeuge die schwere Artillerie nicht primär betroffen war. Erst die schwere Beschädigung der Scharnhorst durch die HMS Duke of York im Nordmeer ca. 100 km nördlich vom Nordkap am 26. Dezember 1943, bei der es den beiden britischen Kampfgruppen, bestehend aus ebendem Schlachtschiff in der Führungsrolle, drei Leichten und einem Schweren Kreuzer und mindestens acht Zerstörern, nach hartem ungleichem Kampf gelang, das deutsche Schlachtschiff zu versenken, konnte den Ruf der King George V-Klasse soweit wieder herstellen. Die britische Öffentlichkeit ließ jedoch dabei außer Acht, dass die Scharnhorst mit ihren 9x 280 mm-Geschützen wesentlich schwächer bewaffnet war als eben die HMS Duke of York und es letztlich Zerstörer waren, welche sie versenkten.

Bau und Indienststellung

Der Bau des Leitschiffs der Klasse, der HMS King George V, wurde im Januar 1937 begonnen und verlief weitgehend ohne Schwierigkeiten, die Indienststellung erfolgte jedoch erst im Oktober 1940, das heißt bereits während des Zweiten Weltkriegs. Das zweite Schiff, die HMS Prince of Wales, wurde noch nicht ganz fertiggestellt und probegelaufen sowie noch mit zivilen Technikern an Bord 1941 gegen das deutsche Schlachtschiff Bismarck vorzeitig in den Kampf geschickt. Die dritte Einheit, die HMS Duke of York, wurde interessanterweise als erstes bereits im August 1940 in Dienst gestellt sowie die vierte HMS Anson erst im Jahre 1942. Das letzte der fünf Schiffe, die HMS Howe, wurde im August 1942 in Dienst gestellt.

Diese modernsten Schlachtschiffe der Royal Navy kamen während des Zweiten Weltkriegs an allen Schauplätzen des Seekriegs zum Einsatz und dienten bis auf die HMS Prince of Wales, die im Krieg versenkt wurde, auch noch einige Jahre nach dem Krieg.

Der geplante Nachfolger der King George V-Klasse war die Lion-Klasse mit einer Verdrängung von über 40.000 ts und neun 16 inch-Geschützen (406 mm), welche jedoch aufgrund der Kriegsereignisse und der mittlerweile schwierigen industriellen Situation Großbritanniens letztlich nicht wie vorgesehen ab 1939 gebaut wurden – stattdessen wurde ein einzelnes auf dieser Grundlage weiterentwickeltes Schlachtschiff 1946 fertiggestellt, die HMS Vanguard.

Verbleib

Nach dem Krieg wurden die verbleibenden vier KGVs erst einmal temporär außer Dienst genommen. Bis auf die HMS Prince of Wales. die Ende 1941 versenkt worden war und die HMS King George V, die bei einem Einsatz im Nordmeer mit einem Zerstörer kollidierte und dieser dabei sank, erlitten diese 4 Einheiten keine ernsten Kriegs- bzw. Gefechtsschäden. Etwaige Vorhaben, sie in Lenkwaffenkreuzer umzuwandeln, wurden aus Kostengründen verworfen. Im Jahre 1958 wurden die letzten beiden KGVs abgewrackt.

Bilder

Einsatz

Zweiter Weltkrieg

Da sie die modernsten Schlachtschiffe der Royal Navy während des Zweiten Weltkriegs waren, wurden sie an allen Schauplätzen des Seekriegs eingesetzt und waren an zahlreichen Aktionen beteiligt:

Im Jahre 1941 lieferten sich die HMS Prince of Wales zusammen mit dem Schlachtkreuzer HMS Hood ein Gefecht mit dem Schlachtschiff Bismarck und dem Schweren Kreuzer Prinz Eugen südlich von Grönland. Dabei wurde die HMS Prince of Wales schwer beschädigt und musste sich stark qualmend zurückziehen (die HMS Hood wurde von der Bismarck mit wenigen Salven versenkt). Später war die HMS King George V mit diversen weiteren britischen Kriegsschiffen an der Versenkung der nach einem Lufttorpedotreffer manövrierunfähigen Bismarck beteiligt.

Die King George V kollidierte am 1. Mai 1942 mit dem Zerstörer HMS Punjabi, als sie den alliierten Konvoi PQ-15 nach Murmansk eskortierte, wobei dieser darauf hin mit 49 Besatzungsmitgliedern sank. Das Schlachtschiff wurde dabei am Bug beschädigt.

Die HMS Prince of Wales wurde zu Beginn des Pazifikkriegs gegen Japan als Teil der noch im Jahr 1941 nach Südostasien verlegten Force Z am 10. Dezember 1941 zusammen mit dem Schlachtkreuzer HMS Repulse durch japanische Luftangriffe vor Malaysia durch Lufttorpedotreffer versenkt. Dies war die erste Versenkung eines Schlachtschiffs bzw. Großkampfschiffs auf See durch Luftangriffe der Geschichte.

Im Mittelmeer sicherte die HMS King George V Mitte 1943 die Operation Husky ab, die alliierte Invasion von Sizilien. Dabei wurde sie mehrfach von Flugzeugen der deutschen Luftwaffe und der italienischen Regia Aeronautica angegriffen.

Am 26. Dezember 1943 beschädigten die Geschütze der HMS Duke of York das Schlachtschiff Scharnhorst etwa 100 km nördlich vom Nordkap so schwer, dass ihre Artillerie das Feuer einstellen musste und es später von britischen Zerstörern mit mehreren Torpedotreffern versenkt werden konnte.

Die beiden letzten KGVs HMS Anson und HMS Howe spielten insgesamt gesehen keine allzu große Rolle und kamen – bis auf eine kurze Einsatzzeit der HMS Howe im Mittelmeer non Anfang bis Oktober 1943 – hauptsächlich im Pazifikkrieg ohne größere Ereignisse zum Einsatz. Die HMS Anson war das einzige Schiff dieser Klasse, das niemals ein Gefecht mit dem Feind hatte.

Später wurde auch die King George V ebenfalls in den Pazifikraum verlegt – Sie ankerte vor der Bucht von Tokio, als Japan am 2. September 1945 vor den Alliierten kapitulierte und der Zweite Weltkrieg damit beendet wurde.

Nach 1945

Unmittelbar nach dem Krieg wurden die vier verbleibenden KGVs nach ihrer Rückkehr in die Heimat vorläufig außer Dienst gestellt, jedoch wieder in Dienst genommen:

Im Jahre 1946 wurde die King George V wieder als Flaggschiff der Home Fleet eingesetzt, jedoch nur drei Jahre später in die Reserveflotte abkommandiert und mehr oder weniger eingemottet, bis sie 1957 zum Abbruch verkauft wurde. Ihre Nachfolgerin als Flaggschiff wurde die 1946 in Dienst gestellte wesentlich verbesserte HMS Vanguard.

Die HMS Duke of York blieb noch bis 1949 im Einsatz, bevor sie ebenfalls in die Reserve überführt wurde. Nach jahrelanger Einlagerung wurde sie im Jahr 1957 zum Verschrotten abgegeben.

Die HMS Howe diente nach dem Krieg ab 1946 vorwiegend zur Ausbildung, bevor sie ab 1950 stillgelegt und später 1957 ebenfalls zum Abbruch bestimmt wurde.

Die HMS Anson verblieb zunächst in Australien bzw. dem Südpazifik und fuhr 1946 von Sydney nach Hobart in Tasmanien um den Herzog von Gloucester sowie die Herzogin abzuholen und wieder nach Sydney zu bringen. 1949 wurde das Schiff ebenfalls der Reserve zugeteilt und 1957 zum Verschrotten verkauft.

Literatur

  • Tarrant, V. E., King George V class battleships, Arms and Armour Press, London (1991), ISBN 1-85409-026-7
  • Corelli Barnett, Engage the Enemy More Closely (englisch), Penguin Verlag, ISBN 0-14-139008-5
  • Breyer, Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer 1905 bis 1970.

Weblinks


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