Khoi-San

Khoi-San
Eine San in Botswana

Als Khoisan werden verschiedene Ethnien im Süden und Südwesten Afrikas zusammengefasst, die den Gruppen der Khoi Khoi (= Menschen, auch abfällig Hottentotten) und der San (= Volk, Buschmänner) angehören. Diese Zuordnung beruht einerseits auf einer auffälligen sprachlichen Verwandtschaft zum anderen auf physischen Merkmalen (gelblich-braune, im Alter stark faltige Haut, geringe Körperhöhe, Haarwuchs in kleinen Büscheln, Lidfalte), durch die sich die Khoisan von den übrigen dunkelhäutigen Populationen Afrikas unterscheiden.

Inhaltsverzeichnis

Siedlungsgebiet und Geschichte

Die Khoisan leben heute überwiegend in Namibia, Südafrika, Botsuana und Angola. Früher reichte ihr Verbreitungsgebiet sehr viel weiter nach Norden. Dies belegen unter anderem die in Tansania lebenden Hadza und Sandawe. Obwohl sie mehr als 3000 Kilometer weit vom Kerngebiet der Khoisan entfernt leben, gehören auch ihre Sprachen zur Khoisan-Sprachfamilie. Viele der bis zu 20.000 Jahre alte Felszeichnungen im Süden Afrikas werden in die Geschichte dieser Menschengruppen gestellt.

Sowohl sprachliche wie auch archäologische Funde belegen, dass die Khoisan ursprünglich große Teile Afrikas südlich des Äquators bewohnten und erst später von bäuerlichen Bantu-Völkern verdrängt wurden. Die Expansion der Bantu begann bereits vor unserer Zeitrechnung. Die Bantu, ausgerüstet mit Ackerpflanzen und Eisenwerkzeugen, verdrängten innerhalb weniger Jahrhunderte die verstreut lebenden Jäger und Sammler der Khoisan-Völker. Die Ausbreitung der Bantu endete in der Nähe des 25. Breitengrades (Fish River, Pretoria) – vermutlich weil die Ackerpflanzen, die sie mitbrachten – Yamswurzel, Sorghum, Hirse – im mediterranen, winterfeuchten Klima des südlichen Afrikas nicht gedeihen. So konnten sich die Khoisan in dieses Gebiete zurückziehen. Erst nach der Ankunft der Europäer im südlichen Afrika, die mediterrane Pflanzen mitbrachten, besiedelten Bantu-Völker auch das südliche Afrika. Infolge der europäischen Landnahme wurden die Khoisan ein weiteres Mal dezimiert.[1]

Besonderheit: Ausdauerjagd

Die älteste Form der menschlichen Jagd ist die noch waffenlose Ausdauerjagd. Diese beruht auf der gegenüber fast allen Säugetieren überlegenen Ausdauer des Menschen beim Laufen. Schnelle Jäger wie Geparden, die kurze Zeit Geschwindigkeiten von über 100 km/h erreichen, können diese nur wenige Minuten durchhalten, da sie sonst an Hitzeschlag sterben würden. Sie müssen das Jagdwild in einem Anlauf erreichen, sonst ist es entkommen. Auch Löwen oder Wildhunde halten hohe Geschwindigkeiten nur kurze Zeit durch und müssen durch Anschleichen, Wegabschneiden oder Einkreisen (also Zusammenwirken im Rudel) zum Erfolg kommen. Der durch die langen, relativ starken Beine und den aufrechten Gang für schnelles Laufen gut gebaute Mensch kann dagegen mittels seiner etwa 2 Millionen Schweißdrüsen seinen Körper effektiv kühlen und daher einen Lauf stundenlang durchhalten. Die Jäger der Khoisan im südlichen Afrika erlegen noch heute schnelle Huftiere wie Zebras oder Steinböckchen ganz ohne Waffen, indem sie so lange hinter ihnen herlaufen, bis diese entkräftet zusammenbrechen.[2]

Auch Aborigines in Australien, die nach neueren genetischen Forschungen als Nachfahren der ersten Gruppen des modernen Menschen (Homo sapiens) gelten, die Afrika verlassen haben, jagen auf diese traditionelle Weise Kängurus.

Ursprünge

Nach der Klassifizierung des Linguisten Joseph Greenberg bilden die Sprachen der Khoisan eine von fünf Sprachfamilien in Afrika. Die innere Klassifikation ist nach wie vor strittig, da die Sprachen der Khoisan nur spärlich erforscht sind. Eine Verwandtschaft der einzelnen Sprachfamilien innerhalb der Khoisan-Sprachen konnte noch nicht eindeutig bewiesen werden und wird von den meisten Sprachwissenschaftlern abgelehnt.

Genetische Untersuchungen bestätigen die Sonderstellung der Khoisan, die sehr nah an der Wurzel des menschlichen Stammbaums stehen.[3] Seit langem wird deshalb die Hypothese diskutiert, wonach diese Klick- und Schnalzlaute der Khoisan-Sprachen ein Relikt der Proto- oder „Ursprache“ des Menschen sind: es handele sich um Laute, die die Khoisan behalten, alle anderen Völker dagegen verloren haben. Kritiker halten entgegen, dass es genauso umgekehrt sein könnte, dass die Khoisan diese Laute erst nach ihrer ethnischen Abspaltung angenommen haben. Ein Grund könnte sein, dass diese Laute in der Kommunikation der Jäger und Sammler von Vorteil sind.[4]

Quellen

  1. Jared Diamond: Arm und Reich. Die Schicksale menschlicher Gesellschaften. Fischer, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3596149673, S. 467-500
  2. Interview mit Bernd Heinrich in Spiegel special, Nr. 4 /2006, S. 33
  3. Jun Li et al. in Science, Bd. 319, S. 1100
  4. Eine Übersicht über die Argumente gibt Hartmut Traunmüller: Clicks and the idea of a human protolanguage. In: PHONUM. 9, 2003, S. 1-4
  • Zur Ausdauerjagd der San auch: [1]

Weblinks


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