Kastell Rötelsee

Kastell Rötelsee

hf

Kleinkastell Rötelsee
ORL
Limesabschnitt Strecke 9,
Jüngere Odenwaldlinie
Datierung (Belegung) spätes 2. Jahrhundert n. Chr.
bis um 260/270 n. Chr.
Typ Kleinkastell
Größe 18,5 m × 18,5 m = 324 Quadratmeter
Bauweise Steinkastell
Erhaltungszustand Mauerstümpfe konserviert; Innenbebauung mit Betonplatten angedeutet; Graben hergerichtet
Ort Welzheim
Geographische Lage 48° 53′ 11,7″ N, 9° 38′ 1,8″ O48.8865888888899.63384444444447Koordinaten: 48° 53′ 11,7″ N, 9° 38′ 1,8″ O
Vorhergehend Kleinkastell Ebnisee (nördlich)
Anschließend Kastelle von Welzheim (südlich)

Das Kleinkastell Rötelsee ist eine ehemalige römische Fortifikation des Rätischen Limes, der im Jahre 2005 den Status des UNESCO-Weltkulturerbes erlangte. Das Kleinkastell wurde rund 40 Meter von der römischen Reichsgrenze entfernt errichtet und befindet sich heute auf der Gemarkungsfläche von Welzheim, einer Stadt im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg.

Inhaltsverzeichnis

Lage und Forschungsgeschichte

Das auf einer Anhöhe rund 1,5 km nördlich der Stadt Welzheim errichtete Kleinkastell liegt an einer 80 km langen, fast genau in Nord-Süd-Richtung laufenden Strecke des Limes. Bereits die Reichs-Limes-Kommission (RLK) unter Gustav Sixt (1856–1904) untersuchte 1895 die Wehrmauern. Doch erst die Ausgrabung des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg im Herbst 1974, durchgeführt im Rahmen der Flurbereinigung, brachte vollständige Klarheit über den Grundriss dieser kleinen Befestigung.

Baugeschichte

Die ausgezeichnete Wahl des Platzes auf einer beherrschenden Anhöhe ermöglichte eine sehr gute Kontrolle des weiten Limesvorfeldes und der nach Norden laufenden Holzpalisade mit ihren Türmen. Anhand von Kleinfundgut, in erster Linie aufgefundene Keramik, wird davon ausgegangen, dass dieser von zehn bis zwanzig Soldaten besetzte Stützpunkt erst im ausgehenden 2. Jahrhundert errichtet worden ist. Vielleicht gehört er in seiner Zeitstellung auch zu jener letzten Ausbauphase des Limes, in der auch das Kleinkastell „In der Harlach“ entstand. Im Gegensatz zu diesem besitzt Rötelsee wie die meisten Kleinkastelle jedoch kein Fahnenheiligtum. Daher wird als Truppe eine abkommandierte Einheit angenommen, die wahrscheinlich aus Welzheim stammte. Die auffällige Nähe der beiden dortigen Kastelle könnte diesen Schluss zulassen.

Das 18,5 m × 18,5 m[1] (= 324 m²) große quadratische Kleinkastell wird von einem bis zu 2 m breiten Spitzgraben, der an dem einzigen einspurigen Zugang aussetzt, umgeben. Die umfassenden Wehrmauern sind rund 1 m breit. Das Tor besitzt keinen Turm, sondern einspringende Zungenmauern, wie sie auch an Einlässen des älteren, um 115 oder 140 n. Chr. erbauten Ostkastells von Welzheim beobachtet wurden.

An den beiden Stellen, an denen der Graben vor der Zufahrt aussetzt, stießen die Ausgräber auf je eine Grube. Man vermutet, dass dies die Überbleibsel einer möglichen Verriegelung gewesen sind. An der Innenseite der Mauer wurden ringsherum Pfostenlöcher aufgedeckt, die zu einem ehemaligen Wehrgang gehörten. Die hölzerne Innenbebauung gruppiert sich im Karree nach Süden, Norden und Westen um einen gepflasterten Innenhof in der Kastellmitte und setzt nur im Osten, wo sich der Eingang und die Prätorialfront Richtung Limes befindet, aus. Der Hof besaß einen porticus, einen überdachten Umgang. An seiner westlich gelegenen Stirnseite, unter dem porticus gelegen, wurde eine große Herdstelle aufgedeckt.

Die Untersuchung der Innenbebauung ergab, dass es dort zwei bzw. drei fast gleich große Räume gegeben hat. An der Südostecke konnte ein vom Innenhof führender Drainagekanal freigelegt werden, der durch die Wehrmauer zum Graben reichte.

Kleinkastelle gehörten neben den Türmen zu den wesentlichen Stützpunkten der römischen Truppe direkt hinter dem Limes. Ihre Nutzung ist in der Regel jedoch unbekannt. Es wird angenommen, dass die unbekannte Einheit des Kleinkastells Rötelsee für die Überwachung eines Limesabschnitts zuständig war.

Limesverlauf zwischen dem Kleinkastell Rötelsee und dem Kastelle von Welzheim

Limesbauwerke zwischen dem Kleinkastell Rötelsee und dem Kastelle von Welzheim
ORL[A 1] Name/Ort Beschreibung/Zustand
KK[A 2] Kleinkastell Rötelsee siehe oben
Wp 9/129[A 3] Turmstelle[A 4] nicht sichtbar.
Wp 9/130 Turmstelle[A 5] nicht sichtbar.
Wp 9/131 Turmstelle[A 6] nicht sichtbar.
ORL 45/45a[A 7] Kastelle von Welzheim siehe Hauptartikel Kastelle von Welzheim

Denkmalschutz

Das Kleinkastell Rötelsee sowie der Limes und seine Wachtürme sind Bodendenkmale nach dem Denkmalschutzgesetz des Landes Baden-Württemberg (DSchG). Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind genehmigungspflichtig, Zufallsfunde an die Denkmalbehörden zu melden.

Siehe auch

Literatur

  • Dietwulf Baatz: Der Römische Limes. Archäologische Ausflüge zwischen Rhein und Donau. 4. Auflage, Gebr. Mann, Berlin 2000, ISBN 3-786-12347-0, S. 245.
  • Philipp Filtzinger, Dieter Planck, Bernhard Cämmerer: Die Römer in Baden-Württemberg. 3. völlig neubearbeitete Ausgabe, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1986, ISBN 3806202877.
  • Dieter Planck, Willi Beck: Der Limes in Südwestdeutschland. 2. völlig neubearbeitete Auflage, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0496-9.
  • Britta Rabold, Egon Schallmayer, Andreas Thiel: Der Limes. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-8062-1461-1.
  • Walter Sölter (Hrsg.): Das römische Germanien aus der Luft. 2. Auflage. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1983, ISBN 3-7857-0298-1.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Oscar Paret: Württemberg in vor- und frühgeschichtlicher Zeit, W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1961, S. 342.

Anmerkungen

  1. ORL = Nummerierung der Limesbauwerke gemäß der Publikation der Reich-Limes-Kommission zum Obergermanisch-Rätischen-Limes.
  2. KK = nicht nummeriertes Klein-Kastell.
  3. Wp = Wachposten, Wachturm. Die Ziffer vor dem Schrägstrich bezeichnet den Limesabschnitt, die Ziffer hinter dem Schrägstrich in fortlaufender Nummerierung den jeweiligen Wachturm.
  4. Ungefähr bei 48° 53′ 5″ N, 9° 38′ 5″ O48.8847222222229.63472222222227.
  5. Ungefähr bei 48° 52′ 43,75″ N, 9° 38′ 13,5″ O48.8788194444449.63708333333337.
  6. Ungefähr bei 48° 52′ 32″ N, 9° 38′ 18″ O48.8755555555569.63833333333337.
  7. ORL XY = fortlaufende Nummerierung der Kastelle des ORL.

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