Karl Herwig


Karl Herwig

Karl Herwig (* 25. Juli 1895 in Wesselburen; † 20. Januar 1967) war NSDAP-Bürgermeister der Städte Wesselburen und Heide (Holstein), SS-Oberführer und Kriegsverbrecher.

Leben

Karl Hinrich Herwig wurde am 25. Juli 1895 als Sohn von Engelhard Herwig in Wesselburen geboren. Herwig besuchte kurze Zeit die Oberrealschule in Heide und verließ die Schule ohne Abschluss.

Ab dem 21. September 1914 war Herwig Soldat im Ersten Weltkrieg, am 6. Oktober 1917 wurde er zum Gefreiten befördert. Am 30. November 1918 wurde er nach Heide versetzt. Die Entlassung aus dem Militärdienst erfolgte am 19. Februar 1920. 1919 heiratete Herwig Elly Peters, mit der er drei Kinder hatte. Von Beruf war er Maschinenschlosser, benutzte aber die nicht geschützte Berufsbezeichnung Ingenieur. Von 1925 bis 1927 war Herwig Mitglied beim Stahlhelm. 1928 trat er in die NSDAP und die SA ein und übernahm 1929 die Leitung der Ortsgruppe der NSDAP in Wesselburen. Er zog bei der Kommunalwahl 1929 für die NSDAP in den Stadtrat ein und wurde stellvertretender Bürgermeister von Wesselburen.

1930 wurde Herwig Mitglied der SS. Von 1932 bis 1945 leitete er die SS-Standarte 53. 1932 wurde er kommissarischer Bürgermeister von Wesselburen, zum 1. April 1933 wurde ihm offiziell dieses Amt übertragen. Am 1. April 1933 erschien auch ein Aufruf zum Boykott jüdischer Geschäfte im Dithmarscher Boten, unter dem Herwigs Name stand. Eine Gruppe von SA- und SS-Männern unter der Führung von Herwig besetzte mit geladenen Karabinern am 13. März 1933 das Rathaus in Büsum und enthob den Büsumer Bürgermeister Otto Johannsen seines Amtes. Johannsen hatte am 7. März 1933 die Herausgabe der schwarz-rot-goldenen Fahne an SA-Männer verweigert.

Am 22. Januar 1934 wurde Herwig als Bürgermeister entlassen, da er die Verhaftung von vier SS-Leuten verhinderte, die ein Mitglied des Tannenbergbundes überfallen hatten. Nach zwei Tagen wurde er jedoch wieder als Bürgermeister von Wesselburen eingesetzt.

Als 1937 der Sitz der SS-Standarte 53 nach Heide verlegt wird, wird Herwig nach einem Bittbrief an Heinrich Himmler auch zum Bürgermeister von Heide (Holstein) eingesetzt und löst damit Hermann Hadenfeldt vorzeitig ab. 1937 übernahm Herwig zusätzlich die neu gegründete SD-Außenstelle Heide.

Von Oktober bis Dezember 1940 war er für die Einwandererzentrale in Rumänien tätig. Die Einwandererzentrale organisierte die Umsiedlung von Volksdeutschen nach Rumänien. Am 30. Januar 1941 wurde er von Heinrich Himmler zum SS-Oberführer befördert.

Im Mai 1941 verschickte Herwig Einladungen zur Hinrichtung des Zwangsarbeiters Stefan Slowinski in Norderwurth. Der Pole wurde des Verhältnisses mit einer Deutschen bezichtigt. Zeitzeugen berichteten, dass „Karl Herwig auf der Hinrichtungsstätte das Gefühl der Macht über Leben und Tod mit Nachdruck zur Schau stellt.“[1] Wer juristisch für die Hinrichtung verantwortlich war, ist nicht geklärt worden.

Im Rahmen der Aktion Gewitter nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 wies Herwig den Stadtdirektor an, eine Liste von ehemaligen Vertretern der Linksparteien zu erstellen. Die drei Sozialdemokraten Auguste Ebeling, Thord Jibsen und Emil Schmekel und der Kommunist Erich Böhlig wurden daraufhin verhaftet. Nur Ebeling und Jibsen überlebten. Schmekel starb im KZ Bergen-Belsen, Erich Böhlig auf der Cap Arcona.

Vom 10. Mai 1945 bis zum 24. November 1947 befand Herwig sich in Internierungshaft. Die Spruchkammer Bielefeld verurteilte ihn am 17. November 1947 zu neun Monaten Gefängnis und 2000 RM Geldstrafe, „weil er nach dem 1.9.1939 der SS und dem SD angehört hat, obwohl er wusste, dass diese Organisationen für die Begehung von Handlungen benutzt wurden, die durch Art. VI der Satzungen des Internationalen Militärgerichts für verbrecherisch erklärt worden sind.“[2]

Die Heider SPD gab in dem Ermittlungsverfahren der bundesdeutschen Behörden über Herwig die folgende Stellungnahme ab: „Es ist der Partei bekannt, dass Karl Herwig in Heide und im Kreise Norderdithmarschen als Aktivist übelster Sorte gilt.“[3] Durch Urteil der II. Strafkammer des Landgerichts Flensburg vom 4. Juli 1948 wurde Herwig wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Zehn Monate dieser Strafe galten aber durch die Untersuchungs- und Internierungshaft als verbüßt.

Literatur

  • Marie-Elisabeth Rehn: Heider gottsleider – Kleinstadtleben unter dem Hakenkreuz. Neuauflage. Pro Business, Berlin 2005, ISBN 3-939000-31-0
  • Martin Gietzelt, Ulrich Pfeil: Dithmarschen im „Dritten Reich“ 1933–1945 in Geschichte Dithmarschens, Heide 2000

Einzelnachweise

  1. Marie-Elisabeth Rehn: Heider gottsleider – Kleinstadtleben unter dem Hakenkreuz. Neuauflage. Pro Business, Berlin 2005, ISBN 3-939000-31-0, Seite 122
  2. Marie-Elisabeth Rehn: Heider gottsleider – Kleinstadtleben unter dem Hakenkreuz. Neuauflage. Pro Business, Berlin 2005, ISBN 3-939000-31-0, Seite 126
  3. Marie-Elisabeth Rehn: Heider gottsleider – Kleinstadtleben unter dem Hakenkreuz. Neuauflage. Pro Business, Berlin 2005, ISBN 3-939000-31-0, Seite 131

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Herwig — ist ein männlicher Vorname und stammt aus dem Althochdeutschen (zusammengesetzt aus den Begriffen „heri“ = Heer und „wig“ = Kampf). Er ist der Vorname folgender Personen: Herwig Birg (* 1939), deutscher Bevölkerungswissenschaftler Herwig von… …   Deutsch Wikipedia

  • Herwig Seeböck — (* 7. Dezember 1939 in Wien; † 28. Februar 2011 ebenda) war ein österreichischer Schauspieler, Regisseur und Kabarettist. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Werke 3 Weblinks …   Deutsch Wikipedia

  • Herwig Hösele — (* 17. Juli 1953 in Graz) ist ein österreichischer Publizist und ehemaliger Politiker (ÖVP). Berufliche Laufbahn Zunächst Mitglied der politischen Redaktion der in Graz erscheinenden Süd Ost Tagespost – der Zeitung der steirischen ÖVP – wurde er… …   Deutsch Wikipedia

  • Herwig van Staa — (2004) Herwig van Staa (* 10. Juni 1942 in Linz, Oberösterreich) ist ein österreichischer Politiker (ÖVP). Er ist Landtagspräsident des österreichischen Bundeslandes Tirol und war zwischen 2002 und 2008 Tiroler Landeshauptmann …   Deutsch Wikipedia

  • Herwig Pöschl — (* 1950) ist Kurator für Kunstprojekte und strategische Kulturentwicklung, er ist auch Educational Cultural Producer und Lehrbeauftragter an den Universitäten Lugano, Turin und Bologna. Er lebt und arbeitet in Berlin. Er ist Gründungsmitglied der …   Deutsch Wikipedia

  • Herwig Büchele — (* 1935 in Feldkirch) ist österreichischer Theologe und Autor. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Schriften 3 Auszeichnungen 4 …   Deutsch Wikipedia

  • Herwig Gradischnig — (* 18. Februar 1968[1] in Bruck an der Mur) ist ein österreichischer Jazzsaxophonist. Leben und Wirken Gradischnig studierte Saxophon an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz und an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz …   Deutsch Wikipedia

  • Karl Dönitz — Großadmiral Karl Dönitz, later Reichspräsident of Germany President of Germany In office 30 April 1945 – 23 May 1945 Chance …   Wikipedia

  • Karl Emil Franzos — ca. 1885 Karl Emil Franzos (* 25. Oktober 1848 in Russisch Podolien nahe von Czortkow, Galizien (Podolien, Ukraine); † 28. Januar 1904 in Berlin) war ein zu seiner Zeit sehr populärer österreichischer Schriftsteller und Pu …   Deutsch Wikipedia

  • Herwig Hamperl — (* 12. September 1899 in Wien; † 22. April 1976 in Bonn) war ein deutscher Pathologe und Hochschullehrer. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Werk 3 Schriften (Auszug) …   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.