Jules Greenbaum

Jules Greenbaum

Jules Greenbaum (eig. Grünbaum, * 15. Januar 1867 in Berlin; † 1. November 1924 ebenda; gebürtig Julius Grünbaum) war ein deutscher Filmproduzent und Pionier des deutschen Films.

Leben und Wirken

Er lebte mit seiner Ehefrau Emma zunächst in den USA, wo in Chicago am 11. November 1889 sein erster Sohn George geboren wurde. 1895 kehrte er nach Berlin zurück und wurde dort am 3. März 1896 Vater seines zweiten Sohnes Max. Beide Söhne betätigten sich später als Kameraleute, Max wurde als Mutz Greenbaum bzw. Max Green später ein bedeutender Kameramann beim britischen Film.

Jules Greenbaum eröffnete 1897 ein Geschäft und vertrieb ausländische Filme. 1899 gründete er die Firma Deutsche Bioscope GmbH, um selbst zu produzieren. Dazu holte er den Kameramann Georg Furkel, den er in Amsterdam kennengelernt hatte, zu sich in sein Unternehmen. Der Film einer Frühjahrsparade im Jahr 1899 mit Kaiser Wilhelm II. war sein Erstling, dem zahlreiche weitere Dokumentationen folgten. Neben Oskar Messter wurde Greenbaum der wichtigste deutsche Filmproduzent in der Zeit nach der Jahrhundertwende.

In Wien war Greenbaum an der Gründung der Filmzeitschrift Das Kino-Journal beteiligt, das am 15. September 1902 das erste Mal erschien.[1]

Häufig ließ er Stapelläufe und Flottenparaden in Wilhelmshaven und Danzig aufnehmen. 1907 entstanden Berichte aus den deutschen Kolonialgebieten in Afrika. 1908 nannte er seine Firma in Bioscope-Theater GmbH um. Greenbaum vertrieb auch Filmgeräte und eröffnete 1906 in der Friedrichstraße 10 mit den Vitascope-Lichtspielen sein erstes Kino. 1907 gründete er die Vitascope-Theater Betriebs-GmbH, die 1909 in Deutsche Vitascope GmbH umbenannt wurde.

1910 ließ er unter der Regie von Viggo Larsen mit Arsène Lupin contra Sherlock Holmes seinen ersten Spielfilm drehen. Zu seinem Repertoire gehörten Detektiv-, Sensations-, Abenteuerfilme und Western, mehrmals mit Albert Bassermann als Hauptdarsteller. 1913 begann der Bau eines Doppel-Ateliers in Weißensee mit dem damals größten Kopierwerk Deutschlands.

Im Januar 1914 fusionierte Greenbaums Firma mit der Filmfirma PAGU zur Union-Vitascope. Das Vitascope-Atelier wurde im Juli an Pathé Frères verkauft, nach Kriegsausbruch aber beschlagnahmt und Greenbaum zurückgegeben. Im November beendete Greenbaum die Zusammenarbeit mit PAGU und gründete die Greenbaum-Film GmbH. 1916 schloss Greenbaum erneut mit Bassermann einen Vertrag, der bis 1920 in 17 Greenbaum-Produktionen mitwirkte.

1922 begann ein Rechtsstreit zwischen der Auslandsabteilung der UFA und der Greenbaum-Film GmbH, der 1924 eingestellt wurde. Greenbaum selbst war zu dieser Zeit bereits schwer erkrankt. Er wurde nach seinem Tod auf dem jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee bestattet. Die Firma bestand noch bis 1932.

Einzelnachweise

  1. Nachruf auf Jules Greenbaum, in: Das Kino-Journal, Nr. 745, Wien, 8. November 1924, S. 10

Weblinks


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