Johanniskirche (Gera)

Johanniskirche (Gera)
Johanniskirche 2009

Die Johanniskirche ist eine evangelisch-lutherische Kirche in Gera. Sie ist die größte Kirche der Stadt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die ursprüngliche Johanniskirche auf dem Johannisplatz

Die erste Geraer Johanniskirche stand am heutigen Johannisplatz in der westlichen Altstadt und ist bereits um 1200 als Pfarrkirche erwähnt. Bis zur Errichtung der Salvatorkirche im 18. Jahrhundert war sie die einzige Pfarrkirche der Stadt. Ihre Gruft bildete die Grablege der Herren von Reuß-Gera. Beim Geraer Stadtbrand 1780 brannte die Kirche ab und wurde trotz verschiedener Planungen und Finanzierungsversuche nicht wieder aufgebaut. 1824 wurde die Ruine abgebrochen.

Die neue Johanniskirche

Die neogotische Backsteinkirche entstand, nachdem 1880/1881 endlich (überwiegend aus Spenden der Bevölkerung) die Finanzierung eines Kirchenneubaus gelungen war. Der Standort ist in der heutigen Clara-Zetkin-Straße, Ecke Zabelstraße nördlich der Altstadt zu finden. Zu dieser Zeit hatte Gera, bedingt durch die Industrialisierung, bereits etwa 30.000 Einwohner, denen mit der Salvatorkirche nur eine einzige Pfarrkirche zur Verfügung stand. Die Weihe der neuen Johanniskirche fand am 18. September 1885 statt.

Friedensgebet in der Johanniskirche, 26. Oktober 1989

Am 22. März 1894 wurde ein vor der Kirche aufgestelltes Kaiser-Wilhelm-Reiterstandbild feierlich mit einer Parade vor dem reußischen Erbprinzen Heinrich XXVII. eingeweiht. Es war von Gustav Eberlein geschaffen worden und wurde in der Zeit des Nationalsozialismus entfernt.

Beim schwersten Bombenangriff auf Gera während des Zweiten Weltkriegs wurden am 6. April 1945 das Dach sowie Fenster und Glasrosetten der Johanniskirche zerstört. Von 1972 bis 1975 fanden Renovierungsarbeiten statt, am 11. Mai 1975 wurde die renovierte Kirche wieder eingeweiht.

Im Herbst 1989 war die Johanniskirche das Zentrum der Donnerstagsdemonstrationen der Geraer Friedensbewegung. Zur deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 wurden vor der Kirche eine Linde gepflanzt und ein Gedenkstein aufgestellt. 1995 wurden wertvolle Sarkophage des Hauses Reuß, darunter die von Heinrich II. Posthumus und seiner zweiten Ehefrau Magdalene von Schwarzburg-Rudolstadt, in die Sakristei der Johanniskirche überführt.

Geläut

Das ursprüngliche Bronze-Geläut der Kirche wurde 1917 eingeschmolzen. 1922 wurde es durch drei Stahlguss-Glocken mit den Durchmessern 1,65 m, 1,38 m und 1,25 m ersetzt.[1]

Zum 125-jährigen Kirchweihjubiläum am 18. September 2010 erhielt die Johanniskirche drei neue Bronzeglocken, die im Rahmen eines Festgottesdienstes unter freiem Himmel von Landesbischöfin Ilse Junkermann geweiht wurden. Die Herstellung der Glocken wurde durch Spendengelder in Höhe von über 70.000 Euro finanziert. Sie wurden in der Bronzegießerei der Abtei Maria Laach gegossen; die Glockenzier besorgte der Geraer Künstler Erik Buchholz. Die drei Glocken tragen Inschriften mit Zitaten aus dem Johannesevangelium: „Ich bin der gute Hirte“ (Morgenglocke), „Ich bin das Licht der Welt“ (Mittagsglocke) und „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ (Abendglocke).[2][3]

Literatur

  • Siegfried Mues, Klaus Brodale: Stadtführer Gera. Gondrom Verlag, Bindlach 1995, ISBN 3-81120821-7.

Quellen und Anmerkungen

  1. Sylvia Eigenrauch: Mit den Glocken auf Augenhöhe. In: Ostthüringer Zeitung (Lokalausgabe Gera) vom 17. September 2007.
  2. Angelika Munteanu: Glockenweihe in St. Johannis. In: Ostthüringer Zeitung (Lokalausgabe Gera) vom 15. September 2010.
  3. Uwe Müller: Glocken von St. Johannis geweiht. In: Ostthüringer Zeitung (Lokalausgabe Gera) vom 20. September 2010.

Weblinks

 Commons: Johanniskirche (Gera) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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