Johannes Markus

Johannes Markus
Darstellung des Evangelisten Marcus im Lorscher Evangeliar, karolingische Buchmalerei, um 810

Johannes Markus oder Markus ist eine Gestalt des Neuen Testaments, nach altchristlicher Tradition auch der erste Bischof von Alexandria und damit Begründer der Koptischen Kirche und der Verfasser des Markusevangeliums. Sein Symbol ist der Löwe.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Quellen über sein Leben sind das Neue Testament, insbesondere die Apostelgeschichte, und die Kirchenväter Papias, Eusebius von Caesarea, Hieronymus und Epiphanius.

Die Identität des Verfassers des Markusevangeliums mit den Namensträgern im Neuen Testament ist umstritten. Die kirchliche Tradition schreibt das anonym verfasste Evangelium dem in der Apg genannten Johannes Markus zu.

Johannes Markus war ein Judenchrist in Jerusalem (Apg 12,12 EU) und der Vetter des Barnabas (Kol 4,10 EU). Das Haus seiner Mutter wird später zum Mittelpunkt der Jerusalemer Urgemeinde.

Johannes Markus wurde von Barnabas und Paulus auf die erste Missionsreise mitgenommen (Apg 13,4 EU), hielt aber nicht durch und kehrte in Perge in Pamphylien um. Zur zweiten Missionsreise wollte Barnabas Markus wieder mitnehmen, aber Paulus weigerte sich und wählte Silas zum Gefährten, während Barnabas mit Markus nach Zypern fuhr (Apg 15,36–40 EU).

Später besteht wieder ein gutes Verhältnis zwischen Paulus und Markus, der während der ersten Gefangenschaft bei Paulus in Rom ist (Kol 4,10 EU, Phlm 24 EU) und um dessen Kommen Paulus bei seiner zweiten römischen Haft den Timotheus ausdrücklich bittet (2 Tim 4,11 EU).

Eine Identifizierung des Johannes Markus mit dem im 1. Petrusbrief genannten Markus ist ebenfalls unsicher. Die kirchliche Tradition zieht diese Verbindung und legt somit Rom als Abfassungsort des MarkusevangeliumsMarkusevangeliums fest. Demnach befindet er sich in Rom bei Petrus (1 Petr 5,13 EU), der ihn seinen Sohn nennt. Im Evangelium finden sich aber keine Anzeichen, dass der Verfasser Augenzeuge der irdischen Tage Jesu war, was gegen eine Mitwirkung des Petrus am Evangelium spricht.

Die Vermutung, dass Markus mit dem unbekannten jungen Augenzeugen der Gefangennahme Jesu (Mk 14,51f EU) – jenem nur bei Markus erwähnten jungen Mann, den ein römischer Soldat am Gewand festhielt, worauf er es abstreifte und nackt floh – sich selbst gemeint hat, ist möglich und wird von der kirchlichen Tradition gestützt.

Papias berichtet ca. 130, dass Johannes Markus der Übersetzer des Petrus war und die Lehren von Petrus genau niedergeschrieben hat, jedoch nicht in der gleichen Reihenfolge, wie er sie gehört hat.

Eusebius, Hieronymus und Epiphanius berichten, dass Markus der Gründer der Gemeinde in Alexandria war – die Zeit seiner Ankunft wird als die Vierziger oder Fünfzigerjahre angegeben. Die koptische Kirche sieht ihn als ihren ersten Papst.

Quellen aus dem vierten Jahrhundert (Hieronymus, Eusebius von Caesarea, Markusakten) berichten vom Märtyrertod des Markus in Alexandria.

Werke

  • Nach altchristlicher Tradition das Evangelium nach Markus.
  • Nach alexandrinisch-ägyptischer Tradition die Liturgie des Heiligen Markus (alias Cyrillus-Liturgie)

Heiligenverehrung

Überführung der Markusreliquien nach San Marco, um 1265, nördl. Portal der Hauptfassade

Im Vorwort einiger Vulgataausgaben wird er bezeichnet als „Markus der Evangelist, der in Israel ein priesterliches Amt ausübte, ein Levite von Herkunft“. Vermutlich geht das darauf zurück, dass er ein Vetter des Leviten Barnabas (Apg. 4,36) war.

Die Stadt Aquileja hat eine in der Legenda Aurea erwähnte, aber von keinerlei altkirchlichen Quellen bestätigte Überlieferung, dass Markus dort gepredigt und ein zweites, lateinisches Evangelium abgefasst habe.

In Alexandria ist jahrhundertelang der Mantel des heiligen Markus aufbewahrt worden, mit dem jeder Bischof bei seinem Amtsantritt bekleidet wurde. Bereits aus dem vierten Jahrhundert wird von Wallfahrten zum Grab des Heiligen Markus berichtet.

Nach koptischer Tradition stellte Markus die Heilige Liturgie zusammen, eine der ältesten Liturgien der Kirche, von der die anderen drei orthodoxen Liturgien abstammen. Sie wurde auswendig gelernt und mündlich weitergegeben, bis sie 330 von Athanasius aufgezeichnet und dem ersten Bischof von Äthiopien übergeben wurde. Die Liturgie wurde von Cyril von Alexandria stark erweitert und ist seither als Liturgie des Heiligen Cyrill bekannt. Ein Papyrus-Fragment aus dem vierten oder fünften Jahrhundert befindet sich in Strassburg. Mittelalterliche Kopien sind u. a. im Besitz des Vatikans und eine Fassung existiert auch in äthiopischer Sprache.

Vermutlich im 6. Jahrhundert (nach den Legenda Aurea bereits 467) wurden die Markusreliquien von venezianischen Seefahrern in Alexandria geraubt und nach Venedig überführt, was in den Berichten von einigen Wundern begleitet wird. Bezüglich des Datums gibt es unterschiedliche Überlieferungen, aber venezianische Münzen mit dem Abbild von Markus und Berichte von Wallfahrten in der Mitte des 7. Jahrhunderts lassen annehmen, dass die Reliquien damals in Venedig waren. Dort baute man ihm zu Ehren die Vorläuferkirche des Markusdoms und später den Markusdom. Der geflügelte Markuslöwe wurde zum Staatswappen der Republik Venedig, Ausdruck ihres Selbstbewusstseins gegenüber Rom (Petrus), dem Frankenreich (Mantel des hl. Martin) und Byzanz (Andreas).

Zur Rechtfertigung diente eine Legende, wonach Markus auf seinen Missionsfahrten auch die (noch unbewohnte) Lagune von Venedig durchquert habe und dort von einem Engel die Weissagung erhalten habe, hier würden einst seine Gebeine ruhen. Der Gruß des Engels PAX TIBI MARCE EVANGELISTA MEUS („Friede dir, Markus, mein Evangelist“) ist den meisten venezianischen Darstellungen des Markuslöwen beigegeben.

Der heutige steinerne Sarkophag unter dem Hauptaltar von San Marco trägt auf lateinisch die Inschriften Leib des heiligen Evangelisten Markus (Vorderseite) und Es grüßt euch mein Sohn Markus (1 Petr 5,13 EU; Rückseite).

Ein Teil der venezianischen Reliquien wurde 1968 anlässlich der 1900-Jahr-Feier der Gründung der koptischen Kirche an den Patriarchen von Alexandria als Geste guten Willens zurückgegeben und wird seitdem in der päpstlichen Markuskathedrale in Kairo verwahrt.

Gedenktag

Bauernregel

Eine, dem katholischen Namenstag am 25. April entsprechende Bauernregel lautet: Ist's jetzt um den Markus warm, dann friert man danach bis in den Darm.

Patronate

Der Heilige ist Schutzpatron der Stadt Venedig, der Bodenseeinsel Reichenau, der ägyptischen Christenheit sowie der Berufe Bauarbeiter, Maurer, Glaser, Korbmacher, Notare und Schreiber. Er wird bei Unwetter, jähen Tod, Blitz, Hagel, Krätze, Qualen angerufen. Zudem soll er zu gutem Wetter und guter Ernte verhelfen.

Reliquien des Markus befinden sich außer in Kairo und Venedig auch auf der Insel Reichenau, in Rom, Paris, Cambrai, Tournai und Köln.

Ikonografie

Der Löwe als Symbol des Evangelisten Markus über dem Hauptportal von San Marco

Markus wird gemeinsam mit einem geflügelten Löwen (Markuslöwe) dargestellt, denn dieser betont die Kraft der Auferstehung und Todesüberwindung und macht zudem die klare Identifizierung des Evangelisten möglich. Der Markuslöwe ist schon im 4. Jahrhundert nachweisbar und leitet sich wie die anderen Evangelistensymbole aus Offb 4,7 EU ab. Die Attribute der Markusfigur sind stark von der Zeit der Darstellung abhängig, jedoch wird er häufig als Mann mittleren Alters gezeigt, mit langem Bart, dunklen Haaren und einem kraftvollem Gesicht. Eindeutig als Schreiber eines der Evangelien kennzeichnen ihn fast immer ein Buch (geschlossen oder offen), eine Feder oder weitere Schreibutensilien. Ab der Renaissance wird Markus des Weiteren eine antikisierende Tracht (Tunika, Toga) tragend dargestellt, die gelegentlich in der Hüfte gegürtelt ist. In den meisten Ikonografien ist Markus eine aktive Einzelfigur. Die überwiegende Mehrzahl der Abbildungen des Evangelisten finden sich in der Buchmalerei.

Siehe auch

Literatur

Weblinks


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