Johann Nepomuk

Johann Nepomuk
St. Nepomuk, Darstellung aus dem 18. Jahrhundert

Johannes Nepomuk (tschechisch: Jan Nepomucký, auch Jan z Pomuku oder Jan z Nepomuku, * um 1350 als Johannes Welflin oder Wolfflin in Pomuk bei Pilsen; † 20. März 1393 in Prag) war ein böhmischer Priester und Märtyrer.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Johannes Nepomuk entstammte vermutlich einer deutsch-böhmischen Familie und wuchs in Pomuk in der Nähe eines Zisterzienserstiftes auf. 1369 wurde er kaiserlicher Notar in der Kanzlei des Erzbistums Prag. Nach der Priesterweihe 1380 studierte er Rechtswissenschaften an den Universitäten von Prag (1381 Bacc.iur.) und Padua (1387 Dr.iur.can.). 1389 ernannte ihn der Prager Erzbischof Johann von Jenstein zu seinem Generalvikar.

Das Martyrium des St. Nepomuk. Deckenfresko von Joseph Anton Merz in der Pfarrkirche Thürnthenning
Stelle der Ertränkung Johannes von Nepomuks auf der Karlsbrücke

1392 übergab der Bischof König Wenzel eine Beschwerdeschrift, mit der er eine Klärung der kirchenrechtlichen Verhältnisse erreichen wollte, und in der es vor allem um die Unterdrückung der Kirche und des Klerus ging. Der König verweigerte eine Antwort und beabsichtigte, den kirchlichen und wirtschaftlichen Einfluss des Bischofs zu schmälern. Zu diesem Zweck plante er, das Gebiet des Erzbistums Prag durch Errichtung eines westböhmischen Bistums Kladrau zu verkleinern. Zur Dotation des Bistums sah er das reiche Benediktinerkloster Kladrau vor, dem 87 Dörfer unterstanden. Nach dem Tode des Kladrauer Abtes Racek sollte der königliche Kandidat Wenzel Gerard von Burenitz zu dessen Nachfolger und gleichzeitig zum ersten Bischof des zu errichtenden Bistums Kladrau ernannt werden. Diese Pläne vereitelten die bischöflichen Generalvikare Johannes von Nepomuk und Nikolaus Puchník von Černice, indem sie Anfang 1393 die Stelle des Kladrauer Abtes auf Weisung des Erzbischofs mit einem anderen Kandidaten besetzten.

Im weiteren Verlauf der Auseinandersetzungen wurde Johannes von Nepomuk verhaftet, gefoltert und schließlich von der Karlsbrücke aus in der Moldau ertränkt. Der Bischof ließ ihn im Prager Veitsdom bestatten, und schon kurze Zeit später setzte seine Verehrung als Märtyrer ein, auch wenn die Heiligsprechung durch die Kirche erst Jahrhunderte später erfolgte.

Nepomuks Begräbnisstätte im Veitsdom wurde im 17. Jahrhundert von Joseph Emanuel Fischer von Erlach im Stil des Hochbarock neu gestaltet. Das kunsthistorisch bemerkenswerte Hochgrab besteht aus 16,5 Tonnen Silber.

Legende und religiöse Bedeutung

Hochgrab im Veitsdom
An einer Brücke über den Leimbach in Schwetzingen

Nach der Legende, die zur Heiligsprechung des Johannes von Nepomuk führte, entsprang sein Streit mit dem König nicht dem kirchenpolitischen Konflikt, sondern seiner Weigerung, das Beichtgeheimnis zu brechen. Demnach habe der Priester dem König nicht preisgeben wollen, was dessen Frau ihm anvertraut habe. Deshalb habe Wenzel ihn foltern und anschließend von der Prager Karlsbrücke ins Wasser stürzen lassen.

Bereits im Dreißigjährigen Krieg ließ Graf Jaroslav Bořita von Martinitz in seinem Prager Palais eine Nepomukkapelle errichten. Der Prager Erzbischof Ernst Adalbert von Harrach bemühte sich in Folge als erster um die Heiligsprechung und wurde darin seit den 1670er Jahren auch von Kaiser Leopold I. persönlich unterstützt. Unter anderem sollte dadurch die Erinnerung an den anderen böhmischen Johannes, den »Ketzer« Johannes Hus, verdrängt werden. Aber erst 1721 wurde Johannes von Nepomuk von Papst Innozenz XIII. selig und am 19. März 1729 von Papst Benedikt XIII. heilig gesprochen. So findet sich auf barocken Darstellungen aus den dazwischen liegenden Jahren nur das Attribut beatus statt sanctus. In Folge erlangte Johannes von Nepomuk eine ungeheure Popularität bei allen Bevölkerungsschichten und drängte im 18. Jahrhundert den böhmischen Nationalheiligen Wenzel in den Hintergrund. Auch in den anderen Ländern der Habsburgermonarchie entstand ein reger Nepomukkult, der neben den österreichischen Ländern bis nach Pavia, ins Banat und die österreichische Walachei reichte. Obwohl nicht offiziell als solcher installiert, kann Nepomuk für die Zeit des Barock als »Staatsheiliger« des gesamten Habsburgerreiches gelten.

Johannes von Nepomuk gilt als Schutzpatron

  • von Böhmen und Bayern
  • der Beichtväter, Priester, Schiffer, Flößer und Müller
  • des Beichtgeheimnisses
  • für Verschwiegenheit
  • gegen Wassergefahren
  • der Brücken

Daneben ist er Patron zahlreicher Kirchen. siehe: Johannes-Nepomuk-Kirche.

Statuen des Heiligen stehen häufig auf oder neben Brücken. Eine der bekanntesten, 1683 von Johann Brokoff geschaffen, befindet sich auf der Prager Karlsbrücke an der Stelle, wo er angeblich in die Moldau gestürzt worden war. Bildliche Darstellungen zeigen ihn meist mit einem Kreuz in einer Hand und bisweilen – als Zeichen der Verschwiegenheit – mit einer Hand vor dem Mund. Sein Heiligenschein zeigt fünf Sterne, die als die fünf Buchstaben des lateinischen Wortes tacui („ich habe geschwiegen“) gedeutet werden.

Heraldik

Die rote Zunge im stilisierten Heiligenschein ist als Attribut für den Heiligen in der Heraldik eine symbolische Darstellungsform.

Siehe auch

Bilder

Literatur

  • Albert Stifter Verein (Hg.): Johann von Nepomuk. Variationen über ein Thema. Ausstellungskatalog. Texte von Karl B. Heppe, Johanna von Herzogenberg, Franz Matsche, Ferdinand Seibt u. a. München 1973
  • Siegfried Seifert, Zdeňka Hledíková. In: Erwin Gatz: Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches, Bd. I, ISBN 3-428-10303-3, S. 590–592
  • Ivan Slavík: Čtení o sv. Janu Nepomuckém Strakonice 1993
  • Vít Vlnas: Jan Nepomucký Česká legenda 1993
  • Thomas Winkelbauer, Ständefreiheit und Fürstenmacht. Länder und Untertanen des Hauses Habsburg im konfessionellen Zeitalter. Teil 2 (= Herwig Wolfram, Österreichische Geschichte 1522–1699) Wien 2003, ISBN 3-8000-3987-7, S. 208ff

Weblinks


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