Johann Martin Chladenius

Johann Martin Chladenius
Johann Martin Chladni

Johann Martin Chladni, auch: Johann Martin Chladenius (* 17. April 1710 in Wittenberg; † 10. September 1759 in Erlangen) war ein deutscher evangelischer Theologe und Historiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Geboren als Sohn des Martin Chladni besuchte er das Gymnasium Casimirianum in Coburg, immatrikulierte sich am 17. Oktober 1731 an der Universität Wittenberg, wo er im Anschluss an seine Studien mit dem Erhalt des philosophischen Magistergrades am 17. Oktober 1731 auch lehrte. Er ging an die Universität Leipzig wo er 1742 außerordentlicher Professor für Kirchenaltertümer wurde.

1743 übernahm er die Leitung des Casimirianums in Coburg und wurde 1747 als ordentlicher Professor für Theologie, Rhetorik und Dichtkunst an die Universität Erlangen berufen, wo er im selben Jahr zum Doktor der Theologie promoviert wurde. Obwohl er ursprünglich nicht zum Historiker ausgebildet war, machte er sich dennoch durch seine philosophisch fundierte und pragmatisch lehrhafte Geschichtstheorie einen Namen.

Als Theologe orientierte er sich an der lutherischen Orthodoxie, die er mit der Rationalismus von Christian Wolff und dem Empirismus zu verbinden suchte. In der Geschichtsschreibung ist er weit seiner Zeit voraus und legte als erster Geschichtsquellen an, nach einer hermeneneutischen Methode. Er trat dabei gegen die Vertreter des historischen Pyrrhonismus auf, führte den Begriff der Sehepunkte ein, von denen er multiperspektiv die historische Wirklichkeit betrachten konnte.

Chladni gilt mit seiner Auslegung als Begründer der modernen Geschichtswissenschaft.

Werke

  • Einleitung zur richtigen Auslegung vernünftiger Reden und Schriften, Leipzig 1742
  • Logica praetica. Ib 1742
  • Logica sacra Ib. 1745
  • Vernünftige Gedanken von dem Wahrscheinlichen und desselben gefährlichen Mißbrauche, 1748 [ND: Waltrop 1989]
  • Kleine Sammlung von Betrachtungen, Erlangen 1749
  • Nova philosophia disinitiva, Leipzig 1750
  • Opuscula academica varii generis, Leipzig 1750
  • Nova philosophia definitiva. IB 1750
  • Allgemeine Geschichtswissenschaft, worinnen der Grund zu einer neuen Einsicht in allen Arten der Gelahrtheit gelegt wird, Leipzig 1752.
  • Wöchentliche biblische Untersuchungen…, Erlangen 1754
  • Theologische Nachforscher…, Erlangen 1757
  • Von Auslegung historischer Nachrichten und Bücher, in: Gadamer, Hans Georg/Boehm, Gottfried (Hg.), Seminar: Philosophische Hermeneutik, Frankfurt/M. 1976, 69ff
siehe auch: Johann Georg Meusel: Lexikon der vom Jahr 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller. Leipzig, 1803, Bd. 2 S. 80

Literatur

  • Hans Proesler: Chladenius als Wegbereiter der Wissenssoziologie, KZfSS (Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie) 6 (1954) 617–622.
  • Anna Coreth: Chladni, Johann Martin. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, S. 206 f.
  • Claudia Schmölders: "Sinnreiche Gedancken". Zur Hermeneutik des Chladenius. Archiv für die Geschichte der Philosophie 58 (1976) 240–264.
  • C. Friederich: Johann Martin Chladenius: Die Allgemeine Hermeneutik und das Problem der Geschichte, in: Ulrich Nassen (Hrsg.), Klassiker der Hermeneutik, Paderborn 1982, S. 43–75.
  • Friedrich Gaede: Chladenius und die Folgen – Einwände zur hermeneutischen Diskussion. In: Digressionen – Wege zur Aufklärung – Festgabe für Peter Michelsen. Hg. v. G. Frühsorge, K. Manger, F. Strack. Heidelberg: C.Winter 1984.
  • Dirk Fleischer: Zwischen Tradition und Fortschritt. Der Strukturwandel der protestantischen Kirchengeschichtsschreibung im deutschsprachigen Diskurs der Aufklärung, 1. Bd., Waltrop 2006,S.139-355

Weblinks


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