Johann Friedrich Anton Fleischmann

Johann Friedrich Anton Fleischmann
Joh.Friedr. A.Fleischmann Meininger Museen

Johann Friedrich Anton Fleischmann (* 19. Juli 1766 in Marktheidenfeld; † 30. November 1798 in Meiningen) war ein deutscher Komponist.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Fleischmann wuchs als 10. Kind des ortsansässigen Schulmeisters Johann Friedrich Michael Fleischmann und dessen Frau Eva Maria in einem kultivierten Hause auf und wurde schon frühzeitig vom Vater im Klavierspielen unterrichtet. Bald erkannte man sein musikalisches Talent. Er ging ans Gymnasium in Mannheim (1774-1782). Er war Klavierschüler von Ignaz Holzbauer und Abbé Vogler. Seine Kompositionen erschienen zu seinen Lebzeiten im Druck bei André in Offenbach.

Ab 1782 studierte er in Würzburg an der Universität Würzburg "Rechte und Philosophie" und erlangte 1786 die philosophische Doktorwürde. Er bekam eine Anstellung als Privatsecretair des fürstlichen Thurn- und Taxisschen Regierungspräsidenten v. Welden in Regensburg. Auf einer größeren Landesinspektionsreise verfeinerte er durch viele Besuche von Theatern und Konzerten seinen Kunstsinn. Er trat im Jahre 1789 als Cabinets-Secretaire in den Dienst des Herzogs Georg I. von Sachsen-Meiningen. Er musste auf Wunsch des Herzogs seinen Geburtsnamen in Johann Anton Friedrich Fleischmann ändern. Ebenso musste er wie damals üblich die Religionszugehörigkeit des Herzogs annehmen. Im Jahre 1792 heiratete er in Themar Johanna Christiane Louise von Schulthes (1771-1856, Tochter erster Ehe von Johann Adolf von Schultes). Sie hatten mehrere Kinder.

Über sein kompositorisches Schaffen der Meininger Zeit gibt Fleischmann in einem Brief an seinen Verleger Auskunft:

„Was ich bis an mein 24tes Lebensjahr niedergeschrieben habe, wurde alles als unbrauchbar und fehlervoll von mir cassirt. Nun erst fingen meine Produkte an grammaticalisch richtig zu seyn, und nun erst fasste ich den Muth, mit ihnen vor dem Publikum zu erscheinen. Von dieser Periode an habe ich mehrere Orchester Symphonien, Conzerte, Sonaten und Parthien für Blasinstrumente gesetzt, die nur zunächst dem hiesigen Publikum bekannt sind, auch einige Opern von Mozart für Blasinstrumente achtstimmig arrangiert.“

Nachfahren

Er hatte mindestens einen Sohn W. Thurecht Fleischmann (1794–1886), dessen Sohn Alexander Fleischmann (1826–1891) den Roman „Looking Backward“ von Edward Bellamy übersetzte („Ein Rückblick aus dem Jahre 2000 auf das Jahr 1887“, Wiegand, Leipzig 1890). Binnen eines Jahres erschienen sieben Auflagen. Thurecht Fleischmann heiratete 1820 Antoinette Sophie von Schulthes (1798-1883), ebenfalls Tochter aus einer weiteren Ehe von Johann Adolf von Schultes mit Friederike von Imhoff, "die Blonde" genannt (1768-1811). Letztere ist eine Cousine von Amalie von Imhoff.

B.A. Johanna Müller (Künstlername: Müller-Koburg, 1860–1947), Tochter von Alexander Fleischmann, war Schriftstellerin, Malerin und Übersetzerin; sie hat viele Landschaftsbilder mit Motiven von Ostsee, Berlin und Coburg hinterlassen. Sie malte u.a. auch in Ahrenshoop.

Werke

1796 schrieb er das Singspiel Die Geisterinsel. In der Forschung wird es mittlerweile für sehr wahrscheinlich gehalten, dass das Wiegenlied „Schlafe mein Prinzchen schlaf ein“, welches bisher Wolfgang Amadeus Mozart (KV 350) oder dem Berliner Arzt Bernhard Flies zugeschrieben wurde, tatsächlich von Fleischmann stammt (Untersuchungen von E. Goretzki).

„Fleischmann vertonte nach neueren Forschungen als erster das berühmte, ursprünglich Mozart zugeschriebene, Wiegenlied 'Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein'. Der erste Takt ist mit der Flies’schen Version identisch, der weitere Verlauf weist Ähnlichkeiten auf, so dass man Fleischmann als den Schöpfer der Urfassung ansehen darf.“

  • Kleines Werksverzeichnis vorhandener Noten
    • Opus 1 Konzert für Klavier und Orchester C-Dur, 1794
    • Opus 2 Sonate für Klavier zu vier Händen G-Dur, 1795
    • Opus 3 Konzert für Klavier und Orchester (oder Orgel) d-moll, 1796
    • Opus 4 Konzert für Klavier und Orchester D-Dur, 1797 (zur Feier des Friedens)
    • Opus 5 Sinfonie A-Dur
    • Opus 6 Sinfonie D-Dur
    • Singspiel "Die Geisterinsel", 1798
    • Nr. 3 Partita f. Klarinette und Fagott und 2 Hörner F-Dur
    • Nr. 4 Quartet f. Klarinette und Fagott und 2 Hörner B-Dur
    • Nr. 5 Quartet f. Klarinette und Fagott und 2 Hörner S-Dur
    • Nr. 6 Quartet f. Klarinette und Fagott und 2 Hörner
    • Parthia - Sinfonie B-Dur
    • Air Variationen für Klavier B-Dur, 1787
    • Salve Regina, 1790
  • Lieder:
    • Wiegenlied aus F.W. Gotters "Ester" 1796
    • Maria
    • Aufforderung
    • Emma von Holdberg
    • Das Vorige
    • Im Grabe Ruh
    • Wiegenlied
    • An die Gitarre
    • Erfahrungen

Quellen

  • Musikalisches Conversationslexikon, H. Mendel, Berlin 1873 http://www.archive.org/stream/musikalischescon03mend#page/556/mode/2up
  • Ahnenforschung von E. Goretzki
  • Das Wiegenlied „von Mozart“, E. Goretzki / D. Krickenberg, Mitteilungen der Internationalen Stiftung Mozarteum, Salzburg, Juli 1988 (S.114 ff)
  • Noten des kleines Werkverzeichnisses im Besitz von Ernst Gaidzik, Bielefeld

Literatur

  • Moriz Fürstenau: Fleischmann, Friedrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 7, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 114.
  • Herta Müller: Zum Musikleben am Hofe Sachsen-Meiningen zwischen 1775 und 1803. In: Andrea Jakob: Herzog Georg I. von Sachsen-Meiningen. Ein Präzedenzfall für den aufgeklärten Absolutismus. Meininger Museen, Meiningen 2004, ISBN 3-910114-06-7, S. 207ff.
  • Joseph Anton Friedrich Fleischmann: Wie muss ein Tonstück beschaffen seyn, um gut genannt zu werden? - Was ist erforderlich zu einem vollkommenen Componisten. In: Allgemeine Musikalische Zeitung. Nr. 14 und 15, 1799
  • Thurecht Fleischmann: Biographie. Einige nähere Umstände aus dem Leben des am 30sten November 1798 verstorbenen Kabinets-Sekretairs Friedrich Fleischmann, in Meiningen. In: Allgemeine Musikalische Zeitung. Nr. 27, 1799, Sp. 421
  • Thomas Grön: Untersuchungen zum Leben und Werk J.F.A. Fleischmanns. Hochschule f. Musik, Würzburg 1990

Weblinks


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