Jacob Gedleyihlekisa Zuma


Jacob Gedleyihlekisa Zuma
Jacob Zuma

Jacob Gedleyihlekisa Zuma (* 12. April 1942 in Inkandla, Natal, Südafrika) ist ein südafrikanischer Politiker des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) und war von 1999 bis Juni 2005 Vizepräsident seines Landes. Seit dem 18. Dezember 2007 ist er Vorsitzender des ANC.[1] Er gehört dem Volk der Zulu an.

Inhaltsverzeichnis

Privates

Jacob Zuma wuchs in der Region Zululand in der heutigen Provinz KwaZulu-Natal in ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Vater, ein Polizeibeamter, starb, als Jacob drei Jahre alt war, daher blieb der Familie kein Geld für einen Schulbesuch Jacobs. Schon früh trug er mit Gelegenheitsjobs, unter anderem als Viehhirte, zum Unterhalt der Familie bei.

Zuma hat 17 Kinder von neun Frauen, die Angaben über die Zahl seiner gegenwärtigen Gattinnen schwanken zwischen drei und sechs.[2]

Politischer Werdegang

Im Alter von 17 Jahren schloss er sich 1959 dem ANC an. Nach dessen Verbot im Jahre 1960 blieb er für die Organisation tätig und wurde 1962 Mitglied der Untergrundorganisation Umkhonto we Sizwe („Speer der Nation“). Bereits 1963 wurde er gemeinsam mit 45 anderen Aktivisten von der südafrikanischen Polizei festgenommen und wegen regierungsfeindlicher Aktivitäten zu zehn Jahren Haft verurteilt, die er auf Robben Island verbrachte. Nach seiner Freilassung kehrte er nach Natal zurück und blieb in der weiterhin illegalen Anti-Apartheid-Bewegung aktiv.

1975 verließ er das Land und nahm an der Organisation der Exilbewegung in Swasiland und Mosambik teil. 1977 wurde er Mitglied des Exekutivkomitees des ANC und 1984 Hauptrepräsentant des ANC in Mosambik. 1987 musste er Mosambik auf Drängen der südafrikanischen Regierung verlassen und ging nach Lusaka (Sambia), wo sich das Hauptquartier des ANC befand. Nach seiner Rückkehr aus dem Exil 1990 nahm er an der Organisation offizieller Verhandlungen zwischen der südafrikanischen Regierung und dem ANC teil. Im selben Jahr wurde er Chef des ANC in Natal und im Jahr darauf auf dem ersten Parteikongress nach der Wiederzulassung Vizegeneralsekretär des ANC. Nach den Wahlen 1994 wurde er Mitglied der Provinzregierung in Kwazulu-Natal. 1997 wurde er zum Vizepräsidenten des ANC gewählt und 1999 von Präsident Thabo Mbeki zu seinem Stellvertreter bestimmt. Er gilt als guter Rhetoriker. Er spricht eine einfache Sprache und singt bei Wahlversammlungen sein Lieblingslied Gib mir mein Maschinengewehr aus der Zeit des bewaffneten Anti-Apartheid-Kampfes. Die Menge singt dann begeistert mit. Zuma gilt, insbesondere nach dem Aids-Gerichtsurteil, als einer der populärsten Politiker Südafrikas. Er ist davon überzeugt einer Frau ansehen zu können, ob sie Geschlechtsverkehr mit ihm wünscht.[3]

Am 2. Juni 2005 wurde Zumas Finanzberater Schabir Shaik wegen der Annahme von Bestechungsgeldern zu einer 15-jährigen Haftstrafe verurteilt. Der Prozess kostete mehrere ANC-Politiker ihre Ämter und führte zu Spekulationen um Zumas Verwicklung in die Affäre. Am 14. Juni wurde Zuma von Präsident Mbeki seines Amtes als Vizepräsident enthoben und sah sich nun einer Anklage wegen Korruptionsverdachts ausgesetzt. Nachfolgerin für sein Amt wurde die vorherige Ministerin für Energie und Bodenschätze Phumzile Mlambo-Ngcuka.

Am 15. Mai 2006 wurde Zuma wieder in das Amt des Vizepräsidenten des ANC aufgenommen, am 18. Dezember 2007 wurde er vom Afrikanischen Nationalkongress (ANC) zum neuen Vorsitzenden gewählt und schlug damit in einer Kampfabstimmung den bisherigen Amtsinhaber Thabo Mbeki. Als Amtsinhaber gilt Zuma nun als Favorit auf das Amt des Staatspräsidenten. Der ANC erzielte bei den Wahlen zur Nationalversammlung, die den Präsidenten wählt, seit 1994 stets klare Mehrheiten, zuletzt 2009 mit rund 66 Prozent der Stimmen.

Im März 2007 wurde er zum Prediger einer Freikirche ernannt.[1]

Nach einem innerparteilichen Machtkampf zwischen Zuma und Staatspräsident Mbeki kündigte der Amtsinhaber Ende September 2008 seinen Rücktritt zum 25. September 2008 an. Zuma gilt seitdem als designierter Präsidentschaftskandidat. Da er über keinen Parlamentssitz verfügte, schlug er den stellvertretenden Parteivorsitzenden des ANC, Kgalema Motlanthe, als Interimspräsidenten vor. Dieser wird Südafrika bis zu den geplanten Präsidentschaftswahlen im April 2009 regieren.[4][5][6]

Im September 2008 wurde Zuma von einem Gericht in Pietermaritzburg aufgrund von Verfahrensfehlern von den Korruptionsvorwürfen freigesprochen, zu der Frage seiner Schuld oder Unschuld in dem Verfahren wurde vom Vorsitzenden Richter ausdrücklich keine Stellung bezogen.[7]

Vergewaltigungs-Vorwürfe

Nicht ganz sechs Monate nach der Amtsenthebung wurde Zuma abermals eines schweren Deliktes beschuldigt. Er soll am 2. November 2005 eine Anti-AIDS-Aktivistin aus einer befreundeten Familie in seiner Residenz in Forest Town, Johannesburg, vergewaltigt haben. Das Verfahren wurde formell am Morgen des 6. Dezember 2005 eingeleitet. Bei einer Einvernahme gestand er den Sexualkontakt ein, jedoch unter beidseitiger Einwilligung. Am 8. Mai 2006 wurde er von Richter Willem van der Merwe der Anschuldigung – unter Jubel seiner Anhänger – freigesprochen, handelte sich jedoch eine Rüge der Richter ein, unverantwortlich gehandelt zu haben, da er beim Sex mit der HIV-infizierten Frau kein Kondom verwendete. Zuma sah in diesem Verhalten kein Problem, da er „nach dem Geschlechtsverkehr geduscht“ habe. Sein Verhalten löste weltweit Verwunderung und Bestürzung aus.

Politische und weltanschauliche Positionen

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Polygamie

Die Sunday Times kürte ihn zum „wohl prominentesten Polygamisten des Landes“, da er mindestens 14 Kinder habe und mit mehreren Frauen gleichzeitig verheiratet ist. In einem Fernseh-Interview sagte Zuma: „Es gibt viele Politiker, die Geliebte und Kinder haben, die sie verstecken, um so zu tun, als seien sie monogam. Ich bin lieber offen: Ich liebe meine Frauen und bin stolz auf meine Kinder!“

Homosexualität

Am 28. September 2006 machte er über Schwule folgende Aussage: „Mir hätte in der Vergangenheit kein homosexueller Mann gegenüberstehen können. Ich hätte ihm eine reingehauen.“[8] Später entschuldigte er sich für die Aussage.

Auszeichnungen und Ehrungen

Film

  • Jenseits des Regenbogens. Dokumentation, Südafrika, Deutschland, 2009, 120 Min., Regie: Jihan El Tahri, Produktion: ZDF, arte, deutsche Erstsendung: 14. April 2009, Inhaltsangabe von arte
    Die Vorwürfe gegenüber Zuma werden hier als politisch motiviert dargestellt, lanciert von den Unterstützern Mbekis. Weiterhin wäre die Abspaltung vom ANC nicht ein Resultat von Zumas Popularität, sondern eine Bewegung von Unzufriedenen, die nun auch ihren Anteil an den staatlichen Ausgaben einfordern.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Financial Times Deutschland: Zuma führt Südafrikas ANC 18. Dezember 2007
  2. FAZ: Südafrikas neuer „Big Man“ 19. Dezember 2007
  3. Deutsche Welle: Kommentar: Wohin lenkt Zuma Südafrika? 19. Dezember 2007
  4. vgl. Motlanthe soll Mbekis Nachfolger werden bei dw-world.de, 22. September 2008 (aufgerufen am 24. September 2008)
  5. vgl. Martina Schwikowski: Der ANC stürzt Südafrika in tiefste Krise. In: die tageszeitung, 24. September 2008, S. 11
  6. vgl. Wolfgang Drechsler : Südafrikas Regierung in Turbulenzen. In: Tagesspiegel, 24. September 2008, Ausg. 20035, S. 5
  7. Spiegel Online: Mbeki fällt gnadenlosem Machtkampf zum Opfer 20.09.2008
  8. Queer: Südafrika: Kritik an Ehe-Öffnung 28. September 2006

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