Islam in Malaysia


Islam in Malaysia
Malaysia
Flagge Malaysias
Wappen Malaysias
Flagge Wappen
Wahlspruch: „Bersekutu Bertambah Mutu“, Malaiisch, „Einheit ist Stärke“
Amtssprache Malaiisch (Bahasa Malaysia)
Hauptstadt Kuala Lumpur
Regierungssitz Putrajaya
Staatsform Föderale parlamentarische Wahlmonarchie
Staatsoberhaupt Oberster Herrscher Sultan Mizan Zainal Abidin
Regierungschef Premierminister Najib Tun Razak
Fläche 329.758[1] km²
Einwohnerzahl 27.730.000 (2008)[2]
Bevölkerungsdichte 72,6 Einwohner pro km²
BIP nominal (2007)[3] 186.482 Mio. US$ (39.)
BIP/Einwohner 6.948 US$ (64.)
HDI 0,811 (63.)
Währung Ringgit
Unabhängigkeit von Großbritannien am 31. August 1957
Nationalhymne Negara Ku
Zeitzone Indo-China-Time (UTC+8)
Kfz-Kennzeichen MAL
Internet-TLD .my
Telefonvorwahl +60

Malaysia (seltener Malaysien) ist ein Staat in Südostasien, der aus der südlich an Thailand angrenzenden malaiischen Halbinsel und dem auf der Insel Borneo gelegenen Ostmalaysia mit den beiden Teilen Sarawak und Sabah nördlich des indonesischen Kalimantan besteht. Malaysia gehört zu den sogenannten Pantherstaaten.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Lage von Malaysia

Malaysia besteht aus zwei Teilen – dem auf der malaiischen Halbinsel gelegenen Westteil und dem auf der Insel Borneo gelegenen Ostteil. Beide sind voneinander durch das Südchinesische Meer getrennt. Westmalaysia grenzt im Norden an Thailand und im Süden befindet sich auf einer vorgelagerten Insel Singapur. Ostmalaysia grenzt südlich an Indonesien und umschließt im Norden das Sultanat Brunei. Tanjung Piai, welches sich im südlichen Staat Johor befindet, ist der südlichste Punkt des asiatischen Kontinentes, wenn man die Insel Singapur, die mit dem Kontinent nur durch eine künstliche Brücke verbunden ist, außer Acht lässt. Zwischen der malaiischen Halbinsel und der indonesischen Insel Sumatra befindet sich die Straße von Malakka, ein für den Welthandel bedeutender Seeweg und eine der meistbefahrenen Schiffsrouten der Welt.

Malaysia hat im Westen wie im Osten eine ähnliche Landschaft, die aus Ebenen entlang den Küsten besteht, während im Hinterland, welches in der Regel dicht mit tropischem Dschungel bewaldet ist, Hügel und teilweise sehr hohe Berge dominieren. Die höchste Erhebung Malaysias ist der 4.095 m hohe Kinabalu auf der Insel Borneo. Die größte Insel Malaysias ist Banggi, die vor der Nordspitze Borneos liegt und zum Bundesstaat Sabah (Division Kudat) gehört.

Die größte und wichtigste Stadt Malaysias ist die Hauptstadt Kuala Lumpur, die das Handels- und Finanzzentrum darstellt. Auch das malaysische Parlament befindet sich in Kuala Lumpur, die meisten Regierungseinrichtungen haben die Stadt jedoch in Richtung Putrajaya verlassen, welches 1995 speziell als neue Verwaltungshauptstadt für Malaysia errichtet wurde. Weitere wichtige Städte sind George Town, Ipoh und Johor Bahru.

Das Klima des Landes ist äquatorial und wird von April bis Oktober durch den Südwestmonsun, und von Oktober bis Februar durch den Nordostmonsun gekennzeichnet.

Die vier Klimadiagramme ergeben ein West-Ost-Profil: Kuala Terengganu und Kuala Lumpur liegen auf der Halbinsel (West-Malaysia), Sandakan und Kuching auf Borneo (Ost-Malaysia).

Kuala Terengganu
(Malakka Ost)
Kuala Lumpur
(Malakka West)
Sandakan
(Borneo Ost)
Kuching
(Borneo West)

Siehe auch:

Geschichte

Verwaltungsgebäude der Eisenbahn in KL

Hauptartikel: Geschichte Malaysias

Die malaiische Halbinsel wurde zu einem großen Handelszentrum in Südostasien, als der Handel zwischen China und Indien zu florieren begann. Damals begann in der Straße von Malakka ein reges Treiben. Die ersten malaiischen Königreiche entstanden durch Häfen, die im 10. Jahrhundert gegründet worden waren. Die wichtigsten frühen Königreiche waren Langkasuka und Lembah Bujang in Kedah, sowie Beruas und Gangga Negara in Perak und Pan Pan in Kelantan. Der Islam kam im 14. Jahrhundert in Terengganu an. Im frühen 15. Jahrhundert wurde das Sultanat von Malakka gegründet. Durch seinen Wohlstand zog es das Interesse von Portugal auf sich. Der Hafen wurde dann ein Zentrum der Kolonialisierung durch die Niederländer und die Briten.

Die britische Kronkolonie Straits Settlements wurde im Jahre 1826 gegründet und England gewann schrittweise die Kontrolle über den Rest der Halbinsel. Zu den Straits Settlements gehörten Penang, Singapur und Malakka. Penang war im Jahre 1786 durch Kapitän Francis Light gegründet worden und diente als Militär- und Handelsbasis. In seiner Bedeutung wurde es bald von Singapur überholt, das im Jahre 1819 durch Sir Stamford Raffles gegründet wurde. Malakka war nach dem englisch-niederländischen Vertrag von 1824 endgültig in britischem Besitz. Die Kolonie wurde durch die Britische Ostindien-Kompagnie mit Sitz in Kalkutta regiert, bis deren Sitz 1867 nach London verlegt wurde.

Zur etwa gleichen Zeit wurde die britische Politik gegenüber den malaiischen Staaten immer aggressiver. Innerhalb von wenigen Jahren kamen mehrere malaiische Staaten an der Westküste der Halbinsel unter britische Kontrolle. Auf Betreiben der Händler, die in den Kronkolonien saßen, mischte sich die Regierung in die Angelegenheiten der zinnproduzierenden Staaten ein. Gleichzeitig hatte die britische Kolonialmacht Bürgerkriege und Störungen durch chinesische Geheimgesellschaften zu befrieden. Die Briten führten mit ihrer Militärmacht eine friedliche Lösung herbei, die die Händler bevorzugten. Mit dem Vertrag von Pangkor im Jahre 1874 wurde der Weg frei für die britische Herrschaft. 1896 wurden die vier Sultanate Pahang, Selangor, Perak und Negeri Sembilan zu den Föderierten Malaiischen Staaten zusammengefasst, die dem Kommissar von Singapur unterstanden. Dieser war auch der Gouverneur der Straits Settlements. Dieser Gouverneur wiederum unterstand dem Kolonialamt in London.

Die anderen Staaten der Halbinsel waren zwar nicht direkt London unterstellt, die Sultane hatten aber britische Berater an ihrem Hof. Die vier nördlichen Staaten Perlis, Kedah, Kelantan und Terengganu waren bis 1909 unter der Kontrolle von Thailand. Das Gebiet des heutigen Staates Sabah war ein britisches Protektorat, das ursprünglich zum Sultanat Sulu gehört hatte und unter dem Namen Nordborneo von der North Borneo Chartered Company verwaltet wurde. Das riesige Waldgebiet von Sarawak war persönlicher Besitz der britischen Familie Brooke, welche das Land als Lehen vom Sultan von Brunei erhalten hatten und es als Weiße Rajas für fast ein Jahrhundert regierten. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das heutige Malaysia durch Japan besetzt. In dieser Zeit wuchs die Unterstützung für die Unabhängigkeit des Landes von der europäischen Kolonialmacht. Die englischen Pläne, eine malaiische Union zu gründen, wurden von vielen Malaien abgelehnt. Sie verlangten ein System, welches die Wünsche der Malaien stärker berücksichtigte, Singapur ausschloss und für die Immigranten nur eine Staatsbürgerschaft vorsah. Die Unabhängigkeit wurde im Jahre 1957 erlangt, unter dem Namen Föderation Malaya.

Am 16. September 1963 wurde eine neue Föderation unter dem Namen Malaysia gegründet, die die Föderation Malaya sowie die britischen Kronkolonien Singapur, Nordborneo (heute Sabah) und Sarawak umfasste. Die frühen Jahre waren durch territoriale Ansprüche der Nachbarn bestimmt, sowie durch das Ausscheiden Singapurs aus der Föderation im Jahre 1965.

Bevölkerung

Volksgruppen

Penan-Frau in Sarawak

Hauptartikel: Demographie von Malaysia

Die Bevölkerung Malaysias setzt sich folgendermaßen zusammen: 50,4 % sind Malaien, 23,7 % Chinesen, 11 % indigene Völker (Orang Asli und Dayak), 7,1 % Inder und 7,8 % Sonstige.[4]

Die Bevölkerung ist nicht gleichmäßig auf dem Staatsgebiet Malaysias verteilt, denn im Ostteil Malaysias, also den beiden auf der Insel Borneo gelegenen Bundesstaaten Sarawak und Sabah, leben nur etwa 5 Millionen Menschen (ca. 20% der Bevölkerung Malaysias), obwohl die beiden Staaten zusammen etwa 60 % der Landesfläche Malaysias ausmachen, wohingegen die restlichen 80% der Bevölkerung (ca. 22 Millionen Menschen) im kleineren Westteil des Landes leben.

Die Malaien, welche zum großen Teil dem sunnitischen Islam angehören, erheben seit der Unabhängigkeit Malaysias den politischen Führungsanspruch, sie werden durch die Regierung systematisch gefördert und im öffentlichen Dienst bevorzugt eingestellt, dies wird seit der Einführung der malaysischen neuen ökonomischen Politik in den 1960er-Jahren durch den so genannten Bumiputra-Status gesichert.[5] Des Weiteren stellen die Überseechinesen etwa ein Viertel der Bevölkerung. Sie dominieren derzeit noch in den Städten.[6] Die Chinesen spielen eine bedeutende Rolle in Handel und Wirtschaft. Weitere sieben Prozent der Bevölkerung sind indischstämmig. Diese sind Hindus, Moslems, Sikhs, Christen oder Buddhisten. Etwa 85 % der indischstämmigen Bevölkerung Malaysias sind Tamilen, Minderheitengruppen sind die Malayalis, Punjabis und Telugus.

In den dünn besiedelten ostmalaysischen Staaten Sarawak und Sabah stellen indigene Volksgruppen, die keine ethnischen Malaien sind, die Hälfte bzw. zwei Drittel der Bevölkerung. Sie werden wie die Malaien zur ursprünglichen Bevölkerung Malaysias gezählt und gelten somit ebenfalls als Bumiputras. Diese indigenen Volksgruppen werden in Sarawak unter dem Sammelbegriff Dayak zusammengefasst und umfassen unter anderem die Iban und die Bidayuh. In Sabah leben einheimische Volksgruppen wie die Murut oder die Kadazan.

Auf der Malaiischen Halbinsel existieren ebenfalls Ureinwohner, jedoch in kleinerer Zahl, sie werden mit dem Sammelbegriff Orang Asli bezeichnet. Diese gehören zu einer großen Zahl von ethnischen Gruppen, haben aber kulturelle Gemeinsamkeiten. Sie waren bis zum 20. Jahrhundert Anhänger von animistischen Naturreligionen. Seitdem sind viele zum Christentum oder zum Islam übergetreten. Obwohl die Orang Asli sich hinsichtlich der Kultur von den Malaien unterscheiden, haben viele die malaiische Kultur assimiliert, etwa durch Umzug in die Städte oder durch Heirat.

Nennenswerte Minderheiten stellen die Europäer, Menschen aus dem Nahen Osten, Kambodscha und Vietnam. Die Europäer sind meist Briten und einige Portugiesen, deren Vorfahren seit der Kolonialzeit dort leben. Die meisten Kambodschaner und Vietnamesen kamen als Vietnamkriegsflüchtlinge nach Malaysia.

Das Wachstum der Bevölkerung ist mit etwa 2,4 % jährlich relativ hoch, und etwa ein Drittel der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre. Die Urbanisierungsrate liegt bei etwa 58 %. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei etwa 72 Jahren, die Säuglingssterblichkeit bei etwa 23 pro Tausend.

Sprachen

Die Amtssprache Malaysias ist Bahasa Melayu, daneben sind Englisch, Chinesisch (vor allem Kantonesisch, Hochchinesisch, Hokkien, Hakka, Chaozhou (Teochew), Hainan, der Fuzhou-Dialekt), Tamil, Telugu, Malayalam und Thai verbreitet. In Ostmalaysia werden verbreitet indigene Sprachen gesprochen, wovon die wichtigsten Iban und Kadazan sind.

In offiziellen Dokumenten wird britisches Englisch verwendet. Durch das Fernsehen hat jedoch das amerikanische Englisch bereits einigen Einfluss genommen. Das Englisch, das in der Umgangssprache in Malaysia verwendet wird, unterscheidet sich stark vom britischen Englisch und wird deshalb auch als Manglish bezeichnet. Es ähnelt bis auf einige Slang-Ausdrücke stark dem Singlish, das in Singapur gesprochen wird.

Religion

Kirche in Melakka

Der Islam, zu dem sich 60 % der Bevölkerung bekennen, ist Staatsreligion. Nach der Verfassung des Landes sind alle ethnischen Malaien von Geburt automatisch Muslime. Sie können keine Andersgläubigen heiraten.[7] Ein Abfall vom Islam wird höchst ungern gesehen und ist in der Praxis nur schwer möglich. Hierzu ist zunächst ein „Borang Keluar Islam“ (Formular zum Austritt aus dem Islam) auszufüllen. Anschließend muss ca. zwei Jahre bewiesen werden, dass man nicht doch noch zum Islam bekehrt werden kann, beispielsweise in „Umerziehungszentren”, wo Austrittswillige festgehalten werden.[8] Am Ende muss ein Sharia-Gericht über den Austritt entscheiden. Da Abfall vom Islam nach der Sharia strafbar ist, besteht die in der Verfassung verbriefte Religionsfreiheit nur theoretisch.[9][10] Dies zeigen auch Fälle aus der jüngsten Zeit.[11][12][13][8][14]

Die Chinesen sind meist Buddhisten (20 %) oder hängen anderen chinesischen Religionen wie Daoismus und Konfuzianismus an (2,6 %). Christen (9 %) gibt es in allen ethnischen Gruppen. Die Inder sind überwiegend Hindus (6 %). Muslime werden gegenüber Angehörigen anderer Religionen bewusst staatlich bevorzugt. Christliche Presse kann in Malaiisch nur unter Schwierigkeiten veröffentlicht werden, Veröffentlichungen in Englisch, Chinesisch und auch Tamil sind jedoch unproblematisch erhältlich. Völlig unbeschränkt ist die Verteilung von Schriften nur an Mitglieder von Vereinigungen oder in Kirchen. Diese unterliegen nicht wie öffentlich angebotene Publikationen der Zensur. Der Bau von Kirchen kann in Ballungszentren mitunter zu kleinen Schwierigkeiten mit der Planungsbehörde führen, Diskriminierungen gegenüber anderen Glaubenshäusern bestehen aber nicht.

Islam in Malaysia

Islamisches Museum in KL
Moschee in Kota Kinabalu (Sabah)

Erstmals in Kontakt mit dem Islam kam Malaysia durch arabische Händler und Kaufleute schon Ende des 7. Jahrhunderts. Allerdings herrschten zu diesem Zeitpunkt in Malaysia verschiedene buddhistische und indisch-hinduistische Königreiche vor, so dass Muslime bis ins 14. Jahrhundert nie mehr als 10 % der Bevölkerung ausmachten. Seit dem 13. Jahrhundert ließen sich vermehrt Araber in Malaysia nieder, die sich mit der einheimischen Bevölkerung schließlich vermischten und so die Islamisierung der Malaien vorantrieben. Islamisiert wurde Malaysia wie Indonesien im 14. und 15. Jahrhundert.

Bis weit in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts galten viele muslimische Malaien als liberal (ähnlich den Abangan). Dann setzte jedoch eine Islamisierungswelle ein (ausgelöst durch verschiedene ethnische und soziale Konflikte), sodass Malaysia heute orthodox-islamisch ist. Etwa 70 % der Malaysierinnen malaiischer Herkunft tragen Kopftuch. Traditionelle malaiische Kleidung islamischen Ursprungs wird ebenfalls von vielen Malaien getragen. Die Malaien, die 50,4 % der Gesamtbevölkerung ausmachen, sind praktisch alle Muslime.

Politik

Staatsform

Malaysia ist eine konstitutionelle, parlamentarisch-demokratische Wahlmonarchie (parlamentarische Monarchie). Das repräsentative Staatsoberhaupt ist der König, der alle fünf Jahre aus den Reihen der Herrscher der neun Sultanate nach dem Rotationsprinzip ausgewählt wird. Sein offizieller Titel lautet Yang di-Pertuan Agong. Seit dem 13. Dezember 2006 ist Sultan Mizan Zainal Abidin König von Malaysia. Dieses System der Wahl aus den Reihen der Bundesherrscher (oder Bundesfürsten) ist mittlerweile nahezu einzigartig auf der Welt.

Der parlamentarische Regierungschef ist der malaysische Premierminister. Diesen Posten hat seit dem 3. April 2009 Najib Tun Razak von der UMNO.

Das Abgeordnetenhaus (Dewan Rakyat) besteht zurzeit aus 222 für fünf Jahre gewählten Abgeordneten. Die Länderversammlung (Dewan Negara) hat 70 Mitglieder. Die letzten Wahlen zur Volksversammlung fanden am 8. März 2008 statt.

Nationalfeiertag ist der 31. August (Unabhängigkeitstag 1957).

Parteien

Seit 1957 regiert ein von der United Malays National Organisation (kurz UMNO, auf Malaiisch Pertubuhan Kebangsaan Melayu Bersatu) angeführtes Parteienbündnis. Zunächst trug dieses Bündnis den Namen Alliance und bestand aus der malaiischen Partei UMNO, der chinesischen MCA und der indischen MIC, womit die drei größten Volksgruppen vertreten waren. Nach Rassenunruhen, die der Parlamentswahl 1969 folgten, wurde das Bündnis erweitert und umbenannt. 1974 folgte die offizielle Gründung der Barisan Nasional („Nationale Front“). In der BN sind neben den genannten zehn weitere Parteien vertreten, die vorwiegend regionale Bedeutung haben. Die Parteien der BN einigen sich oft darauf, nur einen Kandidaten zur Wahl stellen zu lassen, sodass zwischen ihnen keine Konkurrenz entsteht und die Stimmen sich auf mehrere BN-Politiker verteilen. Dadurch gelang es ihr meist, die Zweidrittelmehrheit im malaysischen Parlament zu erlangen, welche Verfassungsänderungen zu ändern. Nur bei den Wahlen 1969 und 2008 erreichte sie diese Zweidrittelmehrheit nicht, konnte aber dennoch die absolute Mehrheit wahren und so die Regierung stellen. Einige BN-Mitglieder treten auf Ebene der Bundesstaaten auch als Konkurrenten auf.

Die Opposition ist nicht einheitlich. Bei der Parlamentswahl 1999 schlossen sich vier Oppositionsparteien zum Wahlbündnis Barisan Alternatif zusammen. Dieses zerfiel wieder, nachdem es weder 1999 noch bei der nächsten Wahl im Jahr 2004 nennenswerte Erfolge erzielen konnte. Die wichtigsten Oppositionsparteien und Mitglieder des ehemaligen Oppositionsbündnisses sind die PAS, die DAP und die PKR. Die PAS vertritt eine malaysisch-islamistische Politik. Die DAP hat ein sozialdemokratisches Programm und wird vorwiegend von chinesisch-stämmigen Malaysiern gewählt. Diese drei Parteien schlossen sich 2008 erneut zu einem Bündnis zusammen, der Koalition Pakatan Rakyat unter Führung des entmachteten, sehr beliebten ehemaligen UMNO-Politikers Anwar Ibrahim und konnten bei den Parlamentswahlen 2008 einen überraschenden Erfolg erlangen, als sie in fünf der 13 Bundesstaaten die Mehrheit im Landesparlament erlangten und im nationalen Parlament verhinderten, dass die Barisan Nasional eine Zweidrittelmehrheit erlangte, was erstmals seit 1969 der Fall war.

Wahlen

Auf Bundesebene gibt es ein Mehrheitswahlrecht, bei dem nur ein Kandidat je Wahlkreis ins Parlament gewählt wird. Dies ist häufig ein Vorteil für die geschlossene Barisan Nasional, gegenüber der gespaltenen Opposition. Die Größe der Wahlkreise ist zum Teil sehr unterschiedlich, so dass eine Wählerstimme je nach Wahlkreis sehr unterschiedliches Gewicht hat. Die BN (und vorher die Allianz), unter Leitung der UMNO, regiert von jeher unangefochten, häufig mit einer verfassungsändernden Mehrheit. Bei den Wahlen im März 2004 erhielt die Regierungskoalition über 90 % der Mandate im Parlament.

Politische Gliederung

Hauptartikel: Verwaltungsgliederung Malaysias

13 Bundesstaaten (darunter 7 Sultanate) und die 3 Bundesterritorien (malaiisch: Wilayah Persekutuan) Kuala Lumpur, Putrajaya (neuer Regierungssitz), Insel Labuan. Die nicht als Sultanate konstituierten Bundesstaaten (Sabah, Sarawak, Penang und Malakka) werden von einem von der Zentralregierung ernannten Gouverneur verwaltet.

Militär

Hauptartikel: Streitkräfte Malaysias

Die Streitkräfte Malaysias (Angkatan Tentera Malaysia) unterteilen sich bei einer Gesamtstärke von knapp über 100.000 aktiven Soldaten in Heer, Luftwaffe und Marine.

Polizei

Hauptartikel: Polis Diraja Malaysia

Die Polis Diraja Malaysia (Köngliche malaysische Polizei) ist die Polizeibehörde von Malaysia.

Wirtschaft

Petronas Towers in Kuala Lumpur

Hauptartikel: Wirtschaft Malaysias

Beschäftigung:

  • Dienstleistungen (47,8 %),
  • Industrie (37 %),
  • Landwirtschaft (15,2 %)

Staatsausgaben zwischen 1992 und 2000:

Malaysia ist ein an Bodenschätzen und Rohstoffen (Zinn, Kautschuk, Palmöl, Erdöl) reiches Land. Zudem beheimatet Malaysia die Automobilhersteller Perodua und Proton sowie den Ölmulti Petronas. Seit Beginn der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts erfolgte eine rasante industrielle Entwicklung, die das Land in die Reihe der aufstrebenden „Schwellenländer“ und der asiatischen „Pantherstaaten“ aufrücken ließ. Malaysia gilt ökonomisch und politisch als eines der stabilsten Länder Südostasiens, in dem die Konvergenz von Tradition und Moderne, Islam und Kapitalismus propagiert wird. Durch diese Neuausrichtung erfuhr das Land einen grundlegenden Wandel von einem zuvor mehrheitlichen Agrarstaat hin zu einem technisierten und kapitalintensiven Industriestandort mit hohem Entwicklungspotenzial. Die ab 1997 auftretende „Asien-Krise“ traf allerdings auch Malaysia, doch hat sich die Wirtschaft inzwischen wieder erholt und verzeichnet ein erneutes Wachstum von etwa 5 bis 6 Prozent. Im Jahr 2001 wurden für 61,2 Mrd. Euro Güter importiert und gleichzeitig im Wert von 76,1 Mrd. Euro Güter exportiert. Die Inflationsrate betrug 2004 ca. 1,3 %. Das Bruttoinlandsprodukt betrug im Jahre 2004 4.151 US-$ pro Einwohner.

Infrastruktur

Eisenbahn

Eisenbahngüterverkehr in Malaysia, Mio tkm, 2004–2006

Malaysia verfügt über mehr als 2.400 Kilometer Eisenbahnstrecke, wovon nur 57 in Standardspurweite sind, die restlichen in 1.000-Millimeter-Spurweite. Eisenbahnstrecken verlaufen fast ausschließlich auf der malaiischen Halbinsel, es gibt internationale Anbindungen nach Thailand im Norden und Singapur im Süden. Etwa 207 Kilometer Eisenbahnstrecke sind elektrifiziert.

Preislich ist die Eisenbahn in Malaysia ein sehr günstiges Transportmittel. So zahlt man beispielsweise für die Fahrt von Kuala Lumpur nach Singapur im 1. Klasse-Doppelabteil (mit eigenem Bad und Frühstück) etwa 25 EUR (Stand: 2007), in den weniger komfortablen Sitzwagen entsprechend weniger.

In Kuala Lumpur wurden mit Kuala Lumpur Star Light Rail Transit, Kuala Lumpur Putra Light Rail Transit, KLIA-Ekspres und KLIA-CRS und Kuala Lumpur Monorail mehrere schienengebundene Verkehrssysteme installiert.

Straßenverkehr

Täglicher Ölverbrauch einiger Länder in Südostasien, Barrels pro Tag

Aufgrund der britischen Kolonialvergangenheit herrscht Linksverkehr. Malaysia verfügt über etwa 77.600 Kilometer Straße, davon etwa 1.200 Kilometer Autobahn. So verbindet der North-South Expressway etwa den Nordzipfel von Malaysia an der Grenze zu Thailand mit Johor Bahru an der Grenze zu Singapur im Süden. Die Autobahnen sind großenteils mautpflichtig, die Gebühr wird dabei direkt an Ort und Stelle in Mautstationen kassiert. Hierzu siehe auch Liste der Autobahnen in Malaysia.

Während in den Ballungszentren die Straßen vorbildlich ausgebaut sind, findet man abseits der dicht besiedelten Gebiete, speziell in Ostmalaysia oder an der Ostküste der malaiischen Halbinsel, zahlreiche Straßen ohne Asphalt. Aufgrund der schlecht ausgebauten Straßen in abgelegenen Gegenden Ostmalaysias sind dort Wasserwege und Schiffsverbindungen besonders bedeutend.

Der vom Staat subventionierte Benzinpreis ist mit umgerechnet ca. EUR 0,30 (Stand: 2005) vergleichsweise günstig.

Wasserwege

Wichtige Seehäfen befinden sich in den Städten Tanjong Kidurong, Kota Kinabalu, Kuching, Pasir Gudang, Penang, Port Kelang, Sandakan und Tawau. Daneben verfügt das Land über etwa 7.200 Kilometer schiffbarer Wasserwege, wobei sich davon 4.000 Kilometer in Ostmalaysia befinden.

Luftverkehr

Malaysia hat, nicht zuletzt wegen seiner Geografie, ein sehr dichtes Netz an Inlandsfluglinien. Die nationale Fluglinie des Landes heißt Malaysia Airlines, daneben ist mit Air Asia die erste Billigfluglinie Südostasiens in Kuala Lumpur beheimatet. Malaysia Airlines bedient zahlreiche Flughäfen innerhalb Malaysias und Südostasiens, bietet aber auch Langstreckenflüge in Richtung Europa und Nordamerika an. Der größte und wichtigste Flughafen des Landes ist der Kuala Lumpur International Airport, er wurde im Jahre 1998 eröffnet.

Kultur

Hibiskusblüte

Homosexualität

siehe Hauptartikel: Homosexualität in Malaysia

Homosexualität ist in Malaysia, im Gegensatz zu den meisten anderen benachbarten südostasiatischen Staaten, grundsätzlich strafbar. Aus diesem Grund existieren auch keine Antidiskriminierungsvorschriften zum Schutz der sexuellen Orientierung oder offizielle Anerkennung gleichgeschlechtliche Paare. In der Öffentlichkeit und den Medien wird dies jedoch zunehmend heftig thematisiert.

Sport

Seit 1999 wird jährlich auf dem Sepang International Circuit der Große Preis von Malaysia ausgetragen.

Zu den populärsten Sportarten in Malaysia gehören Badminton, Fußball und Hockey. Vor allem der Badmintonsport hat in Malaysia eine große Tradition.

Literatur

siehe: Liste malaysischer Schriftsteller

Kurioses

Um den Tourismus Malaysias anzukurbeln sucht die Tourismusindustrie die unterschiedlichsten Rekorde, um diese als Attraktion zu bewerben. So lässt Malaysia Airlines im Süden des Flughafens (KLIA) einen neuen Hangar für die Wartung ihrer zukünftigen Airbus A380 bauen, der die weltweit größte, stützfreie Hangarkonstruktion sein wird.

Des Weiteren gilt die Kelana Jaya Line (früher: Putra LRT) mit 24 Stationen auf 29 km als weltweit längste führerlose Nahverkehrsstrecke.

Das nationale Standesamt hat eine schwarze Liste unerwünschter Vornamen veröffentlicht. Damit soll die steigende Zahl von Erwachsenen, die ihre Vornamen als unangenehm empfinden und ändern lassen wollen, verringert werden. Auf dieser Liste stehen Namen mit unerwünschten Bedeutungen in den Sprachen der drei Hauptvolksgruppen Malaysias (Malayen, Chinesen, Inder). Beispiele: Zani (Ehebrecherin), Woti (Geschlechtsverkehr), Ah Gong (Gestörter Geist), Chai Too (Schwein) und Karruppan (Schwarzer Kerl). Diese Liste ist nicht bindend.[15]

Siehe auch

Weblinks

Literatur

  • Dierk Walter, Kolonialkrieg, Globalstrategie und Kalter Krieg. Die Emergencies in Malaya und Kenya 1948–1960, in: Zeithistorische Forschungen, Heft 1/2005, auch online
  • Renate und Stefan Loose, „Malaysia, Brunei und Singapore“, Travel-Handbücher, Du Mont Reiseverlag, 704 Seiten, ISBN 3-7701-6117-3 (sehr ausführlicher und aktueller Reiseführer)
  • Alois Karl Leinweber, „Leben und Arbeiten in Malaysia“, 189 Seiten, ISBN 978-3-939338-26-0 (Das Buch bietet allen, die in Malaysia leben und arbeiten wollen, wertvolles Wissen und zahlreiche hilfreiche Kontaktadressen für einen schönen Aufenthalt)

Einzelnachweise

  1. Meyers Lexikon online: Malaysia
  2. Department of Statistics Malaysia: Population (Updated 5 September 2008), 4. Dezember 2008
  3. International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, April 2008
  4. The World Factbook: Malaysia, 4. Dezember 2008
  5. Meyers Lexikon online: Malaysia
  6. Meyers Lexikon online: Malaysia
  7. Radio Vatikan: Malaysia: Haft für hinduistische Eheschließung 11. August 2007
  8. a b AsiaNews.it: A Hindu Lina Joy, subjected to Islamic “re-education”, 15. Juni 2007
  9. Jalil Hamid and Liau Y-Sing: Malaysia braces for ruling on Islam conversion, Reuters, 13. August 2006
  10. Jürgen Kremb: Todesdrohungen im Paradies, Der Spiegel, 24. Juli 2007
  11. AsiaNews.it: Death threats against Lina Joy, fighting for her life and religious freedom, 29. August 2006
  12. Shah Yacob, Imran Imtiaz: Doing the Impossible: Quitting Islam in Malaysia, Asia Sentinel, 27. April 2007
  13. AsiaNews.it: Kuala Lumpur refuses to recognise Lina Joy’s conversion to Christianity, 30. Mai 2007
  14. NZZ: Verdikt gegen die Religionsfreiheit, 31. Mai 2007
  15. Schwarze Liste für Vornamen in Malaysia (englisch)

2.3166666666667111.557Koordinaten: 2° N, 112° O


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