Internationale Filmfestspiele von Cannes/Großer Preis der Jury


Internationale Filmfestspiele von Cannes/Großer Preis der Jury

Der Große Preis der Jury (Grand Prix du Jury) honoriert bei den jährlich veranstalteten Filmfestspielen von Cannes den originellsten Wettbewerbsfilm (Spielfilm) beziehungsweise jenen, der den größten Forschergeist aufweist. Die zweitwichtigste Auszeichnung nach der Goldenen Palme wurde erstmals bei der dreizehnten Auflage des Filmfestivals im Jahr 1959 verliehen. Über die Vergabe des Preises, der dem Gewinner in Form einer Urkunde überreicht wird, stimmt die Wettbewerbsjury ab, die sich meist aus internationalen Filmschaffenden zusammensetzt.

Preisträger

Am häufigsten mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet wurden die Werke italienischer Filmregisseure (8 Siege), gefolgt von ihren Kollegen aus Frankreich (7), Großbritannien und den USA (je 4). Je zwei Auszeichnungen konnten der Sowjetrusse Andrei Tarkowski (1972 und 1986) und der Franzose Bruno Dumont (1999 und 2006) erringen.

Mehrfach in der Vergangenheit konnte sich die Jury nicht auf einen Sieger einigen. Filmregisseure aus dem deutschsprachigen Kino waren erstmals 1959 erfolgreich, als sich der Ostdeutsche Konrad Wolf (Sterne) gegen die Konkurrenz durchsetzen konnten. Ihm folgten Werner Herzog (1975 für Jeder für sich und Gott gegen alle) und Wim Wenders (1993 für In weiter Ferne, so nah!). Einen kleinen Skandal gab es bei der Verleihung 1995, als der Grieche Theo Angelopoulos (Der Blick des Odysseus) den Preis mit den Worten „Wenn es das ist, was Ihr mir zu geben habt, habe ich nichts zu sagen“[1] enttäuscht entgegennahm und die Bühne verließ, nachdem er die Goldene Palme an Emir Kusturica (Underground) hatte abtreten müssen. Drei Jahre später sollte Angelopoulos die Goldene Palme für seinen Film Die Ewigkeit und ein Tag (1998) erhalten.

Jahr Preisträger Deutscher Verleihtitel Regie
1959 Sterne Sterne Konrad Wolf
1960
1966
Preis nicht vergeben
1967 Accident Accident – Zwischenfall in Oxford Joseph Losey
Skupljaci perja Ich traf sogar glückliche Zigeuner Aleksandar Petrovic
1968
Filmfestspiele aufgrund der Mai-Unruhen abgebrochen
1969 Ådalen '31 Adalen 31 Bo Widerberg
1970 Indagine su un cittadino al di sopra di ogni sospetto Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger Elio Petri
1971 Johnny Got His Gun Johnny zieht in den Krieg Dalton Trumbo
Taking Off Taking Off Miloš Forman
1972 Солярис (Soljaris) Solaris Andrei Tarkowski
1973 La Maman et la putain Die Mama und die Hure Jean Eustache
1974 Il fiore delle mille e una notte Erotische Geschichten aus 1001 Nacht Pier Paolo Pasolini
1975 Jeder für sich und Gott gegen alle Jeder für sich und Gott gegen alle Werner Herzog
1976 Cría cuervos Züchte Raben... Carlos Saura
La Marquise d'O... Die Marquise von O. Éric Rohmer
1977
Preis nicht vergeben
1978 Ciao maschio Affentraum Marco Ferreri
The Shout Der Todesschrei Jerzy Skolimowski
1979 Сибириада (Sibiriada) Eine Sibiriade Andrei Kontschalowski
1980 Mon oncle d'Amérique Mein Onkel aus Amerika Alain Resnais
1981 Les Années lumières Lichtjahre entfernt Alain Tanner
1982 La Notte di San Lorenzo Die Nacht von San Lorenzo Paolo Taviani
Vittorio Taviani
1983 The Meaning of Life Monty Python's – Der Sinn des Lebens Terry Jones
1984 Napló gyermekeimnek Tagebuch meiner Kindheit Márta Mészáros
1985 Birdy Birdy Alan Parker
1986 Offret Opfer Andrei Tarkowski
1987 Monanieba Die Reue Tengis Abuladse
1988 A World Apart Zwei Welten Chris Menges
1989 Nuovo cinema Paradiso Cinema Paradiso Giuseppe Tornatore
Trop belle pour toi Zu schön für Dich Bertrand Blier
1990 Shi no toge The Sting of Death Kōhei Oguri
Tilaï Tilaï Idrissa Ouédraogo
1991 La Belle noiseuse Die schöne Querulantin Jacques Rivette
1992 Il ladro di bambini Gestohlene Kinder Gianni Amelio
1993 In weiter Ferne, so nah! In weiter Ferne, so nah! Wim Wenders
1994 活きる を編集中 (Huozhe) Leben! Zhang Yimou
Утомлённые солнцем (Utomljonnyje solnzem) Die Sonne, die uns täuscht Nikita Michalkow
1995 To Βλέμμα του Οδυσσέα (To Vlemma tou Odyssea) Der Blick des Odysseus Theo Angelopoulos
1996 Breaking the Waves Breaking the Waves Lars von Trier
1997 The Sweet Hereafter Das süße Jenseits Atom Egoyan
1998 La vita è bella Das Leben ist schön Roberto Benigni
1999 L'Humanité L'Humanité Bruno Dumont
2000 鬼子来了 (Guizi lai le) Guizi Lai Le Jiang Wen
2001 La Pianiste Die Klavierspielerin Michael Haneke
2002 Mies vailla menneisyyttä Der Mann ohne Vergangenheit Aki Kaurismäki
2003 Uzak Uzak – Weit Nuri Bilge Ceylan
2004 올드보이 (Oldeuboi) Oldboy Park Chan-wook
2005 Broken Flowers Broken Flowers Jim Jarmusch
2006 Flandres Flanders Bruno Dumont
2007 殯の森 (Mogari no Mori) Mogari No Mori Naomi Kawase
2008 Gomorra Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra Matteo Garrone

Einzelnachweise

  1. vgl. Profil der Filmfestspiele von 1995 bei imdb.com (englisch)

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