Impetigo contagiosa

Impetigo contagiosa
Klassifikation nach ICD-10
L01.0 Impetigo contagiosa
ICD-10 online (WHO-Version 2011)

Impetigo contagiosa (von lateinisch impetere „angreifen“; von lateinisch contagiosum „ansteckend“) ist eine hochinfektiöse bakterielle Hautinfektion, die hauptsächlich bei Kindern sowie Neugeborenen auftritt und deren Symptome besonders stark im Bereich des Gesichts und der Extremitäten zu sehen sind. Synonym werden die Begriffe Impetigo vulgaris, auch „Grindblasen“, „Grindflechte“, „Eitergrind“, „Eiterflechte“ , „Borkenflechte“, „Schmierflechte“, „Schleppe“ oder „Schleppeiter“ verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Ursache

Ursache der Infektion sind Bakterien, die sich mit spezifischen Pathogenitätsfaktoren in der Haut ausbreiten und Gewebe zerstören können. Bei der großblasigen Form (bullöse Impetigo) ist überwiegend Staphylococcus aureus anzutreffen, die kleinblasige Form wird meistens von Streptococcus pyogenes (Streptokokken der Gruppe A) verursacht und ist in diesem Fall häufig mit Staphylococcus aureus als Mischinfektion vergesellschaftet.

Am häufigsten sind Kinder betroffen, besonders leicht breitet sich die Infektion in Gemeinschaftseinrichtungen (Schulen, Kindergärten) oder unter Geschwistern aus. Die Erkrankung kann jedoch prinzipiell in allen anderen Altersgruppen auftreten. Die Impetigo contagiosa wird leicht durch körperlichen Kontakt als Schmierinfektion übertragen (contagiosa: kontagiös). Sie beginnt auf scheinbar gesunder Haut, kommt aber am häufigsten nach kleineren Verletzungen, z. B. nach Kratzen oder Jucken vor. Eine Häufung ist bei Kindern mit atopischem Ekzem zu beobachten, da durch die Mikrotraumen der Haut die Erreger sehr leicht in tiefe Hautschichten eindringen können.

Symptome

Typische Blasen und eingetrocknete Krusten bei einem Patienten mit Impetigo contagiosa

Grundsätzlich unterscheidet man eine kleinblasige (Streptokokken) und eine großblasige (Staphylokokken) Variante, jedoch hat man unlängst herausgefunden, dass bei der kleinblasigen und bei der großblasigen Form jeweils mit beiden Erregerkeimen zu rechnen ist. Auf der Haut bildet sich zunächst ein juckender roter Ausschlag mit dünnwandigen flüssigkeits- oder eitergefüllten kleinen Bläschen (Pusteln). Wenn diese platzen oder aufgekratzt werden, setzen sie weitere Erreger frei, durch die eine Übertragung auf andere Hautstellen und andere Menschen stattfindet. Durch Eintrocknung der Blasen entstehen honigfarbene Krusten. Löst man diese ab, beginnen die Stellen zu nässen und es entstehen weitere Krusten.

Beim ausgedehnten großblasigen Typ kann zusätzlich leichtes Fieber und Lymphknotenschwellung in der betroffenen Region auftreten.

Therapie

Hygienische Maßnahmen stehen an erster Stelle der Behandlung: Die Vermeidung des Kratzens der betroffenen Hautstellen, regelmäßiges Händewaschen sowie regelmäßiges heißes Waschen der am Körper anliegenden Bekleidung und der Handtücher dämmen die Infektion ein und verhindern weitere Ansteckungen. Die Fingernägel des Betroffenen sollten kurz geschnitten werden, damit die Möglichkeit des Kratzens und somit einer Weiterverbreitung reduziert wird. Das Verbinden bzw. Abdecken und Vermeiden von Kratzen fördert die spontane Heilungstendenz der Erkrankung.

Die Lokaltherapie kann mit antibiotikahaltigen Salben (Fusidinsäure, Mupirocin, Retapamulin[1]) unterstützt werden. Desinfizierende Lösungen, Bäder und Umschläge können ergänzend eingesetzt werden. Nur fortgeschrittene Fälle machen eine systemische Behandlung mit Antibiotika (z. B. Cephalosporine) erforderlich.

Verlauf

Die Inkubationszeit beträgt zwischen zwei und zehn Tagen, unter Umständen auch länger. Die Erkrankung ist so lange infektiös, bis die offenen, eitrigen Hautstellen abgeheilt sind.

Bei konsequent angewandter Therapie heilt die Impetigo contagiosa in der Regel folgenlos aus. Die Hautschuppen und -krusten lösen sich von der gesunden Haut, so dass sie entweder abfallen oder von Hand entfernt werden können. Selten greifen die Erreger auf tiefere Hautschichten über und verursachen Nagelbett-, Nagelfalzentzündungen oder Abszesse. Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten oder Schulen dürfen vom Patienten erst nach Abheilen der infizierten Hautstellen wieder besucht werden.

Bei zirka fünf Prozent der Patienten tritt nach dem Infekt (nur bei der kleinblasigen Form) eine Entzündungsreaktion der Niere auf (Poststreptokokken-Glomerulonephritis). Diese heilt meistens folgenlos aus.

Einzelnachweise

  1. Anhang zur EMEA-Zulassung, pdf

Literatur

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