Ile-Ife


Ile-Ife
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Ile-Ife (Nigeria)
Ile-Ife
Ile-Ife

Ile-Ife (Ilé-Ifẹ̀; Ifé) ist die heilige Stadt der Yoruba. Sie liegt im Bundesstaat Osun im Südwesten Nigerias mit 408.897 Einwohnern[1]. und ist Sitz der Obafemi Awolowo Universität [2]. Das geistige Oberhaupt der Yoruba, der Oòni, hat hier seinen Palast (Afin).

Inhaltsverzeichnis

Mythos vom Ursprung

Bronzebüste eines Ooni of Ife aus dem 12. Jahrhundert, im Bestand des Britischen Museums

Nach einem Mythos von Ile-Ife soll die Welt hier erschaffen worden sein. Der Hochgott Olúdumàrè hatte zunächst seinem Sohn Obàtálá den Auftrag zur Schöpfung der Erde auf dem Urozean erteilt, doch dieser betrank sich mit Palmwein. Als Odùduwà, der ihm nachgeschickt worden war, seinen Bruder den Rausch ausschlafen sah, entwendete er ihm die Tasche mit den Schöpfungsinstrumenten und schuf an seiner Stelle die trockene Erde: Er streute Sand aus der Schöpfungstasche auf das Urwasser und der mitgebrachte Hahn zerkratzte den Sand und dehnte so das Land über dem Wasser aus. Bis heute streiten sich die Mitglieder einzelner Clans der der Stadt - die sich traditionell als Nachkommen bestimmter Götter betrachten - darüber, ob nicht auch Obatala einen gewissen Anteil an der Schöpfung hatte. Das von den meisten Clans von Ile-Ife gefeierte Itapa-Neujahrsfest besteht zum Teil in einer kultdramatischen Reaktualisierung des uranfänglichen Schöpfungsgeschehens. Der Name Ilé-Ifẹ` ist eine Anspielung an diese Mythen: ilé - "Haus/Ort" und ifẹ` - "zerkratzen, zerstreuen". Es heißt auch, Obatala habe die Menschen hier aus Ton erschaffen. Entsprechend diesen Schöpfungsmythen vollziehen die traditionellen Priester der Stadt ihr kultisches noch heute zum Wohl der gesamten Menschheit. Die heutzutage vom Ooni beanspruchte Abstammung von Oduduwa ist unberechtigt, da er nicht zu den Angehörigen des Oduduwa Clans gehört. Vielmehr ist der Ooni als eine Instanz anzusehen, die über den traditionellen Konfliktparteien des Schöpfungsdramas steht. Er gilt als letzter der 401 Götter oder orisha der Stadt und als einziger, der fähig ist zu sprechen.

Legendäre Geschichte

Aus dem Mythos entstand eine Legende, der zufolge Oduduwa aus Mekka fliehen musste. Er wanderte dann über Bornu und Gobir ins Yorubaland ein,[3] wo er sich an dem noch unbewohnten Ort von Ile-Ife niederließ.[4] Später sei es zu einem Konflikt zwischen ihm und Obatala gekommen, in dessen Verlauf Obameri, der General Oduduwas, Obatala aus der Stadt vertrieben haben soll. Diese Verbannung ins Exil ist noch heute das Hauptthema der Kultdramatik des Itapa-Festes. Andererseits heißt es, die sieben oder sechzehn Söhne oder Enkel Oduduwas seien von Ile-Ife ausgezogen, um die restlichen Yoruba-Staaten, sowie auch das Königreich Benin zu gründen. Oranmiyan soll zugleich der Gründer von Oyo und von Benin gewesen sein. [5].

Rekonstruierte Geschichte

Die ältesten archäologischen Spuren von Ile-Ife führen zurück ins 4. Jahrhundert v. Chr. Kulturelle Parallelen und die Ursprungslegende deuten auf eine Verwandtschaft mit der kanaanäisch-phönikischen Welt Nordafrikas.[6] Urbane Strukturen sind seit dem 11. Jahrhundert bezeugt. Die mittelalterliche Glanzzeit der Stadt wird auf das 13. Jahrhundert datiert und ist durch die Tonscherben-Pflasterung von einigen Innenhöfen und Wegen charakterisiert. Ile-Ife war seit ältester Zeit das religiöse Zentrum des der Yoruba und einiger benachbarter Staaten, während sich das Reich Oyo nach und nach als politisches Zentrum des Yorubalandes etablierte. Auch Benin gehörte zum kulturellen Einflussgebiet von Ile-Ife, obgleich es außerhalb des Yoruba-Sprachgebietes liegt. Die jüngere Geschichte des Stadtstaates ist besonders durch den Zustrom von Flüchtlingen aus dem Norden in Folge des Fulani Dschihad gegen das Oyo-Reich seit 1824 gekennzeichnet. Noch heute sind die in den südwestlichen Vororten von Ile-Ife lebenden Oyo-Flüchtlinge, die Modákéké, nur unzureichend in die Stadt integriert, und bis vor kurzem kam es zu Gewaltausbrüchen.

Plastische und kultdramatische Kunst

Ife Terrakotta aus dem 12. bis 14. Jahrhundert

Ile-Ife ist bekannt für seine bis ins 10. Jahrhundert zurückreichenden Skulpturen aus Stein, Terrakotta und Bronze, wobei letztere mit dem Wachsausschmelzverfahren angefertigt wurden. Die meisten der naturalistischen Plastiken sind von großem kunsthistorischem Wert [7]. Im Ife-Museum, das sich am Rande des Palast-Komplexes befindet, sind solche Skulpturen ausgestellt, die teilweise von Leo Frobenius während seines zweimonatigem Forschungsaufenthaltes in der Stadt im Jahr 1910-1 ausgegraben wurden. Neue wichtige Funde machte Frank Willett 1957 in Ita Yemoo am Nordrand der Stadt. Die wertvollsten Fundstücke aus Ile-Ife sind im National Museum in Lagos ausgestellt.
Zur traditionellen Kultur von Ile-Ife gehören auch die Jahresfeste, die zum Teil noch heute von den zahlreichen Kultgruppen der Stadt zu Ehren der alten Götter gefeiert werden. Bemerkenswert sind besonders das 13-tägige Itapa-Fest für Obatala und Obameri im Januar-Februar, das 7-tägige Olojo-Fest für Ogún im Oktober und das gleichfalls 7-tägige Edi-Fest für Moremi und die Masken-tragenden Oluyare-Igbo im November. Die Feste sind von großer kultdramatischer Komplexität. Sie involvieren Prozessionen, Kultmahlzeiten, Kulthandlungen in Schreinen, Tempeln, heiligen Hainen in und außerhalb der Stadt, sowie im Palast, bei denen vielfach die Mitglieder verschiedener Kultgruppen interagieren. Im Zentrum all dieser religiös motivierten Feierlichkeiten steht jeweils der Palast und die Person den sakralen Königs (de facto nimmt dieser aber seit mehreren Jahren nicht mehr an den Festen teil).

Traditionelle Feste

Für jede der traditionellen 401 oder 201 Gottheiten Ifes feiern die Kultadepten ein Fest, das sich häufig über mehrere Tage erstreckt. Die wichtigsten Feste sind das Itapa Fest für Obatala und Obameri, das Edi Fest für Moremi und die maskentragenden Oluyare und das Olojo Fest für Ogun.[8] Früher war die Teilnahme des Königs an diesen drei Festen unerlässlich aber in der heutigen Zeit führen Christianisierung und Islamisierung zur Vernachlässigung der Tradition. Dennoch beten die traditionellen Priester weiterhin während der Jahresfeste und bei anderen Gelegenheiten für den Segen ihrer Kultgruppe, der Stadt, der nigerianischen Nation und der ganzen Welt.

Sehenswürdigkeiten

Zu nennen ist neben dem Ife-Museum in erster Linie der Palast, dessen äußeren Hof Besucher bei freundlicher Bitte ohne Schwierigkeit betreten können. Es ist allerdings ratsam, sich von einem lokalem Übersetzer begleiten zu lassen, um mit den auskunftsfreudigen Palastdienern in Kontakt treten zu können. Sehenswert ist weiterhin der "Stab Oranmiyans" („Opa Oranmiyan[9]) im Oranmiyan-Hain im Süden der Stadt. Es heißt, dass Oranmiyan kurz vor seinem Tod seinen Insignien-Stab, nachdem er ihn als tödliche Waffe gegen die Menschen benutzt hatte, auf den Marktplatz warf. Dieser soll sich in den über fünf Meter langen Monolithen verwandelt haben, auf dem eingeschlagene Nägel manchmal als phönikische Buchstaben gedeutet wurden. Das Töpfermuseum im Norden der Stadt ist an der Stelle errichtet worden, an der man die Statuen von Ita Yemoo entdeckt hatte. Von einem gewissen Interesse ist auch der Idena-Hain westlich der Stadt, in dem die Urgottheit Ore verehrt wird. Hier fand man die Statue des sogenannten Idena-Wächters und einige Urtiere aus Stein. Aus Sicherheitsgründen werden diese und andere Objekte, die zum Eigentum der Kultgruppen gehören, heutzutage im Ife-Museum verwahrt.

Zukünftiges Weltkulturerbe?

Seit den verstärkten Missionierungstätigkeiten der christlichen Kirchen und muslimischen Organisationen sind die religionsgeschichtlich höchst signifikanten Manifestationen in der Stadt in ihrer Existenz bedroht. Diese Kultdramen von äußerster Komplexität und großer kultureller Bedeutung - mit oder ohne altorientalische Vorbilder - würden rechtfertigen, dass die Stadt Ile-Ife mit ihren traditionellen Kultplätzen in die UNESCO-Liste der immateriell-traditionellen Denkmäler des Weltkulturerbes aufgenommen wird.

Bibliographie

  • Akinjogbin, I. A. (Hg.): The Cradle of a Race: Ife from the Beginning to 1980, Lagos 1992.
  • Bascom, William: The Yoruba of Southwestern Nigeria, New York 1969 (The book mainly deals with Ife).
  • --- "The Olojo festival at Ife, 1937", in: A. Falassi (ed.), Time out of Time. Essays on the Festival, Albuquerque, 1987, 62-73.
  • Fabunmi, M. Ajayi: Ife Shrines, Ife 1969.
  • Frobenius, Leo: Und Afrika sprach, Berlin 1913.
  • Johnson, Samuel: History of the Yorubas, London 1921.
  • Lange, Dierk: "The dying and the rising God in the New Year Festival of Ife", in: Lange, Ancient Kingdoms of West Africa, Dettelbach 2004, S. 343-376.
  • Walsh, M.J., "The Edi festival at Ile Ife", African affairs, 47 (1948), 231-8.
  • Willett, Frank: Ife in the History of West African Sculpture, London 1967 (dt. Übers.)

Weblinks

Fußnoten

  1. Die wichtigsten Orte mit Statistiken zu ihrer Bevölkerung
  2. Obafemi Awolowo University, Ile-Ife,Nigeria
  3. Johnson, History, 4.
  4. MAURICE ARCHIBONG (11. Mai 2006): Ile-Ife: Sips from the fountain of wisdom in The Sun News Online travels (Nigeria)
  5. Karte Yorubaland
  6. Lange, Kingdoms, S. 366-372.
  7. Met Museum New York: Ife Terracottas
  8. Walsh, "Edi festival", 231-8; Bascom, "Olojo", 64-72; Lange, Ancient Kingdoms, 358-366.
  9. Met Museum New York: Bild Opa Oranmiyan

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