Ikarus (Automobilhersteller)

Ikarus (Automobilhersteller)
Ikarus Gelenkbus 280 in Kattowitz

Ikarus war ein ungarischer Hersteller von Automobilen in Budapest-Mátyásföld.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Unternehmen Ikarus wurde 1895 gegründet und war hauptsächlich für seine Reisebusse und Stadtbusse bekannt, die in den Zeiten des sozialistischen Osteuropa eine bedeutende Rolle spielten. Vor allem die Busse der 200er Serie wurden (dank RGW-Spezialisierung) in enormen Stückzahlen produziert und führten dazu, dass Ikarus mit einer Jahresproduktion von 15.000 Bussen zeitweilig der größte Omnibushersteller der Welt war. Über 30.000 Busse wurden allein in die DDR geliefert, die letzten im Jahre 1990. In vielen Nachfolgerstaaten der UdSSR werden Ikarus-Busse noch heute eingesetzt.

Ikarus war von 1999 bis 2006 Mitglied der Irisbus-Gruppe. Nach einer Insolvenz verließ am 11. Dezember 2007 der letzte Bus die Werkhallen. Übrig geblieben ist eine Karosserie- und Fahrzeugteilfabrik, die nun aber keine Busse mehr herstellt.

Fahrzeuge und Typen

Die Busse der von den 1970er bis 1990er Jahren in über 200.000 Einheiten gefertigten Baureihe 200 werden eingeteilt in:

Bei diesen Modellen gibt jeweils verschiedene Untervarianten (Rechtslenker, unterschiedliche Anzahl und Typen der Türen sowie Obus-Varianten). Darüber hinaus gab es noch einzelne Prototypen und Modelle in sehr geringer Stückzahl sowie Aufbauten auf Fahrwerken von Drittherstellern. Die Ikarus-Busse ermöglichten aufgrund der hohen Stückzahlen in den Verkehrsbetrieben einen nahezu typenreinen Einsatz und rationelle Instandhaltung. Von den ersten Fahrzeugen der Heckmotor-Typen 55/66 der 1950er und 60er Jahre mit druckluftbetätigter Kupplung abgesehen, erfreuten sie sich beim Fahrpersonal großer Beliebtheit. Besonders die Unterflurmotor-Typen 556/260 erlaubten aufgrund ihrer guten Beschleunigung so manche „Wettfahrt“ zu gewinnen. Negativ waren teilweise das Fehlen von Originalersatzteilen und vom Fahrzeugtank unabhängige Zusatzheizungen, deren Fassungsvermögen im Winter oft nicht für einen vollen Tageseinsatz ausreichte.

Im Raum Hamburg konnten von 1973 bis 1986 Ikarus-Linienbusse beobachtet werden, hier allerdings in der nach den deutschen VÖV-Richtlinien gestalteten Standardbus-I-Version. Die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) erhielten mehrere Lose des Heckmotor-Bustyps Ikarus 190 (insgesamt 154 Wagen) und setzten sie auf ihren Linien im Südosten Hamburgs (Bezirk Bergedorf) und in Holstein (besonders in Neumünster und Norderstedt) ein.

1991 gelangten in großer Stückzahl Ikarus-Stadtbusse der 200er Serie in die türkische Metropole Istanbul, wo sie meist mit umweltfreundlichem Gasantrieb eingesetzt werden. Außerdem wurden 1991 viele 200er Busse nach Taiwan geliefert. 1994 wurde versucht, durch den Standort Wuppertal mit neuen Bussen wieder in Deutschland Fuß zu fassen. Dort wurden ab 1995 Niederflurbusse des Typs Ikarus 405 (Solobus) und 417 (Gelenkbus) eingesetzt, die damals durch ihre besondere „durchgängige Heizung“ punkteten. Ein weiterer Ikarus 417 wurde ab 1996 bei der Potsdamer Havelbus Verkehrsgesellschaft eingesetzt. Es gelang jedoch nicht, weitere Busse in Deutschland abzusetzen. Sowohl bei Havelbus als auch bei den Wuppertaler Stadtwerken schieden die Ikarus-Niederflurbusse 2005 aus dem Dienst aus.

Verbleib der Wagen in Deutschland

In einigen wenigen ostdeutschen Verkehrsunternehmen verkehren jedoch noch Ikarus 280, unter anderem in Löbau, Merseburg und Haldensleben. Die Fahrzeuge der Baureihen 55 (Reise- und Überlandbus) und 66 (Stadt- und Linienbus) mit ihren markanten Motorkästen im Heck erlebt man heutzutage hauptsächlich bei Traditionstreffen. Exemplare der Frontmotor-Typen 601 und 31 sind dagegen fast völlig verschwunden.

Von den acht Ikarus 250, die dem Zentralkomitee der SED im Zeitraum von 1984 bis 1989 vor allem für Jagdausflüge und Transferfahrten zur Verfügung standen, ist das Fahrzeug mit dem Kennzeichen ABI-ZK 89 noch bei der Vetter Touristik[1] in Zörbig (Ortsteil Salzfurtkapelle) für Sonderfahrten im Einsatz. Der Bus, der anlässlich der 40-Jahresfeier der DDR für Erich Mielke angefertigt wurde, zeichnet sich durch die Sonderausstattung mit 16 bequemen Drehsesseln aus. In dem für Erich Honecker reservierten Sessel ist ein Thermometer integriert. Die Fahrt wurde mittels Außenkamera auf Videogeräten wiedergegeben.[2]

Gallery

Einzelnachweise

  1. Website von Vetter Touristik mit Hinweis auf den Ikarus-Bus des ZK der SED.
  2. Vgl. Mitteldeutsche Zeitung vom 2. September 2007, Reisen wie einst bei Erich Honecker, wiedergegeben im Siteboard Nahverkehrhalle, Eintrag von BikerB am 19. September 2007.

Weblinks


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