Humprecht Johann Czernin von Chudenitz

Humprecht Johann Czernin von Chudenitz
Humprecht Johann Czernin von Chudenitz

Humprecht Johann Graf Czernin von Chudenitz (* 14. Februar 1628 in Choustník; † 3. März 1682 in Prag) stammte aus dem Adelsgeschlecht Czernin von Chudenitz. Er war Diplomat im Dienste Kaiser Leopolds I. und ist auch als Kunstsammler und Bauherr hervorgetreten.

Leben

Humprecht wurde auf dem mütterlichen Schloss im Dorf Choustník nahe Tábor geboren. Er besuchte zunächst das Jesuitenkolleg in Prag und wurde dann auf die Grand Tour geschickt, um seine Ausbildung abzuschließen. Von 1645 bis 1648 bereiste er Italien, Frankreich und die Spanischen Niederlande. Er hielt sich unter anderem in Rom, Florenz, Brüssel und vielleicht in Paris auf. Nach Böhmen zurückgekehrt, fasste er den Plan, Kardinal zu werden. Eine zweite Italienreise zu diesem Zweck war allerdings erfolglos.

1650 vermittelte ihm sein Onkel Hermann einen Posten als Kammerherr am Hofe des Erzherzogs und späteren Kaisers Leopold I. Ein Jahr später erbte er von ebendiesem Onkel den Grafentitel und großen Grundbesitz in Böhmen. 1652 heiratete er die Italienerin Maria Diana Hippoliti da Gazoldo, eine Hofdame der Kaiserin Eleonora, die er am Wiener Hof kennengelernt hatte. Die Ehe, aus der zwei Söhne hervorgingen, scheiterte, das Paar trennte sich 14 Jahre später und wurde 1674 geschieden.

Leopold übertrug seinem Kammerherrn bald auch diplomatische Aufgaben. 1657–58 war Humprecht an Verhandlungen im Vorfeld von Leopolds Kaiserwahl beteiligt, und 1660–1663 bekleidete er das Amt eines Gesandten der Habsburger in Venedig. Er erwarb unter anderem den Titel eines königlichen Statthalters, eines kaiserlichen Geheimrates und den Orden vom Goldenen Vlies. Doch es gelang ihm nicht, sich nach seiner Rückkehr aus Italien dauerhaft am kaiserlichen Hof zu etablieren.

Humprecht machte sich unter Zeitgenossen einen Namen als Kunst- und Architekturkenner. Er wirkte als Bauherr auf seinem Besitz in Kosmonosy und Mělník, erbaute das Schloss Humprecht bei Sobotka als Jagd- und Lustschlösschen und begann 1669 mit dem Bau des Palais Czernin auf dem Hradschin. Der Palast ist eines der größten Barockgebäude Prags. Jedoch wurde der Bau zu Lebzeiten Graf Humprechts nicht fertiggestellt. Er sollte ursprünglich auch die Gemäldesammlung des Grafen beherbergen, die Humprecht in Venedig angelegt und seitdem kontinuierlich ausgebaut hatte. Die Sammlung umfasste bei Humprechts Tod etwa 750 Gemälde und war bis 1733 auf über 1100 Werke angewachsen. Humprechts Erben verkauften sie nach und nach und lösten sie um 1778 ganz auf. Von ihr ist ein illustriertes Inventar aus den Jahren 1668–1669 erhalten, das den Namen „Imagines galeriae“ trägt und etliche auch heute bereits verschollene Werke verzeichnet.

Literatur und Quellen

  • Zdeněk Kalista (Hg.): Korespondence Zuzany Černínové z Harasova s jejím synem Humprechtem Janem Černínem z Chudenic. Dopisy z let 1645-1648, Melantrich, Praha 1941. – Korrespondenz des Grafen Humprecht mit seiner Mutter Zuzana Czernin. Mit einem Vorwort des Herausgebers. (online)
  • Zdeněk Kalista: Mládí Humprechta Jana Černína z Chudenic, zrození barokního kavalíra (Die Jugend Humprecht Johann Czernins von Chudenitz, die Geburt eines Barockkavaliers), Praha 1932. (nicht eingesehen)
  • Petr Maťa: Svět české aristokracie (1500-1700). Nakladatelství lidové noviny, 2004, ISBN 80-7106-312-6

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Поможем сделать НИР

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Czernin von Chudenitz — Wappen der Grafen Czernin von und zu Chudenitz Czernin von und zu Chudenitz (tschechisch Černín z Chudenic), ist ein böhmisches Adelsgeschlecht. Inhaltsverzeichnis 1 Geschichte 2 Herkunft …   Deutsch Wikipedia

  • Czernin von und zu Chudenitz — (tschechisch Černín z Chudenic) ist der Name eines alten böhmischen Adelsgeschlechts. Inhaltsverzeichnis 1 Geschichte 1.1 Herkunft 1.2 Legende 2 …   Deutsch Wikipedia

  • Humprecht Jan Czernin z Chudenic — Humprecht Johann Graf Czernin von Chudenitz (* 14. Februar 1628 in Radenín; † 3. März 1682 in Prag) war ein Diplomat im Dienste der Habsburger in Venedig aus dem Adelsgeschlecht Czernin von Chudenitz. Er bereiste unter anderem Frankreich und… …   Deutsch Wikipedia

  • Cernin von Chudenic — Wappen der Grafen Czernin von und zu Chudenitz Czernin von und zu Chudenitz (tschechisch Černín z Chudenic), ist ein böhmisches Adelsgeschlecht. Inhaltsverzeichnis 1 Geschichte 2 Herkunft …   Deutsch Wikipedia

  • Schloss Humprecht — Schloss Humprecht, Blick vom Marktplatz in Sobotka Schlosseingang …   Deutsch Wikipedia

  • Palais Czernin (Prag) — Palais Czernin Das Palais Czernin (Černínský palác) ist ein Palais in Prag am Hradschin in etwa gegenüber dem Prager Loreto (Pražská Loreta). Inhaltsverzeichnis 1 Geschichte …   Deutsch Wikipedia

  • Černín z Chudenic — Wappen der Grafen Czernin von und zu Chudenitz Czernin von und zu Chudenitz (tschechisch Černín z Chudenic), ist ein böhmisches Adelsgeschlecht. Inhaltsverzeichnis 1 Geschichte 2 Herkunft …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Biografien/Cz — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • Liste des chevaliers de l'ordre de la Toison d'or — Le collier de l’ordre de la Toison d’or L ordre de la Toison d or est un ordre de chevalerie séculier fondé en janvier 1430 par Philippe le Bon à Bruges lors des festivités données à l occasion de son mariage avec sa troisième épouse, Isabelle de …   Wikipédia en Français

  • Kostenblat — Kostomlaty pod Milešovkou …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”