Alte Försterei

Alte Försterei
Stadion An der Alten Försterei
Daten
Ort GermanyGermany Berlin, Deutschland
Eigentümer Land Berlin
Verein 1. FC Union Berlin
Eröffnung 7. August 1920
Erstes Spiel SC Union Oberschöneweide - BTuFC Viktoria 1889 (1:1)
Kapazität 18.100 Plätze
Spielfläche 109 x 73 m
Oberfläche Rasen
Sanierungen Anfang 1950er, 1970, 1981, 2000 und 2008

Das Stadion An der Alten Försterei (kurz: Alte Försterei oder AF) ist ein Fußballstadion im Berliner Ortsteil Köpenick (Bezirk Treptow-Köpenick). Es ist seit seiner Einweihung im Jahre 1920 die Heimspielstätte des 1. FC Union Berlin und von dessen Vorgängervereinen.

Inhaltsverzeichnis

Lage, Ausstattung und Nutzung

Das Stadion sowie die umliegenden Sportstätten werden im Norden durch den Volkspark Wuhlheide, im Osten durch die Hämmerlingstraße, im Süden durch die Wuhle (die an dieser Stelle in die Spree mündet) und im Westen durch die Straße An der Wuhlheide begrenzt. Insgesamt umfasst das Areal neben dem Fußballstadion noch eine Kegelhalle, zwei Ballspielhallen (welche seit dem Frühjahr 2008 saniert werden) sowie sechs weitere Trainingsplätze. Das Fußballstadion ist mit einem Fassungsvermögen von 18.100 Zuschauern (davon 16.600 Steh- und 1.500 überdachte Sitzplätze) das größte reine Fußballstadion Berlins. Neben dem 1. FC Union Berlin als Hauptmieter nutzen noch Schulen und andere Vereine (u. a. aus der Bistumsliga Berlin) die Sportanlagen.[1]

Geschichte

Das Stadion entstand 1920 als Ersatzspielstätte für den SC Union Oberschöneweide (den Vorgängerverein des 1. FC Union), der seinen bisherigen Platz an der Oberschöneweider Wattstraße (südwestlich der heutigen Trabrennbahn Karlshorst) zugunsten des Wohnungsbaus räumen musste. Das erste Spiel fand am 17. März 1920 statt, bei dem sich Union Oberschöneweide und Viktoria 89 Berlin 1:1 trennten. Die offizielle Eröffnungsfeier erfolgte wenig später, am 7. August 1920, mit einem Spiel des damals amtierenden Berliner Meisters Union gegen den amtierenden Deutschen Meister 1. FC Nürnberg (1:2) vor etwa 7.000 Zuschauern. Die Kapazität des Stadions betrug zu dieser Zeit 10.000 Zuschauer.

Das Forsthaus „Alte Försterei“ war der Namensgeber für das Stadion und ist heute Sitz der Geschäftsführung Unions.

Anfangs wurde die Spielstädte noch als „Sadowa-Platz“ bezeichnet. „Sadowa“ war einerseits die Bezeichnung eines nahe gelegenen Bierlokals und andererseits bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts der Name der Wuhlheide selbst, an deren Rand sich das Stadion befindet. Nach und nach etablierte sich jedoch der heute offizielle Name. Diese Bezeichnung resultierte aus dem neben dem Platz gelegenen Forsthaus, welches den Namen „Alte Försterei“ trug. Die Heimspielstädte lag dadurch „An der Alten Försterei“.[2]

Lange Zeit blieb das Stadion, das in den 1930er und 1940er Jahren auch „Blumentopp“ genannt wurde (der Name leitete sich aus einem nahe gelegenen Bierlokal ab), unverändert. Die Schäden infolge des Zweiten Weltkriegs waren begrenzt, auch wenn die Spielfelder gegen Ende des Kriegs als Flakstellungen genutzt wurden. Lediglich am Anfang der 1950er Jahre wurde das Stadion saniert, weswegen die Mannschaft von Union (damals noch unter den Namen Motor Oberschöneweide bzw. Motor Berlin) teilweise in andere Spielstätten, wie etwa das Hans-Zoschke-Stadion oder den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, ausweichen musste.

Erst zum Beginn der Saison 1969/1970 wurden zusätzliche Sitzplatzreihen und eine neue Sprecherkabine installiert sowie weitere Trainingsplätze außerhalb des Stadions angelegt. Während dieser Zeit spielte der 1. FC Union auf dem Platz der BSG KWO Berlin. Weitere Erweiterungs- und Modernisierungsmaßnahmen folgten von August bis November 1980, als unter anderem die Rasenfläche erneuert und das Fassungsvermögen auf 22.500 Zuschauer erhöht wurde. Dieser Wert ist auch heute noch die höchste dokumentierte Zuschauerzahl an der Alten Försterei und wurde 1984 im Entscheidungsspiel um den Klassenverbleib in der DDR-Oberliga zwischen Union und Chemie Leipzig aufgestellt. Während der Bauarbeiten in den 1980er Jahren nutzte Union das Stadion der Weltjugend als Heimspielstätte.

An den Umbaumaßnahmen waren Spieler, Funktionäre und Fans des Vereins unentgeltlich beteiligt. In dieser Zeit entstanden auch ein Ansageturm sowie eine elektronische Anzeigetafel, welche jedoch Anfang der 1990er von deren Betreiber demontiert wurde. Seitdem wird der Spielstand manuell über Steckschilder angezeigt, welche jedoch bei den Union-Fans inzwischen Kultstatus genießen.

Blick auf die Gegengerade des Stadions

In den 1990er Jahren wurde das Stadion aufgrund der steigenden Anforderungen an die Sicherheit in Fußballstadien stark modernisierungsbedürftig. Umfangreiche Arbeiten blieben jedoch wegen der schlechten Finanzlage des Vereins aus, sodass es erst im Jahr 2000 zu erneuten Baumaßnahmen kam. Seitdem besitzt das Stadion eine überdachte Sitzplatztribüne (die Schalensitze kamen dabei als Restbestände von der Renovierung des Berliner Olympiastadions) sowie eine Flutlichtanlage und bietet Platz für 18.100 Zuschauer. Rein rechnerisch finden sogar ca. 23.000 Zuschauer in der Arena Platz, jedoch wurde die Kapazität aufgrund von Sicherheitsauflagen des DFB auf den heutigen Wert zurückgestuft.

Trotzdem erfüllte die Spielstätte weiterhin nur unzureichend die vom DFB verlangten Auflagen, weswegen der Verein seit 2001 nur eine vorläufige Spielgenehmigung für die Alte Försterei erhält. Für die beiden UEFA-Cup-Heimspiele der Saison 2001/2002 musste Union sogar in den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark umziehen. Mit dem Aufstieg des 1. FC Union in die zweite Bundesliga im Jahr 2001 sollte ursprünglich bis 2006 ein neues Stadion mit 30.000 Zuschauern Fassungsvermögen gebaut werden, was jedoch an dem hohen Schuldenstand des Vereins und seinem Abstieg in die Oberliga 2005 scheiterte.

Umbau

Das Stadion während der Umbauphase 2008/2009
Der „Tunnel of Fame“ ist eine der Maßnahmen zur Finanzierung des Stadionumbaus.

Im Januar 2007 wurden vom Verein die Planungen zur lange verzögerten Modernisierung des Stadions bekannt gegeben. Diese sahen vor, die Stehränge zu renovieren (und damit sicherer zu machen), die Haupttribüne mit 3.700 Sitzplätzen und 38 Logen komplett neu zu bauen, eine Rasenheizung sowie eine Videowand zu installieren und das Stadion vollständig zu überdachen. Das Fassungsvermögen der Arena sollte nach dem Umbau 23.000 Plätze betragen. Weiterhin war das Anlegen von 450 Parkplätzen vorgesehen. Die Kosten für das Projekt wurden auf ca. 17 Millionen Euro geschätzt und sollten so aufgeteilt werden, dass 3,2 Millionen Euro durch das Land Berlin, 1,8 Millionen Euro durch den Verein und die restlichen zwölf Millionen Euro durch Fremdkapital aufgebracht werden.[3]

Voraussetzung für das Bauvorhaben war die Übertragung des Stadiongrundstückes vom Land Berlin an den 1. FC Union für den symbolischen Preis von einem Euro (der Verkehrswert des Geländes belief sich auf ca. 1,89 Millionen Euro). Dieses Vorhaben ließ sich jedoch nicht realisieren. Nachdem im Januar 2007 der Sportausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses dem Verkauf zunächst zustimmte, wurde im Juli 2007 eine Prüfung des Vorhabens durch die Europäische Union notwendig, um den Verdacht der staatlichen Beihilfe durch eine zu hohe Subventionierung zu entkräften. Die Prüfung ergab im Januar 2008 ein Veto der EU, wodurch Union Berlin das Stadion nur noch zum vollen Kaufpreis erwerben konnte.[4]

In der Folge gab es zwischen dem Verein und dem Land Berlin weitere Verhandlungen, wie das Land als Eigentümer des Stadions die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs an der Alten Försterei im Falle einer Qualifikation für die neu geschaffene dritte oder – im Falle eines Aufstiegs – die zweite Bundesliga gewährleisten kann, da das Stadion im damaligen Zustand nicht die Auflagen des DFB erfüllte. Kurzzeitig drohte dem Klub für die Saison 2008/2009 der Umzug in die bei den Fans unbeliebten Sportstätten Olympiastadion oder Jahnsportpark, ohne dass die Alte Försterei modernisiert worden wäre.[5] Im April 2008 erhielt der 1. FC Union schließlich die Zusage seitens der Politik, so dass nach dem Ende der Saison 2007/2008 mit den notwendigen Baumaßnahmen begonnen wurde. Ferner wurde dem Verein das Sportstättengelände in einem Erbbaupachtvertrag für 99 Jahre übertragen.[6]

Die Umbaumaßnahmen sind zur Zeit (Stand: Februar 2009) noch im Gange. Die Stehränge und viele umliegende Funktionsgebäude bzw. Geländer und Zäune sind bereits saniert. Die Fertigstellung des Dachs hatte sich dagegen aufgrund von Lieferschwierigkeiten des Dachkontrukteursfirma verzögert.[7] Daher entschloss sich der Verein im April 2009, die Saison 2008/2009 komplett im Jahnsportpark zu beenden und den Einbau der Rasenheizung vorzuziehen, sodass die Sportstätte im Juli 2009 mit einem Freundschaftsspiel gegen Hertha BSC eingeweiht werden kann.Interview mit Dirk Zingler. In: www.fc-union-berlin.de. 1. FC Union Berlin e. V., 28. April 2009. Abgerufen am 28. April 2009.

Im Vorfeld der Neubauplanungen wurde bereits 2005 die Aktion „Stadiongründer“ ins Leben gerufen. Ziel dieser Aktion ist es, den Fans die Möglichkeit zu geben, sich finanziell am Umbau zu beteiligen. Durch den Erwerb von sogenannten Gründersteinen geben sie dem Projekt finanzielle Mittel, die Gründersteine werden dafür im Zuschauertunnel, dem Tunnel of Fame, angebracht und sind so eine Verewigung für die jeweiligen Spender.

Rundblick auf das Stadion vor dem Umbau (September 2007)

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Karin Schmidl: Fußballer wollen ihr Stadion kaufen. In: Berliner Zeitung. Berliner Verlag GmbH, 24. Juli 2006. Abgerufen am 28. April 2009.
  2. Wie unser Stadion zu seinem Namen kam. In: www.proaf.de. Eiserner V.I.R.U.S. e. V.. Archiviert vom Original am 8. Februar 2007. Abgerufen am 28. April 2009.
  3. 1. FC Union stellt Stadion-Projekt der Öffentlichkeit vor. In: www.fc-union-berlin.de. 1. FC Union Berlin e. V., 11. Januar 2007. Abgerufen am 28. April 2009.
  4. Matthias Koch: Union Berlin: Die Baustelle liegt brach. In: Der Tagesspiegel. Verlag Der Tagesspiegel GmbH, 5. März 2008. Abgerufen am 28. April 2009.
  5. Matthias Wolf: Die Faust in der Tasche. In: Berliner Zeitung. Berliner Verlag GmbH, 10. März 2008. Abgerufen am 28. April 2009.
  6. Union erhält Zusage zur Alten Försterei. In: www.fc-union-berlin.de. 1. FC Union Berlin e. V., 17. April 2008. Abgerufen am 28. April 2009.
  7. Matthias Koch: Verein mit Dachschaden. In: Tagesspiegel. Verlag Der Tagesspiegel GmbH, 23. Februar 2009. Abgerufen am 24. Februar 2009.

Literatur

  • Jörn Luther, Frank Willmann: Und niemals vergessen – Eisern Union!. BasisDruck Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-86163-106-7. 
  • Harald Tragmann, Harald Voß: Die Union-Statistik, Ein Club zwischen Ost und West. 3. Auflage. Verlag Harald Voß, Berlin 2007, ISBN 978-3-935759-13-7. 

Weblinks

52.45722222222213.5680555555567Koordinaten: 52° 27′ 26″ N, 13° 34′ 5″ O


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