Homo Sacer

Homo Sacer

Homo sacer (lat. geheiligter Mensch, heiliges Leben) ist eine Rechtsbegriff im römischen Strafrecht.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Ein Mensch mit dem Rechtsstatus des Homo sacer galt einerseits als vogelfrei und durfte straffrei getötet werden. Andererseits galt er auch als heilig. Aufgrund seiner Heiligkeit durfte er nicht geopfert werden, da er einer bestimmten Gottheit gehörte. Diese Rechtsfigur kam nach einem Eidesbruch zum Zuge. Der Eidesbrecher gehörte dadurch der Gottheit, in deren Namen der Eid abgelegt wurde. Wenn er dann getötet wurde, wurde dies als Rache der Gottheit - die ja offensichtlich getäuscht wurde - gesehen. Nach dem Zwölftafelgesetz (8,21) wird ein Patron, der seine Klienten täuscht, als sacer und damit als vogelfrei und friedlos gebannt. Die damit verbundene Form der willkürlichen Arretierung existierte in Europa bis 1679, als in England die Habeas Corpus Akte eingesetzt wurde, nach der jeder Gefangene innerhalb einer Frist von drei Tagen in personam vor Gericht gestellt werden muss.

Rezeption

In dem Versuch des italienischen Philosophen Giorgio Agamben, das Phänomen totalitärer Ideologien in der Moderne zu entschlüsseln und die Theorie der Biopolitik Michel Foucaults unter dem Aspekt des Ausnahmezustandes weiterzuentwickeln, verwendet er die Figur des Homo sacer als Grundlage für die Betrachtungen seiner rechtsphilosophischen Genealogie. Agamben bezieht sich hier auf das Lexikon von Sextus Pompeius Festus.

Literatur

  • Giorgio Agamben: Homo sacer. Die souveräne Macht und das nackte Leben. Edition Suhrkamp, Frankfurt am Main 2002. ISBN 3-518-12068-9
  • Giorgio Agamben (1993): Au-delà des droits de l'homme. In: Libération v. 9./10. Juni 1993
  • Giorgio Agamben (2001): Jenseits der Menschenrechte. In: ‚Subtropen‘ Beilage zur Jungle World Nr. 28/01. 21. Juni 2002
  • Zakravsky Katherina Homo Sacer and the Consequences. Two Remarks on Holocaust commemoration and bare life in contemporary art. http://magazines.documenta.de/attachment/000000778.pdf
  • Zakravsky Katherina "Querwelteinbürgerung – Pilotprojekt. Präliminarien zum Transhumanismus" In: Achtung vor Anthropologie. Interdisziplinäre Studien zum philosophischen Empirismus und zur transzendentalen Anthropologie. Michael Benedikt zum 70. Geburtstag. Hg. Josef Rupitz, Elisabeth Schönberger, Cornelius zehetner, Wien 1998
  • Zakravsky Katherina „Enthüllungen. Zur Kritik des nackten Lebens.“ Tagungsband zur Tagung „Auszugaus dem Lager“, organisiert von Ludger Schwarte, Akademie der Künste, 12/2005 http://camp-project.eu/fsDownload/Katherina%20Zakravsky-Enthuellungen.Zur%20Kritik%20des%20nackten%20Lebens.pdf?forumid=336&v=1&id=235172
  • Schmitt Carl: Politische Theologie. Vier Kapitel zur Lehre von der Souveränität. 7. Aufl., Berlin: Duncker & Humblot 1996
  • Geulen, Eva (2005) Giorgio Agamben zur Einführung. Hamburg: Junius.
  • Kieswo, Rainer Maria (2002) Ius Sacrum: Giorgio Agamben und das nackte Recht In: Rechtsgeschichte. Zeitschrift des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte 1 (2002) S. 56-70

Weblinks


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