Holm Sundhaussen


Holm Sundhaussen
Sundhaussen 2008

Holm Sundhaussen (* 17. April 1942 in Berlin) ist ein deutscher Südosteuropa-Historiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Er studierte in den Jahren 1966 bis 1972 Ost- und Südosteuropäische Geschichte, Slavistik und Germanistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dort promovierte er 1973 mit der Arbeit Der Einfluss der Herderschen Ideen auf die Nationsbildung bei den Völkern der Habsburger Monarchie. Seine 1981 an der Universität Göttingen angenommene Habilitationsschrift hat das Thema Wirtschaftsgeschichte Kroatiens im nationalsozialistischen Grossraum 1941–1945. Seit 1988 ist er Professor für Südosteuropäische Geschichte am Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin (seit 2007 im Ruhestand) und seit 1998 Kodirektor des Berliner Kollegs für vergleichende Geschichte Europas[1]. Von 1992 bis 1997 war er Sprecher des Graduiertenkollegs „Die Umgestaltungsprozesse in Ost- und Südosteuropa seit den 1980er Jahren u. ihre historischen Grundlagen“; von 1998 bis 2003 fungierte er als gewählter Gutachter der Deutschen Forschungsgemeinschaft und war von 1998 bis 2005 Mitglied des Auswahlausschusses für die Vergabe der Roman-Herzog-Stipendien durch die Alexander von Humboldt-Stiftung. Holm Sundhaussen ist Mitglied von Wissenschaftlichen Beiräten mehrerer Institutionen, darunter des Centre for the Study of the Balkans[2] der Goldsmith University of London, der Balkan-Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien und des Heidelberg Centre for Euro-Asiatic Studies[3].

Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Geschichte Südosteuropas (Schwerpunkt 19./20. Jahrhundert), insbesondere Nationsbildung und Nationalismus, ethnische Konflikte, Wirtschafts- und Gesellschaftsgeschichte, sozialer Wandel, Erinnerungskulturen. Er ist (Mit)Herausgeber mehrerer Buchreihen und Zeitschriften, darunter Forschungen zur osteuropäischen Geschichte und Balkanologische Veröffentlichungen (beide im Harrassowitz-Verlag, Wiesbaden). Mit verschiedenen Projekten, u. a. im Rahmen des Stabilitätspakt für Südosteuropa, hat sich Sundhaussen seit den 1990er Jahren für eine Intensivierung der geschichtswissenschaftlichen Kooperation zwischen den Ländern der Region sowie zwischen Deutschland und Südosteuropa engagiert.

Die Veröffentlichung seines 2007 erschienenen Standardwerks Geschichte Serbiens. 19. - 21. Jahrhundert in serbischer Sprache verursachte im Frühjahr 2009 in Serbien eine gesellschaftliche Debatte über die Geschichte des Landes und die Möglichkeit, diese durch einen Ausländer korrekt darzustellen.[4]

Weitere Werke

  • Der Einfluß der Herderschen Ideen auf die Nationsbildung bei den Völkern der Habsburger Monarchie, München 1973 (ISBN 3-486-43841-7)
  • Geschichte Jugoslawiens 1918 - 1980, Stuttgart 1982 (ISBN 3-17-007289-7)
  • Wirtschaftsgeschichte Kroatiens im nationalsozialistischen Großraum 1941-1945. Das Scheitern einer Ausbeutungsstrategie, Stuttgart 1983 (ISBN 3-421-06150-5)
  • Historische Statistik Serbiens 1834-1914. Mit europäischen Vergleichsdaten, München 1989 (ISBN 3-486-55011-X)
  • Experiment Jugoslawien. Von der Staatsgründung bis zum Staatszerfall, Mannheim u.a. 1993 (ISBN 3-411-10241-1)
  • Geschichte Serbiens. 19. - 21. Jahrhundert, Wien u.a. 2007 (ISBN 978-3-205-77660-4); serbische Ausgabe: Istorija Srbije. Od 19. do 21. veka, übersetzt von Tomislav Bekić, Beograd 2009 (ISBN 978-86-7102-320-7)
  • (als Mitherausgeber): Lexikon zur Geschichte Südosteuropas, Wien u.a. 2004 (ISBN 3-8252-8270-8)
  • (als Mitherausgeber): Lexikon der Vertreibungen. Deportation, Zwangsaussiedlung u. ethnische Säuberung im Europa des 20. Jhs., Wien u.a. 2010 (ISBN 978-3-205-78407-4)
  • (als Mitherausgeber): Prowestliche und antiwestliche Diskurse in den Balkanländern/Südosteuropa, München 2008 (ISBN 978-3-86688-022-1)
  • (als Mitherausgeber): Definitionsmacht,Utopie, Vergeltung. „Ethnische Säuberungen“ im östlichen Europa des 20. Jahrhunderts, Berlin 2006 (ISBN 3-8258-8033-8)
  • (als Mitherausgeber): Regionale Bewegungen und Regionalismen in europäischen Zwischenräumen seit der Mitte des 19. Jh., Marburg 2003 (ISBN 3-87969-306-4)

Literatur

  • Ulf Brunnbauer (Hrsg.): Schnittstellen. Gesellschaft, Nation, Konflikt und Erinnerung in Südosteuropa. Festschrift für Holm Sundhaussen zum 65. Geburtstag. Oldenbourg, München 2007, ISBN 978-3-486-58346-5, (Südosteuropäische Arbeiten 133), (Enthält eine umfangreiche Bibliographie der Werke Sundhaussens).

Texte von Holm Sundhaussen im Internet

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Berliner Kolleg für vergleichende Geschichte Europas
  2. Centre for the Study of the Balkans
  3. Heidelberg Centre for Euro-Asiatic Studies
  4. Rüdiger Rossig: Umgeben von Feinden. die tageszeitung, 22. Juni 2009; das dort erwähnte Interview Sundhaussens in der Vreme vom Nr. 944 vom 5. Februar 2009

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