Hochzeitsturm

Hochzeitsturm
Hochzeitsturm auf der Mathildenhöhe in Darmstadt

Das Wahrzeichen Darmstadts ist der 48,5 Meter hohe Hochzeitsturm, der auf der Mathildenhöhe steht.

Der Architekt Joseph Maria Olbrich gestaltete den 1908 fertiggestellten Backsteinturm im Auftrag der Stadt Darmstadt als Geschenk zur Erinnerung an die Hochzeit des Großherzogs Ernst Ludwig mit Prinzessin Eleonore zu Solms-Hohensolms-Lich am 2. Februar 1905. Markant sind die fünf abschließenden Bögen des Daches, die an eine ausgestreckte Hand erinnern, weshalb er auch "Fünffingerturm" genannt wird. Der Turm wird dem Jugendstil zugeordnet. Als Gebäude gehört er zum Komplex des damals neuen Wasserreservoirs und der Ausstellungshalle und Gemeinschaftsateliers der Künstlerkolonie.

Seit dem Sommersemester 2006 ist eine stilisierte Darstellung des Hochzeitsturms auch das Symbol der Hochschule Darmstadt.

Inhaltsverzeichnis

Die Eingangshalle

In der Eingangshalle befinden sich zwei Mosaiken von Friedrich Wilhelm Kleukens, "Der Kuß" und "Die Treue". Die Decke ist als Nachthimmel gestaltet. Der Aufzug wurde später installiert.

Die Sonnenuhr

Sonnenuhr mit Gedicht

Unter der mit den 12 Tierkreiszeichen umrahmten Sonnenuhr auf der Südseite des Hochzeitsturms steht ein Gedicht von Rudolf G. Binding:

Der Tag geht über mein Gesicht
die Nacht sie tastet leis vorbei
und Tag und Nacht ein Gleichgewicht
und Nacht und Tag ein Einerlei

und ewig kreist die Schattenschrift
leblang stehst du im dunklen Spiel
bis dich des Spieles Deutung trifft
die Zeit ist um - du bist am Ziel

Fassadengliederung

Sockel mit Eingangsportal

Verputzte dreistufige Ausführung, Höhe etwa 1,5 Geschosse

Turmkörper

Der gemauerte Turmkörper aus dunkelroten Ziegelsteinen (Torfbrandklinker) beginnt mit einer Sandsteinplatte über dem Eingang (vier Figuren über den beiden Wappen; Heinrich Jobst *1874 †1943). Die vier Figuren sollen die Personifikation der vier Herrschertugenden Stärke, Weisheit, Gerechtigkeit und Milde darstellen.

Das Relief wurde von Heinrich Jobst entworfen und trägt eine Inschrift. Sie lautet: ZUM GEDÄCHTNIS DER VERMÄHLUNG I: I. K.K.H.H. DES GROSZHERZOGS ERNST LUDWIG UND DER GROSZHERZOGIN ELEONORE ERRICHTET VON DER STADT DARMSTADT; ANNO 1907-1908


In der zweiten und dritten Etage ein Büchermagazin (siehe Innenausstattung)

Die Sonnenuhr auf der Südseite wurde 1914 nach Entwürfen von Friedrich Wilhelm Kleukens (1878-1956) von den Vereinigten Werkstätten für Mosaik und Glasmalerei Puhl & Wagner - Gottfried Heinersdorff in Berlin-Neukölln ausgeführt.

In der vierten Etage mit exzentrisch und um die Ecken geführten Fensterbändern (4 und 1) befindet sich das Zimmer des Großherzogs, das sogenannte „Fürstenzimmer“, heute Kanzlei des Standesamts.

In der fünften Etage mit exzentrisch und um die Ecken geführten Fensterbändern (4 und 1) liegt das Zimmer der Großherzogin, das sogenannte "Hochzeitszimmer".

An der Nordseite der sechsten Etage befindet sich ebenfalls seit 1914 eine in Blattgold gefasste, von Albin Müller entworfene Turmuhr mit Glaubenssymbolen.

Aussichtsplattform und fünfzinniger Abschluss

Die "Finger" sind jeweils tonnenförmig nach oben abgerundet. Je zwei zurückgesetzt. Der mittlere ist der höchste "Finger".

An den Schmalseiten der "Finger" sind die hier violett gehaltenen Ziegel vermauert (in der Breite der Schmalseiten der Ziegel) als fünf nach innen zurückgesetzte Bänder, die der Struktur etwas Leichtigkeit verleihen. Diese Bänder beginnen bereits in der 5. Etage über einem gelben quadratischen Schmuckrelief. Die Dachflächen sind mit Kupferblech verkleidet.

Innenausstattung

Die ehemaligen beiden Zimmer des Großherzogs und der Großherzogin haben heute als Trauzimmer des Standesamtes eine zum Ursprungszweck passende Nutzung gefunden.

Literatur

  • Stadt Darmstadt. Kulturdenkmäler in Hessen. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsges., Braunschweig 1994, ISBN 3-528-06249-5
49.8771398.667232

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