Henry Stewart, Lord Darnley


Henry Stewart, Lord Darnley
Henry Stuart, Lord Darnley

Henry Stuart, Lord Darnley (* 7. Dezember 1545 in Temple Newsam House, Yorkshire; † 10. Februar 1567 in der Abtei Kirk o'Field, Edinburgh) war der zweite Ehemann der schottischen Königin Maria Stuart (seiner Cousine) und somit seit 1565 Duke of Albany, Earl of Ross und Lord of Ardmanach sowie formal König von Schottland, auch wenn er an der Regierung nicht beteiligt wurde.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Henry Stuart wurde 1545 als ältester Sohn des Matthew Stewart, 4. Earl of Lennox und der Margaret Douglas, Tochter des Archibald Douglas, 6. Earl of Angus, in Temple Newsam House in Yorkshire, dem „Hampton Court des Nordens“, geboren. Als Erbe des Earls of Lennox führte er den Höflichkeitstitel eines Lord Darnley – ein Nebentitel seines Vaters. Durch seine Mutter war er ein Urenkel König Heinrichs VII. von England. Henry, der gleichzeitig auch vom schottischen Königshaus abstammte, war – nach Maria Stuart selbst – der nächste Anwärter auf den schottischen Thron, und auch auf die englische Thronfolge hatte er gute Ansprüche.

Lord Darnley wuchs in England auf. Er erhielt den üblichen vom Humanismus der Renaissance geprägten Unterricht seiner Kreise, hatte eine schöne Handschrift und zeichnete sich durch Geschicklichkeit in militärischen Übungen aus. Seine ehrgeizige Mutter sandte ihn zum ersten Mal 1559 nach Frankreich, um Franz' II. und seiner Gemahlin Maria Stuart zur Thronbesteigung zu gratulieren.[1] Nach dem Tode Franz II. im Dezember 1560 sandte ihn seine Mutter erneut nach Frankreich, wo er offiziell um Marias Hand anhielt.[2] Lady Lennox hätte ihren Sohn gerne als Elisabeths Nachfolger auf dem englischen Königsthron gesehen, und eine Heirat mit seiner Cousine Maria Stuart schien ihr das richtige Mittel zum Zweck zu sein. In der Folge wurden Mutter und Sohn, die beide englische Untertanen waren, 1561 von Elisabeth inhaftiert, nach kurzer Zeit aber wieder freigelassen.

Lord Darnley und sein kleiner Bruder Lord Charles Stuart, Gemälde von Hans Eworth

Heirat mit Maria Stuart

Darnley verbrachte einige Zeit am englischen Hof, bevor er sich 1565 nach Schottland aufmachte. Die Heirat mit Maria Stuart war eine Liebesheirat, gleichzeitig aber auch politisches Kalkül. Bereits 1564 war er von Maria in die engere Auswahl einbezogen worden. Sie entschied sich nun plötzlich, ihn zu heiraten, nachdem sie ihren neuen Verehrer während einer Krankheit (Masern) gepflegt hatte.

Die Haltung Elisabeths I. zu dieser Heirat ist nicht eindeutig und nur schwer zu verstehen. Einerseits hatte sie Darnley die Reise nach Schottland erlaubt, obwohl sie wusste, dass Maria an einer Heirat mit Darnley interessiert war. Andererseits haben sie und der Kronrat ihr Missfallen erklärt und Darnley und seinen Vater nach England zurückbeordert. Sie fürchtete die dynastischen Implikationen, begrüßte jedoch, dass auf diese Weise Maria keinen spanischen oder französischen Heiratskandidaten mehr in Betracht ziehen konnte, was für England recht unvorteilhaft gewesen wäre. Elisabeth kannte den jungen Darnley, der an ihrem Hof gelebt hatte, und wusste, dass er nicht in der Lage sein würde, eine ernsthafte Aufgabe in der schottischen Regierung zu übernehmen. Auf jeden Fall kamen Vater und Sohn der Aufforderung nach England zurückzukehren nicht nach, und die Hochzeit fand am 29. Juli 1565 in der Kapelle des Holyrood-Palastes in Edinburgh statt.

Darnley war Katholik und man befürchtete eine Wende in der (protestantischen) schottischen Innenpolitik. Tatsächlich protestierte Marias Halbbruder James Stewart, 1. Earl of Moray gegen die katholische Ehe und ging mit einigen protestantischen Adligen nach England, andere wurden von Maria verbannt.

Ermordung Rizzios

Maria, die binnen kurzem schwanger wurde, war anfangs in ihren gutaussehenden Bräutigam sehr verliebt, aber diese Begeisterung kühlte schnell ab und die Eheleute entfremdeten sich rasch. Lord Darnley war recht kindisch und hochmütig, mit einem Hang zur Gewalttätigkeit. Er erregte in Edinburgh Aufsehen durch seine Eskapaden in Wirtshäusern und Bordellen. Sein Königstitel wurde nach seiner Meinung nicht genügend gewürdigt, da Maria ihm keinen politischen Einfluss gewährte. Er fühlte sich in seinem Stolz verletzt, als das Parlament sich weigerte ihn zum König eigenen Rechts zu machen. Er beteiligte sich an einer Verschwörung schottischer Lords, die sich gegen den Privatsekretär und Vertrauten der Königin, David Rizzio, wandte. Nach Darnleys Meinung war Rizzio auch Marias Liebhaber. Eifersüchtig ermordete er mit seinen Komplizen den Italiener am 9. März 1566 vor den Augen seiner schwangeren Frau. Maria wurde unter Hausarrest gestellt, konnte aber mit Hilfe ihres charakterschwachen Gemahls, der die Fronten gewechselt und sich wieder auf ihre Seite gestellt hatte, nach Dunbar entkommen.

Nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes James am 19. Juni 1566, der als Jakob I. 1603 die beiden Königreiche England-Irland und Schottland in seiner Person vereinigen sollte, war die Erbfolge gesichert und Maria wandte ihre Gunst ihrem zukünftigen dritten Ehemann James Hepburn, 4. Earl of Bothwell zu. Darnley, dessen Mitverschwörer sich wegen seines Seitenwechsels von ihm abgewandt hatten, war jetzt isoliert. Als Mordgerüchte aufkamen, fürchtete er um sein Leben und machte sich auf, Schottland zu verlassen, wurde aber durch verschiedene Umstände an seinem Plan gehindert. Er floh nach Glasgow, wo ihn eine Krankheit (möglicherweise Syphilis, aber wahrscheinlich die Pocken) niederwarf. Maria überredete Darnley, wieder nach Edinburgh zurückzukehren.

Darnleys Tod

Mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand reiste er in kurzen Etappen und machte in Kirk o'Field, innerhalb der Stadtmauern Edinburghs, Station. Er hütete noch das Bett, und seine Gattin pflegte ihn demonstrativ und versprach ihm die baldige Wiederaufnahme der ehelichen Beziehungen. Am Abend des 9. Februar 1567 verabschiedete sich Maria von ihm und ging zur Hochzeit ihrer Zofe im Holyrood Palace ganz in der Nähe. Kurz darauf gab es in seiner Unterkunft eine gewaltige Explosion, die das Haus völlig zerstörte. Darnley selbst und sein Diener wurden tot in der Nähe des Hauses in einem Obstgarten außerhalb der Stadtmauern gefunden. Da er unbekleidet war und keine Verletzungen aufwies, nimmt man an, dass er auf der Flucht erdrosselt wurde. Die Täter wurden zunächst aus offensichtlich politischen Gründen nicht ermittelt, es wurde jedoch deutlich, dass der Earl of Bothwell der Auftraggeber war, als herauskam, dass er das verwendetete Schießpulver in Darnleys Keller hatte unterbringen lassen. Außerdem hatten mehrere schottische Lords (Bothwell darunter) bereits im November 1566 in Anwesenheit Marias in Craigmillar einen Eid (bond) geschworen, dass sie Darnley zum Wohle des Staates beseitigen würden.[3] Eine Mitwisserschaft Maria Stuarts wird oft geleugnet, ist aber kaum zu bezweifeln. Darnleys sterbliche Überreste wurden in der Kapelle des Holyrood-Palastes beigesetzt.

Nachweise

  1. Caroline Bingham: Darnley: A life of Henry Stuart, Lord Darnley, consort of Mary Queen of Scots. Constable, London 1995, S.67-68
  2. Caroline Bingham: Darnley: A life of Henry Stuart, Lord Darnley, consort of Mary Queen of Scots. Constable, London 1995, S.72
  3. „It was thought expedient and most profitable for the common wealth,..., that such a young fool and proud tyrant should not reign or bear rule over them;...that he should be put off by one way or another; and whosoever should take the deed in hand or do it, they should defend“ (Book of Articles): Fraser: Mary Queen of Scots Panther Books, London, 1970, S.335-336

Literatur

  • Caroline Bingham: Darnley: A life of Henry Stuart, Lord Darnley, consort of Mary Queen of Scots. Constable, London 1995, ISBN 0094725306.
  • Alison Weir: Mary, Queen of Scots and the Murder of Lord Darnley. Random House, New York 2003, ISBN 0641645104.

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