Helge Schneider


Helge Schneider
Helge Schneider 2009
Helge Schneider 2009

Helge Schneider (* 30. August 1955 in Mülheim an der Ruhr) ist Unterhaltungskünstler, Schriftsteller, Film- und Theaterregisseur, Schauspieler und Multiinstrumentalist. Bekannt wurde er durch Bühnenvorstellungen, in denen er Klamauk und Parodien mit Jazzmusik verband. Ein wichtiges Element seiner Arbeit ist die Improvisation.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Kindheit und Jugend

Helge Schneider wurde 1955 in Mülheim an der Ruhr im Ortsteil Styrum geboren, heute lebt er zwischen Essen und Mülheim. Sein künstlerisches Schaffen ist eng verbunden mit seiner Geburtsstadt und ihrer Umgebung, dem Ruhrgebiet. Schon in früher Kindheit wurde sein musikalisches Talent, vor allem seine Begabung für das Klavierspiel, deutlich. Im Alter von fünf Jahren begann er mit dem Klavier- und mit zwölf Jahren mit dem Cellospiel. Ebenso früh zeigten sich seine Ambitionen als Kabarettist: Er wollte „auf der Bühne stehen, Clown sein und Musik machen.“

Anfänglich ein guter Schüler, verlor Schneider bald jedes Interesse an der schulischen Laufbahn, brach die Schule 1971 ohne Abschluss in beiderseitigem Einverständnis ab und begann eine Lehre als Bauzeichner. Rückblickend nennt Schneider seinen damals einsetzenden Drogenkonsum, der seine ganze Jugend prägen sollte, als Grund für seinen schulischen Absturz.

1972 begann er nach einer Sonderbegabtenprüfung ein Klavierstudium am Duisburger Konservatorium, welches er bald darauf ebenfalls abbrach, weil ihm das Auswendiglernen von Noten nicht zusagte. Sein Interesse galt vielmehr dem Jazz – auf Jam Sessions stieg er beispielsweise bei George Maycock ein. Zwecks Broterwerb versuchte er sich erfolglos in verschiedenen Berufen wie Landschaftsgärtner, Dekorateur, Tierpfleger und Polsterer.

Seine Freizeit verbrachte er in diesen Jahren gerne in einem Stehcafé von Eduscho, wo er die Menschen um sich herum beobachtete und sich Bewegungen und Sprechweisen einprägte. Als besonders beeindruckend und unterhaltsam empfand er dabei ältere Männer, die trotz ihrer Unzulänglichkeiten immer souverän blieben. Diese Oppas wurden zu seinem Vorbild. In Interviews nannte Schneider diese Zeit sein Eduscho-Studium, dem er große Bedeutung für seine spätere Arbeit beimisst.

Arbeit als Künstler

Ab 1977 bemühte sich Helge Schneider intensiv darum, mit seinen künstlerischen Talenten Einnahmen zu erzielen: Er verdiente seinen Unterhalt durch Auftritte mit Peter Burschs Bröselmaschine sowie mit verschiedenen eigenen Bandprojekten, u. a. mit Charly Weiss (Schneider/Weiss Duo aka El Snyder & Charly McWhite, Helge Schneider Trio), als Studiomusiker (z. B. für Albert Mangelsdorff, Eckard Koltermann, Frank Baier), mit Kompositionsaufträgen (für Werner Nekes), als Stummfilmbegleiter und als Schauspieler. Nach der Geburt seiner ersten leiblichen Tochter sah er sich 1982 dann zusätzlich vor die Aufgabe gestellt, eine Familie zu ernähren.

1983 war er Studiomusiker, unter anderem bei Marie Deutschland und der DaCapo Movie Band.

1986 spielte er die Hauptrolle in Werner Nekes Film Johnny Flash. Im Jahr darauf drehte er seinen ersten eigenen Film, den Kurzfilm Stangenfieber. Es folgten Auftritte in Filmen von Christoph Schlingensief, den er bei dessen Kulturabenden in dessen Elternhaus bereits kennen und schätzen gelernt hatte.

Von 1985 bis 1991 war Schneider Co-Moderator in der Fernseh-Musik-Sendung Off-Show des WDR, zuerst neben Reinhold Beckmann, ab 1990 neben Evi Seibert. Dort zeigte er kleine Sketche und interviewte Musiker. In der Sendung Queens Palace des Hessischen Rundfunks trat er mit Sketchen auf, teilweise begleitet von Hans Werner Olm. In diesen Jahren arbeitete er an seinen musikalischen Grundlagen, lernte das Spielen vieler weiterer Instrumente und eignete sich Bühnenerfahrung an. Er entwickelte seinen persönlichen Stil der Antikomik, der sich Kritikern zufolge durch Respektlosigkeit, kindischen Unsinn und das Vermischen von Banalem mit Anspruchsvollem auszeichnet.

Regelmäßig besuchte er in dieser Zeit die Jazz-Sessions im Bahnhof Süd in Essen, in der Werkstatt in Essen-Steele und in der Jazz-und-Art-Galerie in Gelsenkirchen, wo er sich zwanglos mit anderen Musikern zum Improvisieren traf. An Freitagabenden trat er eine Weile lang im Steeler Cafe Kulturforum auf und spielte dort mit einem Trio Jazz. Zu diesem Zeitpunkt war Schneider einer breiten Öffentlichkeit noch völlig unbekannt.

1989 veröffentlichte er seinen ersten Tonträger: Seine größten Erfolge mit Songs aus dem Film Johnny Flash. Es folgten die Platten Hörspiele 1 & 2 und New York I’m coming.

Der große Erfolg

Helge Schneider 2002 bei den Mülheimer Jazztagen

Ab 1990 stieg Schneiders Bekanntheit in Deutschland durch seine Auftritte unter seinem selbstzugelegten Beinamen „Die singende Herrentorte“. Auf der Bühne zelebrierte er eine Mischung aus absurden Geschichten, parodistischen Schlagern und Jazzmusik. Er trat solo und mit „seiner kleinen Band“ Hardcore, bestehend aus Buddy Casino und Peter Thoms, auf.

1992 gelang ihm mit dem halb live, halb im Studio aufgenommenen Album Guten Tach der kommerzielle Durchbruch. 1994 wurde Schneider durch einen TV-Auftritt bei Wetten, dass..? einem Millionenpublikum bekannt, und das Stück Katzeklo platzierte sich in den deutschen Charts. Schneider begann, mit seinen Programmen größere Säle zu füllen. Das Doppel-Album Es gibt Reis, Baby, für das er eine Goldene Schallplatte erhielt, und der erste Kriminalroman erschienen. Mit dem Kinostart von Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem erreichte der Kult um Schneider seinen Höhepunkt und löste in Deutschland eine Diskussion über den kulturellen Wert seiner Arbeit und die Situation des deutschen Humors an sich aus. Erst Jahre später wurde Schneider als erfolgreicher Entertainer und Künstler allgemein anerkannt.

Als der Kult um Helge Schneider für ihn unüberschaubare Ausmaße annahm, zog er sich von der Bühne zurück. Das Auftreten vor immer größeren Menschenmassen entsprach nicht seiner Vorstellung von Kunst. Auch wollte er sich der zunehmenden Vereinnahmung seiner Person durch die Medien und der Stilisierung zum Star entziehen. Er drehte seinen zweiten Film 00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter.

Neuanfang

Helge Schneider und Band 2005: Kampf in Weltall
Helge Schneider 2009

Nach einer zweijährigen Pause gab Schneider 1995 parallel zum Album Es rappelt im Karton sein Bühnen-Comeback. Er ging mit einer Bigband, bestehend aus alten Freunden und Musiker-Kollegen aus Mülheim, auf Tour. Seitdem stand Schneider regelmäßig mit wechselnden Besetzungen (mit der Rockband Helge & the Firefuckers, mit Hardcore sowie solo) auf der Bühne. Weitere Bücher und Alben wurden veröffentlicht.

Nach dem in Schneiders Augen misslungenen Film Praxis Dr. Hasenbein (1996), der von der Kritik durchaus wohlwollend aufgenommen wurde, wollte er keine weiteren Filme drehen. Der „Stress“ sei ihm zu groß und das Ergebnis von den vielen Mitarbeitern so stark beeinflusst, dass er seine Handschrift nicht mehr erkenne. 2004 machte er jedoch mit dem Film Jazzclub – Der frühe Vogel fängt den Wurm einen weiteren Versuch in diesem Medium.

2003 erschloss Schneider mit seinem Stück Mendy – das Wusical das Theater für sich. Mit der Single Helges Mörchen-Lied landete er einen weiteren Chart-Hit.

Heute

Schneider feierte 2005 seinen 50. Geburtstag, steht nach wie vor regelmäßig auf der Bühne und schreibt Bücher. Nicht zuletzt durch verschiedene Preise wird er heute als Klassiker und fester Bestandteil der deutschen Humor-Kultur gewürdigt. Am 11. Januar 2007 startete Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler von Regisseur Dani Levy mit Schneider in der Hauptrolle als Adolf Hitler in den Kinos. Im Winter 2007 und 2008 war er mit seiner Band auf Akopalüze Nau!!!-Tour durch Deutschland. Eine gleichnamige Live-CD erschien Ende 2007. Ende Dezember 2009 startete er die Tour „Komm, hier haste ne Mark!“ in seiner Heimatstadt Mülheim. Im Herbst 2010 trat er in der Kinowerbung für das Wochenendabo der tageszeitung (taz) auf, dafür wurde ein Ausschnitt aus seinem Film „Jazzclub“ verwendet.[1]

Werk

Die Grundlage von Helge Schneiders Arbeit ist die Improvisation, die bei ihm zum künstlerischen Selbstausdruck und zur Lebenseinstellung wird und die er nach den Grundlagen des Jazz in alle Bereiche der Kunst überträgt. Die Texte seiner Lieder sowie die Inhalte seiner Erzählungen sind nur in einem Grundgerüst angelegt und werden bei jedem Auftritt frei variiert und weiterentwickelt.

In Interviews bezeichnet sich Schneider als einen, der „Sinn im Unsinn“ findet. Erwartungen des Publikums werden dabei nach Möglichkeit nicht bedient. Schneider bewegt sich hemmungslos zwischen Hoch- und Subkultur, zwischen Kindersprache und Literatur, verbindet Alltag und Albernheiten mit einem breiten kulturellen Hintergrund und verliert sich in ausufernden Erzählungen. Dabei entstehen immer wieder Momente der Überraschung, die für Schneider selbst genauso unerwartet sind wie für das Publikum.

Die von Schneider praktizierten Formen extremen Unsinns fanden schnell vor allem junge Anhänger, wurden aber genauso Zielscheibe heftiger Kritik.

Musik

Multiinstrumentale Improvisation: Helge Schneider während der I Brake Together Tour 2007
Wullewupp Kartoffelsupp 2009

Helge Schneider wird von vielen Seiten eine außerordentliche Musikalität bescheinigt, sowie die Fähigkeit, praktisch jedes Instrument in kürzester Zeit zu lernen und es, wenn auch nicht technisch perfekt, so doch authentisch spielen zu können. Schon als Kind begann er aus eigenem Antrieb heraus Klavier zu spielen. Heute beherrscht er außerdem Saxophon, Vibraphon, Marimbaphon, Akkordeon, Gitarre, Geige, Hawaiigitarre, Blockflöte, Schlagzeug, Trompete, Hammond-Orgel, Cello, Kontrabass und andere. 2008 wurde Helge Schneider vom Bundesverband Klavier als «Klavierspieler des Jahres» ausgezeichnet.

Schneider ist Jazzmusiker und stark beeinflusst von Künstlern wie Thelonious Monk, Louis Armstrong, Duke Ellington und Dave Brubeck. Er legt überzeugende Interpretationen von Jazzstandards wie Summertime, ’Round Midnight und Take Five vor. Von Anfang an war ihm die Musik das Wichtigste in seinen Shows, den Klamauk und die Erzählungen fügte er hinzu, um „die Leute abzuholen“. Schneider erreicht mit seiner Musik ein Publikum, das sonst kaum mit Jazz in Berührung kommt, und sieht sich selbst ein wenig als Botschafter des Jazz.

Schneiders Begleitband war lange Zeit Hardcore, bestehend aus Buddy Casino (Hammond-Orgel, Klavier) und Peter Thoms (Schlagzeug, Gesang, Tanz). Beide spielten auch Rollen in Schneiders Filmen. Mit Hardcore veröffentlichte er ab 1989 auch Platten, meist sowohl mit musikalischen als auch textlichen Beiträgen. Helge Schneider dürfte wohl der bislang einzige Solo-Künstler sein, der gleich seiner ersten Platte den Titel „Seine größten Erfolge“ gab. 1999 gründete er die Band Firefuckers und machte einen kurzen Ausflug in die Rockmusik. 2004 und 2005 tourte er mit einem Jazztrio, bestehend aus Schlagzeuger Pete York und Bassist Jimmy Woode, die auch als Schauspieler in seinem vierten Film Jazzclub – Der frühe Vogel fängt den Wurm mitwirkten. Doch auch Soloauftritte gehören von je her zu Schneiders Repertoire. Auf seinem Album I Brake Together sind als Mitmusiker Pete York, Sandro Giampietro und Rudi Contra von der Partie.

2006 hatte Schneider auch einen Gastbeitrag auf der Jubiläumsplatte 26 1/2 der Fehlfarben. Aufsehen erregte 2008 ein Duett mit Udo Lindenberg auf dessen Album Stark wie zwei. Schneider hatte Lindenberg zuvor jahrelang in seinen Liveprogrammen parodiert.

Am 3. Juli 2010 trat Helge Schneider zusammen mit dem kanadischen Musiker Gonzales zu einem Konzert in Duisburg auf. Dabei saßen sich die beiden Pianisten an ihrem jeweiligen Flügel gegenüber und inszenierten ein musikalisches Duell.[2]

Hörspiel

Von 1979 bis 1984 entstanden Schneiders frühe Hörspiele. Die im Keller seines Freundes Haym Hüttner auf einem 8-Spur-Gerät aufgenommenen, von Schneider allein gesprochenen Stücke sind atmosphärische Momentaufnahmen, die z. T. autobiografisch aus dem rauen Alltag des Ruhrgebiets schöpfen und diesen persiflieren. Laut Schneider entstand ein Großteil der Dialoge und Charaktere aus auf der Straße aufgeschnappten Satzfetzen und Gesprächen am Nebentisch, die sich in nächtlichen Aufnahmen zu improvisierten Sprachexperimenten verbanden. Auch Radio- und Fernsehsendungen wie Nachrichten, Sportschau und Werbung werden nachempfunden.

Die einzelnen Stimmen wurden stets nacheinander aufgenommen, teilweise verfremdet und schließlich zusammengeführt. Durch dieses einfache technische Verfahren entsteht der Eindruck, man würde mehrere Charaktere gleichzeitig hören, teilweise bis zu fünf, die sich im Gespräch befinden. Bedingt durch die zeitversetzte Aufnahme können sich die „Sprecher“ allerdings nicht gegenseitig hören und fallen sich mitunter ins Wort oder reden aneinander vorbei. Dieser Effekt ist durchaus beabsichtigt und gibt den Hörspielen eine latent kommunikationskritische Färbung.

Bis heute greift Schneider auf seinen Alben sowie bei seinen Auftritten gelegentlich auf die Form des Hörspiels zurück.

Film

Zwischen 1993 und 2004 drehte Schneider vier Kinofilme (siehe Filmografie). Sie zeichnen sich durch absurde Charaktere und ebensolchen Humor sowie zum Teil fehlende Handlung im klassischen Sinne aus. Wie auch Schneiders Bühnenarbeit wurden die Filme weitestgehend improvisiert und teilweise mit einfachsten Mitteln realisiert. Film-Genres wie der Western oder der Kriminalfilm werden von Schneider persifliert und in ein kleinbürgerliches Ruhrgebiets-Ambiente mit autobiografischen Episoden übertragen.

In den 1980er Jahren war Schneider als Musiker und Schauspieler an Filmen von Werner Nekes (Johnny Flash, 1986) und Christoph Schlingensief (Menu Total, 1987, Mutters Maske, 1988 und andere) beteiligt. Die Zusammenarbeit mit Schlingensief wurde für ihn zu einer stilistischen Inspirationsquelle. Hier erlernte er dramaturgische Techniken sowie die Darstellung von Typen – Stimmungsmuster davon übernahm er in seine eigenen Filme. Die Düsternis von Schlingensiefs Filmen und seine exzessive, am Theater orientierte Dramatik ersetzte er durch eine fröhliche, oft gewollt infantile Heimat-Atmosphäre und die augenzwinkernde Darstellung des Ruhrgebiets-Alltags.

Schneiders erste eigene Filmarbeit ist der Kurzfilm Stangenfieber (1987), der vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert und teilweise mit demselben Stab wie dem der Schlingensief-Filme realisiert wurde.

Der Film Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler (Regie Dani Levy) erschien im Januar 2007. Schon vor dem Filmstart distanzierte sich Helge Schneider von dem Werk; die vor allem nach den Dreharbeiten vorgenommenen Änderungen am Ursprungskonzept sowie die Ästhetik des Films entsprächen nicht seiner Vorstellung von Humor und Komik.

Buch

Schneiders Romane zeichnen sich durch einen unkonventionellen und kreativen Umgang mit Sprache, insbesondere dem „Ruhrpott“-Deutsch, und die Überwindung literarischer Konventionen aus. Das anarchische Element, dem mit Mitteln der klassischen Literatur-Kritik kaum beizukommen ist, sowie Schneiders Vorliebe für überdrehte Gewaltdarstellungen und Obszönitäten veranlassten Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki sich zu weigern, ein Buch von Schneider zu lesen.

In Schneiders Kriminal-Romanen ermittelt Kommissar Schneider in obskuren Fällen, die durch ihre irrealen Wendungen und oft übersteigerte Beschreibung von Gewalt dadaistische Züge annehmen. Wichtig ist Schneider dabei vor allem, Persönlichkeit und Alltag der Hauptfigur zu beschreiben, was er auch in Film (00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter, 1994) und Theater (Aprikose, Banane, Erdbeer – Kommissar Schneider und die Satanskralle von Singapur) fortsetzte. 2004 erschien der Sammelband Arschfahl klebte der Mond am Fenster, der die ersten vier Kriminalromane enthält. Im ersten Teil seiner Autobiografie Guten Tach – Auf Wiedersehen (1992) beschreibt Schneider seine Kindheit und Jugend im kleinbürgerlichen Ruhrgebiet der 1950er Jahre, sowie seinen langsamen, von vielen Fehlschlägen und manchem kuriosen Erlebnis gesäumten Aufstieg vom Versager ohne Schulabschluss zum erfolgreichen Künstler. In seinem Buch Eiersalat – Eine Frau geht seinen Weg (1999) nimmt Schneider die Rolle einer Frau an und schreibt ein – ins Absurde überzogenes – feministisches Pamphlet gegen die Männerwelt. In Globus Dei (2005) berichtet Schneider von einer fiktiven Weltreise, die ihn vom Nordpol nach Patagonien führte, und von der Begegnung mit vielen verschiedenen Kulturen und Menschen. Die Memoiren des Rodriguez Faszanatas (2006) handeln von den Bekenntnissen eines Heiratsschwindlers. Die Handlung von Eine Liebe im Sechsachteltakt (2008) mit dem Untertitel Der große abgeschlossene Schicksalsroman von Robert Fork ist in den 1930er Jahren angesiedelt. Erst in Satan Loco (2011) kehrte die Figur des Kommissar Schneider nach siebenjähriger Pause zurück in die Bücherregale.

Theater

Helge Schneiders erstes Stück für das Theater, Mendy – das Wusical, war eine Auftragsarbeit für das Schauspielhaus Bochum und feierte dort am 17. April 2003 Premiere. Nach dem Erfolg des Musicals wurde am selben Haus am 21. Januar 2005 Helge Schneiders zweite Theaterproduktion, Aprikose, Banane, Erdbeer – Kommissar Schneider und die Satanskralle von Singapur, ein Kriminalstück nach seinem gleichnamigen Roman, uraufgeführt.

Bildende Kunst

Schneiders Zeichnungen, die sich durch Einfachheit und einen rasanten Duktus auszeichnen, finden sich auf den Covers fast aller Alben, in den „Kommissar Schneider“-Büchern, sowie häufig auf seinen Plakaten. Oft werden Musikstücke und Erzählungen illustriert oder Bandmitglieder karikaturhaft porträtiert. Auch ein Kalender mit Zeichnungen ist erhältlich.

Die Malerei dagegen ist ein Teil im Werk Schneiders, den er bisher kaum öffentlich gemacht hat. In der vom Westdeutschen Rundfunk produzierten Doku Mister Katzeklo wird 50 (2005) wird ein Bild kurz gezeigt und in Test-Aufnahmen zu einem seiner Kino-Filme (als DVD-Extra veröffentlicht) ist ein anderes Bild im Hintergrund zu sehen. Schneiders Stil zeichnet sich durch flächige Farbigkeit und das unvermittelte Auftauchen fratzenhafter Gesichter, vergleichbar denen in seinen Zeichnungen, aus.

Veröffentlichungen

Diskografie

Chartplatzierungen Erklärung der Daten
Alben
Es gibt Reis, Baby
  DE 11 xx.xx.1993 (25 Wo.) [3]
Seine größten Erfolge
  DE 61 xx.xx.1994 (9 Wo.) [3]
Guten Tach
  DE 81 xx.xx.1994 (6 Wo.) [3]
Es rappelt im Karton
  DE 30 xx.xx.1995 (13 Wo.) [3]
Da Humm
  DE 24 xx.xx.1997 (6 Wo.) [3]
Helge Live
  DE 49 xx.xx.1998 (3 Wo.) [3]
Hefte raus – Klassenarbeit!
  DE 25 xx.xx.2000 (5 Wo.) [3]
Out Of Kaktus
  DE 20 xx.xx.2003 (6 Wo.) [3]
22 sehr, sehr gute Lieder
  DE 46 xx.xx.2003 (3 Wo.) [3]
Füttern verboten
  DE 42 xx.xx.2005 (3 Wo.) [3]
I Brake Together
  DE 20 xx.xx.2007 (4 Wo.) [3]
Singles
Katzeklo
  DE 13 xx.xx.1994 (17 Wo.) [4]
Fitze Fitze Fatze
  DE 51 xx.xx.1997 (5 Wo.) [4]
Helges Möhrchen-Lied
  DE 21 xx.xx.2003 (14 Wo.) [4]
Käsebrot
  DE 36 xx. Juli 2006 (9 Wo.) [4]

Alben

  • 1987: The Last Jazz
  • 1990: New York, I’m Coming
  • 1991: Seine größten Erfolge
  • 1991: Hörspiele Vol.1 (1979–1984)
  • 1992: Hörspiele Vol.2 (1985–1987)
  • 1992: Guten Tach
  • 1993: Es gibt Reis, Baby
  • 1993: Die Geschenkkassette (5 CDs)
  • 1995: Es rappelt im Karton
  • 1997: Da Humm
  • 1998: Helge 100% live · The Berlin Tapes (Livealbum)
  • 1999: Eiersalat in Rock (mit den Firefuckers)
  • 1999: Jazz (mit Hardcore)
  • 2000: Hefte raus – Klassenarbeit! (Livealbum)
  • 2003: 22 sehr, sehr gute Lieder („The Best Of“)
  • 2003: Out Of Kaktus!
  • 2004: 29 sehr, sehr gute Erzählungen („The Best Of“)
  • 2004: Füttern Verboten (Livealbum)
  • 2006: Das kleine Arschloch und der alte Sack (Soundtrack mit 10 neuen Schneider-Aufnahmen)
  • 2007: I Brake Together
  • 2007: Akopalüze Nau!!! (Livealbum)
  • 2010: Erwin Klemke präsentiert Das Köln Konzert – The Official Live Bootleg (erhältlich nur auf Konzerten und per Mailorder)

Singles

  • 1992: Ladiladiho
  • 1992: Weihnachten bei Van Den Bergs
  • 1993: Katzeklo
  • 1994: Es gibt Reis, Baby!
  • 1994: Telephonmann
  • 1994: Katzeklo Spectaculair
  • 1995: Klapperstrauß
  • 1995: Gartenzaun
  • 1995: Sex Machine
  • 1997: Fitze Fitze Fatze
  • 1997: Da Humm
  • 1997: Wurstfachverkäuferin
  • 1997: Ich drück die Maus
  • 1997: Bonbon aus Wurst
  • 1998: Allein in der Bar (Promo-CD)
  • 1999: We are The Firefuckers
  • 1999: Copacabana
  • 2000: Ich habe mich vertan!
  • 2002: Helges Mörchen-Lied
  • 2006: Käsebrot
  • 2007: Die Trompeten von Mexiko

Hörbücher

  • 1998: Martin Streletz Martin, sein Vater und die vertraute Stimme (mitwirkend)
  • 2000: Eiersalat − Eine Frau geht seinen Weg
  • 2003: Alice im Wunderland (mitwirkend)
  • 2004: Mendy, das Wusical
  • 2004: Aprikose, Banane, Erdbeer
  • 2005: Globus Dei
  • 2007: Die Memoiren des Rodriguez Faszanatas
  • 2009: Bonbon aus Wurst
  • 2011: Satan Loco

Filmografie

DVD

  • 2011: Helge Schneider – Komm hier haste ne Mark!/Live

Eigene Filme

Filme (mitwirkend)

Literarisches Werk

Kommissar-Schneider-Romane

  • 1994: Zieh dich aus, du alte Hippe – Kriminalroman
  • 1995: Das scharlachrote Kampfhuhn · Kommissar Schneiders letzter Fall
  • 1996: Der Mörder mit der Strumpfhose · Kommissar Schneider wird zum Elch
  • 2001: Der Scheich mit der Hundehaarallergie · Kommissar Schneider flippt extrem aus
  • 2004: Aprikose, Banane, Erdbeer · Kommissar Schneider und die Satanskralle von Singapur
  • 2011: Satan Loco

Weitere Bücher

  • 1992: Guten Tach. Auf Wiedersehen. Autobiographie, Teil 1
  • 1999: Eiersalat – Eine Frau geht seinen Weg
  • 2005: Globus Dei – Vom Nordpol bis Patagonien
  • 2006: Die Memoiren des Rodriguez Faszanatas. Bekenntnisse eines Heiratsschwindlers
  • 2008: Eine Liebe im Sechsachteltakt. Der große abgeschlossene Schicksalsroman von Robert Fork
  • 2009: Bonbon aus Wurst: Mein Leben

Theaterproduktionen

  • 2003: Mendy – das Wusical (als DVD-Mitschnitt erhältlich)
  • 2005: Aprikose, Banane, Erdbeer – Kommissar Schneider und die Satanskralle von Singapur

Auszeichnungen

Siehe auch

Literatur

  • Jörg Seidel: „Guten Tach!“ Helge Schneider und die Philosophie. Focus-Verlag, Gießen 2002, ISBN 3-88349-494-1. Seidel analysiert Schneiders Werk, seine Ausdrucksformen und seine Inhalte mit allen Mitteln einer kulturwissenschaftlichen Arbeit und stellt Schneiders Nähe zur philosophischen Schule des Kynismus heraus.
  • Matthias Schönebäumer: Nee, ich hab nix gesagt – Zur Funktion und Wirkung des Hörspiels im Gesamtwerk Helge Schneiders. Magisterarbeit, 98 Seiten. Universität Bielefeld, 2005

Weblinks

 Commons: Helge Schneider – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Helge Schneider wirbt für die taz. taz.de vom 27. Oktober 2010, abgerufen am 10. Januar 2011.
  2. Weckesser, Markus: Deckelstütze schlägt Seifenkiste. Helge Schneider versus / mit Chilly Gonzales, Traumzeit Festival, 3. Juli, Duisburg; Spex, Ausg. 328, Sept./Okt. 2010, S. 135f.
  3. a b c d e f g h i j k Longplay-Chartsverfolgung bei musicline.de
  4. a b c d Single-Chartsverfolgung bei musicline.de
  5. RSH-Gold Verleihung 1995
  6. Achim Hahn: So oder so ist das Leben – Kabarett im Pott. In: DeutschlandRadio. 26. März 2004, abgerufen am 2. November 2008.
  7. Helge Schneider erhält die Auszeichnung „Klavierspieler des Jahres“ 2008. In: messefrankfurt.com. März 2008, abgerufen am 2. November 2008.
  8. http://www.schlitzohren.org/winners.html?lg=d
  9. Der Göttinger Elch 2009 geht an Helge Schneider. In: goettingen.de. 2. September 2009, abgerufen am 3. September 2009.
  10. Die Verleihung des GÖTTINGER ELCH 2009 an Helge Schneider. In: goettinger-elch.de. August 2009, abgerufen am 3. September 2009.

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