Heil Dir im Siegerkranz


Heil Dir im Siegerkranz

Heil dir im Siegerkranz war von 1871 bis 1918 ein gebräuchliches Repräsentationslied des Deutschen Kaiserreiches, welches zu zahlreichen patriotischen Gelegenheiten – insbesondere solchen mit Bezug auf den Kaiser, wie Thronjubiläen und Geburts- und Todestage, gewöhnlich aber auch zu Anlässen wie dem Sedanstag und zu den Reichsgründungsfeiern – gespielt und gesungen wurde. Eine Nationalhymne im heutigen Sinne war es nicht, was insbesondere auf den bundesstaatlichen Aufbau des Deutschen Reichs zurückzuführen war. Vielmehr war es eines unter mehreren inoffiziellen oder halboffiziellen zu derartigen Anlässen angestimmten Liedern wie beispielsweise auch der Wacht am Rhein. Insbesondere die süddeutschen Staaten standen dem Lied skeptisch gegenüber.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung und Geschichte

Der Text stammt von Dr. Balthasar Gerhard Schumacher, welcher ihn am 17. Dezember 1793 in den „Berlinischen Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen“ (kurz als „Spenersche Zeitung“ bekannt) mit dem Untertitel „God Save the King“ veröffentlichte, womit zugleich die Singweise angegeben war. Erstmals wurde das Lied im Berliner Nationaltheater aus Anlass des Geburtstags des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. (* 25. September) am 25. Mai 1795 öffentlich intoniert.

Melodie

Es wird berichtet, dass das Lied infolge des Umstands, dass es sich die Melodie mit der englischen Königshymne teilte, jedenfalls während des Ersten Weltkriegs in nationalen Kreisen nicht unumstritten war.

1918 unternahm deshalb der Berliner Komponist Hugo Kaun zusammen mit dem Verleger, Kommerzienrat und Reichstagsabgeordneten Julius Heinrich Zimmermann den Versuch, eine neue Melodie auf „Heil dir im Siegerkranz“ einzuführen. Die Berliner Kreuz-Zeitung schrieb dazu 1918:

„Heil dir im Siegerkranze, unsere Nationalhymne [sic], wird auf eine englische Melodie gesungen. Bestrebungen, sie durch eine deutsche zu ersetzen, sind bisher immer gescheitert. Der neueste Versuch dieser Art geht von Hugo Kaun, einem unserer bedeutendsten zeitgenössischen Tondichter, aus. Seine neue Weise zu den uns allen eingewurzelten Worten ist von machtvoller Eindringlichkeit, so echt volkstümlich und kernig deutsch, dass sie berufen scheint, Nationaleigentum der Deutschen zu werden. Sie gewinnt bereits ständig an Boden in allen Gauen unseres Vaterlandes.“

Diese Auffassung ignorierte jedoch den Umstand, dass „God Save the King“ einen Urtyp der Monarchen gewidmeten feierlichen patriotischen Lieder darstellt, weshalb auch andere – auch deutsche – Fürstenhymnen zu dieser Melodie gesungen wurden (wie im Falle der russischen Zarenhymne von 1816–1833 Molitwa Russkich oder der Bayernhymne Heil unserm König, Heil!) und noch werden (wie im Falle der liechtensteinischen Hymne Oben am jungen Rhein). Selbst von Fürstenhymnen abgesehen wurden damals auch andere Nationalhymnen wie die frühere Schweizer Hymne Heil Dir Helvetia und das amerikanische Repräsentationslied „My Country, 'Tis of Thee“ zur selben Melodie gesungen.

Text

Im Falle des Liedtexts handelte es sich bis auf wenige Änderungen (wie insbesondere den „Siegerkranz“) um ein Plagiat von Heinrich Harries, welcher das Lied ursprünglich 1790 für den Geburtstag des dänischen Königs Christian VII. im „Flensburger Wochenblatt für Jedermann“ veröffentlicht hatte.

Der im Liede angesprochene „Siegerkranz“ bezog sich auf den – wenngleich damals gerade eher glücklos verlaufenden – Koalitionskrieg gegen das französische Revolutionsheer. Ähnlich der österreichischen Kaiserhymne Gott erhalte Franz den Kaiser konnte Heil Dir im Siegerkranz als Gegenentwurf zur Marseillaise verstanden werden.

An den Text des „Heil dir im Siegerkranz“ lehnen sich einige Strophen der (wie erwähnt zur selben Melodie gesungenen) Hymne des Königreichs Bayern „Heil unserm König, Heil!“ an.

Liedtext

1.

Heil dir im Siegerkranz,
Herrscher des Vaterlands!
Heil, Kaiser, dir!
||: Fühl in des Thrones Glanz
Die hohe Wonne ganz,
Liebling des Volks zu sein!
Heil Kaiser, dir! :||

2.

Nicht Roß, nicht Reisige
Sichern die steile Höh’,
Wo Fürsten steh’n:
||: Liebe des Vaterlands,
Liebe des freien Manns
Gründen den Herrscherthron
Wie Fels im Meer. :||

3.

Heilige Flamme, glüh’,
Glüh’ und erlösche nie
Fürs Vaterland!
||: Wir alle stehen dann
Mutig für einen Mann
Kämpfen und bluten gern
Für Thron und Reich! :||

4.

Handel und Wissenschaft
Heben mit Mut und Kraft
Ihr Haupt empor!
||: Krieger- und Heldentat
Finden ihr Lorbeerblatt
Treu aufgehoben dort,
An deinem Thron! :||

5.

Dauernder stets zu blüh’n
Weh’ unsre Flagge kühn
Auf hoher See!
||: Wie so stolz und hehr
Wirft über Land und Meer
Weithin der deutsche Aar
Flammenden Blick. :||

6.

Sei, Kaiser Wilhelm, hier
Lang’ deines Volkes Zier,
Der Menschheit Stolz!
||: Fühl’ in des Thrones Glanz,
Die hohe Wonne ganz,
Liebling des Volks zu sein!
Heil, Kaiser, dir! :||

Siehe auch

Literatur

  • Schurdel, Harry D.: Die Kaiserhymne. In: G – Geschichte: Menschen, Ereignisse, Epochen. 2, Nr. 3, Sailer, Nürnberg März 2002, ISSN 1617-9412, S. 53. 

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