Hans Gugelot


Hans Gugelot

Hans Gugelot (* 1. April 1920 in Makasar auf Celebes; † 10. September 1965 in Ulm) war ein deutscher Designer niederländischer Abstammung.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Geboren wurde er in Makassar auf Celebes, einer Insel der niederländischen Kolonien in Südostasien (Indonesien). Aufgewachsen in der Schweiz, studierte der Sohn eines Arztes Architektur in Lausanne und Zürich. Er arbeitete in verschiedenen Büros, unter anderem bei Max Bill. 1950 machte er sich dann selbstständig. In diese Zeit fallen seine Experimente für modulare Schranksysteme.

Tätigkeit als Designer

Hans Gugelot gehört zur Reihe der Designer, die Einwanderer waren - wie etwa auch Henry van de Velde, Marcel Breuer und Peter Ghyczy -, ihren Arbeitsmittelpunkt in Deutschland fanden und die auf diese Weise das deutsche und internationale Design stark beeinflusst haben.

Von 1954 bis zu seinem frühen Tod 1965 war er Dozent an der Hochschule für Gestaltung Ulm, deren erster Direktor Max Bill war. Von 1960 bis 1961 war er auch Mitglied des Rektoratskollegiums. Er gilt als eine der Schlüsselfiguren der "Zweiten Moderne" im deutschen Produktdesign, bei der die rationalen Prinzipien, wie sie u.a. in den zwanziger Jahren am Bauhaus definiert wurden, auf die neue Produktwelt übertragen und weiterentwickelt wurden. Exemplarisch dafür ist die Zusammenarbeit mit dem Elektrogerätehersteller Braun. Dies zusammen mit der Arbeit von Otl Aicher prägte das Gesamterscheinungsbild von Braun, eines der frühen konsequenten Beispiele eines einheitlichen visuellen Firmenauftritts (heute Corporate Design genannt), der bei Braun vom Werbechef Wolfgang Schmittel bis in die achtziger Jahre kongenial umgesetzt wurde.

Gugelot entwickelte für die Frankfurter Firma eine völlig neuartige, wegweisende Gestaltungskultur, aus der Radios, Rasierer, Blitz- und Küchengeräte hervorgingen und die auf das Design zuerst in Deutschland und dann weltweit eine nachhaltige Wirkung hatten. Zum Kultobjekt wurde sein Phonosuper Braun SK 4 von 1956, dessen ebenso klare wie ungewöhnliche Gestaltung das althergebrachte Radio obsolet machte und dessen Plexiglashaube - deshalb auch Schneewittchensarg genannt - für Jahrzehnte bei Plattenspielern zum Standard wurde. Ein weiterer Meilenstein war der Rasierapparat Braun Sixtant von 1962 (zusammen mit Gerd Alfred Müller).

Systematik, Funktion und technische Neuerung standen bei seinen Entwicklungen stets im Vordergrund. Gugelot sah Design als intellektuelle und moralische Frage, die mit Geschmack nichts zu tun hat. Anfang der sechziger Jahre gründete er ein Designstudio, aus dem wegweisende Entwürfe hervorgingen, wie der Diaprojektor Carousel (für Kodak), die Neugestaltung der Hamburger S-Bahn und der modulare und stapelbare Bierkasten aus Kunststoff.

Im Jahr 1964 wurden Arbeiten von ihm auf der documenta III in Kassel gezeigt, und zwar in der erstmals eingerichteten Abteilung Industrial Design.

Meilensteine

  • 1950/1956, Möbelsystem M125. Systemmöbel, wurde von 1957 bis 1988 weitgehend unverändert produziert.
  • 1954, Ulmer-Hocker (Max Bill, Hans Gugelot, Paul Hildinger). Wurde zur Möbilierung der neugegründeten Hochschule für Gestaltung Ulm (hfg) konzipiert.
  • 1954, Bettkonstruktion GB 1085. Unterkonstruktion für Schaumgummimatratzen, wird noch heute produziert.
  • 1954, Spielmöbel-System für Kinder. Kombinierbares Spiel- und Möbel-System, bestehend aus offenen Kuben, Bänken und Brettern. Auszeichnungen Spiel-Gut, Ulm, Rosenthal-Studio-Preis, Bundespreis Gute Form.
  • 1955, Braun Musiktruhe PK-G.
  • 1955, Braun Komponenten-Anlage G-11, G-12, TV-G.
  • 1956, Braun SK 4, Schneewittchen (Hans Gugelot, Dieter Rams). Das unter dem  Beinamen "Schneewittchensarg" bekannte Gerät wird im Museum Of Modern Art, New York und im Centre Georges Pompidou, Paris als Meilenstein des Designs ausgestellt.
  • 1959-1962, U-Bahn, Hamburg (Hans Gugelot, Herbert Lindinger, Helmut Müller-Kühn). Beratung und Gestaltung der neuen Doppeltriebwagen für die Hamburger Hochbahn AG.
  • 1961, Braun Sixtant 1.
  • 1963, Kodak Diaprojektor Carousel. Der Projektor wurde mehr als zwanzig Jahre in weitgehend unveränderter Form hergestellt.
  • 1964, Faltschrankwand (Hans Gugelot mit gugelot-institut). Ein modulares Schranksystem. 1966 Rosenthal-Studio-Preis, 1973 Bundespreis "Gute Form".
  • 1965, Flaschenkasten (Hans Gugelot mit gugelot-institut).
  • 1963-67, Sandwich-Bodengruppe für den Automobilbau (Hans Gugelot mit gugelot-institut).

Literatur

  • Hans Wichman (Hrsg.): Systemdesign. Bahnbrecher Hans Gugelot 1920 - 1965, München 1984
  • Hochschule für Gestaltung Ulm (Hrsg.): "Design ist gar nicht lehrbar". Hans Gugelot und seine Schüler, Ulm 1990
  • Bernd Polster: Braun. 50 Jahre Produktinnovationen, Köln 2005
  • Braun+Design Collection. 40 Jahre Braun Design von 1955 bis 1995. Jo Klatt und Günter Staeffler (Hrsg.), Hamburg 1995

Weblinks


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