Hadrosauridae


Hadrosauridae
Hadrosaurier
Hadrosaurier unbestimmter Gattung. Gemalt 1916 von Heinrich Harder
Zeitraum
Oberkreide
115 bis 65 Mio. Jahre
Fossilfundorte
Systematik
Vogelbeckensaurier (Ornithischia)
Cerapoda
Ornithopoda
Iguanodontia
Hadrosauroidea
Wissenschaftlicher Name
Hadrosauridae
Cope, 1869
Untertaxa
  • Hadrosaurinae
  • Lambeosaurinae

Die Hadrosaurier (Hadrosauridae), auch „Entenschnabelsaurier“ genannt, waren eine systematische Gruppe (Taxon) pflanzenfressender Vogelbeckendinosaurier zur Zeit der Oberkreide. Sie gehörten zu den erfolgreichsten Dinosauriertaxa, bis heute sind 25 Gattungen nachgewiesen.

Inhaltsverzeichnis

Morphologie

Allgemeines

Hadrosaurier besaßen verbreiterte und abgeflachte Schnauzen (entenschnabelähnlich, daher der deutsche Name) mit Hornschneiden. Ihre Bezahnung wies viele Ähnlichkeiten zu Iguanodonten auf, doch sie besaßen pro Zahnreihe mehr Einzelzähne, und jede Zahnposition verfügte über ein Magazin von fünf Ersatzzähnen. Dadurch wurde eine lange, schmale sekundäre Kaufläche ermöglicht, welche in Verbindung mit speziellen Mahlbewegungen ein gutes Zerkauen der Pflanzennahrung gewährleistete. Die Hinterbeine waren sehr stark entwickelt, doch zeigten Hadrosaurier wohl eine große Tendenz zu quadrupeder (vierbeiniger) Fortbewegung. Nur bei schnellem Lauf während der Flucht liefen sie biped auf ihren Hinterbeinen. Vermutlich wuchsen die Hadrosaurier mit ähnlicher Geschwindigkeit wie heutige Großsäuger; Maiasaura peeblesorum hatte seine volle Größe wohl in sechs bis acht Jahren erreicht[1].

In der Hell-Creek-Formation im US-Bundesstaat North Dakota wurde 1999 die versteinerte Mumie („Dakota“) eines Edmontosaurus gefunden. Der hervorragende Erhaltungszustand verhalf zu grundlegenden neuen Erkenntnissen über die Weichteilanatomie (Haut, Muskulatur) und Biologie der Dinosaurier.

Schädel der Lambeosaurier

Die Lambeosaurier unterschieden sich speziell im Aufbau des Schädels von anderen Hadrosauriern: Sie hatten rohrenförmige, kammähnliche Strukturen, welche aus Prämaxillaria und Nasalia gebildet wurden. Sie dienten vermutlich dazu, trompetenähnliche Laute zu erzeugen. Größendimorphismus der „Trompete“ zwischen den Geschlechtern legt nahe, dass er beim Balzverhalten eine Rolle gespielt hat.

Lebensweise

Über die Lebensweise von Hadrosauriern ist aufgrund guter Funde viel mehr bekannt als über andere Dinosaurier. Wahrscheinlich lebten sie in großen Gruppen und zeigten ein Sozialverhalten, welches dem der heutigen Huftiere glich. Über die Ernährung von Hadrosauriern ist man unter anderem durch einen Anatosaurus-Fund gut unterrichtet, welcher heute im Frankfurter Senckenberg-Museum ausgestellt ist: In seinem Magen wurden große Mengen Koniferennadeln gefunden.

Systematik

Hadrosaurier sind die phylogenetisch höchstentwickelten Ornithopoden und sind eine Schwestergruppe der Iguanodonta. Sie stammen nicht voneinander ab, dies ist durch viele Parallelen im Körperbau belegt. Nach dem Körperbau des Hadrosauriers Camptosaurus prestwichi aus dem Kimmerdigium wird vermutet, dass sich die Hadrosaurier schon zu diesem Zeitpunkt abgespaltet hatten. daraus folgert ein paläogeographisches Verbreitungsmuster, nach dem Iguanodontiden vor der Kreide Asien noch nicht besiedelt hatten. Dort haben sich die Hadrosaurier entwickelt[2].

Diese These stimmt jedoch nicht vollkommen mit anderen Nachweisen zusammen, so etwa Fossilien im Jura Chinas. Klar definierte Hadrosaurier sind auch mit Gilmoreosaurus und Bactrosaurus erst ab der Oberkreide bekannt. Die Hadrosaurier, die in ihrer Morphologie den Iguanodontiden am meisten gleichen, sind Probactrosaurus[3] und Ouranosaurus[4].

Die Monophylie der Hadrosaurier ist aufgrund vieler Autapomorphien derzeit kaum angezweifelt.

Taxa sind unter anderem:

Hadrosaurus
Telmatosaurus
Saurolophus
Amurosaurus
Parasaurolophus

Quellen

Literatur

  • Reinhard Rieger und Wilfried Westheide (Hrsg.): Spezielle Zoologie Teil 2: Wirbel- oder Schädeltiere, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart Jena & New York 2003, S. 400+401, ISBN 3-8274-0900-4
  • Hartmut Haubold: Die Dinosaurier, Die neue Brehm-Bücherei 432, Westarp Wissenschaften, Ziemsen & Wittenberg Lutherstadt 1990, 4. Auflage, S. 86-92, ISBN 3-7403-0170-8

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Nach Rieger & Westheide (2003), S. 401
  2. These nach Milner & Norman (1984), zitiert in Haubold (1990), S. 86+87
  3. Nach Brett-Surman (1979), zitiert in Haubold (1990), S. 87
  4. Nach Sereno (1986), zitiert in Haubold (1990), S. 87

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