Grundarfjarðarbær

Grundarfjarðarbær
Grundarfjörður mit Helgrindurmassiv
Weiterführende Schule in Grundarfjörður
Kirche in Grundarfjörður
Grundarfjörður mit Kirkjufell
Eismöwe
Austernfischer
In der Nähe von Grundarfjörður verletzt aufgefundener Seeadler

Die Gemeinde Grundarfjörður (isl. Grundarfjarðarbær) liegt im Westen Islands in der Region Vesturland am gleichnamigen Fjord, der ein Seitenfjord des Breiðafjörður ist.

Am 1. Dezember 2007 hatte die Gemeinde 918 Einwohner, davon lebten 846 in der gleichnamigen Stadt an der Nordküste der Halbinsel Snæfellsnes. Der frühere Name der Gemeinde war Eyrarsveit.

Inhaltsverzeichnis

Fischerei und Hafen

Grundarfjörður bezieht bedeutende Einnahmen aus dem Fischfang, was man auch an den teilweise recht ausgefallenen Häusern sehen kann. Vor allem widmet man sich hier Fang und Verarbeitung von Kammmuscheln und Garnelen. Der Ort hat einen geschützten Hafen, vor dem inzwischen u.a. Kreuzfahrtschiffe stoppen.

Der Ort verfügt über etliche Dienstleistungseinrichtungen, darunter eine weiterführende Schule.

Geschichte

Landnahmezeit

Im Landnahmebuch, dem Buch über die Besiedelung von Island im 9. und 10.Jahrhundert, wird von Herjólfur Sigurðsson berichtet, der sich das Land zwischen dem Kap Búlandshöfði und dem Fjord Kirkjufjörður zu eigen gemacht hätte. Man weiß nicht ganz genau, wo der Fjord Kirkjufjörður lag, aber man nimmt an, es habe sich um den heutigen Fjord Grundarfjörður gehandelt.

In der Eyrbyggja-Saga, einer der Isländersagas, die v.a. im nördlichen Snæfellsnes spielt, wird auch der Wikingersiedler Vestar erwähnt, der sich auf einer Halbinsel im Osten des Fjordes Grundarfjörður niedergelassen hätte. Seine Nachkommen lebten auf der Landzunge Öndverðareyri und wurden Eyrbyggjar genannt. Daher der Titel der Saga.

Erste Handelsniederlassungen

Der Ort entstand aus einer kleinen Ansiedlung, die sich zunächst während der dänischen Monopolwirtschaft (1601 - 1786) um eine Handelsniederlassung der Dänen herum gebildet hatte.

Nach Aufhebung des dänischen Handelsmonopols wurde Grundarfjörður 1786 das Handelsrecht zugesprochen. Daraufhin blühte der Ort etwas auf, dessen Name zunächst Grafarnes lautete. Der Hafen war relativ günstig und geschützt, allerdings damals nicht geeignet für hochseetüchtige Schiffe. Andere Verkehrsverbindungen gab es aber fast nicht. Nur einige Saumpfade führten über die Berge, die den Ort von allen Seiten einschließen. Diese Isolation führte wohl auch dazu, dass sich der dänische Verwaltungsamtmann nicht wie eigentlich geplant in Grundarfjörður niederließ.

Die Franzosen in Grundarfjörður

Um 1800 hatten sich für eine Zeit lang Handel treibende und auf Fischfang fahrende Franzosen in Grundarfjörður niedergelassen, die sogar eine eigene Kirche und ein eigenes Krankenhaus errichteten sowie einen eigenen Friedhof anlegten. Sie hatten etwa 20 Fischerboote und verarbeiteten Kabeljau zu Klippfisch. Ende der 60er Jahre des 19. Jahrhunderts brachen sie die Siedlung jedoch ab und nahmen alles mit in die Heimat, auch ihre Toten.

Seit 2002 existiert im Andenken an diese Vergangenheit eine Städtepartnerschaft mit Paimpol in der Bretagne.

Heutiger Ort

Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Ort von Grundarkampur nach Grafarnes verlegt. Ab 1906 entstand in Grafarnes ein Fischerdorf. Ein Städtchen bildete sich dort ab 1940.

Noch heute leben die Einwohner hauptsächlich von Fischfang und -verarbeitung, aber auch von Handel und Tourismus.

Seit 1963 befindet sich auch der Pfarrsitz in Grundarfjörður und aus diesem Grunde wurde eine Kirche errichtet.

Der Hafen wurde 1978 noch weiter ausgebaut, so dass er sich heutzutage sehr gut für die Fischerei eignet.

Die Verkehrsanbindung der Gegend und das heißt auch des Städtchens Grundarfjörður ist heutzutage gut. Der Snæfellsnesvegur, die Straße Nr. 54, überquert auf Brücken den Kolgrafafjörður und den kleineren Hraunsfjörður und führt weiter nach Stykkishólmur.

Namensgebung

Die ersten Handelsniederlassungen übernahmen den Namen des Fjordes. Aber nach der Verlegung nach Grafarnes, benützte man auch den Namen dieser Halbinsel (isl. nes = dt. Halbinsel, Landzunge; vgl. Snæfells - nes = Halbinsel des Schneeberges).

Etliche Gebäude standen auf einer anderen Landzunge namens Framnes. Auch dieser Name wurde bis etwa 1940 für den Ort gebraucht. Danach hieß der Ort Grafarnes oder Grundarfjörður, bis eine Volksabstimmung 1965 die Entscheidung für Grundarfjörður brachte.

Rettung aus Seenot

1953 strandete ein Fischerboot, die Edda GK, im Fjord. 8 von 17 Männern konnten mit Hilfe der Anwohner gerettet werden.

Ein Denkmal von Árni Jónsson am Hafen erinnert an das Ereignis.

Berge

Grundarfjörður liegt vor einem Küstengebirge, das teilweise alpinen Charakter hat. Dabei handelt es sich um den Gebirgszug Helgrindur mit seinem höchsten Gipfel Kaldnasi, der gleichzeitig Zentralvulkan des Vulkansystems Lýsuskarð ist.

Außerdem liegt vor der Stadt auf einer Halbinsel das Wahrzeichen der Gegend: der Berg Kirkjufell, ein spitzer Gipfel, den Eiszeitgletscher von beiden Seiten zugeschliffen haben.

Westlich des Ortes liegt das Kap Búlandshöfði.

Vogelleben

Die Gegend rund um Grundarfjörður ist bekannt für ihren Vogelreichtum.

Am Meer brüten z.B. viele Eismöwen und man entdeckt im Sommer zahlreiche Austernfischer am Strand. Sandregenpfeifer stehen in den moorigen Niederungen. Und über allem schweben nicht selten einige der wenigen in Island noch lebenden Seeadler auf der Suche nach Beute.

Einwohnerentwicklung

Datum Einwohner
1. Dez. 1981: 792
1. Dez. 1997: 920
1. Dez. 2003: 936
1. Dez. 2004: 938
1. Dez. 2005: 974
1. Dez. 2006: 954
1. Dez. 2007: 918
1. Dez. 2008: 921

Grundarfjörður ist einer der wenigen Orte abseits der Hauptstadtregion in Island, deren Bevölkerungszahl in den letzten Jahren, zumindest bis 2005, angewachsen ist. Das hängt einerseits mit der Lukrativität des Fischfangs hier zusammen - eine ähnliche Entwicklung lässt sich bezeichnenderweise beim Ort Heimaey auf den Westmännerinseln feststellen -, andererseits mit einem Ausbau der Infrastruktur in den letzten Jahren, z.B. wurde dort 2006 eine höhere Schule eröffnet. Danach lässt sich ein leichter Rückgang feststellen, mit einem unwesentlichen Ansteigen der Einwohnerzahl bis 2008.

Siehe auch

Weblinks


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