Groër


Groër

Hans Hermann Kardinal Groër OSB (* 13. Oktober 1919 in Wien; † 24. März 2003 in Sankt Pölten) war Erzbischof von Wien.

Inhaltsverzeichnis

Jugendzeit

Hans Groër entstammte einer k. u. k. Offiziersfamilie. Er besuchte zunächst das Gymnasium in Wien 13, Fichtnergasse, trat 1933 in das Knabenseminar Hollabrunn ein und besuchte das Bundesgymnasium Hollabrunn, wo er am 2. Juni 1937 maturierte. Danach trat er in das Wiener Priesterseminar ein, wo er vom damaligen Spiritual Friedrich Wessely geprägt wurde. Er wurde 1941 als Luftwaffensanitäter zum Militärdienst einberufen.

Priester

Während eines Fronturlaubes empfing er am 12. April 1942 durch Theodor Kardinal Innitzer das Sakrament der Priesterweihe. Wegen eines Herzklappenfehlers wurde Groër am 11. März 1943 aus dem Militärdienst entlassen und war zunächst Kaplan in Petronell und ab 15. August in Bad Vöslau. 1944 trat er dem von Friedrich Wessely gegründeten Oratorium Sanctissimae Trinitatis bei. Ab 1946 war er Studienpräfekt am Knabenseminar Hollabrunn. 1947 promovierte er zum Doktor der Theologie. Von 1952 bis 1976 war er Religionslehrer und Studentenseelsorger am Bundesgymnasium Hollabrunn, Niederösterreich. Von 1959 bis 1963 war er auch Kaplan der Pfarre Hollabrunn.

Er gründete Pfadfindergruppen und wurde 1963 Niederösterreichischer Landeskurat des Pfadfinderinnenverbandes. Er war Geistlicher Leiter der Laienbewegung Legio Mariae. Seit 1962 war er für den Bereich Hollabrunn, ab 1970 für ganz Österreich verantwortlich. Von 1974 bis 1986 war er Direktor des von Rektor Johann Kurz und ihm gegründeten Aufbaugymnasiums Hollabrunn.

Sein Wirken bestimmte schließlich der bei Hollabrunn gelegene alte Marienwallfahrtsort Roggendorf. Die Wallfahrt war – wie viele andere – 1785 dem Josephinismus zum Opfer gefallen und vollkommen in Vergessenheit geraten. Nach Restaurierung des aus dem 15. Jahrhundert stammenden, auf Leder gemalten Gnadenbildes wurde dieses am 14. September 1969, dem Fest der Kreuzerhöhung, neu geweiht. Dabei schlug Groër den Gläubigen vor, eine Wallfahrt neuen Typs zu beginnen: An jedem Dreizehnten sollten die Pilger - in Erinnerung an die von 13. Mai bis 13. Oktober 1917 erfolgten Marienerscheinungen im portugiesischen Fátima - nach Roggendorf kommen, um für Festigung im Glauben, für die Erneuerung der Kirche, für Priester- und Ordensberufe und den Frieden in der Welt zu beten. Diese Monatswallfahrt wurde zu einer festen Einrichtung. Groër wollte sie von Anfang an als „Wallfahrt für die Kirche“ verstanden wissen, die von Kardinälen, Bischöfen, Äbten etc. aus Österreich und aller Welt geleitet wird. Seit 1971 trägt die kleine Gemeinde den Namen „Maria Roggendorf“. Am 6. August 1988 wurde diese Kirche vom Papst in den Rang einer Basilica minor erhoben.

1974 trat er in das Benediktinerstift Göttweig ein und bekam den Ordensnamen Hermann. Am 8. September 1977 legte er die Ewigen Gelübde ab. Er gründete das Zisterzienserkloster Marienfeld bei Maria Roggendorf, das am 14. November 1982 von Franz Kardinal König geweiht wurde.

Bischof

Am 15. Juli 1986 wurde Hans Hermann Groër von Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof von Wien ernannt und empfing am 14. September 1986, dem Fest der Kreuzerhöhung, im Wiener Stephansdom durch Franz Kardinal König die Bischofsweihe.

Am 29. Juli 1987 erhielt er vom Heiligen Vater das Pallium als Zeichen seiner Stellung als Metropolit der Wiener Kirchenprovinz. Am 28. Juni 1988 nahm ihn der Papst in Rom als Kardinalpriester mit der Titelkirche Santi Gioacchino ed Anna al Tuscolano in das Kardinalskollegium auf. Die österreichischen Bischöfe wählten ihn am 13. Mai 1989 zum Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz.

Der „Fall Groër“

Am 27. März 1995 erhob im Nachrichtenmagazin „profil“ (Ausgabe 13/95) ein ehemaliger Schüler Groërs schwere Vorwürfe wegen seinerzeitigen Missbrauchs von Kindern gegen den Kardinal. Dieser hüllte sich darauf in Schweigen, trat jedoch als Vorsitzender der Bischofskonferenz am 6. April 1995 zurück. Der Vatikan reagierte „diplomatisch“: Groër wurde am 13. April 1995 Christoph Schönborn als Koadjutor-Erzbischof mit dem Recht auf Nachfolge beigestellt und mit Wirkung per 14. September 1995 sein schon am 13. Oktober 1994 vor der „Affäre Groër“ aus Altersgründen eingebrachtes Rücktrittsgesuch angenommen.

Die Affäre Groër führte in Österreich im März 1995 zu einem Kirchenvolksbegehren. Die Initiative Wir sind Kirche sammelte mehr als 500.000 Unterschriften für eine „grundlegende Erneuerung der Kirche Jesu“. Reformen seien notwendig, um der katholischen Kirche „wieder zu mehr Ansehen und Akzeptanz zu verhelfen“.

Grab von Kardinal Groër vor dem Kloster Marienfeld, Niederösterreich

Nach dem Rücktritt zog sich Groër in das von ihm gegründete Zisterzienserinnenkloster Marienfeld zurück. Am 1. September 1996 wurde ihm wieder ein kirchliches Amt als Prior des Hauses St. Josef in Maria Roggendorf, einem Ableger des Stiftes Göttweig, übertragen, das er allerdings nach anhaltenden Vorwürfen am 5. Januar 1998 ebenfalls aufgeben musste.

Nachdem die Bischöfe Christoph Schönborn, Johann Weber, Georg Eder und Egon Kapellari in einer Stellungnahme erklärt hatten, dass sie zur „moralischen Gewissheit“ gelangt wären, dass die Vorwürfe gegen Groër „im Wesentlichen zutreffen“ und nach einer vom Vatikan verordneten „Visitation“ in Stift Göttweig bat Groër 1998 in einer Erklärung, „Gott und die Menschen“ um Vergebung, „wenn ich Schuld auf mich geladen habe“. Kardinal Groër zog dann in ein Nonnenkloster in Goppeln in Deutschland, ab Oktober 1998 lebte er zurückgezogen in Marienfeld.

Seine Beisetzung erfolgte relativ unbeachtet von den Medien im Kloster Marienfeld.

Werke

  • Die Kontroverse der nachtridentinischen Theologie über die Gegenwart Gottes im Gerechten auf Grund der Sendungen. (Dissertation) Wien 1947.
  • Hundert Jahre Knabenseminar der Erzdiözese Wien 1856 - 1956. Hollabrunn 1956.
  • Maria in der Offenbarung. Salterrae, Maria Roggendorf 1987.
  • Die Rufe von Loreto. Herold, 1987; Salterrae, Maria Roggendorf 1991
  • Vor dem Herz-Jesu-Bild: Triduum im Stephansdom - Wien; drei Predigten zur Vorbereitung auf das Herz-Jesu-Fest 1991 (4. bis 6. Juni 1991). Salterrae, Maria Roggendorf 1991.
  • Maria im Geheimnis Jesu Christi. EOS Verlag, Erzabtei St. Ottilien 1999.

Literatur

  • Hellmut Butterweck: Österreichs Kardinäle: von Anton Gruscha bis Christoph Schönborn. Ueberreuter, Wien 2000. ISBN 3-8000-3764-5.
  • Anna Coreth und Ildefons Fux OSB: Servitium pietatis: Festschrift für Hans Hermann Kardinal Groër zum 70. Geburtstag. Salterrae, Maria Roggendorf 1989. ISBN 3-900978-01-8.
  • Hubertus Czernin: Das Buch Groër: Eine Kirchenchronik. Wieser, Klagenfurt 1998. ISBN 3-85129-255-3.
  • Sebastian Fels: Groer, Ringel, Krenn: Dramolett in einem Zug für zwei Bischöfe, einen Psychoanalytiker und dreizehn Wachsstockmadonnen. KrenFleischPress, Heimsotten 1993
  • Peter Paul Kaspar: Das Schweigen des Kardinals und das Begehren des Kirchenvolks. Kulturverlag, Wien 1995, ISBN 3-85400-001-4
  • Rosenkranz-Sühnekreuzzug Österreichs für den Frieden (Hrsg.): Dieses Land, inmitten der Welt, braucht deinen Schutz: Maria-Namen-Feier, 11. und 12. September 1993: Predigten von Kardinal Hans-Hermann Groer. Wien 1993
  • Alfred Stirnemann: In verbo autem tuo: die Ökumene unter Kardinal Groër; Festschrift zum 75. Geburtstag von Kardinal Groër. Tyrolia, Innsbruck/Wien 1994, ISBN 3-7022-1963-3

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