George Herbert Mead


George Herbert Mead
George Herbert Mead

George Herbert Mead (* 27. Februar 1863 in South Hadley, Massachusetts, USA; † 26. April 1931 in Chicago, USA) war ein US-amerikanischer Philosoph und Psychologe. Er studierte unter anderem in Leipzig und Berlin und war von 1894 bis zu seinem Tode Professor für Philosophie und Sozialpsychologie an der Universität Chicago.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Mead trat 1879 als Student in das von seinem Vater geleitete Oberlin College ein. Während seines Studiums beschäftigte sich Mead unter anderen mit der Evolutionstheorie Charles Darwins. Ihm ging es vor allem um eine mögliche Begründung eines sozial engagierten Christentums angesichts der neuen und umwälzenden Entwicklungen in den Naturwissenschaften in seiner Zeit. 1882 wurde Mead zusammen mit seinem Freund Henry Castle zum Herausgeber des Oberlin Review gewählt, beide traten in dieser Position für ein naturwissenschaftlich aufgeklärtes Christentum ein.

Nach seiner Graduierung im Jahr 1883 nahm Mead eine Stelle als Lehrer an, ihm wurde jedoch aufgrund disziplinarischer Schwierigkeiten mit den Schülern nach vier Monaten gekündigt. Daraufhin arbeitete Mead drei Jahre als Vermessungsingenieur bei der Wisconsin Central Railroad Company und war am Bau der 1100 Meilen langen Eisenbahnstrecke von Minneapolis nach Moose Jaw beteiligt.

1887 begann Mead ein zweites Studium an der Harvard University. Er studierte Philosophie bei Josiah Royce, George H. Palmer und Francis Bowen. Gleichzeitig nahm er eine Stelle als Hauslehrer bei William James an, um sich die Finanzierung seines Studiums zu erleichtern. Mead spezialisierte sich auf physiologische Psychologie und erhielt zum Wintersemester 1888/89 ein Stipendium für den Besuch der Universität Leipzig. Dort studierte er bei Wilhelm Wundt, bevor er 1889 nach Berlin wechselte und Schüler von Wilhelm Dilthey, Hermann Ebbinghaus, Gustav Schmoller und Friedrich Paulsen wurde und über Wundt und Paulsen auch auf Ferdinand Tönnies gelenkt.[1]

Ohne Promotion wurde Mead 1891 als Dozent für Psychologie, Philosophie und Evolutionstheorie an die University of Michigan berufen. Inhaltlich befasste er sich mit den psychologischen Konsequenzen der Erkenntnistheorie sowie den Beziehungen von Organismen und Umwelt; besondere Themen waren das Problem der Aufmerksamkeit und die Wahrnehmung von Druck und Temperatur sowie der Begriff der Liebe, wie ihn William James in seiner Emotionstheorie verwendete. Dort lernte er Charles H. Cooley und John Dewey kennen; letzterer wurde für Mead zu einem lebenslangen Freund. Als Dewey 1894 an die kurz zuvor gegründete University of Chicago wechselte, folgte ihm Mead und erhielt eine Stelle als Assistenzprofessor in der Abteilung für Philosophie und Psychologie.

Neben seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit engagierte sich Mead in Chicago stark in sozialreformerischen Projekten. So war er zeitweise als Schatzmeister für das Hull House tätig, einem Projekt mit-lebender Sozialarbeit vor Ort, durch das die übliche Distanz des Sozialarbeiters, der normalerweise nicht im Problemfeld der von ihm Betreuten lebte, durchbrochen werden sollte. Im Hull House wurden auch intellektuelle Diskussionsrunden organisiert. Mead engagierte sich zudem für Frauenrechte und setzte sich für eine pädagogisch orientierte Reform des Jugendstrafrechts ein. Er war Mitglied verschiedener Streikschlichtungskommissionen und mehrerer lokaler Reformkommissionen. Er war Mitglied und zeitweise Präsident des City Club, einer reformorientierten Vereinigung von Unternehmern und Intellektuellen, die sich bei der Demokratisierung der Lokalverwaltung, im Gesundheitswesen, bei der Integration von Zuwanderern und in der Berufsbildung einsetzte. Letzterem Thema galt seine besondere Aufmerksamkeit, so als zeitweiliger Herausgeber der Zeitschrift „Elementary School Teacher“, als Mitarbeiter der reformpädagogischen Versuchsschule der Universität Chicago oder als Präsident der Versuchsschule für verhaltensgestörte Kinder. Auch setzte er sich öffentlich für die umstrittene Reformorientierung der Universität von Wisconsin in Madison ein. Hans Joas bezeichnet all diese Aktivitäten als wichtige Einflussfaktoren auf das sozialpsychologische Werk von Mead.[2]

Chicagoer Schule – Wirkung auf den Symbolischen Interaktionismus

Mead zählt zu den amerikanischen Pragmatisten und Vertretern der Chicagoer Schule.

In Abgrenzung zum deutschen Idealismus (Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, Georg Wilhelm Friedrich Hegel), dem Mead „solipsistischen Spuk“ vorwarf, versteht Mead – inspiriert von der Evolutionstheorie Darwins – das Bewusstsein des Menschen als evolutionäres Produkt der Auseinandersetzung des Organismus mit seiner Umwelt und nicht als Gabe, die dem Menschen etwa in die Wiege gelegt wäre und in Aprioris der Erkenntnis zu beschreiben wäre. Dabei setzt man, so Mead, das zu Erklärende bereits voraus.

Meads Schüler Charles W. Morris (1903–1979) veröffentlichte 1934 auf der Basis von Vorlesungsmitschriften von Studierenden das später viel beachtete Werk: „Mind, Self and Society from the Standpoint of a Social Behaviorist“. Mead selbst hat seine Theorie nie systematisch niedergelegt. Die Entwicklung des Symbolischen Interaktionismus durch seinen Schüler Herbert Blumer geht auf Meads Arbeiten zur Theorie der symbolvermittelten Kommunikation zurück, die Mead in jener Vorlesung über Sozialpsychologie, die er von 1900 bis 1930 in Chicago hielt, ausgearbeitet hat.

Meads Hauptwerk: „Geist, Identität und Gesellschaft“

Mead beschäftigt sich in seinem Werk „Geist, Identität und Gesellschaft“ mit der Frage, wie die menschliche Identität zustande kommt und welchen Einfluss darauf die Gesellschaft, aber auch das Denken und der Geist des einzelnen Menschen, haben. Er beschreibt zunächst „Die Entstehung der Identität“, dann „Die Identität und das Subjektive“ und erklärt anschließend „Das Ich und das ICH“.

Die Entstehung der Identität

Laut Mead entsteht die Identität durch drei Medien: durch Sprache, Spiel und Wettkampf. Zuerst geht er genauer auf die Sprache ein: Es gibt die Sprache der Worte, der Gesten und der Mimik, damit kann man bestimmte Reaktionen bei sich selbst und bei anderen auslösen. Dabei kann man durch die Sprache Hinweise auf sich selbst geben (z. B. durch einen bestimmten Gesichtsausdruck oder gesprochene Worte) und so bei sich selbst und beim Anderen Reaktionen auslösen. Manchmal löst man bei sich selbst andere Reaktionen aus als beim Anderen (dies passiert, wenn man jemanden erschreckt), oft aber löst man in den anderen Organismen die gleichen Reaktionen aus wie bei sich selbst. Dafür muss die Bedingung gegeben sein, dass der gesellschaftliche Reiz auf das Individuum die gleiche Wirkung ausübt wie auf andere (wie z. B. in der Sprache, wo jeder den gleichen Sinn erfasst). Der Sinn von Gesten ist, dass eine zweite Geste auf die vorausgegangene erste Geste angemessen reagiert.

Der Denkprozess (die nach innen verlegte Übermittlung von Gesten), der dem Kommunikationsprozess vorausgeht, findet grundsätzlich mit Symbolen statt (wir verbinden Wörter mit Objekten). Dabei müssen diese Symbole beim Denkenden und beim Anderen die gleiche Reaktion hervorrufen, damit die Kommunikation gelingt. Dies bedingt, dass unsere Symbole Allgemeinbegriffe sind. Es gilt dabei zu beachten, dass es Situationen gibt, in denen man in der eigenen Identität nicht die gleiche Reaktion auslöst wie beim Anderen (vgl. Schauspieler).

Die zweite Art, auf die Identität entsteht, ist das Spiel. Hierzu zieht Mead das Beispiel der spielenden Kinder heran. Er unterscheidet das Rollenspiel vom nachahmenden und vom Wettspiel und bezeichnet diese als die einfachsten Formen der Identitätsbildung. Beim Rollenspiel schaffen sich Kinder in der Phantasie Spielgefährten. Sie versetzen sich in verschiedene Rollen und lernen so unterschiedliche Reaktionen kennen. Beim nachahmenden Spiel, z. B. Indianer-Spiel, passiert das Gleiche, auch hier setzen sich die Kinder mit verschiedenen Reiz-Reaktionen auseinander. Anders ist es beim Wettspiel. Dort hat das Kind viele Reize in sich, die in ihm selbst die gleichen Reaktionen auslöst wie in den anderen, und während es sich beim einfachen Spiel nur in eine andere Person hineinversetzten muss, muss es hier die Rolle aller anderen Mitspieler übernehmen können.

In Anknüpfung an das Wettspiel beschreibt Mead die Entstehung der Identität im Wettkampf. Hierzu benutzt er das Beispiel des Ballspiels. Im Ballspiel wird jede eigene Handlung von den Annahmen über die voraussichtlichen Handlungen der anderen Spieler bestimmt. Jeder Spieler ist gleichzeitig auch jeder andere Spieler, denn alle sind durch ein gemeinsames Ziel verbunden. Dabei wird die gesellschaftliche Gruppe (in diesem Fall die Mannschaft), die dem Einzelnen seine Identität gibt, „der (das) generalisierte Andere“ genannt. Nur, indem der Einzelne die Haltung des generalisierten Anderen gegenüber sich selbst einnimmt, kann er denken. Dabei müssen jedoch bei allen Mitgliedern einer Gemeinschaft die gleichen Haltungen (organisierten Reaktionsgruppen) vorhanden sein (z. B. die Auffassung, dass man jemand anderem nicht den Ball entreißt). Durch den „generalisierten Anderen“ übt die Gemeinschaft folglich Kontrolle über das Verhalten des Individuums aus; die Gemeinschaft formt die Identität des Einzelnen.

Ein Mensch hat also eine Persönlichkeit, weil er einer Gemeinschaft angehört (ob Sportmannschaft, Schulklasse oder Gesamtgesellschaft) und weil er die Institutionen dieser Gemeinschaft in sein eigenes Verhalten hereinnimmt (z. B. durch Sprache).

Die Identität und das Subjektive

Mead unterscheidet Identität von Bewusstsein. Bewusstsein im Sinne von Denken oder reflexiver Intelligenz ist nur für das Individuum selbst zugänglich, es hat einen subjektiven Charakter und beschreibt die Art, wie ein Organismus handelt. Im Gegensatz dazu erläutert er Identität als eine Struktur, die sich aus dem gesellschaftlichen Verhalten entwickelt und nicht aus der subjektiven Erfahrung des Organismus. Die hier gemeinte Identität entwickelt sich dann, wenn die Übermittlung von Gesten in das Verhalten des Einzelnen hereingenommen wird. Beide – Identität und Bewusstsein – sind phasenweise nur dem Einzelnen zugänglich, können aber veröffentlicht werden. Ein Beispiel ist das Aufstellen einer Theorie, die zunächst nur intern, mit Veröffentlichung allgemein zugänglich ist.

Meads Gedanken zur Gemeinschaft sind folgende: Eine Gemeinschaft entwickelt sich weiter, wenn eine wechselseitige Beeinflussung zwischen den Individuen stattfindet, wenn die Reaktion der Gemeinschaft auf den Einzelnen institutionalisiert wird, also die ganze Gemeinschaft gegenüber dem Einzelnen gleich handelt. Jeder Mensch nimmt die Haltung der Gemeinschaft sich selbst gegenüber an, kann aber auch der Gemeinschaft antworten und darauf bestehen, die Normen der Gemeinschaft zu verbessern. Jeder steht also in einem Dialog mit der Gemeinschaft. Ein Beispiel für diesen Dialog wäre, wenn jemand vor Gericht zum Publikum spricht und seine Tat rechtfertigt. Wenn jemand nicht mit den Haltungen der Gemeinschaft einverstanden ist, kann er sich der ganzen Umwelt in den Weg stellen, indem er auf die Vernunft hört und dabei die Vergangenheit und die Zukunft in sein Denken mit einbezieht.

Des Weiteren unterscheidet Mead Bewusstsein von Selbstbewusstsein (Identitätsbewusstsein). Bewusstsein ist Erfahrung, ein kognitives Phänomen, Selbstbewusstsein die Erkenntnis einer Identität als Objekt, ein emotionales Phänomen.

Durch das Erfühlen der Haltung des Anderen gegenüber sich selbst entsteht ein Selbstbewusstsein, mit dem der einzelne Organismus in seinen Umweltsbereich eintritt. Dieses Selbstbewusstsein löst Handlungen im Individuum aus, die es auch in anderen auslöst, und es entwickelt damit insoweit eine Identität, als dass es die Haltung anderer einnehmen und sich selbst gegenüber so wie gegenüber anderen handeln kann. Selbst-bewusst, identitätsbewusst sein, heißt im Grunde, dank der gesellschaftlichen Beziehungen zu anderen für seine eigene Identität zum Objekt zu werden.

Das „impulsive Ich“ und das „reflektierte Ich“

Als „impulsives Ich“ (″I″) bezeichnet Mead die persönliche, vorsoziale und subjektive Instanz der Persönlichkeit, „reflektiertes Ich“ („Me“') meint die von der Gesellschaft geprägte (gespiegelte) Seite der Persönlichkeit. Dabei ist das „I“ das, womit man sich identifiziert; die Reaktion des Organismus auf die Haltungen anderer. Es tritt nicht äußerlich hervor, dennoch reagiert es auf die Identität, die sich durch die Übernahme der Haltungen anderer entwickelt. Die Reaktion des „I“ ist unbestimmt und spontan. Auf das „I“ ist es zurückzuführen, dass wir uns niemals ganz unserer selbst bewusst sind, dass wir uns durch unsere eigenen Aktionen überraschen.

Die Übernahme der organisierten Haltungen anderer und die Erinnerung geben dem Individuum sein „Me“ (z. B. weiß ein Fußballspieler, dass er den Ball anderen zuspielen muss). Dieses tritt auf, um die Pflicht des „I“ zu erfüllen. Dabei ist das „Me“ gegeben, die Reaktion darauf aber noch nicht. Das „I“ ruft also das „Me“ hervor und reagiert darauf. Zusammen bilden sie eine Persönlichkeit, welche durch ein gefestigtes Zusammenspiel beider Instanzen entsteht. Die Identität ist somit ein Prozess, der aus diesen beiden unterscheidbaren Phasen besteht.

Theorien Meads – Gegenstimmen

All diese Theorien haben Meads Schaffen geprägt, aber er konnte bei der Formulierung seiner anthropologischen Theorie zur Genese von Bewusstsein ganz besonders an Dewey – ein guter Freund Meads – anknüpfen und hat sich wiederholt sehr ausdrücklich von John B. Watson abgegrenzt. Wie Dewey versteht er Bewusstsein als ein Produkt der Kooperation von Individuen, das der (molekulare oder klassische) Behaviorismus, der jegliches Handeln in unverbundene Reiz-Reaktions-Phasen zerlegt, gar nicht fassen kann. Handeln versteht der Behaviorismus in den Begriffen Reiz, Reaktion und bedingte Konditionierung (später erweitert durch Skinner um die operante Konditionierung). Der Sozialbehaviorismus Meads dagegen sieht die Entwicklung von Bewusstsein einhergehen mit der Entwicklung signifikanter Symbole (Sprache).

Symbole – Optimierung

Symbole entstehen aus der Optimierung der Kooperation von Subjekten: Der Mensch nimmt wahr, dass sein Verhalten der Reiz für das Verhalten anderer ist. Indem er sein Verhalten kontrolliert, kann er das der anderen kontrollieren, so dass sich Kooperationsprozesse optimieren lassen. Diese Optimierung ist nur möglich über die Sprache, denn nur die stimmliche Geste können wir ebenso wahrnehmen wie unser Gegenüber. Daher können wir mit unserer Geste die Reaktion des Gegenübers verbinden, der Sinn unserer Geste liegt in der Reaktion des Anderen – unsere Geste ist damit eine signifikante Geste, d. h.: ein (signifikantes) Symbol. Über Symbole können wir unser Verhalten kontrollieren. Damit entsteht auch die Möglichkeit zum Selbstbewusstsein: Indem man sein Verhalten aus der Perspektive anderer kontrollieren kann, ist man aus dem Status des nur handelnden Subjekts entlassen. Man kann sich selbst zum Objekt werden aus der Perspektive der anderen mittels der Sprache, man kann sich in die Lage der Anderen versetzen, um sein Verhalten zu beurteilen. Dies ist notwendig für das Selbstbewusstsein, weil der Mensch sich als Subjekt seines Handelns nicht erfahren kann: Das Erleben des eigenen Erlebens erlebt man nicht aus der Perspektive des gerade Erlebenden.

Phasen

Mead nennt diese Phase der Reflexion das ME. Im ME sieht man sich aus der Perspektive des (generalisierten) Anderen. Das Handeln ist durch die eigene Reaktion auf das ME geprägt, durch die verinnerlichten Erwartungen der Anderen. Jene Phase des Handelns, der Reaktion des Subjekts auf die Hereinnahme der Haltungen des (generalisierten) Anderen nennt Mead I. I und ME bilden die Einheit der Differenz des SELF (Selbst, Identität).

Die Identität bildet sich individualbiographisch durch das Durchleben des Kindes zweier Spielphasen: PLAY und GAME. In diesen lernt das Kind die Haltung anderer zu übernehmen, sein Verhalten nach deren Erwartungen abzustimmen. Zunächst im freien und naiven Spiel mit sich selbst (PLAY), dann im organisierten Wettkampf mit vielen Anderen (GAME). Das Kind übt eine Selbstkontrolle auf sich aus und unterliegt damit der sozialen Kontrolle der Gemeinschaften, denen es angehört und nach denen sich die soziale Struktur der Identität (ME) ausgebildet hat. Die unterschiedlichen Ansprüche verschiedener Gruppen zu koordinieren, das heißt verschiedene verinnerlichte Gruppenhaltungen zu synthetisieren, also die Einheit der Differenz von MEs herzustellen, ist eine der Aufgaben der Identität. Aus den daraus entstehenden moralischen Konflikten entwickelt Mead seine Theorie der Ethik und des Sozialen Wandels, die jedoch weit weniger beachtet wurden als seine Theorie der symbolvermittelten Kommunikation und der Entstehung von Identität und Bewusstsein.

Schriften

Erst nach seinem Tod sind vier Bücher von ihm erschienen. Sie enthalten Vorlesungensmanuskripte, Aufsätzen und andere Arbeiten aus dem Nachlass:

  • Mind, Self, and Society. Edited by Charles W. Morris. Chicago 1934. (Deutsche Übersetzung: Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviorismus. Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main 1968, ISBN 0-226-51668-7)
  • The Philosophy of the Act. Edited by Charles W. Morris et al. Chicago 1938
  • The Philosophy of the Present. Herausgegeben von Arthur E. Murphy. La Salle (Illinois) 1932 (Neuausgabe 2002: Prometheus Books, Amherst, New York)
  • Movements of Thought in the Nineteenth Century. Edited by Meritt H. Moore. Chicago 1936

Einige Sammelbände enthalten Auszüge aus diesen Büchern auf deutsch:

  • Anselm Strauss (Hg.): G.H. Mead on Social Psychology. Chicago 1964. (Deutsche Übersetzung: Anselm Strauss (Hg.): Sozialpsychologie, Luchterhand-Verlag, Neuwied 1969). (Auszüge aus allen vier Büchern sowie zwei ergänzende Aufsätze)
  • Hansfried Kellner (Hg.): G.H. Mead. Philosophie der Sozialität. Aufsätze zur Erkenntnisanthropologie. Frankfurt am Main 1969. (Auszüge aus Philosophy of the Act und Philosophy of the Present, sowie einige weitere Aufsätze)
  • Gesammelte Aufsätze. 2 Bände, herausgegeben von Hans Joas. Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main 1980–1983.

Eine weitgehend vollständige Bibliographie findet sich in der Neuauflage (2000, Frankfurt am Main, Suhrkamp) von Hans Joas Buch „Praktische Intersubjektivität“. Joas gibt auch an, in welchen Sammelbänden jeweils welche Aufsätze erschienen sind. Eine Bibliographie gleicher Qualität kann über den unten angegebenen Weblink „The Mead-Project“ erreicht werden, größtenteils sind die Texte Meads dort auch Online verfügbar.

Anmerkungen

  1. Tönnies hatte sich zeitweise bei Wundt mit einer Vorform von „Gemeinschaft und Gesellschaft“ habilitieren wollen, und Paulsen als Tönnies’ Freund kannte die dann 1887 erschienene Studie gründlich. Vgl. die Zusammenführung von Tönnies’ und Meads Theoremen (erkennbar z. B. in beider Vorentwürfen zur Rollentheorie) bei Werner J. Cahnman in: Tönnies und die Theorie des sozialen Wandels. Eine Rekonstruktion, in: L. Clausen/F. U. Pappi (Hgg.), Ankunft bei Tönnies, Mühlau, Kiel 1981.
  2. Hans Joas: Praktische Intersubjektivität. Die Entwicklung des Werks von G.H. Mead, Suhrkamp, Frankfurt 1989, Taschenbuchausgabe mit einem erneuerten Vorwort 2000, 29

Literatur

  • Heinz Abels, Interaktion, Identität, Präsentation. Kleine Einführung in interpretative Theorien der Soziologie, VS Verlag, Wiesbaden ³2004, ISBN 3-531-43183-8.
  • Filipe Carreira Da Silva, G. H. Mead. A Critical Introduction, Polity, Cambridge 2007, ISBN 9780745634579
  • Hans Joas: Praktische Intersubjektivität. Die Entwicklung des Werkes von George Herbert Mead, Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main 1989. ISBN 3-518-28365-0 (²2000: Vorwort zur neuen Auflage, sowie ergänzte Bibliographie)
  • Dieter Krallmann, Andreas Ziemann: George Herbert Meads sozialbehavioristische Kommunikationstheorie. In: Grundkurs Kommunikationswissenschaft. Fink, München 2001. ISBN 3-8252-2249-7
  • Rainer Schützeichel: Cooley, Mead und die symbolische Interaktion. In: Soziologische Kommunikationstheorien. Konstanz 2004. ISBN 3-8252-2623-9
  • Hans-Josef Wagner: Strukturen des Subjekts. Eine Studie im Anschluß an George Herbert Mead. Westdeutscher Verlag, Opladen 1993. ISBN 3-531-12525-7
  • Harald Wenzel: George Herbert Mead zur Einführung. Junius-Verlag, Hamburg 1990. ISBN 3-88506-855-9 (Anmerkung: Der Titel des Buches impliziert, dass es sich hierbei um eine Einführung handelt, jedoch setzt es zum Verständnis umfassendes Vorwissen zu diesem Thema voraus)

Weblinks


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