Friedrich von Schiller


Friedrich von Schiller
Ludovike Simanowiz: Friedrich Schiller (1794)
Schillers Unterschrift

Johann Christoph Friedrich von Schiller, 1802 geadelt (* 10. November 1759 in Marbach am Neckar; † 9. Mai 1805 in Weimar) war ein deutscher Dichter, Dramatiker, Philosoph sowie Historiker. Er gilt als der bedeutendste deutsche Dramatiker. Viele seiner Theaterstücke gehören zum Standardrepertoire der deutschsprachigen Theater. Auch als Lyriker war er sehr erfolgreich, seine Gedankenlyrik wurde exemplarisch, und seine Balladen zählen zu den beliebtesten deutschen Gedichten.

Er ist neben Goethe, Wieland und Herder der wichtigste Vertreter der Weimarer Klassik.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Herkunft, Ausbildung und erste Erfolge

Elternhaus und Schule

Schillers Geburtshaus in Marbach am Neckar

Friedrich Schiller wurde als zweites Kind des Offiziers und Wundarztes Johann Caspar Schiller und der Elisabeth Dorothea Schiller, geb. Kodweiß, 1759 in Marbach am Neckar geboren. Friedrich war der einzige Sohn neben fünf Schwestern. Da der Vater eine Anstellung als Werbeoffizier bekam, siedelte die Familie 1763 nach Lorch über. Kurz nachdem 1766 Friedrichs Schwester Luise geboren wurde, zog die Familie nach Ludwigsburg um. Im selben Jahr trat Friedrich in die dortige Lateinschule ein. Bereits mit dreizehn verfasste er die nicht erhaltenen Theaterstücke Absalon und Die Christen.

Auf herzoglichen Befehl und gegen den Willen der Eltern musste er 1773 in die Militärakademie Karlsschule eintreten. Diese Lehranstalt befand sich zu der Zeit noch im Schloss Solitude bei Stuttgart. Schiller begann zunächst ein Rechtsstudium. Die Zöglinge erzog man mit militärischem Drill, vermutlich war er auch deshalb noch mit fünfzehn Jahren Bettnässer. Zweimal wurde er deswegen hart bestraft. Heimlich schnupfte er Tabak und las zusammen mit seinen Kameraden verbotene Schriften.

Medizinstudium

Schiller als Regimentarzt, 1781/1782. Gemälde von Philipp Friedrich Hetsch

Als 1775 die Akademie von Schloss Solitude in die Innenstadt von Stuttgart verlegt wurde und erst im Jahre 1781 zur Universität erhoben wurde, wechselte Schiller das Studienfach und wandte sich der Medizin zu. Während dieser Zeit las er intensiv die Werke der Dichter des Sturm und Drang und beschäftigte sich mit den Gedichten von Klopstock. Im selben Jahr verfasste er das nicht mehr erhaltene Drama Der Student von Nassau. 1776 erschien sein erstes gedrucktes Gedicht Der Abend. Er studierte die Werke Plutarchs, Shakespeares, Voltaires, Rousseaus und Goethes. Ebenfalls 1776 begann er die Arbeit an dem freiheitlichen Theaterstück Die Räuber. 1779 bestand er die ersten medizinischen Examina und bat um die Entlassung als Militärarzt. Sie wurde ihm aber erst nach Abschluss der Dissertation Versuch über den Zusammenhang der thierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen 1780 gewährt.

Theaterstück Die Räuber

Skizze von Viktor von Heideloff: „Schiller liest die Räuber im Bopserwald“

1781 vollendete Schiller das Theaterstück Die Räuber, das noch im selben Jahr anonym gedruckt wurde. Auf der Festung Hohenasperg traf er zum ersten Mal auf den dort eingekerkerten Dichter Christian Schubart. Am 13. Januar 1782 wurden Die Räuber vom Mannheimer Theater unter der Intendanz Wolfgang Heribert von Dalbergs erfolgreich uraufgeführt. Jubelstürme entfachte das Stück insbesondere beim jugendlichen Publikum. Auch Schiller war trotz des herzoglichen Verbots mit seinem Freund Andreas Streicher bei der Uraufführung anwesend. Herzog Karl Eugen warf den unbotmäßigen Dichter darauf vierzehn Tage lang ins Gefängnis und untersagte ihm bis auf Weiteres, Komödien „und dergleichen Zeugs“ zu schreiben. Freiheitsbegeisterte Jugendliche gründeten in den folgenden Monaten in Süddeutschland viele „Räuberbanden“.

Flucht aus Stuttgart

In der Nacht vom 22. auf den 23. September 1782 floh Schiller mit Andreas Streicher aus Stuttgart und reiste abermals nach Mannheim, wo er Dalberg sein neues Drama Die Verschwörung des Fiesco zu Genua vorlegte. Es folgten Reisen nach Frankfurt am Main, Oggersheim und Bauerbach. Schillers Freund Streicher schilderte die Flucht in dem Buch Schillers Flucht von Stuttgart und Aufenthalt in Mannheim von 1782 bis 1785. Anfang 1782 erschien die Anthologie auf das Jahr 1782 mit 83, meist von Schiller verfassten Gedichten.

Unsichere Jahre 1783–1789

Durch die Vermittlung seines Studienfreundes Wilhelm von Wolzogen (der 1794 Caroline von Lengefeld heiratete) bekam Schiller im Dezember 1782 Asyl in Bauerbach (Thüringen) bei dessen Mutter Henriette von Wolzogen. In der nahe gelegenen Residenzstadt Meiningen lernte er bei seinen Besuchen in der Hofbibliothek des Herzoghauses den Bibliothekar Reinwald kennen, der ihn mit Arbeitsmaterial versorgte und später Schillers Schwester Christophine heiratete. In Bauerbach vollendete er die Arbeit an Luise Millerin und begann mit dem Stück Don Karlos (so der ursprüngliche Titel).

Auf Einladung des Theaterintendanten Dalberg kehrte er im Juli 1783 nach Mannheim zurück und trat dort im September die Stelle eines Theaterdichters an. Dort erkrankte er im September 1783 am „Nervenfieber“ (Malaria), das im damals noch sumpfigen Rheintal heimisch war. In Mannheim lernte er auch Charlotte von Kalb kennen. Im Januar 1784 wurde der Fiesco, im April 1784 die Luise Millerin, die von August Wilhelm Iffland in Kabale und Liebe umbenannt worden war, uraufgeführt. Vor der Kurpfälzischen deutschen Gesellschaft in Mannheim hielt er im Juni 1784 die Vorlesung Was kann eine gute stehende Schaubühne eigentlich wirken?[1]. Im Dezember 1784 erhielt er von Herzog Carl August von Sachsen-Weimar den Titel eines Weimarischen Rates. Carl August war zuvor am Darmstädter Hof bei einer Lesung Schillers des Ersten Aufzuges aus Don Karlos anwesend, die durch die Vermittlung von Charlotte von Kalb zustande gekommen war. Nach einem Jahr als Theaterdichter in Mannheim ließ Dalberg Schiller fallen und erneuerte seinen Vertrag nicht, was dazu führte, dass Schiller sich hoch verschuldete und fast im Schuldturm landete.

Im April 1785 reiste Schiller nach Leipzig zu Christian Gottfried Körner, der ihm aus der finanziellen Notlage half. Die Bekanntschaft mit Körner, der von 1812 bis 1816 eine Gesamtausgabe von Schillers Werken herausgab, entstand durch einen nicht unterzeichneten Brief im Juni 1784. Mit seinem Freund Ludwig Ferdinand Huber und den Geschwistern Stock[2] wandten sie sich an den jungen Schiller und drückten ihre uneingeschränkte Verehrung für seine Dramen aus. Die Absender waren zwei Brautpaare, deren Heiratsabsicht auf den Widerstand der großbürgerlich-autoritären Väter gestoßen war, weshalb sie sich insbesondere mit der Darstellung der nicht standesgemäßen Beziehung in Schillers Drama Kabale und Liebe identifizieren konnten. Die Schwestern Minna und Dora Stock waren Töchter des Leipziger Kupferstechers Johann Michael Stock (1737–1773) und damit Handwerkerkinder. Schiller antwortete ein halbes Jahr später auf diesen Brief: „Ihre Briefe […] trafen mich in einer der traurigsten Stimmungen meines Herzens“ (7. Dezember 1784). Am 7. August 1785 heiratete Christian Gottfried die jüngere Tochter Minna.

In einem Brief an Körner schreibt Schiller, dass Johann Christoph Bode ihn veranlassen wollte, der Freimaurerei beizutreten. Körner, der selbst Freimaurer war, riet ihm ab, da Bode ihn nur für den Illuminatenorden gewinnen wolle.[3]

Das Schillerhäuschen in Dresden-Loschwitz auf dem Körnerischen Weinberg. Hier wohnte Schiller vom 13. September 1785 bis zum Sommer 1787. (Lage51.05769166666713.81317)

Im Sommer und Herbst 1785 entstand auf Körners Bitte im nahe gelegenen Dorf, dem heutigen Stadtteil Gohlis, und nach dem 13. September in Körners Weinberghaus in Dresden-Loschwitz die Ode an die Freude für die Tafel der Freimaurerloge Zu den drei Schwertern in Dresden. Während seines Aufenthaltes in Loschwitz lernte Schiller im gegenüber der Elbe gelegenen Dorf Blasewitz in einem Schankgut (heute Schillergarten) die Tochter des Gastwirts, Johanne Justine Segedin, kennen, die er später 1797 in Wallensteins Lager als „Gustel von Blasewitz“ (5. Auftritt, Ausruf des ersten Jägers) verewigte. 1786 erschien in der zweiten Ausgabe der Zeitschrift Thalia die Erzählung Verbrecher aus Infamie. Eine wahre Geschichte, die später unter dem Titel Der Verbrecher aus verlorener Ehre veröffentlicht wurde. In der Zeit vom 17. April bis 21. Mai 1787 weilte Schiller in Tharandt bei Dresden und vollendete dort im Gasthof zum Hirsch (heute: Schillereck) seinen „Don Karlos“.

Am 21. Juli 1787 reiste Schiller nach Weimar und machte dort die Bekanntschaft von Herder und Wieland. Während einer Reise durch Rudolstadt lernte er Charlotte von Lengefeld und deren Schwester Caroline kennen, die unter ihrem Ehenamen Caroline von Wolzogen bekannt wurde, nachdem sie zunächst anonym in Schillers Zeitschrift Die Horen den Roman Agnes von Lilien veröffentlicht hatte, der zeitweise sogar Schiller zugeschrieben wurde.

Das Drama Don Karlos wurde im selben Jahr gedruckt und sogleich aufgeführt. Nachdem Goethe 1788 von seiner Italienreise zurückkehrte, trafen sich beide am 7. September zum ersten Mal im Garten der Familie Lengefeld in Rudolstadt, ohne großes Interesse füreinander zu entwickeln.

„Don Karlos“ (Druckfehler: „Dom Karlos“), Titelblatt und Frontispiz des Erstdruckes, 1787

Schiller beendete die Arbeiten am ersten und einzigen Band der Geschichte des Abfalls der Vereinigten Niederlande von der spanischen Regierung und an den zwölf Briefen über „Don Karlos“.

Noch im zehnten Brief über Don Karlos schrieb Schiller 1787, dass er weder Illuminat noch Freimaurer sei. Schillers Urenkel Alexander von Gleichen-Rußwurm gab jedoch an, Wilhelm Heinrich Karl von Gleichen-Rußwurm habe den Schriftsteller der Rudolstädter Freimaurerloge Günther zum stehenden Löwen zugeführt. In ihr wurde übrigens auch Johann Gottlieb Fichte 1794 Mitglied.[4] 1829 beklagten sich zwei Freimaurer aus Rudolstadt über die Auflösung der Loge, in der schließlich sogar Schiller aufgenommen worden sei. Urkunden zu Schillers Mitgliedschaft sind hingegen nicht gefunden worden.[5]

Wirtschaftliche Konsolidierung seiner Lebensverhältnisse 1789-1799

Im Jahr 1789 nahm Schiller eine Professur in Jena an  – entgegen seinen Hoffnungen ohne Gehalt – und lehrte dort als Historiker, obgleich er Professor der Philosophie war. Qualifiziert hatte er sich insbesondere mit seiner Geschichte des Abfalls der Vereinigten Niederlande. Beliebt, wie er vor allem durch Die Räuber war, löste die Nachricht der Lehrtätigkeit Schillers in Jena Begeisterungsstürme aus. Die Antrittsvorlesung Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte? brachte den Hörsaal zum Überlaufen, und so wechselten die zahllosen Hörer zum größeren Saal. Die ganze Stadt war in Aufruhr.

A. Graff (um 1790): Friedrich Schiller

Im selben Jahr erschien die erste Buchausgabe des Romans Der Geisterseher, und Schiller freundete sich mit Wilhelm von Humboldt an. Am 22. Februar 1790 heiratete er Charlotte von Lengefeld in der nach ihm benannten Schillerkirche in Jena. Traupfarrer war sein Kollege, der Philosophieprofessor Carl Christian Erhard Schmid. Während eines Besuches bei seiner Schwester Christophine und Schwager Reinwald in Meiningen verlieh Herzog Georg I. 1790 Friedrich Schiller den Titel Hofrat. Vieles deutete nun auf großes berufliches und familiäres Glück hin.

Doch bereits 1791 erkrankte Schiller lebensgefährlich. Am 3. Januar erlitt er einen Zusammenbruch, krampfartigen Husten und zeitweilige Ohnmachten. Zwei Wochen später, aber auch noch im Mai, folgten weitere Anfälle. Schiller war vermutlich an Tuberkulose erkrankt, von der er zeitlebens nicht mehr genas. Im Dezember desselben Jahres bot Ernst Heinrich Graf von Schimmelmann zusammen mit Friedrich Christian von Augustenburg Schiller zur Erleichterung der Lebenshaltung eine jährliche Pension von 1.000 Taler an, die ihm fünf Jahre lang gezahlt wurde.

Begleitschreiben zur Urkunde, die Schiller 1792 zum Ehrenbürger der französischen Republik machte

Im Jahre 1792 wurde Schiller für Die Räuber neben Friedrich Gottlieb Klopstock, Johann Heinrich Campe, Johann Heinrich Pestalozzi, George Washington und Tadeusz Kościuszko zum Ehrenbürger der französischen Republik. Ursache war eher Schillers Ruf als Rebell als sein tatsächliches Wirken. Er stand auch der französischen Revolution anfangs durchaus wohlwollend gegenüber, sah jedoch den Umschlag in die freiheits- und menschenverachtende Schreckensherrschaft der Jakobiner voraus. Schiller verabscheute dann zutiefst die Terreurs, die Massenhinrichtungen im revolutionären Frankreich.

Im selben Jahr vollendete er die Geschichte des Dreißigjährigen Krieges; auch die Werke Neue Thalia und Über die tragische Kunst erschienen.

1793 erschien Über Anmut und Würde und er besucht seine Eltern in Ludwigsburg.

Am 14. September wurde sein erstes Kind Karl Friedrich Ludwig geboren. 1794 lernte Schiller den Verleger Friedrich Cotta kennen, der sich bereit erklärte, die Monatszeitschrift Die Horen und den Musenalmanach herauszugeben.

Freundschaftliche Verbindung mit Goethe

Denkmal für Schiller und Goethe im Golden Gate Park, San Francisco

Von Goethe erwirkte Schiller die Zusage, sich an den Horen zu beteiligen, und es entwickelte sich ein freundschaftlicher Briefwechsel zwischen den beiden. Im September 1794 verbrachte Schiller zwei Wochen in Goethes Haus. Er hielt dabei seinen gewohnten Tagesablauf bei, das hieß, er schlief bis mittags und arbeitete nachts. Im Wissen um Schillers Traditionsbewusstsein vertuschten Goethe und seine langjährige Lebensgefährtin Christiane Vulpius ihre „wilde Ehe“. Das Versteckspiel muss in den zwei Wochen einen ungewöhnlichen logistischen Aufwand im Hause Goethes verursacht haben. Christiane und ihr fünfjähriger Sohn August blieben im eigenen Haus unsichtbar. Schiller bezeichnete die Beziehung Goethes zur Mademoiselle Vulpius als Goethes „einzige Blöße“ und kritisierte Goethe in einem Brief für „falsche Begriffe über das häusliche Glück“. Goethe sprach von seinem „Ehestand ohne Zeremonie“. Schillers Leidenschaft für das Kartenspiel und den Tabak störte Goethe, der überhaupt auch Freunden gegenüber boshaft sein konnte (die viel kolportierte Anekdote, Schiller habe nur beim Geruch fauler Äpfel dichten können, stammt von ihm).

1795 erschien die Monatszeitschrift Die Horen zum ersten Mal. Außerdem vollendete Schiller die Abhandlung Über naive und sentimentalische Dichtung. An der Zeitschrift wirkten die berühmtesten Schriftsteller und Philosophen der Zeit mit. Dazu gehörten unter anderem Herder, Fichte, August Wilhelm Schlegel, Wilhelm und Alexander von Humboldt, Johann Heinrich Voß und Friedrich Hölderlin.

1796 starben Schillers Schwester Nanette und sein Vater. Sein zweiter Sohn Ernst Friedrich Wilhelm wurde geboren. Von 1796 bis 1800 gab Schiller die Literaturzeitschrift Musenalmanach heraus, an der u.a. Goethe, Herder, Tieck, Hölderlin und August Wilhelm Schlegel mitarbeiteten. 1797 erschienen im Musenalmanach für das Jahr 1797 die Xenien, in denen Schiller und Goethe gemeinsam literarische Missstände verspotteten.

Das Jahr 1797 wird als das „Balladenjahr“ bezeichnet, da Schiller in diesem Jahr Der Taucher, Der Handschuh, Der Ring des Polykrates, Der Gang nach dem Eisenhammer und Die Kraniche des Ibykus fertigstellte. 1798 entstanden dann die Balladen Die Bürgschaft und Der Kampf mit dem Drachen. Schiller wurde endlich die Urkunde zugestellt, die ihn zum Ehrenbürger der französischen Republik machte.

Weimarer Jahre ab 1799

Schillers Wohnhaus
in der heutigen Schillerstraße in Weimar
F. G. Weitsch Schiller (1804)
Letzte Ruhestätte: Fürstengruft auf dem Historischen Friedhof in Weimar

Am 11. Oktober 1799 wurde seine Tochter Caroline Henriette Luise geboren, und am 3. Dezember zog er mit seiner Familie nach Weimar um, wo ihm am 16. November 1802 das Adelsdiplom überreicht wurde; er durfte sich von nun an Friedrich von Schiller nennen. Im selben Jahr verstarb seine Mutter.

In diesem Jahr vollendete Schiller den Wallenstein. Das Lied von der Glocke entstand. 1800 beendete er die Arbeit an dem Drama Maria Stuart, 1801 an der Die Jungfrau von Orléans und sein Gedicht Der Antritt des neuen Jahrhunderts erschien (Edler Freund, wo öffnet sich dem Frieden, | Wo der Freiheit sich ein Zufluchtsort? | Das Jahrhundert ist im Sturm geschieden, | Und das neue öffnet sich mit Mord. | ...).

1803 beendete Schiller seine Arbeiten an Die Braut von Messina. Am 18. Februar 1804 vollendete er den Wilhelm Tell und begann sogleich mit seinen Arbeiten am Demetrius, den er nicht mehr abschließen sollte. Am 25. Juli 1804 wurde seine Tochter Emilie Friederike Henriette geboren. Er erkrankte in dieser Zeit immer häufiger.

Schiller als Historiker

Schillers Beschäftigung mit Geschichte ist von der Aneignung und Weiterentwicklung des ganzen Spektrums der universalhistorischen Ideen der Aufklärung gekennzeichnet, die er vor allem in seinen ästhetischen Schriften „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ sowie „Über die naive und sentimentalische Dichtung“ konsequent weiterentwickelte. Die Ästhetisierung der Geschichte als Wissenschaft, die anthropologische Wende und die Hervorhebung des Menschen als Objekt der Geschichte, die Begründung der erzieherischen Funktion der Geschichte sowie die Proklamation der Methode der historischen Analogie dienten als Schlüsselelemente nicht nur für die weitere Entwicklung des historischen Denkens von Schiller in seinen historischen Werken „Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande von der Spanischen Regierung“ und „Geschichte des Dreißigjährigen Krieges“, sondern auch für die Entstehung seines klassischen Geschichtsdramas.

Tod 1805

Eine Zeitung verbreitete wenige Monate vor Schillers Tod die Falschmeldung, er sei tot. Doch im Februar 1805 erkrankte er tatsächlich sehr schwer und traf am 1. Mai zum letzten Mal mit Goethe auf dem Weg ins Theater zusammen. Noch kurz vor seinem Tod vollendete Schiller die Übersetzung von Jean Racines klassischer Tragödie Phèdre (1677).

Am 9. Mai starb Friedrich Schiller an einer vermutlich durch eine Tuberkuloseerkrankung hervorgerufenen akuten Lungenentzündung in Weimar. Wie die Obduktion ergab, war Schillers linker Lungenflügel völlig zerstört. Auch die Nieren waren fast aufgelöst. Der Herzmuskel hatte sich zurückgebildet und Milz und Galle waren stark vergrößert. Ferdinand Jagemann zeichnete Schiller auf dem Totenbett. Johann Christian Ludwig Klauer fertigte seine Totenmaske.

Schillers Gebeine wurden zunächst im Kassengewölbe auf dem Jacobsfriedhof Weimar beigesetzt. 1826 sollten sie geborgen werden. Man konnte sie allerdings nicht mehr identifizieren. Daraufhin brachte man diejenigen Gebeine, die am ehesten in Frage kamen, in die Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Im Herbst 1826 entlieh sich Goethe von dort heimlich den Schädel. Nur seinen Freund Wilhelm von Humboldt weihte er ein, der es jedoch weitererzählte. Im Anblick des Schädels schrieb Goethe das Gedicht Bei Betrachtung von Schillers Schädel. Die sterblichen Überreste wurden am 16. Dezember 1827 in die Fürstengruft auf dem neuen Weimarer Friedhof überführt, wo später auch Goethe auf eigenen Wunsch „an Schillers Seite“ bestattet wurde.

Schillers Gebeine

1911 wurde ein weiterer Schädel gefunden, welcher auch Schiller zugeschrieben wurde. Jahrelang stritt man, welcher der richtige ist. Um dies zu klären, wurde die Aktion "Der Friedrich-Schiller-Code" im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) und der Klassik Stiftung Weimar durchgeführtes groß angelegtes Forschungsprojekt, in dessen Rahmen geklärt werden sollte, ob einer der beiden als Schillerschädel ausgezeichneten Totenköpfe in der Weimarer Fürstengruft wirklich zu Schiller gehört. So kam man im Frühjahr 2008 zum Ergebnis, dass keiner der beiden Schädel Schiller zugeordnet werden kann. Aufwändige DNA-Analysen der Gebeine Schillers Schwestern und der Vergleich dieser DNA mit der aus den Zähnen der beiden Fürstengruftschädel gewonnenen DNA brachte dies zu Tage. Zeitgleich fand eine Gesichtsrekonstruktion an dem bisher als authentisch geltenden Schädel statt. Hier konnte das vermeintliche Gesicht Schillers rekonstruiert werden. Da die von zwei unabhängigen Laboren durchgeführten DNA-Analysen jedoch in ihrem Ergebnis als eindeutig gelten, wird dem Ergebnis der Gesichtsrekonstruktion keine Beachtung geschenkt. Das bisher in Schillers Sarg befindliche Skelett wurde ebenfalls untersucht, dessen Teile können mindestens drei verschiedenen Personen zugeordnet werden; die DNA der Schillerschädel stimmt nicht mit der DNA der Skelettteile überein. Die Klassik Stiftung Weimar hat sich entschlossen, Schillers Sarg leer in der Fürstengruft zu belassen. Nach Schillers wahrem Schädel soll von Seiten der Stiftung nicht gesucht werden.[6]

Verwandtschaft

Friedrich von Schiller ist über den Schultheiß Johannes Vaut und Elisabeth von Plieningen mit anderen schwäbischen Dichtern und Wissenschaftlern verwandt:

Literaturgeschichtliche Bedeutung

Schillerbüste von Theodor Wagner (nach Johann Heinrich Dannecker)

Schiller ist ein Zeitgenosse des Übergangs vom absolutistischen zum bürgerlichen Zeitalter und der Französischen Revolution. Da sich das Bürgertum unter dem – in Deutschland kleinstaatlichen – Absolutismus nicht politisch artikulieren konnte und durfte, wurde die Literatur in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu einem zentralen Medium der Steigerung des bürgerlichen Selbstbewusstseins. Das Pathos und die Empfindsamkeit in Schillers Werken bis um 1785 sind Ausdruck der Entfaltung des Menschlichen, eines Prinzips, das der aristokratischen Herrschsucht entgegen gestellt wird. Das Bürgerliche Trauerspiel als überwiegendes Formelement (beziehungsweise dessen Gegensatz Menschlichkeit – Herrschsucht in den frühen Dramen bis Kabale und Liebe) spiegelt dies wider.

Nach der Periode zwischen 1785 und 1795 mit Werken wie Don Karlos und grundlegenden literaturtheoretischen Abhandlungen wie Über die ästhetische Erziehung des Menschen und Über naive und sentimentalische Dichtung entstehen zwischen 1795 und 1805 vor allem Dramen, die der Weimarer Klassik zuzuordnen sind. In ihnen setzte Schiller das Programm der ästhetischen Erziehung des Menschen um – Verstand und Gefühl zu verbinden. Er beabsichtigte, mit der Wirkung auf das Publikum durch den Wechsel von Idyllik und Dramatik den ästhetischen Menschen zu formen – als Voraussetzung für den gewaltfreien Übergang zu einem vernünftigen Staat und als Gegenprogramm zur Französischen Revolution wie auch zur zeitgenössischen Politik, in der er nur rohe Kräfte am Werk sah.

Schiller ist somit nicht nur Verfasser sprach- und bildkräftiger Dramen wie Die Räuber, Don Karlos, Die Jungfrau von Orleans oder Wilhelm Tell. Er brachte seiner deutschsprachigen Leserschaft auch in seinem, dem 18. Jahrhundert entwickelten die Vernunft-, Humanitäts- und Freiheitsideale näher. In Schillers eigenen Worten gesagt ist der „Bau einer wahren politischen Freiheit“ das „vollkommenste aller Kunstwerke“ (Über die ästhetische Erziehung des Menschen, Zweiter Brief).

Rezeption

Schillerdenkmal (1905) von Joseph Uphues in Wiesbaden

Schillers Werke wurden nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen europäischen Ländern begeistert aufgenommen, so beispielsweise im noch ungeeinten, unterdrückten Italien (vgl. Giuseppe Verdi) sowie auch im zaristischen Russland. Den einen galt Schiller als Dichter der Freiheit, anderen als Verteidiger bürgerlicher Gesittung. Die sprachgewaltige Eingängigkeit seiner Verse und seine pointensicheren Bühnendialoge sorgte dafür, dass sehr zahlreiche davon zu geflügelten Worten wurden. 1859 wurde sein 100. Geburtstag in ganz Europa und in den USA gefeiert. Der Verleger Johann Friedrich Cotta verkaufte bis 1867 insgesamt 2,4 Millionen Exemplare der Werkausgabe.

Detailaufnahme des Schillerdenkmals (1913) von Bertel Thorvaldsen in Stuttgart

Das deutsche Bürgertum pflegte dann im 19. und auch im frühen 20. Jahrhundert einen sich mehr und mehr verdinglichenden Umgang mit Schillers Werken. Man lernte Schiller auch deswegen auswendig, weil die Schulreformer des 19. Jahrhunderts ihn in die Lesebücher gebracht hatten, und benutzte ihn mehr und mehr als Eisernen Vorrat des „Kulturellen Kapitals“, um sich im Kampf um den sozialen Aufstieg einen komparativen Vorteil zu verschaffen  – weniger, um ihn als Künstler und Denker zur Kenntnis zu nehmen (vgl. Halbbildung). Sehr geschätzt wurde er als Freiheitsdichter in der deutschen Arbeiterbewegung und in den Arbeiterbildungsvereinen.

Die Nationalsozialisten versuchten nach ihrer Machtübernahme zunächst, Schiller als in ihrem Sinne "deutschen Dichter" für sich zu vereinnahmen. 1941 wurde jedoch die Aufführung des Wilhelm Tell auf Befehl Hitlers verboten; Auch Don Karlos wurde nicht mehr aufgeführt.

Goethe- und Schiller-Denkmal (1857) von Ernst Rietschel in Weimar, Kranzniederlegung zum 200. Geburtstag Schillers 1959 (links: Kranz von Wilhelm Pieck)

In der DDR bemühte man sich um die ideologische Integration Schillers. In der DDR galt er als „fortschrittlicher Bürgerlicher“, der so den Kommunismus mit vorbereitet habe. Anlässlich seines 200. Geburtstages wurden 1959 aufwändige Feiern veranstaltet. Nicht das ganze Schillersche Œuvre erfreute sich allerdings der Wertschätzung des Regimes. Auch hier wurde das allzu freiheitliche Theaterstück Don Karlos („Sire, Geben Sie Gedankenfreiheit“) in der Spätphase nicht mehr aufgeführt.

Die Rede Versuch über Schiller – Zum 150. Todestag des Dichters, die Thomas Mann kurz vor seinem Tod im Mai 1955 in beiden Teilen des geteilten Deutschlands hielt, war eine 'Liebeserklärung' an Schiller und zugleich ein Appell an die Deutschen, die aus den letzten beiden Kriegen scheinbar nichts gelernt hatten. In Weimar hielt auch der Kulturminister der DDR Johannes R. Becher eine Rede anlässlich des 150. Todestages.

Im Schillerjahr 2005 wurde dann aber deutlich, dass sein Werk auch in der vereinten deutschen Republik eher kalendarisch als mit allgemeinem Zuspruch gewürdigt wurde. Die schillerbezogene Literaturwissenschaft nahm zwar neuen Aufschwung, doch die Massenmedien handelten den Gedenktag in der Hauptsache biografisch ab. In öffentlichen Veranstaltungen vermochten seine Texte allerdings durchaus Funken zu schlagen, sofern sie im Original rezitiert wurden. Hingegen riefen Travestien oder aktualisierende Bearbeitungen kein großes Echo hervor. Die Originale waren nicht mehr bekannt genug. Der Typus des Bildungsbürgers, der seinen Schiller intus hat, kann beim Theaterpublikum und der Leserschaft heute nicht mehr vorausgesetzt werden.

Das ist literatursoziologisch interessant. Eugen Rosenstock-Huessy hat darauf hingewiesen, dass im Zuge des sozialen Wandels nach etwa 130 Jahren ganze Kulturbestände aus dem Gedächtnis der neuen Generationen verschwinden können. Angesichts dessen sind heute [2007] Schillers Texte immerhin einem Teil der deutschen Bildungseliten bemerkenswert nahe – näher jedenfalls als es Schillers Zeitgenossen die damals ebenso weit zurückliegende, aber fast vergessene deutsche Barockliteratur vor und aus dem Dreißigjährigen Krieg gewesen war.

Schillerpreise

Folgende Schillerpreise wurden gestiftet:

Briefmarken und Münzen

Siehe auch

Werke

Dramatische Werke

Erzählprosa

Lyrik

Philosophische Schriften

Erste Seite aus den Briefen über die ästhetische Erziehung: Faksimile aus den Horen.

Historische Werke

Übersetzungen und Nachdichtungen

Herausgegebene Zeitschriften

Vertonungen

Schillers Dramen und Gedichte haben zahlreiche Komponisten zur Vertonung – teils im Original und teils in einer bearbeiteten Fassung – angeregt. Hier eine Auswahl:

Literatur

  • Ludwig Börne: Dramaturgische Blätter. Über den Charakter des Wilhelm Tell in Schillers Drama, 1828, in: Sämtliche Schriften. Band I. Düsseldorf 1964
  • Gert Sautermeister: Idyllik und Dramatik im Werk Friedrich Schillers. Kohlhammer, Stuttgart 1971
  • Friedrich Schiller. Eine Dokumentation in Bildern. Schiller-Nationalmuseum, Marbach 1979; Lizenzausgabe Insel, Frankfurt am Main
  • Arnd Meusburger: Die bürgerlichen Ideale des 18. Jahrhunderts in Schillers Dramen 1780–1804. Dissertation, Universität Innsbruck 1985
  • Peter-André Alt: Schiller. Leben – Werk – Zeit. 2 Bände. Verlag C. H. Beck, München 2000, ISBN 3-406-45905-6 und ISBN 3-406-46225-1
  • Claudia Pilling: Friedrich Schiller. Biographie. Rowohlt, Reinbek 2002, ISBN 3-499-50600-9
  • Rüdiger Safranski: Friedrich Schiller oder Die Erfindung des Deutschen Idealismus. Biographie. Hanser, München 2004, ISBN 3-446-20548-9 (auch Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft)
  • Rüdiger Safranski: Schiller als Philosoph – Eine Anthologie. wjs-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-937989-08-0
  • Sigrid Damm: Das Leben des Friedrich Schiller. Insel, Frankfurt 2004, ISBN 3-458-17220-3
  • Frank Druffner, Martin Schalhorn: Götterpläne und Mäusegeschäfte – Schiller 1759–1805. Marbacher Katalog 58, Marbach 2005, ISBN 3937384111
  • Günther Emig und Peter Staengle: Schiller in Heilbronn. 2005.
  • Jörg Aufenanger: Schiller und die zwei Schwestern . Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2004, ISBN 3-423-24446-1
  • Der Regimentsmedicus Schiller – Arzt, Autor, Fahnenflüchtiger. Hörbuch. Berlin 2005, ISBN 3-9810256-3-6
  • Stephan Füssel: Schiller und seine Verleger, Insel Verlag, Frankfurt a.M. – Leipzig 2005, ISBN 3-458-17243-2
  • Johannes Lehmann: Unser armer Schiller – eine respektlose Annäherung. Biographie. Rowohlt, Reinbek 2005, ISBN 3-499-23270-7
  • Thilo Dinkel, Günther Schweizer: Vorfahren und Familie des Dichters Friedrich Schiller. Eine genealogische Bestandsaufnahme. Südwestdeutsche Ahnenlisten und Ahnentafeln Bd. 4, Verein für Familien- und Wappenkunde in Württemberg und Baden e.V., Stuttgart 2005, ISBN 3-934464-08-4
  • Wilfried Noetzel: Friedrich Schillers Philosophie der Lebenskunst. Zur Ästhetischen Erziehung als einem Projekt der Moderne. Turnshare, London 2006, ISBN 1-903343-91-7
  • Theobald Ziegler: Friedrich Schiller, Nachdruck, Schutterwald/Baden 1998, ISBN 978-3-928640-37-4
  • Anna Nalbandyan: Schillers Geschichtsauffassung und ihre Entwicklung in seinem klassischen Werk". Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2008, ISBN 978-3-8300-3517-6
  • Rostislav Danilevskij: Schiller in der russischen Literatur. Dresden University Press, 1998.
  • Olga Gronskaja: Friedrich Schillers Gedichte in russischen Übersetzungen. In: Friedrich Schiller: Die Größe der Welt. Berlin: Regine Dehnel, 2007.
  • Norbert Oellers und Robert Steegers: Weimar. Literatur und Leben zur Zeit Goethes. Reclam, Stuttgart, 2009, ISBN 978-3-15-020182-4.

Weblinks

Werke im Volltext

Belege

  1. Besser bekannt unter dem Titel der Veröffentlichung Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet
  2. Anna Maria Jakobine (Minna) (* 11. März 1762; † 20. August 1843) und Johanna Dorothea (Dora) Stock (* 6. März 1760 (1759); † 30. Mai 1832)
  3. Lenning: Allgemeines Handbuch der Freimaurerei. Zweiter Band. Max Hesse's Verlag. 1901.
  4. Friedrich Schiller
  5. Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurer Lexikon. Herbig Verlag, 5. Auflage 2006, ISBN 978-3-7766-2478-6
  6. (http://www.mdr.de/tv/schiller/5473013.html)
  7. Tafel 3 Schillers Verwandtschaft mit großen Schwaben (nach Faber, ergänzt durch Lauxmann)

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