Friedrich Ludwig Haarmann

Friedrich Ludwig Haarmann

Friedrich Ludwig Haarmann (* 25. April 1798 in Holzminden; † 26. Juli 1864 ebenda) war ein deutscher Architekt und Baubeamter, er arbeitete als Kreisbaumeister in Holzminden und gründete dort die erste deutsche Baugewerkschule.

Leben und Wirken

Friedrich Ludwig Haarmann wuchs als Sohn des Oberförsters Johannes Christoph Haarmann († 1842) auf, der bis 1813 in Holzminden (Königreich Westphalen) tätig war. 1814 nach der Übernahme der Stadt durch das Herzogtum Braunschweig wurde sein Vater nicht weiter als Oberförster angestellt und gründete daraufhin eine Steingutfabrik in Holzminden, die später in eine Topffabrik umgewandelt wurde. 1817 wurde der Vater in der Stadt als Kammerbaumeister angestellt. Seine Mutter war Johanna Friederike Auguste Klingemann († 1857), die Tochter eines Kaufmanns aus Stadtoldendorf. Friedrich Ludwig war das erste Kind dieser Ehe und besuchte später das Gymnasium in Holzminden. Ab 1816 studierte Haarmann im Hinblick auf eine spätere Übernahme der väterlichen Fabrik Chemie und Mineralogie sowie das „höhere Baufach“ in Göttingen. Ab 1817 übernahm er zunehmend Aufgaben in der väterlichen Fabrik, überließ sie dann den Geschwistern um sich dem Baufach zu widmen. Während seiner Ausbildung nahm er auf seinen Wunsch hin auch als Volontär bei dem Kammerrat und Architekten Krahe in Braunschweig an, wo er bei den Bauprojekten Neubau der Holzmindener Straße, Städtische Bauten in Wolfenbüttel und dem Abriss der Festungswerke beschäftigt war. Ab April 1921 erhielt er eine jährliche Remuneration (Vergütung). Ab 3. Februar 1824 wurde er als Kammer-Bau-Conducteur in der Bauverwaltung des Herzogs von Braunschweig angestellt, aber schon zum 1. September 1824 nach Holzminden versetzt, um unter Aufsicht seines Vaters den Bau der dortigen Kloster- und Stadtschule auszuführen. Am 2. August 1825 heiratete er Sophie Luise Henriette Löbbecke († 1854), die Tochter eines Kaufmanns in Braunschweig. Nach der Pensionierung des Vaters wurde Friedrich Ludwig Haarmann zum 1. Januar 1835 Kreisbaumeister und führte selbständig die Bauverwaltung des Weserkreises und war auch Vorsitzender der Prüfungskommission für die am 29. Oktober 1821 im Herzogtum wieder eingeführte Meisterprüfung für Bauhandwerker (Gewerbe- und Gildeordnung).

1842 verfasste er einen „Leitfaden zur Veranschlagung der Bauentwürfe“, dessen Heftauflage 1862 bereits in 4. Auflage erschien, und begründete 1857 die „Zeitschrift für Bauhandwerker“ die im Knapp-Verlag in Halle an der Saale erschien und unter Mitwirkung der Lehrer der Baugewerkschule war Haarmann der Herausgeber. 1853 wurde Haarmann Mitglied des Architekten- und Ingenieur-Vereins Hannover. Am 1. März 1862 wurde er von seinen Dienstgeschäften befreit und als Beamter in den Ruhestand versetzt. Am 26. Juli 1864 verstarb Haarmann an den Folgen eines Schlaganfalls. Ihm zu Ehren wurde ein Standbild am 4. Januar 1869 vor der Baugewerkschule errichtet.

Baugewerkschule Holzminden

Hauptartikel: Baugewerkschule Holzminden
Die HAWK Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen (ehemalige Baugewerkschule) in Holzminden

Wegen der von ihm festgestellten zum Teil geringen Voraussetzungen der Gesellen für den Meisterbrief begann Haarmann, den künftigen Prüflingen abends unentgeltlichen Unterricht in Deutsch, Fachzeichnen und Mathematik zu erteilen. Ab 1829 gab auch der Bauverwalter Hanemann für die Gesellen Nachilfeunterricht. 1830/1831 gründete er mit sieben Schülern die erste deutsche Baugewerkschule in dem staatlichen Steinschleifergebäude, die Unterricht während des Winters (außerhalb der damaligen Bausaison) anbot. Die Schule, die 1838 angesichts steigenden Zuspruchs in das Davinsche Haus (heute Katasteramt) umziehen musste, wurde bald Modell für weitere Schulgründungen in Nord- und schließlich auch Süddeutschland.

Von 1861 an bot die Baugewerkschule Holzminden unter Haarmann ganzjährig Unterricht an. Nach Haarmanns Tod folgte ihm sein Sohn Gustav Haarmann im Amt des Schulleiters nach. Nach dessen Tod am 23. Februar 1891 ging dieses Amt auf den Enkel Ludwig Haarmann über. Während des Wintersemesters 1876/1877 nahmen bereits über 1.000 Studenten am Unterricht teil. 1896 wurde die unter Aufsicht des Staates gestellte Schule der Stadt Holzminden als Besitz übertragen. Hierdurch konnten erstmals Lehrer fest angestellt werden und unter der Leitung des Architekten Opitz wurde ein Neubau für die Bauschule errichtet, welcher 1902 eingeweiht wurde. Von 1913 bis 1939 führte die Bauschule den Titel Braunschweigische Landesbauschule zu Holzminden. 1939 wurden mit der Umbenennung in Staatsbauschule für Hoch- und Ingenieurbau die ersten Zeugnisse ausgegeben.

Im Zweiten Weltkrieg war der Lehrbetrieb stark eingeschränkt und fand mit dem Brand des Schulgebäudes im April 1945 sogar sein vorläufiges Ende, konnte allerdings im November 1945 – Dank der Initiative von Lehrern und Schülern – in notdürftig hergerichteten Kellerräumen wieder aufgenommen werden. Der Wiederaufbau der „Bauschule“, dem sich der neue Direktor Daming in besonderem Maße widmete, konnte nicht zuletzt durch die materielle Hilfe der Absolventenvereinigung und der Altherrenschaften bewerkstelligt werden.

1959 bekam die Schule abermals einen neuen Namen. Als Staatliche Ingenieurschule für Bauwesen Holzminden ging diese in den Zuständigkeitsbereich des Kultusministeriums über.

Der Übergang zur Fachhochschule vollzog sich im Wintersemester 1971/1972, wobei Zentralisierungsbestrebungen zur Schaffung einer Fachhochschule Hildesheim/Holzminden führten und nach 140 Jahren die Eigenständigkeit der Holzmindener Bauschule aufgegeben werden musste.

Heute gehört der Standort Holzminden mit der Fakultät Management, Soziale Arbeit, Bauen und seinen über 1000 Studierenden in den Studiengängen Baumanagement, Gebäudetechnik, Wirtschaftsingenieur, Immobilienwirtschaft und -management und der Soziale Arbeit gemeinsam mit Göttingen und Hildesheim zum Hochschulverbund der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst.

Literatur


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