Französische Nationalhymne

Französische Nationalhymne
Marche des Marseillois chantée sur diferans theatres. Früher Druck der Marseillaise aus dem Jahr 1792.
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Die Marseillaise ist die Nationalhymne der Französischen Republik.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Ursprung der Marseillaise

Die Marseillaise wurde von Claude Joseph Rouget de Lisle in der Nacht auf den 26. April 1792 während der Kriegserklärung an Österreich im elsässischen Straßburg verfasst. Sie hatte zunächst den Titel Chant de guerre pour l’armée du Rhin, d. h. „Kriegslied für die Rheinarmee“, und war dem Oberbefehlshaber und Gouverneur von Straßburg, dem im Jahr zuvor zum Marschall von Frankreich ernannten Grafen Luckner gewidmet. Daher ertönt die Marseillaise noch heute täglich um 12:05 Uhr vom Glockenspiel auf dem Marktplatz in Cham in der Oberpfalz, dem Geburtsort des Grafen.

Bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde bestritten, dass de Lisle Urheber der Marseillaise sei; Mitte des 19. Jahrhunderts und erneut 1915, anlässlich der Überführung von de Lisles Gebeinen in den Invalidendom in Paris, erschienen Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, denen zufolge die Melodie ausgerechnet von einem deutschen Komponisten (einem gewissen Organisten Holtzmann in Meersburg) stamme oder jedenfalls auf eine alte deutsche Melodie zurückgehe. Diese Behauptung taucht immer wieder auf (zumeist anekdotisch oder im Zusammenhang einer Polemik gegen französische Staatssymbole), obwohl sie spätestens seit 1922 als überzeugend widerlegt gelten kann.[1]

Nationalhymne in Frankreich

Das Lied erhielt den Namen Marseillaise, weil es von Soldaten aus Marseille beim Einzug in Paris gesungen wurde. Am 14. Juli 1795 wurde die Marseillaise zur französischen Nationalhymne erklärt.

Vorher waren ab 1790 verschiedene Hymnen gespielt worden. Vor 1790 war die Königshymne Frankreichs Nationalhymne. Die Königshymne war der Marche de Henri IV.

Ab 1804 bis 1814 bzw. 1815 unter Napoleon war Le chant du Départ die Nationalhymne Frankreichs. In der Zeit war die Marseillaise zwar nicht verboten, weil Napoleon selbst Anhänger der Französischen Revolution war, aber sie wurde auch nicht besonders geachtet.


Während der Restauration war die Marseillaise verboten und kam erst nach der Julirevolution von 1830 wieder zu Ehren, wenngleich offizielle Nationalhymne das Lied La Parisienne war. Während des Zweiten Kaiserreichs erfüllte die Funktion einer Nationalhymne hingegen das Lied Partant pour la Syrie. In der Dritten Republik (1871–1940) wurde die Marseillaise erneut Nationalhymne.

Im Vichy-Regime (1940–1945) hatte das Lied Maréchal, nous voilà einen ähnlichen Rang wie die Marseillaise inne, auf welche es zu folgen oder die es sogar zu ersetzen pflegte. Das Erziehungsministerium verordnete 1944 das Singen der Nationalhymne in den Schulen, was aber heute nicht mehr praktiziert wird. Die Verfassungen der Vierten Republik (1946) und der Fünften Republik 1958 hielten an der Marseillaise als Nationalhymne fest (Artikel 2 der französischen Verfassung von 1958)

Andere Fassungen der Marseillaise

Rouget de Lisle chantant la Marseillaise. Das im 19. Jahrhundert entstandene Gemälde des französischen Malers Isidore Pils zeigt den Verfasser der Marseillaise im Salon des Straßburger Bürgermeisters Philippe-Frédéric de Dietrich.

Es gibt auch andere Fassungen der Marseillaise, so eine 1792 vom deutschen Jakobiner Friedrich Lehne (1771–1836) gedichtete Fassung der Marseillaise aus der Mainzer Republik (Lied der freyen Wöllsteiner). Nach dem Deutsch-Französischen Krieg wurde 1892 von Schülern einer französischen Primarschule eine „Friedens-Marseillaise“ verfasst (siehe unten).

Im 19. Jahrhundert war die Marseillaise die Hymne vieler Freiheitsbewegungen und auch der Arbeiterbewegung, beispielsweise als Deutsche Arbeiter-Marseillaise für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV). Erst als die Marseillaise zur Nationalhymne wurde, wurde sie als Lied der internationalen Arbeiterbewegung von der Internationale abgelöst.

1914 entstand eine anlässlich des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs explizit gegen Deutschland gerichtete Fassung.

Mit einem russischen Text „Otretschomsja ot starowo mira(Lasst uns die alte Welt verdammen) war die Marseillaise als Марсельеза (Marseljesa) während der Zeit der Provisorischen Regierung der Februarrevolution 1917 vom Februar bis zum November jenes Jahres auch russische Nationalhymne.

Weitere Fassungen sind eine pazifistische Fassung (La Marseillaise pour le désarmément), ein Text für die Bewohner der ehemaligen Kolonien (La Marseillaise des Citoyens des Couleurs) und eine Marseillaise „für alle, die das Leben lieben“ (La Marseillaise Bacchique).

Eine Kuriosität: der "Paris-Walzer" op. 101 ( 1838 ) von Johann Strauß Vater bringt eine Dreivierteltaktversion kurz vor Schluß.

Texte

Nationalhymne

Französischer Originaltext Deutsche Übersetzung
Allons enfants de la Patrie,
Le jour de gloire est arrivé!
Contre nous de la tyrannie,
L’étendard sanglant est levé.(2x)
Entendez-vous dans les campagnes
Mugir ces féroces soldats?
Ils viennent jusque dans vos bras
Egorger vos fils, vos compagnes.
Auf, Kinder des Vaterlands!
Der Tag des Ruhms ist da.
Gegen uns wurde der Tyrannei
Blutiges Banner erhoben. (2 x)
Hört ihr im Land
Das Brüllen der grausamen Krieger?
Sie rücken uns auf den Leib,
Eure Söhne, Eure Ehefrauen zu köpfen!
Refrain:
Aux armes, citoyens,
Formez vos bataillons,
Marchons, marchons!
Qu’un sang impur
Abreuve nos sillons!
(bis)
Refrain:
Zu den Waffen, Bürger!
Schließt die Reihen,
Vorwärts, marschieren wir!
Das unreine Blut
tränke unserer Äcker Furchen!
(wiederholen)
Que veut cette horde d’esclaves,
De traîtres, de rois conjurés?
Pour qui ces ignobles entraves,
Ces fers dès longtemps préparés? (bis)
Français, pour nous, ah! quel outrage
Quels transports il doit exciter!
C’est nous qu’on ose méditer
De rendre à l’antique esclavage!
Refrain
Was will diese Horde von Sklaven,
Von Verrätern, von verschwörerischen Königen?
Für wen diese gemeinen Fesseln,
Diese seit langem vorbereiteten Eisen? (2 x)
Franzosen, für uns, ach! welche Schmach,
Welchen Zorn muss dies hervorrufen!
Man wagt es, daran zu denken,
Uns in die alte Knechtschaft zu führen!
Refrain
Quoi! des cohortes étrangères
Feraient la loi dans nos foyers!
Quoi! ces phalanges mercenaires
Terrasseraient nos fiers guerriers. (bis)
Grand Dieu! par des mains enchaînées
Nos fronts sous le joug se ploieraient.
De vils despotes deviendraient
Les maîtres de nos destinées!
Refrain
Was! Ausländische Kohorten
Würden über unsere Heime gebieten!
Was! Diese Söldnerscharen würden
Unsere stolzen Krieger niedermachen! (2 x)
Großer Gott! Mit Ketten an den Händen
Würden sich unsere Häupter dem Joch beugen.
Niederträchtige Despoten würden
Über unser Schicksal bestimmen!
Refrain
Tremblez, tyrans, et vous perfides
L’opprobre de tous les partis,
Tremblez! vos projets parricides
Vont enfin recevoir leurs prix! (bis)
Tout est soldat pour vous combattre,
S’ils tombent, nos jeunes héros,
La terre en produit de nouveaux,
Contre vous tout prêts à se battre!
Refrain
Zittert, Tyrannen und Ihr Niederträchtigen
Schande aller Parteien,
Zittert! Eure verruchten Pläne
Werden Euch endlich heimgezahlt! (2 x)
Jeder ist Soldat, um Euch zu bekämpfen,
Wenn sie fallen, unsere jungen Helden,
Zeugt die Erde neue,
Die bereit sind, gegen Euch zu kämpfen
Refrain
Français, en guerriers magnanimes,
Portez ou retenez vos coups!
Epargnez ces tristes victimes,
A regret s’armant contre nous. (bis)
Mais ces despotes sanguinaires,
Mais ces complices de Bouillé
Tous ces tigres qui, sans pitié,
Déchirent le sein de leur mère!
Refrain
Franzosen, Ihr edlen Krieger,
Versetzt Eure Schläge oder haltet sie zurück!
Verschont diese traurigen Opfer,
Die sich widerwillig gegen uns bewaffnen. (2 x)
Aber diese blutrünstigen Despoten,
Aber diese Komplizen von Bouillé,
Alle diese Tiger, die erbarmungslos
Die Brust ihrer Mutter zerfleischen!
Refrain
Amour sacré de la Patrie,
Conduis, soutiens nos bras vengeurs.
Liberté, Liberté chérie,
Combats avec tes défenseurs! (bis)
Sous nos drapeaux que la victoire
Accoure à tes mâles accents,
Que tes ennemis expirants
Voient ton triomphe et notre gloire!
Refrain
Heilige Liebe zum Vaterland,
Führe, stütze unsere rächenden Arme.
Freiheit, geliebte Freiheit,
Kämpfe mit Deinen Verteidigern! (2 x)
Unter unseren Flaggen, damit der Sieg
Den Klängen der kräftigen Männer zu Hilfe eilt,
Damit Deine sterbenden Feinde
Deinen Sieg und unseren Ruhm sehen!
Refrain
Nous entrerons dans la carrière
Quand nos aînés n’y seront plus,
Nous y trouverons leur poussière
Et la trace de leurs vertus! (bis)
Bien moins jaloux de leur survivre
Que de partager leur cercueil,
Nous aurons le sublime orgueil
De les venger ou de les suivre.
Refrain
Wir werden des Lebens Weg weiter beschreiten,
Wenn die Älteren nicht mehr da sein werden,
Wir werden dort ihren Staub
Und ihrer Tugenden Spur finden. (2 x)
Eher ihren Sarg teilen
Als sie überleben wollen,
Werden wir mit erhabenem Stolz
Sie rächen oder ihnen folgen.
Refrain

Die Friedens-Marseillaise

Lehrerverbände brachten den Text der 1892 nach dem Deutsch-Französischen Krieg von Schülern der Primarschule von Cempuis (Oise) verfassten Friedens-Marseillaise[2] in Umlauf.

Deuxième couplet Zweite Strophe
Quoi! d’éternelles représailles
Tiendraient en suspens notre sort!
Quoi, toujours d’horribles batailles
Le pillage, le feu, et la mort (bis)
C’est trop de siècles de souffrances
De haine et de sang répandu!
Humains, quand nous l’aurons voulu
Sonnera notre délivrance!
Wie? Diese immerwährende Vergeltung
zieht unser Schicksal in die Schwebe
Wie, immer die schrecklichen Schlachten
Plünderei, Brand und Tod (2 x)
Das ist zuviel, Jahrhunderte von Leiden,
Hass und vergossenem Blut!
Menschen, wenn wir es wollten,
können wir die Erlösung einläuten!

Kritik

Der Text der Marseillaise wurde wegen seiner Kriegslüsternheit und Gewalttätigkeit immer wieder kritisiert, auch in Frankreich selbst. Die kriegerische Wortwahl ist allerdings nicht weiter verwunderlich, denn die Marseillaise ist als Schlachtgesang des ersten Koalitionskrieges entstanden, in dem das revolutionär geführte Frankreich gegen den aristokratischen Rest Europas kämpfen musste. Insofern wird auch heute noch der Text von den meisten als Ausdruck des gerechten Auflehnens gegen Unterdrückung empfunden. Unter diesem Vorzeichen sind auch Aufrufe wie „Zu den Waffen, Bürger!” zu verstehen.

Die Formulierung „unreines Blut” wird häufig als rassistisch verstanden. Auch wenn an einigen Stellen gegen das Ausland wegen seiner tyrannischen Herrschaftsform gewettert wird, ist hier wahrscheinlich aber nicht nur ausländisches, sondern auch das Blut der Adeligen, der „Blaublütigen”, gemeint. Dieses galt in den Augen des Volkes ebenfalls als unrein, weil die europäischen Adelsfamilien - insbesondere die Königshäuser - untereinander heirateten und sich damit vermischten.

Einzelnachweise

  1. Edgar Istel. Is the Marseillaise a German Composition? (The History of a Hoax), in: The Musical Quarterly, 8 (1922), S. 213–226.
  2. La Marseillaise de la Paix

Literatur

Siehe auch

Weblinks


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