Frankfurter Wertpapierbörse


Frankfurter Wertpapierbörse
Frankfurter Wertpapierbörse
Rechtsform unselbständige Anstalt des öffentlichen Rechts[1]
Gründung 1585
Sitz Frankfurt am Main
Branche Börsen
Produkte Finanzdienstleistungen
Website www.boerse-frankfurt.com
Frankfurter Wertpapierbörse

Die Frankfurter Wertpapierbörse (FWB) ist die bedeutendste deutsche Börse mit Sitz in Frankfurt am Main. Betreiber und Träger sind die Deutsche Börse AG und die Scoach Europa AG.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Alte und Neue Börse

Alte Börse, ca. 1845
Innenraum der Alten Börse, 1845

Zur Geschichte der Frankfurter Börsenwesens bis zum Bau der Neuen Börse siehe: Alte Börse (Frankfurt)

Seit 1843 besaß die Frankfurter Wertpapierbörse, nachdem sie fast anderthalb Jahrhunderte zur Miete im Haus Braunfels am Liebfrauenberg untergebracht gewesen war, erstmals ein eigenes Börsengebäude. Damals war jedoch sowohl das rasante Wachstum der Stadt als auch die Bedeutung, die der Börsenhandel einmal erlangen sollte, völlig unterschätzt worden, so dass die Alte Börse schon nach wenig mehr als 30 Jahren völlig unterdimensioniert war.

Bald stand fest, dass ein neues Gebäude im Nordwesten der Neustadt, auf dem Gebiet der frühneuzeitlichen Anlagen des Rahmhofs und des Taubenhofs entstehen würde, der dafür ebenso wie zahlreiche Häuser für die Durchbrüche der umgebenden Straßen weichen musste. 1879 wurde die von den Frankfurter Architekten Heinrich Burnitz und Oskar Sommer entworfene Neue Börse eingeweiht.

Trotz der mit der industriellen Revolution aufkommenden Aktien lag der Schwerpunkt des Frankfurter Börsenhandels weiterhin auf dem Handel mit Obligationen.

Während des Ersten Weltkrieges wurde der Handel mit ausländischen Wertpapieren nach und nach eingestellt. Dies zerstörte auch die guten internationalen Kontakte der Frankfurter Börse. Während der Inflation fielen Wertpapiere, die einen Geldwert ausdrückten, ins Bodenlose. Aktien wurden hingegen zum begehrten Spekulationsobjekt.

Während der Herrschaft der Nationalsozialisten wurde der freie Markt stark behindert. Das Kapital der Anleger sollte nach dem Willen der Machthaber weitgehend der Kriegswirtschaft zugute kommen und durfte daher nicht mehr in größere Anleihen oder Aktien investiert werden. Dennoch fand weiter ein gewisser Börsenhandel statt. Selbst während des Bombenhagels 1944, bei dem das Frankfurter Börsengebäude schwer beschädigt wurde, handelten Makler in den Kellerräumen der Börse.[2] Nach der Kapitulation des Deutschen Reiches blieb die Börse zunächst für ein halbes Jahr geschlossen. Bereits im September 1945 konnte sie jedoch als erste deutsche Börse wiedereröffnet werden.

Nach der Währungsreform 1948 und mit dem deutschen Wirtschaftswunder stieg die Frankfurter Wertpapierbörse in der internationalen Geltung wieder auf. Mit der Erlaubnis zum Handel ausländischer Börsenpapiere im Jahre 1956 konnte die Börse wieder die deutsche Spitzenposition einnehmen.

Parkettumbau

Von Oktober 2006 bis Februar 2007 wurde der Handelssaal der Frankfurter Wertpapierbörse restauriert. Die hauptsächlich optische Erneuerung sollte nach Angaben der Deutsche Börse vor allem alte Technik durch neue ersetzen. Die vorher rechteckigen Schranken sind nun rund. Für Börsengänge wurden zwei gesonderte Arbeitsplätze unter der bekannten DAX-Tafel eingerichtet. Zudem wurde eine neue Lichterdecke installiert. Erhalten blieb allerdings die Kursanzeige, wie beispielsweise die DAX-Tafel, dies soll nach Angaben des Unternehmens zur Wiedererkennung beitragen.

Der Umbau fand bei laufendem Handel statt. Die TV-Sender berichteten aus den übrigen Räumen, hauptsächlich dem ehemaligen Rentensaal. Die Besuchergalerie war während der Arbeiten zwar geöffnet, gewährte jedoch nur einen eingeschränkten Einblick auf die Baustelle. Nach vier Monaten Bauzeit wurde der Handelssaal am 26. Februar 2007 wieder eröffnet.[3]

Heute

Börse vom Main Tower
Bulle und Bär vor dem Gebäude als Symbol für die steigenden und fallenden Aktienkurse
Innenansicht mit Blick auf die DAX-Kurstafel

Heute ist die Frankfurter Wertpapierbörse eine der größten Börsen für Wertpapiere der Welt. Betreiberin und Träger ist die Deutsche Börse AG. Im Jahr 2000 wurde die Neue Börse im Industriehof in Frankfurt am Main in einem neuen Gebäude bezogen. Im Jahr 2005 wurden an den deutschen Börsen rund 3,8 Billionen Euro umgesetzt. Dabei entfielen vom Gesamtumsatz rund 3,2 Billionen Euro auf Aktien, Optionsscheine und börsengehandelte Fonds und rund 615 Milliarden Euro auf Anleihen. Der Aktienumsatz betrug 1,3 Billionen Euro, bei deutschen Aktien entfallen rund 98 % des Handels auf die Frankfurter Wertpapierbörse und Xetra, das elektronische Handelssystem der Deutschen Börse. Im Oktober 2008 entfielen 97 % der Umsätze in deutschen Aktien auf Xetra und die Frankfurter Parkettbörse. Bei ausländischen Aktien liefen über 86 % des Umsatzes über Xetra und den Präsenzhandel.[4]

Anfang November 2010 wurde die neue Konzernzentrale der Deutschen Börse AG von Frankfurt am Main nach Eschborn verlegt und das Gebäude Neue Börse aufgegeben. Im Gewerbegebiet von Eschborn wurden für die Deutsche Börse AG ein neues Gebäude mit Namen The Cube und ein großes Parkhaus errichtet. Der Konzern investierte in den Standort Eschborn, in dem rund 2000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz haben werden, rund 200 Millionen Euro. Der Umzug hatte steuerliche Gründe, da Eschborn einen wesentlich niedrigeren Gewerbesteuerhebesatz als Frankfurt am Main hat.

Handel

Die Deutsche Börse deckt nach eigener Auskunft alle Produkte und Dienstleistungen ab, die zum Börsengeschäft gehören: vom Aktien- und Terminhandel über die Abwicklung der Aufträge und die Bereitstellung der Marktinformationen bis zur Entwicklung und zum Betrieb der elektronischen Handelssysteme. Handelszeiten sind börsentäglich 9:00 bis 17:30 Uhr (XETRA) und 08:00 bis 20:00 (Parketthandel). Der Parketthandel wurde am 23. Mai 2011 auf die Xetra®-Technologie überführt.[5] Hierdurch wurden die bisherigen Skontroführer zu sogenannten „Spezialisten“.[5]

Medien

Einige Fernsehanstalten berichten mehrmals täglich live aus der Börse. Pionier der ausführlichen Live-Berichterstattung war die Telebörse ab 1987 bei Sat.1, heute bei n-tv. Außerdem ist die ARD über den Hessischen Rundfunk vertreten. Mit einem Fernsehteam wird unter anderem die Sendung "Börse im Ersten" produziert, welche kurz vor der Tagesschau um 20.00 Uhr auf Das Erste ausgestrahlt wird. Auch berichten die Fernsehsender DAF, Bloomberg Television, ZDF, CNBC Europe und DW-TV von der Börse.

Rechtliches

Die Börsenaufsicht über die Frankfurter Börse wird durch das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung wahrgenommen:

Die profitorientierte Deutsche Börse AG, die sich inzwischen zu 93 Prozent in ausländischen Händen befindet, ist gar keine Börse, sie darf lediglich die FWB betreiben. Letztere wiederum ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt […] Die rechtlichen Möglichkeiten des Börsenrates, auf den Betreiber einzuwirken, sind enorm[6]

Literatur

  • Wolf-Christian Setzepfandt: Architekturführer Frankfurt am Main/Architectural Guide. 3. Auflage. Dietrich Reimer Verlag, Berlin August 2002, ISBN 3-496-01236-6, S. 31 (deutsch, englisch).

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Frankfurter Wertpapierbörse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Die Rechtsform deutscher Wertpapierbörsen, Abfragedatum: 12. September 2011.
  2. Deutsche Börse: Historie der FWB - Kriege, Aktien, Wirtschaftswunder - 20. Jahrhundert, abgerufen am 26. Oktober 2008
  3. Börse mit neuem Gesicht, hr-online mit dpa-Material
  4. ROUNDUP/Deutsche Börse: Umsatzanstieg auf Xetra im Oktober von 25 Prozent
  5. a b Bericht bei ARD vom 23. Mai 2011 (letzter Zugriff am 13. Juli 2011)
  6. Robert von Heusinger: "Börse: Zerreissprobe" In: DIE ZEIT Nr. 21 vom 19. Mai 2005, S. 40
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