Flößen

Flößen
Flößerei in Kanada

Flößerei und Trift (von „treiben“ im Sinne von „treiben lassen“) bedeuten Transport von schwimmenden Baumstämmen oder von Scheit- oder Schnittholz auf Wasserstraßen, wie er bis etwa zum Beginn, gelegentlich auch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts üblich war. Dabei wird unterschieden, ob das Holz zusammengebunden ist. Ist das der Fall, spricht man vom Flößen, wenn nicht, vom Triften. Das Flößen wird auch als Schwemmen (also „schwimmen lassen“) bezeichnet. Die Baumstämme wurden zu Gestören zusammengebunden und so große Holzmassen durch die Flößer auf den Flüssen transportiert. Dadurch werden bestimmte Stoffe wie beispielsweise Salze aus dem Holz gewaschen. Als Folge dessen verwirft sich das Holz bei der anschließenden Trocknung nicht so stark.

Besonders gefährlich beim Flößen waren die Fahrten durchs Wehr, das ein Gefälle über einem Meter haben konnte und bei dem der Flößer manchmal tief ins Wasser geriet. Hinter dem Wehr befanden sich oft Strudel und Untiefen. Flößer standen häufig an diesen Stellen bereit, um im Notfall helfen zu können.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Flößerei

Darstellung der Flößerei am Oberrhein, um 1600

Die Flößerei als Holztransportmittel ist ein sehr altes Gewerbe. Bereits im Alten Testament (1. Könige 5) wird davon berichtet, dass Hiram, der König von Tyros, Zedern- und Tannenholz in Form von Flößen über das Meer lieferte. Empfänger war Salomo, der das Königreich Israel von ca. 965 v. Chr. bis ca. 926 v. Chr. regiert haben soll.

Wahrscheinlich wurde im zirkummediterranen Raum früher geflößt als in Deutschland und Mitteleuropa. Lange Zeit galt eine im Archiv der Stadt Heilbronn befindliche Urkunde vom 17. Februar 1342 als ältestes Zeugnis der Flößerei in Deutschland. Eine Urkunde in lateinischer Sprache aus dem Jahr 1258 erwähnt aber bereits die Flößerei auf der Saale. Es gilt als sicher, dass die Flößerei im mitteleuropäischen Raum viel älter ist.

Flößer bei der Zusammenstellung (Schweden 1918)

Julius Cäsar berichtet, dass die Helvetier mit Flößen über den Rhein setzten. In alten Schriften ist zu lesen, dass die Ungarn bei ihrem Einfall in Deutschland im Jahre 926 Holz für Flöße und Fähren im Schwarzwald schlugen.

Straßen- und Wegeverhältnisse waren in ganz Mitteleuropa bis zum späten Mittelalter und teilweise bis ins 19. Jahrhundert hinein sehr schlecht. Es gab kaum ein Wegenetz und der Transport von Langholz über längere Strecken war zu Lande nicht möglich. Die Vorstellung, dass Holz ausschließlich geflößt wurde, darf getrost aufgegeben werden, denn nirgendwo ist ein ausschließlicher Transport auf dem Wasserweg möglich.

Steigende Bevölkerungszahlen zum Ende des Mittelalters und aufkommender Schiffbau sorgten für Rohstoffmangel, so dass Holz aus immer weiter entfernten Gebieten herangebracht wurde. Dieser Umstand verhalf der Flößerei zu enormem Aufschwung. Auch hierbei ist zu bedenken, dass der Bedarf an Brennholz im 18. Jahrhundert weitaus größer war als der an Bauholz. Es gilt also auch hier die Vorstellung, dass nur bestes Holz geflößt wurde, aufzugeben.

Den absoluten Höhepunkt erlebte die Flößerei in Deutschland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit war die Industrialisierung in vollem Gange. Es wurde Holz zu Energie- und Bauzwecken benötigt, aber ein ausgebautes Wegenetz oder moderne und kostengünstigere Transportmethoden waren nicht vorhanden.

Brauchte die Flößerei einige Jahrhunderte, um ihren Höhepunkt zu erreichen, so ging sie um so schneller zurück. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts war sie auf vielen Flüssen schon nahezu verschwunden. Langholzflößerei konnte sich dabei noch etwas länger halten als die Trift. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Flößerei in Deutschland so gut wie verschwunden, fand aber regional noch Anwendung. So wurde auf dem Finowkanal beispielsweise noch rege geflößt. Allerdings waren auch hier die Holzmengen erheblich zurück gegangen. Zum Ende der 1960er Jahre war die Flößerei völlig verschwunden. Sie erlebte noch eine kurze Renaissance in der DDR in den 1980er Jahren, als es aufgrund der Bereitstellungspflicht aus der Planwirtschaft zu Lieferengpässen kam; sie erreichte aber nie einen nennenswerten Umfang.

Die Flößerei wurde durch die Verbreitung der Eisenbahn und deren lukrativeren, schonenderen und schnelleren Holztransport stark verdrängt und mit dem Bau der ersten Staudämme nicht nur überflüssig, sondern auch quasi unmöglich.

Trift

Triftwehr auf der Wieslauter in der Pfalz
Mechanik eines Triftwehrs auf der Wieslauter

Es kann als sicher angenommen werden, dass die Trift älter als die Flößerei (im Sinne der gebundenen) ist. Es gibt dazu jedoch keine Überlieferungen und Hinweise. Es wurde einfach das Holz an einer Stelle in den Flusslauf geworfen und an anderer wieder an Land gebracht. In den meisten Fällen handelte es sich in späterer Zeit dabei um die Brennholzflößerei, denn Wertholz wurde zur Wertstabilität vorrangig gebunden transportiert. Besondere Anwendung fand die Trift im Frühjahr und im Herbst, da die Flüsse zu dieser Zeit mehr Wasser führten. Es wurden zur Trift auch eigens Gräben angelegt. Einer der bedeutendsten davon ist der Elsterfloßgraben mit einer Länge von 93 Kilometern. Er versorgte unter anderem die Städte Merseburg und Leipzig mit Brennholz.

Im Unterschied zur Flößerei auf größeren Flüssen herrschte bei der Trift auf Bächen im Mittelgebirge eine so geringe Wasserführung, dass der Transport ungeteilter Baumstämme unmöglich war. Um eine ausreichende Wasserführung sicherzustellen, war häufig sogar erforderlich, Wasserspeicher in Form von Stauseen oder -teichen anzulegen. Diese wurden – je nach landschaftlichem Vorkommen – auch als Klausen, Wooge, Wasser-/Schwellstuben oder Schleusen bezeichnet. In ihnen wurde das Holz gesammelt und meist beim Einsetzen der Schneeschmelze gleichzeitig auf den Weg den Wasserlauf hinunter gebracht.

Die zeitliche Abstimmung war essentiell, denn während der Trift konnte das Wasser nicht zum Betrieb der am Bach gelegenen Mühlen, Säge- und Hammerwerke genutzt werden. Um zu verhindern, dass das treibende Holz Schäden an den Anlagen verursachte, mussten nämlich die Wasserversorungskanäle vorübergehend abgesperrt werden. Deshalb waren von den Forstunternehmern für die Trifttage Ausfallgebühren zu zahlen.

Die Trift verschwand gleichzeitig mit der Flößerei auf den deutschen Flüssen, wenn sie nicht schon eher verschwunden war. Einer der wichtigsten Gründe für die Einstellung war das Problem des Absinkens der Hölzer. Bei der Trift sanken in den Flüssen etwa 2 bis 3 % der Holzmasse und waren damit verloren.

Regional

Rhein, Neckar und Nebenflüsse

„Holländerfloß“-Modell
Wasserstube Nonnenwag in der Nagold, 19. Jh.

Die Flößerei ist im Schwarzwald seit dem frühen Mittelalter überliefert und war dort ein weitverbreiteter Beruf. Mit Wieden zusammengebundene Baumstämme wurden über die Flüsse zum Bestimmungsort bewegt. Die notwendigen Wassermassen wurden in sogenannten Floßstuben angestaut und dann zusammen mit dem Floß freigegeben. Im Laufe der Jahrhunderte wurden diese Wasserwege über Murg, Nagold, Enz, Kinzig, Neckar und Rhein bis nach Holland erweitert. Die kleinen Seitenbäche wurden zum Teil ebenfalls floßbar gemacht. Für Städte wie Gernsbach, Schiltach und Wolfach wurde die Flößerei zum Haupterwerbszweig und in sogenannten Schifferschaften organisiert. Bis heute existiert die im 15. Jahrhundert gegründete älteste Forstgenossenschaft, die Murgschifferschaft. Im 18. Jahrhundert führte der niederländische Holzbedarf zur Blüte des Holzhandels, aber auch zum Kahlschlag weiter Regionen des Nordschwarzwaldes. Die langen und geradegewachsenen Tannen waren ideal geeignet als Baumaterial für Schiffe und als Rammpfähle, die in den sumpfigen Böden der Niederlande als Fundament für Städte wie Amsterdam und Rotterdam dienten. Diese Tannen wurden dann auch einfach „Holländer“ genannt. Bis heute zeugen Wiederaufforstungen mit Fichtenmonokulturen von der Zerstörung des natürlichen Mischwaldes. Während dieser Blütezeit des Holländerholzhandels schwammen kapitale Rheinflöße von Koblenz stromabwärts. Diese gehörten mit 200 bis 400 Metern länge, 40 bis 80 Metern Breite zu den größten jemals gebauten Flößen. Der Grund konnte so z.B. aus etwa 1700 Stämmen und die Oberlast aus etwa 2000 Stämmen bestehen. Zu ihrer Steuerung wurden 400 bis 500 Mann benötigt, für die riesige Mengen Lebensmittel mitgeführt und Unterkünfte, Küchen, eine Wäscherei, eine Bäckerei, ein Schlachthaus und Viehställe auf dem Floß errichtet werden mussten.

Wegen des Ausbaus des Schienen- und Straßennetzes wurde die Flößerei gegen Ende des 19. Jahrhunderts weitgehend eingestellt. In den Städten Wolfach, Schiltach und Gengenbach wird die Tradition der Flößer und die Herstellung von Flößen praktisch in Vereinen und auch in Museen wachgehalten. Aus der Zeit der Flößerei im Nordschwarzwald sind auch Sagen und Erzählungen erhalten. Eine Erzählung um den Holländer-Michl ist das Das kalte Herz von Wilhelm Hauff.

Bayern, Österreich, Donau und Zuflüsse

Mit dem Aufkommen der Städte im 11. Jahrhundert entstand ein starkes Bedürfnis nach dem Rohstoff Holz für Bau- und Wirtschaftszwecke. So begann auch im österreichischen und bayerischen Raum im 12. Jahrhundert die Flößerei als Gewerbe. Stark genutzt wurden die Flüsse Loisach, Isar und Inn, über welche die weiter unten liegenden Städte (vor allem München, Freising und Landshut), aber auch Städte an der Donau wie Wien und Budapest versorgt wurden. Flößer wurden dort zunächst Ableitner genannt, woraus ein dort heute noch verbreiteter Familienname samt dessen Verkürzungsformen wie Ableiter und Leitner entstand (Hans Bahlow: Deutsches Namenslexikon). Da Häuser anfangs ganz aus Holz gebaut wurden und deshalb die Städte öfter Feuersbrünsten zum Opfer fielen, überstieg der Bauholzbedarf rasch die Ressourcen der Umgebung. Stattliche Bäume in der Umgebung gab es meist schon nicht mehr, als sich die Fachwerkbauweise durchsetzte. Aber auch Steinbauten waren nicht nur für die zur Errichtung notwendigen Gerüste und Kräne, sondern auch für Decken und Dachstühle auf beträchtliche Mengen von Balken angewiesen. Beim Bau der Münchner Frauenkirche in den Jahren 1468 bis 1488 z. B. benötigte Zimmermeister Heinrich für den Dachstuhl 147 schwerbeladene Bauholzflöße, davon 49 Zimmer- und 43 Schnittholzflöße mit zusammen etwa 630 Festmeter Rundholz. An der Zollstelle Wolfratshausen legten im Jahre 1496 an der vorgeschriebenen Landestelle 3.639 Flöße an. Die ständig abgehenden Flöße wurden auch zum Warentransport und teilweise zum Personentransport verwendet. Im Jahr 1501 wurden z. B. gemäß der „Summarische Extrakt und beschreybung der Khauf-Handels und Schefleuth im Lands Bayrn“ folgende Güter transportiert: gebogenes Ebenholz, Papier, Pferdedecken, Käse, Schafwolle, Maultrommeln, Barchent, gestrickte Hemden, Kreide, Schuhe, Kupferwasser, Schmalz, Schleifsteine, Wetzsteine, Hopfenstangen, Seegras, Fische (auch lebend). Seit 1623 verkehrte ein Reisefloß, das Ordinari, einmal wöchentlich von München nach Wien, das für drei Gulden pro Person ihre Kunden in sieben Tagen zum Ziel beförderte. Kinder wurden kostenlos befördert. Die Flößer organisierten sich in Zünften. So durften in Mittenwald maximal 20 Floßmeister, in Tölz bis zu 24 ihrem Gewerbe nachgehen. Selbst 1831 wurden in München noch zehn Floßmeister verzeichnet. Die Floßfahrt erreichte 1848 ihren Höhepunkt mit jährlich etwa 5800 Flößen. Erst die Stauwehren der Neuzeit und die modernen Verkehrsmittel wie die Eisenbahn brachten die Flößerei (außer für touristische Zwecke) zum Erliegen.

Frankenwald, Rodach, Main

Im Frankenwald wurde die Flößerei urkundlich erstmals 1386 erwähnt und wurde vereinzelt noch bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts betrieben. Die Frankenwaldtannen wurden über Main und Rhein teilweise bis Amsterdam geflößt. Heute wird die Flößerei auf kurzen Strecken z. B. auf der Wilden Rodach bei Wallenfels touristisch betrieben. Die Tradition der Flößerei wird in Flößerorten wie Unterrodach, Wallenfels, Friesen und Neuses heute immer noch geachtet und von den Flößergemeinschaften hochgehalten und gepflegt. Auf Flößerwanderwegen kann man auf den Spuren der Flößer wandern und sich an historischen Orten wie Schneidmühlen und dem Flößermuseum in vergangene Zeiten zurück versetzen lassen.

Die häufigsten Floße auf Rodach und Main waren die im Frankenwald „Stümmel“ genannten Bretterfloße. Sie bestanden aus 960 bis 1000 Brettern, die mit Wieden und Stangen zusammengehalten waren. Mehrere Stümmel konnten zu „Stümmelstücken“ vereinigt werden. Im 20. Jahrhundert verschwanden die Bretterfloße durch den Bau der Eisenbahn, die das Schnittholz wesentlich schonender transportieren konnte.

Die einfachste Form des Floßbaus war die „Grundkuppel“. Sie bestand aus drei bis zehn Stämmen mit einer maximalen Breite von 2,60 m, vorn durch ein Joch fest aneinandergefügt und hinten nur an den äußeren Stämme verbunden. Der längste Stamm, der „König“, lag in der Mitte und machte das Floß wendig und beweglich für die gewundenen und engen Bäche.

Bayerischer Wald, Regen

Seit dem 14. Jahrhundert gibt es erstmals eine Maut für Floßfahrten auf dem Regen. Staatliche Trift- und Floßbarmachung des Regens und einmündende Gewässer fand in den Jahren 1849 und folgende statt. Die Maßnahmen waren Einbau von Schellwerken und Schleusen, Freilegung und Säuberung der Rinnsale von Gestein und Anbringung von Uferschutz. 1856 kam der erste staatliche Erlass einer Floßordnung. 1863 wurde ein Leinpfad an beiden Gewässerseiten von 1,5 m Breite wegen Streitigkeiten mit Grundbesitzern angelegt. Die Triftsperre Fällenrechen erinnert noch heute an die Flößerei auf dem Regen.

Auf dem Regen von Zwiesel bis Regensburg gab es gut 30 Jahre lang (von März 1636 bis 1667) ein Holzfluder-Verbot wegen der im Fluss betriebenen Perlenzucht. Flößerei und Trift beschädigten zu viele Muscheln. Bis zu 1200 Muscheln mussten für einen Perlenfund geöffnet werden.

Weser und Zuflüsse

Als im 12. und 13. Jahrhundert im norddeutschen Tiefland durch den Ausbau der Städte, den Schiffbau und die Anlage von Häfen die Nachfrage nach Holz stieg, bot sich die Weser als Transportweg an, um den Bedarf durch Lieferungen aus dem bewaldeten Bergland zu befriedigen. Holz und Holzprodukte wurden sowohl mit Schiffen als auch in und auf Flößen transportiert. Da aus dem Weserbergland bis in das 19. Jahrhundert nur Laubholz, überwiegend Eichenholz und in geringeren Mengen Buchenholz, verflößt wurde, musste das Holz vor der Verflößung wegen des hohen spezifischen Gewichtes getrocknet werden. Um die Trocknung zu beschleunigen wurden die Bäume entrindet. Bei Eichen wurde oft auch der Splint entfernt. Trotzdem hatten die Flöße bis zu 80 cm starken Tiefgang und waren somit nur schwer zu lenken, so dass Flöße nicht mehr als 120 bis 150 Festmeter Holz enthielten. Durch das Anbinden von Holzfässern (Tonnen) konnte die Schwimmfähigkeit verbessert werden. Solche Flöße wurden auch „Tonnentragflöße“ genannt. Neben Stämmen wurde auch bearbeitetes Holz (Balken, Bohlen oder Bretter) geflößt.

Über die Werra gelangte auch Nadelholz aus dem Thüringer Wald auf die Weser, welches in Münden und Gimte zu großen Weserflößen gebündelt wurde. Diese sogenannten „Dielenflöße“ waren im 18. und 19. Jahrhundert der häufigste Floßtyp auf der Weser. Um die Holznachfrage besser befriedigen zu können, wurde Anfang des 18. Jahrhunderts auch im Weserbergland mit dem Nadelholzanbau begonnen, welcher allerdings erst Mitte des 19. Jahrhunderts größere Ausmaße annahm. Eine erste Meldung über die Zusammenstellung eines Floßes aus Fichtenholz ist aus Wahmbeck aus dem Jahr 1870 überliefert. Größere Mengen aus dem heimischen Raum wurden aber erst nach dem Ersten Weltkrieg geflößt.

Durch das Aufkommen anderer Transportmöglichkeiten, insbesondere von Lastkraftwagen ab Mitte der 1950er Jahre, kam die Flößerei zum Erliegen. 1964 passierten nur noch 6 Flöße die Schleuse in Hameln. Danach wurden nur noch einzelne Flöße, insbesondere aus nostalgischen Gründen, gebaut.

Holz aus der südlichen Lüneburger Heide gelangte ab etwa dem 17. Jahrhundert durch Flößerei auf Ise, Örtze und Aller zur Weser. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde diese Transportweise eingestellt.

Verbreitung

Auch im Donauraum war die Flößerei stark verbreitet, wie beispielsweise

Vom Frankenwald aus wurde ebenfalls die Flößerei intensiv betrieben, über Rodach, Main und Rhein bis nach Holland.

Auch im Stromgebiet der Weser (neben der Weser unter anderem Werra, Fulda, Aller, Leine, Harzgebiet) fand eine erwähnenswerte Flößerei statt. Insbesondere die Stadt Hann. Münden profitierte durch diese Art der Holzbeförderung (Stapelrecht).

Im sächsischen Raum wurde auf der Elbe, der Mulde, der Weißen Elster und ihren Nebenflüssen und Bächen, die aus dem mit reichen Holzvorräten ausgestattetem Elbsandsteingebirge und dem Erzgebirge kommen, Flößerei betrieben. Abnehmer waren neben größeren Siedlungen Erzverhüttungsbetriebe. Erwähnenswert ist der ehemals bedeutende Holzumschlagplatz Pirna.

Flößerei in der heutigen Zeit

Flößerei in Vancouver (Kanada)

Ein Flößen im traditionellem Sinn gibt es heute in Mitteleuropa nicht mehr. Heute wird in Europa nur noch in Norwegen auf dem Telemarkkanal geflößt. Weiterhin in Finnland und im asiatischen Teil Russlands.

Große Flöße werden in Vancouver in Kanada eingesetzt. Diese Flöße erreichen Längen von über einem Kilometer und sind oft weit über 50 Meter breit. Dabei sind die Flöße völlig unbemannt.

In Bangladesch wird Bambus von den Bergwäldern in die Küstenstädte, zum Beispiel für den Gerüstbau geflößt.

Ägerisee (Zug/Schweiz)

Auf dem Ägerisee wird die Tradition der Flößerei aufrechterhalten. Alle drei Jahre, zuletzt 2008, wird ein Holzschlag ausgeführt, verbunden mit einem Flößerfest. Das im Bergwald am südwestlichen Ufer geschlagene Holz wird über den See nach Unterägeri geflößt und mitten im Dorf aus dem Fluss Lorze gehoben. Im Jahr 2005 wurde durch die beiden Waldbesitzer, die Korporation Unterägeri und die Korporation Oberägeri, ein Film gedreht, um das Handwerk des Flößens für die Nachkommen festzuhalten.

Begriffe der Flößerei

Schleuse (Riesen) in der Kirnitzsch im Elbsandsteingebirge

Starke Fichtenstämme waren für Schiffsmasten geeignet. Nachdem die Stämme entastet und entrindet waren, wurden sie im Winter zum nächsten Floßbach geschleift. Zwischen Oktober und Mai wurde das Holz zu Tal geschwemmt.

Hatte ein Stamm mehr als zwanzig Meter Länge und einen mittleren Durchmesser von mindestens vierunddreißig Zentimetern, dann galt er als »Holländer«, kleinere Stämme hießen »Pfaden«, Stammteile zwischen drei und sechs Meter Länge nannte man »Blöcher«. Zum Abtriften wurden die Bäche aufgestaut.

Am Lagerplatz fügte man bis zu zehn Stämme zu einem »Boden« zusammen. Zwölf Böden wurden zu einem »Stück« vereinigt.

Bloch
Bloch oder Block ist ein 3 bis 6 Meter langer abgesägter Teil eines Stammes zur Herstellung von Brettern.
Bloße
Eine Bloße ist eine Stelle, an der die abgeschlagenen Baumstämme vom Wald in das Flusstal gebracht wurden. Meist handelte es sich um eine Schneise, in der die Stämme mit Seilen und zerkleinerten Baumstämmen als Rollen transportiert wurden.
Einbinden
Einbinden oder einhängen ist das Zusammenbinden der Stämme zu Floßgelenken und Flößen an der Einbindestätte.
Eisgang
Eisgang ist die Zeit, in der der Fluss oder Kanal vereist ist oder Eisschollen darauf treiben.
Floß
Floß, bei Schiller der Floß, sind nebeneinander liegende und verbundene Baumstämme, die in dieser Form selbst Frachtgut sind und als lenkbares Wasserfahrzeug genutzt werden.
Floßbeamter
Floßbeamter ist eine von den Landesbehörden bestellte behördliche Person zur Aufsicht des Verlaufs der Flöße und zur Verhinderung des Holzdiebstahls. auch: Floßmeister, Oberaufseher, Oberfloßkommissar, Flößerregimenter
Floßfahrt
Fahrt mit einem aus einem oder mehreren Gelenken bestehenden Floß stromabwärts.
Floßfeld
Floßfeld, auch Plötze, ist das zu einer Tafel verbundene Langholz.
Floßgraben
Ein meist künstlich angelegter Wassergraben für den Transport von Scheitholz.
Pause bei den Flößern mit Floßhaken
Floßhaken
Floßhaken waren das Universalwerkzeug der Flößer. Die 1,50 bis 4 Meter langen Stangen, meist aus Holz, mit Eisenspitze und seitlich gekrümmtem Haken, dienten zum Floßbau, Steuern des Floßes, Festhalten bei Wehrdurchfahrten, Blöchertreiben, sowie zum Schieben, Drehen, Wenden, Rollen und Heben des Holzes. In Bayern war er als Kronacher Haken bekannt, in anderen Regionen ist er als Hinterhermsdorfer Flusshaken ein Begriff geworden. Die „Floßbäume“ zum Flößen auf dem Main waren sogar 3,50 bis 8 m lang.
Floßordnung
Diese meist seit dem Mittelalter bestehenden Floßordnungen sind die vom Staat vorgegebenen Direktiven, zum Beispiel die Zeiträume der Frühjahrsflöße von März bis spätestens Mai und der Herbstflöße von September bis Frostbeginn einzuhalten. Nach ihnen musste die Trift außerdem am 23. April, dem „Jörgetag“ (Georgstag), beendet sein.
Floßrechen
Ein Floßrechen, auch Schutze genannt, ist eine Schutzvorkehrung, um flussabwärts treibende Holzstämme jeweils abbremsen zu können. Floßrechen müssen sehr massiv gebaut sein, damit sie Flutwellen und herantreibenden Holzstämmen standhalten können.
Monhardter Wasserstube
Floßteich
Ein Floßteich ist eine künstlich angelegte Wasserstube (Wassersammelbecken) zur Speisung eines Floßgrabens.
Fluder, fludern
Floß, flößen in der Flößersprache. Wurde am Regen noch im 20. Jahrhundert verwendet.
Gelenk
Gelenk, auch Gestör, ist die Baueinheit eines Floßes (Floßglied, Floßabschnitt).
Klause
Klause ist ein Damm aus Holz, Stein oder Erde zum Aufstauen des Triftwassers, mit Pforte zum Durchlass des Schwemmholzes.
Oblast
Oblast ist zusätzliches Frachtgut als Holz (z. B. nicht schwimmfähige Hölzer) oder ein anderes Frachtgut, welches auf dem Floß mitgeführt wird.
Riesen
Riesen (Singular: Ries), auch Riesbahnen, sind Holz-Rutschbahnen, auf denen Holz vom Einschlagsort zum Floßbach transportiert wurde. Sie waren v. a. im Schwarzwald und in den Alpen verbreitet.
Schleusen
Als Schleusen werden Stauwerke bezeichnet, die durch Aufstauen des Wasser das Triften von Holzstämmen überhaupt erst ermöglichen. So wird der Fluss bis zu mehreren Tausend Metern angestaut und die Baumstämme können selbst auf kleinen Flüssen problemlos geflößt werden.
Stapelgeld
Stapelgeld oder Lagergeld ist das Niederlagsgeld für die Lagerung von Holz.
Wieden
Wieden (Singular: Wiede), sind extrem flexible und belastbare Holztaue, die zum binden der Flöße oder deren Fracht verwendet wurden. Sie wurden aus selektierten 2,5 - 3,5 m langen Jungstämmen von Weiden, Fichten, Tannen oder Eichen, die im Spätherbst geschnitten wurden, hergestellt. Man erhitzte sie in oder über einem (Wied-)Ofen und drehte sie dann durch Einspannen des starken Endes in eine Hutzelbank, bzw. einen „Wiedenbock“ auf. Im 20. Jahrhundert wurden sie dann durch Stahlseile ersetzt.

Museen

Einzelnachweise

  1. Siegfried Haider: Geschichte Oberösterreichs, München 1987, S 270

Literatur

Bücher und Wissenschaftliche Arbeiten

  • Dieter Anhuf (Hrsg.): Beiträge zur Landeskunde Südwestdeutschlands und angewandten Geographie. Mannheimer geographische Arbeiten; H. 46, Geographisches Institut, Mannheim 1998, ISBN 3-923750-72-2.
  • Heinz Geistefeld: Zur Geschichte der Flößereiverwaltung in Kursachsen. Diplomarbeit – Humboldt-Universität Berlin, Forstliche Fakultät, Eberswalde 1956(nicht ausleihbar).
  • Franz Hafner: Der Holztransport. Handbuch für Rückung, Lagerung, Ladeverfahren und Haupttransport. Österreichischer Agrarverlag, Wien 1964.
  • Karl Hasel, Ekkehard Schwartz: Forstgeschichte. Ein Grundriss für Studium und Praxis. 2., aktualisierte Auflage. Verlag Kessel, Remagen 2002, ISBN 3-935638-26-4.
  • Roland Henne: Flöße von der Oberweser : „und immer stromab an Kuhlbaum und Schnepper ...” . Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden 2005, ISBN 3-931656-82-9.
  • Henning Hopf: Untersuchung der technischen und ökonomischen Entwicklung der Flößerei auf dem Finowkanal. Diplomarbeit – FH Eberswalde, Eberswalde 2003.
  • Hans-Walter Keweloh (Hrsg.): Flößerei in Deutschland. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1985, ISBN 3-8062-0426-8.
  • Hans-Walter Keweloh (Hrsg.): Auf den Spuren der Flößer – Wirtschafts- und Sozialgeschichte eines Gewerbes. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1988, ISBN 3-8062-0561-2.
  • Albrecht Milnik (Hrsg.): In Verantwortung für den Wald – Die Geschichte der Forstwirtschaft in der sowjetischen Besatzungszone und der DDR. Brandenburgisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Potsdam 1998, ISBN 3-933352-00-2.
  • Ralph Rohsiepe: Entwicklung und Bedeutung der Flößerei auf dem Finowkanal. Diplomarbeit – Humboldt-Universität Berlin, Forstliche Fakultät, Eberswalde 1961 (nicht ausleihbar).
  • Hanns Rothen: Mit dem Floß auf der Saale – Rückbesinnung auf ein ausgestorbenes Gewerbe. 1. Auflage. Justus Perthes Verlag, Gotha 1995, ISBN 3-623-00749-8.
  • Helmut Seebach u.a.: Altes Handwerk und Gewerbe in der Pfalz. 3. Band. Bachstelz-Verlag Seebach, Annweiler-Queichhambach 1994, ISBN 3-924115-13-3.
  • Max Scheifele: Die Flößerei auf der Ettlinger Alb. Aus der Geschichte des Albtales. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1993, ISBN 3-925825-60-6.
  • Max Scheifele: Als die Wälder auf Reisen gingen. Wald, Holz, Flößerei in der Wirtschaftsgeschichte des Enz-Nagold-Gebietes. G. Braun Buchverlag, Karlsruhe 1996, ISBN 3-7650-8164-7.
  • Max Scheifele u.a.: Die Murgschifferschaft. Geschichte des Floßhandels, des Waldes und der Holzindustrie im Murgtal. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1988, ISBN 3-925825-20-7.
  • Klaus-Peter Westrich (Hrsg.): Neustadt an der Weinstraße. Beiträge zur Geschichte einer pfälzischen Stadt. Verlag Meininger, Neustadt a. d. Weinstraße 1975, S. 637 ff.
  • Helmut Wilsdorf u.a.: Bergbau – Wald – Flöße. Untersuchungen zur Geschichte der Flößerei im Dienste des Montanwesens und zum montanen Transportproblem. Akademie-Verlag, Berlin 1960.
  • Sigbert Zesewitz u.a.: Kettenschiffahrt. 1. Auflage. VEB Verlag Technik, Berlin 1987, ISBN 3-341-00282-0.

Hefte

  • Jürgen Delfs: Die Flößerei im Stromgebiet der Weser. Band 34. Schriften der Wirtschaftswissenschaftlichen Gesellschaft zum Studium Niedersachsens e.V., Walter Dorn Verlag, Bremen-Horn 1952.
  • Karl Filser: Flößerei auf Bayerns Flüssen : zur Geschichte eines alten Handwerks. Haus der Bayerischen Geschichte, München 1991, ISBN 3-927233-08-0.

Weblinks


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