Alamannia

Alamannia
Einfaches alemannisches Steinkistengrab
des 7. Jahrhunderts in Biengen (Bad Krozingen)
Die ehemalige Alemannia gehörte um 1000 vor allem zu Schwaben, in kleinen Teilen aber auch zu Burgund

Alamannen oder Alemannen sind Bezeichnungen für eine antike und frühmittelalterliche Bevölkerungsgruppe, die dem westgermanischen Kulturkreis zugeordnet wird.

Alemannische Bevölkerungsgruppen werden sowohl anhand archäologischer Quellen (wie Bevölkerungssitten und Trachten) als auch anhand historischer Quellen (schriftliche Zeugnisse) identifiziert. Bleibende Kernräume der Alemannia, d.h. ihrer frühmittelalterlichen Siedlungs- und Herrschaftsgebiete, lagen vor allem in Baden-Württemberg, der Deutschschweiz, im Elsass, Bayerisch-Schwaben und Vorarlberg. Diese Gebiete teilten sie sich zumeist mit gallorömischen und rätischen Bevölkerungsgruppen.

Zwischen dem 6. und dem 9. Jahrhundert ging die Alemannia politisch und kulturell im Ostfrankenreich auf und wurden zwischen dem 10. und zum 13. Jahrhundert politisch nochmals vom staufischen Herzogtum Schwaben zusammengefasst.

Die neuzeitliche Dialektologie griff bei ihrer Einteilung der deutschen Dialekte auf die Alemannen zurück und gruppierte die westoberdeutschen Mundarten zu den alemannischen Dialekten.

Inhaltsverzeichnis

Begriffsgeschichte

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Antike und Mittelalter

Die Bedeutung des Namens, der erstmals 289 n. Chr. in seiner lateinischen Form Alamanni und später auch Alemanni erscheint, ist umstritten. Wahrscheinlich ist er germanischen Ursprungs und bedeutet „Menschen allgemein“. Denkbar sind jedoch auch „alle (wehrfähigen) Männer“ oder abwertend „zusammengelaufene, vermischte Menschen“. Daneben gibt es den Vorschlag einer Herleitung von keltisch al („groß“) bzw. von ail, all, ull („fremd“ oder „wild“) und maon („Mensch“).

Die Deutung des Namens als „Menschen allgemein“ nach dem römischen Historiker Asinius Quadratus, dessen Zeugnis nur bei dem spätantiken Autor Agathias (um 580) bewahrt wurde, könnte man so verstehen, dass damit ein Unterschied zu bereits bestehenden Gefolgschaften, Stämmen oder vergleichbaren Menschengruppen gemacht wurde. Trifft diese Deutung zu, so verwiese der Name auf die Entstehung dieser Gruppe durch Annäherung und Akkulturation von Menschen verschiedener Herkunft.

Der Ausdruck „Schwaben“ (abgeleitet von Suebi in frühen römischen Quellen) entwickelte sich im Frühmittelalter möglicherweise zu einem Synonym zu „Alemannen“ bzw. „Alemannien“/„Alamannien“ und ersetzte jene im Laufe des Mittelalters.

Bis um 500 wurden Alamannen und Sueben unterschieden. Es ist anzunehmen, dass der alte Name „Sueben“ zum Teil weiter verwendet wurde. Er taucht später wieder auf, als das Siedlungsgebiet der Alamannen, das bis dahin als Alamannia betitelt worden war, im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zum Herzogtum Schwaben wurde.

Neuzeit

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der historische Name zuerst in der eingedeutschten Form „Allemannen“ für die Dialekte am Hoch- und Oberrhein wiedereingeführt. Heute bezeichnet sich ein Teil der Bewohner im südwestdeutschen Sprachraum als „Alemannen“. Sie sprechen Dialekte, die in der Linguistik als alemannische Dialekte bezeichnet werden, und pflegen „alemannisches“ Brauchtum wie die alemannische Fasnacht.

In Baden-Württemberg grenzen sich z. B. die Bewohner des ehemaligen Landes Baden oft als „Alemannen“ gegen die „Schwaben“ aus Württemberg ab; ähnlich verhält es sich bei Deutschschweizern, in Mittelschwaben und im Allgäu, vgl. Schwaben und Alemannen und Volksgruppe im Artikel Schwaben.

Die Verwendung der zwei Namensvarianten „Alamannen“ und „Alemannen“ ist gegenwärtig nicht einheitlich. Während für die mittelalterliche Bevölkerungs- und Kulturgruppe bundesdeutsche Archäologen, Denkmalschutzämter und Museen überwiegend die Bezeichnung „Alamannen“ gebrauchen, sprechen bundesdeutsche Historiker sowie Schweizer Archäologen und Museen überwiegend von „Alemannen“. Grundsätzlich gibt es aber keinen Unterschied in der Bedeutung der beiden Bezeichnungen.

Der Name „Alamannen“ wird in verschiedenen europäischen Sprachen als Bezeichnung für die Deutschen verwendet (pars pro toto – ein Teil steht für das Ganze). Beispiele: les Allemands im Französischen; los alemanes im Spanischen und os alemães im Portugiesischen; aber auch in außereuropäischen Sprachen, wie Almanlar im Türkischen und Elman oder Alman im Arabischen, Kurdischen und Persischen.

Allgemeine Geschichte

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Die Alemannia

Unter der Alemannia (bzw. Alamannia, Alemannien, Alamannien) verbergen sich verschiedene Vorstellungen. Darunter kann verstanden werden:

  1. archäologisch fassbares Siedlungsgebiete von Alemannen
  2. politisch-militärisches Herrschaftsgebiete von Alemannen (darunter jene alemannischer Herzöge und Könige)
  3. Verbreitungsgebiet alemannischer Dialekte oder Sprachen

Diese drei Gebietskonzepte sind keineswegs deckungsgleich, überlappten sich im Verlauf der Geschichte jedoch vermutlich in weiten Teilen.

Bis um 260 n. Chr.

Alemannische Expansion zwischen dem 3. und dem 6. Jahrhundert

Die durch spezifische Bestattungssitten und Trachten bestimmbare Gruppe der Alemannen entwickelte sich möglicherweise im Verlauf des 3. Jahrhunderts n. Chr. aus verschiedenen elbgermanischen und suebischen Stämmen, Heerhaufen und Gefolgschaften im Gebiet zwischen Rhein, Main und Lech.

Die früher oft geäußerte Vermutung, die Alamannen hätten sich im Inneren Germaniens gebildet, gilt heute als überholt. Gesicherte Erkenntnisse darüber gibt es keine, da nur archäologische Funde und keine schriftlichen Quellen vorliegen. In einem weitläufigen Gebiet an und um die mittlere und untere Elbe wurden Funde gemacht, die eine große Ähnlichkeit mit den alamannischen archäologischen Funden aufweisen und so auf eine zumindest teilweise Herkunft alamannischer Siedlungsgruppen aus diesem Raum schließen lassen.

Schon seit den Zeiten des suebischen Königs Ariovist wanderten suebische Verbände aus Westmecklenburg und dem Elb-/Saalegebiet ins Rhein-/Main-/Neckargebiet. Nach Beendigung der römischen Germanenkriege im 1. Jahrhundert traten in der Oberrheinzone zwischen Mainz und Straßburg sowie im unteren Neckarland kleine germanische Siedlungsgruppen auf, für die der Name Suebi Nicrenses überliefert ist. Aus diesen und neu hinzugezogenen Verbänden fand wohl ab dem Ende des 2. Jahrhunderts vor dem römischen Limes die Stammesbildung der Alamannen statt, wobei sie spätestens 233/34 römisches Territorium angriffen. Ob diese Verbände sich selbst als Alamannen bezeichneten oder die Römer diese Bezeichnung für die germanischen Gruppen am Ober- und Mittelrhein zur Unterscheidung von anderen germanischen Verbänden verwendeten, ist unklar. Ebenso unklar ist, ob bis zur Eroberung durch die Franken eine einheitliche Stammesführung entstand, oder die Alamannen bis zuletzt unter der Herrschaft von Kleinkönigen standen, die ihre Herrschaftsgebiete gefolgschaftlich organisiert hatten.

Landnahme

Augsburger Siegesaltar anlässlich des römischen Sieges über eine plündernde Juthungenschar im Jahr 260

Der Einfall von Alamannen nach Italien und Gallien unter dem König Chrocus 268 n. Chr. soll nach dem späteren Bericht von Gregor von Tours (Historia Francorum, lib. I, 32–34) das Land völlig verwüstet haben. Kaiser Gallienus gelang es mehrmals (259 bei Mailand und 260 bei Augsburg), die Alemannen zu bezwingen, dennoch konnte das durch Bürgerkriege erschütterte Römische Reich den Limes und damit das Gebiet nördlich und östlich des Rheins in Süddeutschland, das Dekumatland, nicht mehr halten. Nach 260 konnten sich germanische Gruppen in dem ungeschützten Gebiet niederlassen, das danach von den Römern bis hin zum Main Alamannia genannt wurde. Danach häuften sich auch die römischen Berichte über die Alamannen als Bezeichnung für die germanischen Verbände im oben genannten Gebiet. Die althistorische und archäologische Forschung ist heute mehrheitlich der Ansicht, dass erst nach Besiedlung des Dekumatlands sich aus verschiedenen germanischen Siedlergruppen langsam der Stamm oder die Stammesgruppe der Alemannen gebildet habe. In jüngster Zeit wird zudem die These diskutiert, das Eindringen der germanischen Stämme sei mit Zustimmung Roms erfolgt, das den Neuankömmlingen die Vorfeldsicherung übertragen und diese durch foedera an sich gebunden habe. Zudem ist zu bedenken, dass strenggenommen nicht von den Alamannen gesprochen werden kann, da den zahlreichen Kleingruppen lange eine einheitliche Führung fehlte.

Die frühen alamannischen Ansiedlungen entstanden oftmals in oder bei den Ruinen der römischen Kastelle und Villen. Allerdings scheinen nicht alle romanisierten Bewohner das Gebiet verlassen zu haben. Vereinzelt wurden Höhenburgen errichtet wie auf dem Glauberg und Runden Berg bei Bad Urach (siehe dazu Alamannische Höhensiedlung). Am 21. April 289 n. Chr. hielt Mamertinus in Augusta Treverorum (Trier) eine Lobrede auf Kaiser Maximianus und erwähnte dabei die Alamanni. Dies ist die erste zeitgenössische Erwähnung der Alamannen. Ab diesem Jahr ist für das Gebiet nördlich des Rheins auch die Bezeichnung Alamannia nachweisbar. Eine erste Nennung der Alamannen zum Jahr 213, als nach dem Bericht des römischen Historikers Cassius Dio (um 230) Kaiser M. Aurelius Antoninus Caracalla nach einem Sieg über die Alamannen den Beinamen Alamannicus angenommen haben soll, ist, wie bereits eingangs erwähnt, in ihrer Zuverlässigkeit inzwischen sehr umstritten.

Spätantike

Vom ehemaligen Dekumatland aus unternahmen Alamannen wiederholt Raubzüge in die angrenzenden Provinzen des römischen Reiches Raetia und Maxima Sequanorum, aber auch bis weit nach Gallien hinein. Sie erlitten dabei wiederholt Niederlagen gegen römische Heere, so durch Kaiser Constantius 298 bei Langres und bei Vindonissa (Windisch). Nach der verlustreichen Schlacht bei Mursa 351 zwischen dem gallischen Usurpator Magnentius und Kaiser Constantius II. durchbrachen die Franken und Alamannen gemeinsam die Rheingrenze. Die Alamannen besetzten die Pfalz, das Elsass und die Nordostschweiz. Erst der Sieg des Caesar (Unterkaisers) Julian in der Schlacht von Argentoratum (Straßburg) 357 gegen die vereinigten Alamannen unter Chnodomar sicherte die Rheingrenze erneut. Die alamannischen Kleinkönige mussten sich (erneut?) vertraglich an Rom binden. Während der Regierungszeit Kaiser Valentinians I. gelang es alamannischen Gruppen zweimal, 365 und 368, ins Reichsgebiet einzudringen und unter anderem Mogontiacum (Mainz) zu plündern. Nach einem Vergeltungsfeldzug, der Valentinian I. 369 den Beinamen Alamannicus einbrachte, ließ er die Rheingrenze durch eine neue Reihe von Kastellen sichern, so in Altrip, Breisach am Rhein und gegenüber von Basel. Die Grenze am Hochrhein wurde mit einer Kette von Wachtürmen (burgi) verstärkt. 374 schlossen Alamannen unter ihrem Teilkönig Makrian einen dauerhaften Frieden mit Valentinian I. Dennoch musste sein Nachfolger, Kaiser Gratian, 378 wiederum einen Feldzug gegen Alamannen führen, der als letzter Vorstoß römischer Truppen über die Rheingrenze gilt. Danach standen die Alamannen längere Zeit in einem Foederaten-Verhältnis zum Römischen Reich.

Schlachten zwischen Alemannen und Römern:

Die Usurpation durch Magnus Maximus in Britannien und der Krieg mit den Franken erlaubte 383 einen Einbruch der Alamannen in Rätien, das Kaiser Valentinian II. nur mit Unterstützung der Alanen und der Hunnen wieder sichern konnte. Weitere interne römische Machtkämpfe unter Kaiser Theodosius I. schwächten die römische Position am Rhein. Dem Heermeister Stilicho gelang es zwar 396/398, die Verträge mit den Alamannen zu erneuern, dennoch musste er zum Schutz Italiens vor den Goten ab 401 die römischen Truppen von der Reichsgrenze abziehen. Es scheint nach neuesten Erkenntnissen danach jedoch nicht zu einem sofortigen „Alemannensturm“ in die ehemals römischen Gebiete gekommen zu sein. Archäologische Funde weisen darauf hin, dass die föderierten Alamannen zumindest noch eine ganze Zeitlang die Grenze schützten. Insbesondere Rätien wurde als „Schutzschild Italiens“ noch bis Mitte des 5. Jahrhunderts verteidigt: Römische Truppen wehrten 430 unter Flavius Aëtius und 457 unter Kaiser Majorian allerdings alamannische Einfälle nach Rätien und Italien ab. Gallien war den Plünderungszügen der Alamannen mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert und wurde gemäß dem (späten) Chronisten Fredegar nach 406 wiederholt verwüstet.

Wechsel in den Begräbnissitten

Frauengrab mit Beigaben in einem Reihengräberfeld

Mitte des 5. Jahrhunderts setzte sich bei den Alamannen – wie auch bei den benachbarten Westgermanen – eine neue Bestattungsform durch. Bisher waren in elbgermanischer Tradition Brandbestattungen in kleinen Grabgruppen oder gar isolierten Gräbern üblich. Schon in der Frühzeit gab es daneben eine zunehmende Anzahl von Körperbestattungen. Archäologisch sind solche Gräber schwer zu erfassen und durch die Verbrennung auch schlecht auszuwerten Mit dem Wechsel zur Reihengräbersitte ändert sich für die Archäologie die Quellenlage dramatisch. Nun werden große Friedhöfe angelegt, in denen die Toten unverbrannt in Ost-West-Richtung in Reihen dicht nebeneinander bestattet werden. Ab dieser Zeit (bis um 800 die Reihengräberfelder wiederum zugunsten der Bestattung um die Kirche aufgegeben werden) werden detailreichere Aussagen zu Sachkultur, Handwerk, Bevölkerungsstruktur, Krankheiten, Kampfverletzungen und Sozialstruktur möglich.

Expansion und Unterwerfung

Alamannische Gürtelbeschläge aus dem alamannischen Reihengräberfeld Weingarten

Ab 455 setzte eine West- und Ostexpansion von Alamannen nach Gallien und Noricum ein, über die nur ungesicherte Informationen vorliegen. Ein Konflikt mit den benachbarten Franken führte nach Gregor von Tours irgendwann zwischen 496 und 507 bei der Schlacht von Zülpich zur entscheidenden Niederlage der Alamannen gegen den fränkischen König Chlodwig I. Dieser soll in Zusammenhang mit diesem Sieg den christlichen (katholischen) Glauben angenommen haben. Die Alamannen fielen danach unter die Hoheit der Franken und der Ostgoten. 536/537 überließ der von byzantinischen Truppen bedrängte Ostgotenkönig Witigis dem Frankenkönig Theudebert I. unter anderem Churrätien und das Protektorat über „die Alamannen und andere benachbarte Stämme“, um sich die Unterstützung der Merowinger zu erkaufen. Damit befanden sich alle Alamannen unter fränkischer Herrschaft.

Bis 496/497 herrschte ein König (rex) oder ein Herzog (dux) über die Alemannen, häufiger auch mehrere gleichzeitig über verschiedene Teile des Stammes. Die genannten Titel wurden ihnen von römischen Chronisten zugeordnet. Mit der Unterwerfung der Alamannen durch die Franken endete deren Souveränität, und es wurden unregelmäßig durch den fränkischen König Herzöge für das alamannische Gebiet eingesetzt. Eine lückenlose lineare Liste zu erstellen ist aufgrund der Quellenlage jedoch nicht möglich. Nach den Erkenntnissen der neueren archäologischen Forschung[1] hat die alamannische Siedlungstätigkeit in der heutigen Deutschschweiz nicht vor Ende des 6. Jahrhunderts eingesetzt.

Archäologische Funde und Flurnamen deuten in weiten Gebieten Ostfrankreichs, Mitteldeutschlands und der Schweiz auf eine mindestens zeitweise Ansiedlung von alamannischen Bevölkerungsgruppen während der Völkerwanderung (vor 500). Diese vor- und frühgeschichtlichen Flurnamen und Funde reichen nördlich bis in die Gegend um Mainz und Würzburg, südlich bis zu den Voralpen, östlich bis zum Lech bzw. entlang der Donau bis fast nach Regensburg, westlich bis an den Ostrand der Vogesen, jenseits der Burgundischen Pforte bis um Dijon sowie südwestlich im Schweizer Mittelland bis an die Aare.

Fränkische Reiche

Alamannien wurde durch seinen autonomen Status im Frankenreich als Herzogtum in einem Gebiet gefestigt, das wohl größtenteils mit dem späteren Herzogtum Schwaben übereinstimmt. Das Elsass wurde jedoch meist als eigenes Herzogtum geführt und gehörte eigentlich nicht zu Alamannien. Die Herzöge stammten verschiedentlich noch aus vornehmen alamannischen Familien und standen nicht immer in Konkurrenz zu fränkischen Adligen. So gründete zum Beispiel ein alamannischer Herzog zusammen mit dem fränkischen Hausmeier das Kloster Reichenau. Der Schwerpunkt des fränkischen Herzogtums lag im Gebiet südlich des Hochrheins und im Bodenseegebiet. Die Franken mussten wiederholt gegen aufständische alamannische Herzöge ins Feld ziehen. Im sogenannten Blutgericht zu Cannstatt 746 wurde der Widerstand endgültig gebrochen: Das Herzogtum Alamannien wurde aufgehoben und direkt von den Franken beherrscht. Damit verschwand der alamannische Herzogstitel längere Zeit. Allerdings versuchte Kaiser Ludwig der Fromme, seinem Sohn Karl II. zwischen 829 und 838 ein Königreich Alemannia zu schaffen.

Im 7. Jahrhundert begannen Teile der Oberschicht, nicht mehr auf den Reihengräberfeldern, sondern beim Herrenhof ihre Toten zu bestatten. Steinkisten zeichnen in dieser Zeit die Gräber häufig aus. Durch die Christianisierung wurden Anfang des 8. Jahrhunderts die Reihengräberfelder ganz aufgegeben und die Friedhöfe künftig um die Kirche herum angelegt.

Im 10. Jahrhundert wurde das ostfränkisch/deutsche Herzogtum Schwaben gegründet, für das die lateinischen Bezeichnungen Suevia und Alamannia bis weit ins Hochmittelalter gleichbedeutend verwendet wurden. Dieses Herzogtum lässt sich einigermaßen eingrenzen, auch ist seine fränkische Gaueinteilung halbwegs gesichert. Umstrittene Gebiete waren nach wie vor das Elsass und der Aargau, die vom benachbarten Herzogtum Lothringen bzw. vom Königreich Burgund beansprucht wurden. Nach dem Schwabenkrieg 1499 wurde die Bezeichnung „Alemannien“ nur noch für den südlich des Rheins gelegenen, eidgenössischen Teil des alten Herzogtums verwendet.

Siehe auch: Spätantike, Fränkisches Reich, Geschichte der Schweiz, Liste der Gaue von Alamannien/Schwaben, dem Elsass und von Hochburgund

Religion

Reiterscheibe von Pliezhausen, die kleine Figur hinter dem Reiter wird als göttlicher Sieghelfer interpretiert

Die Alamannen verehrten noch bis ins 7. Jahrhundert die altgermanischen Gottheiten, bezeugt sind Wodan, dem Bieropfer dargebracht wurden, und Donar [2]. Der Goldbrakteat aus Daxlanden zeigt zudem einen Mann in der Vogelmetamorphose, wohl Wodan, und zwei weitere Brakteaten zeigen eine Göttin, die mit der Göttermutter, also Frîja, identifiziert werden kann [3]. Dagegen kann die Verehrung des Zîu nur nach philologischen Indizien erwiesen werden [4]. Wesen der niederen Mythologie zeigen das Schwert von Gutenstein mit dem Bild eines Werwolfes oder die Reiterscheibe von Pliezhausen. Die Vita des St. Gallus nennt zwei nackte Wasserfrauen, die den Begleiter des Heiligen mit Steinen bewarfen. Als er sie verbannte, flohen sie auf den Himilinberc, auf dem Dämonen hausten, was an den nordischen Göttersitz Himinbjörg erinnert.

Der römische Schriftsteller Agathias berichtet von den Alamannen, die 553 in Italien einfielen, dass sie gewisse Bäume, die Wellen der Flüsse, Hügel und Schluchten verehrten und ihnen Pferde, Rinder und andere Tiere opferten, indem sie ihnen die Häupter abschlügen. Zudem nennt er alemannische Seher. Die Archäologie legte denn auch mehrere Opferfunde frei. So wurden im 4. Jahrhundert im Quellmoor Rautwiesen bei Münchhöf (Gm. Eigeltingen, Hegau) Waffenspitzen deponiert und der oben erwähnte Goldbrakteat von Daxlanden wurde zusammen mit einem Pferdeschädel und Eisenbeil vergraben [5].

Auch die Grablegung zeugt von der alten Religion. So ließ sich der Fürst von Schretzheim zusammen mit seinem Pferd samt Pferdeknecht und Mundschenk bestatten. Goldblattkreuze und andere christliche Objekte zeigen, dass die Alemannen zwar früh mit dem Christentum in Kontakt kamen, doch gibt es mehrere schriftliche und archäologische Zeugnisse von Synkretismus.

Nach der Eroberung durch die Franken setzte die Missionierung der Alamannen ein, insbesondere durch den irischen Missionar Kolumban und seine Gefolgsleute. Sie gründeten die Klöster St. Gallen (614), St. Trudpert, Säckingen und Reichenau (724). In Alamannien bestanden noch aus römischer Zeit Bischofssitze in Basel (früher in Augusta Raurica bei Basel), Konstanz, Straßburg und Augsburg. Die kirchlichen Verhältnisse wurden zum ersten Mal im 7. Jahrhundert in der Lex Alamannorum, einer frühen Kodifikation des alamannischen Rechts, festgelegt. Es gab wahrscheinlich eine ununterbrochene Existenz von Christen in den alten römischen Gebieten südlich und westlich des Rheins, zumindest in den Städten und in den Alpentälern. Untergegangen war in Alamannien seit der Römerzeit nur der Bischofssitz in Vindonissa (Windisch).

Siehe auch: Kontinentalgermanische Mythologie und Südgermanische Gottheiten

Museen

Weblinks, Quellen, Literatur

Weblinks

Quellen

  • Gregor von Tours: Zehn Bücher Geschichten. Bd. 1, Buch 1-5; Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1991; ISBN 3-5340-6809-2
  • Bruno Krusch (Hrsg.): Fredegarii et aliorum Chronica. Vitae sanctorum. (= Monumenta Germaniae Historica. Scriptores Rerum Merovingicarum. Tomus II). Hahn, Hannover 1888 (Digitalisat)

Literatur

Geordnet absteigend nach Erscheinungsjahr.

  • Karin Krapp: Die Alamannen: Krieger – Siedler – frühe Christen. Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 3-8062-2044-1
  • John F. Drinkwater: The Alamanni and Rome 213-496. Caracalla to Clovis. Oxford 2007
  • Andreas Gut: Alamannenmuseum Ellwangen. Fink, Lindenberg 2006, ISBN 3-89870-271-5
  • Michaela Geiberger (Hrsg.): Imperium Romanum. Römer, Christen, Alamannen – Die Spätantike am Oberrhein Begleitbuch zur Ausstellung. Theiss, Stuttgart 2005
  • Dieter Geuenich: Geschichte der Alemannen. Kohlhammer, Stuttgart 2004, ISBN 3-17-018227-7
  • Claudia Theune: Germanen und Romanen in der Alemannia. Strukturveränderungen aufgrund der archäologischen Quellen vom 3. bis zum 7. Jahrhundert, Berlin u.a. 2004
  • K. Fuchs, M. Kempa, R. Redies: Die Alamannen. Ausstellungskatalog. Theiss, Stuttgart 2001, ISBN 3-8062-1535-9
  • Thomas Zotz: Ethnogenese und Herzogtum in Alemannien (9.–11. Jahrhundert). In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 108 (2000), S. 48-66 (Volltext)
  • Dieter Geuenich (Hrsg.): Die Franken und die Alemannen bis zur „Schlacht bei Zülpich“ (496/497). Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Ergänzungsband 19. Berlin-New York 1998, ISBN 3-1101-5826-4
  • Die Alamannen. Hrsg. vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg, Stuttgart 1997, ISBN 3-8062-1302-X
  • Michael Borgolte: Die Grafen Alemanniens in merowingischer und karolingischer Zeit. Eine Prosopographie. Jan Thorbecke, Sigmaringen 1986, ISBN 3-7995-7351-8
  • Artikel Alamannen. In: Lexikon des Mittelalters 1. Artemis, Zürich 1980; Sp. 263 ff. (mit Literaturübersicht), ISBN 3-7608-8901-8
  • Rainer Christlein: Die Alamannen. Archäologie eines lebendigen Volkes. Theiss, Stuttgart 1978, ISBN 3-8062-0890-5
  • Wolfgang Müller: Zur Geschichte der Alamannen. Wege der Forschung. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1975, ISBN 3-534-03457-0

Anmerkungen

  1. (v.a. Windler 1997, 261–268.)
  2. Runeninschrift von Nordendorf; Vita Columbani, c. 1,27
  3. Karl Hauck: Der Kollierfund vom fünischen Gudme … in: Die Franken und die Alamannen bis zur Schlacht bei Zülpich (Ergänzungsband zum RGA 19); Berlin 1998
  4. So der Wochentagnahme Zyschtig für den Dienstag.
  5. M. Axboe; U. Clavadetscher; K. Düwel; K. Hauck; L. v. Padberg: Die Goldbrakteaten der Völkerwanderungszeit. Ikonographischer Katalog, München 1985-1989.

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