Fiesta (Roman)

Fiesta (Roman)

Fiesta ist ein Roman von Ernest Hemingway, der 1926 unter dem englischen Titel The Sun Also Rises erschien. Der Roman geht auf Erlebnisse Hemingways im Schriftstellermilieu im Paris der 1920er Jahre und im spanischen Pamplona des Jahres 1924 zurück. Hemingway nahm damals an den Stierläufen der Fiesta San Fermin in Pamplona teil. Die Arbeit an dem Roman begann Hemingway Ende Juli 1925 in Valencia, setzt sie im August in Madrid, San Sebastian und Hendaye fort und schloss den ersten Entwurf des Manuskripts am 6. September in Paris ab. Im folgenden Winter nahm er im österreichischen Montafon-Tal umfassende Überarbeitungen und Kürzungen vor, ehe er das Manuskript im April 1926 an Maxwell Perkins vom Scribner-Verlag/New York sandte.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Die Handlung führt nach Paris, San Sebastián und Pamplona. Die Fiesta San Fermin, die Hemingway zugrunde legt, beginnt in Pamplona am 6. Juli 1924. Das kirchliche Fest dauert 7 Tage und 7 Nächte. Auf der Prozession tanzt die Bevölkerung, behängt mit Knoblauchkränzen, von Trommlern unterstützt, lautstark durch die Stadt im Norden Spaniens. Durch die Gassen und Straßen werden Kampfstiere getrieben, vor denen Männer - Spanier und Touristen - davonrennen im Bemühen, nicht verletzt zu werden.

Die Erzählung setzt in Paris ein und schildert das Leben dortiger amerikanischer Emigranten, das sich hauptsächlich in den Cafés abspielt. Der Ich-Erzähler Jacob Barnes, von seinen Schriftstellerfreunden Jake genannt, ist in dem Pariser Büro eines amerikanischen Magazins als Korrespondent beschäftigt. Immerhin beträgt sein Guthaben zu Romanbeginn 1.832,60 Dollar. Er kommt aus Kansas City. An der Italienfront des ersten Weltkriegs erlitt er schwere Verletzungen, die zu einer Impotenz führten. Im Lazarett lernte er die Krankenschwester Brett kennen. Jake war seinerzeit in die junge Frau, die inzwischen zweimal verheiratet war und nun Lady Ashley heißt, verliebt.

Der Jude Robert Cohen aus New York schreibt in Paris an seinem zweiten Buch. Es geht mit dem Schreiben nicht so recht voran. Er hat Frances Clyne am Hals. Frances klagt Jake ihr Leid: Robert habe ihr die Ehe versprochen und nun einen Rückzieher gemacht. Jake weicht aus. Er weiß mehr, sagt es aber Frances nicht. Brett hatte eine Affäre mit Robert in San Sebastián.

Jake reist mit Bill Gorton über Bayonne nach Pamplona zur Fiesta. Der Schriftsteller Bill kam extra mit dem Dampfer aus New York, um sich die Stierkämpfe in Spanien anzusehen. Jake ist in Pamplona als Aficionado bekannt und bekommt deshalb im Hotel Montoya ein paar von den gefragten Zimmern für sich und seine Freunde. Es gibt nicht viele Amerikaner unter den Aficionados. Deshalb achten die Spanier Jake so sehr, dass sie ihm sogar seine trinkfreudigen Freunde verzeihen. Cohn weiß, dass seine Affäre mit Brett bekannt ist und verhält sich in einer Art und Weise, die Jake und Bill, und dann auch Brett und Mike, nicht gefallen. Brett reist später mit Michael Campbell, Mike genannt, an. Sie will den Schotten, der vielleicht einmal reich werden wird, heiraten. Schließlich stellt sich heraus, dass Mike ein dem Alkohol zugeneigter Bankrotteur ist.

Obwohl die Trinkerin Brett auf der Anreise kollabiert, genießt sie die Fiesta in vollen Zügen. In der Arena sitzt sie bald vorn an der Barriere und schaut ungerührt hin, wie ein Stier mit dem Horn dem Pferd den Leib aufschlitzt. Robert findet die Vorkommnisse in der Arena eher Ekel erregend. Aber die Hauptbeschäftigung der Freunde besteht ohnehin im täglich mehrfach wiederkehrenden Trinkgelage. Bei einem beschwert sich der betrunkene Mike über Robert Cohen, der unentwegt um Brett scharwenzelt und ihr dadurch etwas auf die Nerven geht. Mike fordert Robert unmissverständlich dazu auf, Pamplona zu verlassen. Robert, der niemals betrunken ist, lässt sich nicht abweisen. Er hält sich auch nach Mikes verbaler Attacke beständig in Bretts Nähe auf und liefert Anlass zu Streitereien.

Die 34-jährige Brett bewundert den 15 Jahre jüngeren Torero Pedro Romero und bringt Jake dazu, ihr diesen vorzustellen, um ein Verhältnis mit dem 19-Jährigen zu beginnen. Der Hotelbesitzer, Señor Montoya, missbilligt es, wenn ein Torero Cognac trinkt und sich mit einer dürftig bekleideten Ausländerin öffentlich zeigt. Jake weiß das, und obwohl ihn mit Montoya eine auf der gemeinsamen Leidenschaft zu Stierkämpfen fußende Männerfreundschaft verbindet, ignoriert er Montoyas offensichtliche Missbilligung. Brett klagt Jake, ihrem "Liebling", andauernd ihr Leid, dass sie selbst verursacht; sie könne nicht anders und will das von Jake bestätigt haben. Jake zeigt sich ihr gegenüber verständnisvoll, obwohl offensichtlich ist, dass die Probleme, die zwischen dem Trinker Mike und Robert auftreten, durch die Tatsache verursacht wurden, dass sie trotz der Verlobung zu Mike eine Affäre mit Robert hatte.

Robert, in Universitätszeiten ein talentierter Amateurboxer, kann nicht verwinden, dass Brett im Hotelzimmer des Toreros Romero weilt. Er dringt ein und verprügelt den körperlich hoffnungslos unterlegenen Romero. Dann schlägt er auch noch auf den betrunkenen Jake ein. Zuletzt flüchtet Robert - wahrscheinlich zurück nach Paris zu Frances Clyne. Nach Romeros letzter famoser Corrida in Pamplona sucht Brett mit dem jungen Stierkämpfer das Weite. Nach der Fiesta verlassen Jake, Mike und Bill gemeinsam Spanien. Ihre Wege trennen sich in Südfrankreich an der Atlantikküste. Jake kehrt nach Spanien zurück, nach San Sebastián. Dort will er noch einige ruhige Tage alleine verbringen, bevor er zurück nach Paris fährt. Das funktioniert soweit auch ganz gut, bis ihm Brett telegrafiert, dass er sie in Madrid aufsuche. Wie schon zuvor denkt Jake nicht nach, sondern reagiert auf die flehentliche Bitte, nimmt den Nachtzug und trifft Brett im Hotel an. Sie hat sich von dem besitzergreifenden, aber unreifen Torero Romero getrennt. Brett und Jake unternehmen eine nachdenkliche Taxifahrt durch die heiße spanische Metropole, kommen einander dabei wieder näher und Brett bedauert wie schon zuvor das Schicksal, das nach ihrer Meinung zu dieser unglückseligen Situation führt: "Ach, Jake", sagte Brett. "Wir hätten so glücklich zusammen sein können. [...] "Ja" [...] "Ganz schön, sich das auszumalen, nicht wahr." In dieser Passage zeigt sich, wie Jake zu begreifen scheint, dass ein normales Verhältnis zu Brett niemals möglich wäre und sie sich jedes Mal nur zu ihm wendet, wenn es ihr gerade schlecht geht, dabei in Kauf nehmend, dass sie ihn immer wieder verletzt.

Der Autor über sein Werk

Hemingway selbst beschrieb in einem Brief an Francis Scott Fitzgerald, seinen Roman als "eine verdammt traurige Geschichte, in der aufgezeigt wird, wie Menschen zugrunde gehen". Wie bereits die dem Buch vorangestellten Zitate zeigen, geht es aber auch um eine zeitkritische Betrachtung der nach dem ersten Weltkrieg desillusionierten "verlorenen Generation" (Gertrude Stein) und der Illustrierung des Predigerwortes "die Erde bleibt aber ewiglich" (Salomo). Gezeigt werden die Gegensätze zwischen einer schädlichen (schwüle, stickige Atmosphäre der Pariser Nachwelt) und einer gesunden, erd- und naturverbundenen Lebensweise (Angeln in den pyrenäischen Bergflüssen), dazwischen der Sport und sein Publikum. Die Hauptfiguren drücken dies verstärkend aus: die Circe Lady Brett Ashley, die so tief im Sumpf des Alkoholismus und der Dekadenz versunken ist, dass es ihr nicht gelingt, ein neues Leben zu beginnen; der Ich-Erzähler Jack Barnes ist der typische Hemingway-Held, beherrscht, auch gegenüber seelischen und körperlichen Schmerzen gleichmütig, der hier trotz seines Anteils an der Handlung ein unbeteiligter Beobachter bleibt; der aus einer wohlhabenden Familie stammende Amateurboxer Robert Cohn, der als einziger von seinen Gefühlen spricht, aber zwischen Unsicherheit und Aggression schwankt; Pedro Romero, der männliche Stierkämpfer, stolz, ausdauernd, mutig, tapfer, natürlich, willensstark und voller Würde.

Verfilmung

The Sun Also Rises wurde 1957 vom Regisseur Henry King, der fünf Jahre zuvor auch Hemingways Schnee am Kilimandscharo (The Snows of Kilimanjaro) gedreht hatte, verfilmt. In den Hauptrollen waren Tyrone Power, Ava Gardner, Mel Ferrer, Errol Flynn, Robert Evans und Juliette Gréco zu sehen.

Weblinks

Ausgaben

  • Ernest Hemingway: Fiesta. Great Britain Guild Books 1941. 253 Seiten
  • Ernest Hemingway: Fiesta. Torino Einaudi 1946, 334 Seiten
  • Ernest Hemingway: Fiesta. Autorisierte Übertragung aus dem Amerikanischen von Annemarie Horschitz-Horst. Rowohlt, Stuttgart 1947. 269 Seiten. Illustrator: Karl Staudinger
  • Ernest Hemingway: The Sun Also Rises. Grafton, UK, 1976. ISBN 0586044671
  • Ernest Hemingway: Fiesta. Autorisierte Übertragung aus dem Amerikanischen von Annemarie Horschitz-Horst. Rowohlt Taschenbuch 22603. 288 Seiten (9. Aufl. 1. Juli 1999), ISBN 978-3-499-22603-8

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