Feministische Exegese

Feministische Exegese

Die biblische Exegese, die Auslegung der Bibel als Heilige Schrift in der christlichen Theologie, klärt die Bedeutung eines biblischen Texts. Die biblische Exegese hat in ihrer reflektierten, wissenschaftlichen Form wechselseitig die Bemühungen von Philologie, Rechtswissenschaft und einer sich entwickelnden Literaturwissenschaft unterstützt und verwertet. Insofern ist sie am Entstehen einer allgemeinen methodischen Exegese beteiligt gewesen.

Schon innerhalb der ersten Generationen des Christentums finden sich Beispiele dafür, dass neutestamentliche Texte nicht klar zu verstehen waren. So bescheinigt der 2. Petrusbrief den Briefen des Paulus und anderen Schriften, dass in ihnen „einige Dinge schwer zu verstehen sind“ (2. Petr 3,16).

Inhaltsverzeichnis

Hermeneutik und Exegese

Oft wird die biblische Exegese mit der Biblischer Hermeneutik verwechselt oder gleichgesetzt, aber die beiden sind nicht identisch. Exegese ist die praktische Auslegung eines biblischen Textes, Hermeneutik klärt die Ziele und Beweggründe für diese Auslegung.

Stationen in der Geschichte der Biblischen Exegese

Jüdische Exegese

Ein frühes Zeugnis biblischer Exegese ist schon der jüdische Talmud. Die Auslegung geschieht hier unter der Annahme, dass alle sprachlichen Einzelheiten und bisweilen auch die Schreibung der Wörter des Alten Testaments von Gott direkt veranlasst worden seien und Botschaften von Gott enthielten, die jeden Bereich des täglichen Lebens regeln. Das Alte Testament sei also direktes Wort Gottes. Bedeutend in der Formulierung der jüdischen Auslegungsmethodik sind die sieben Auslegungsregeln des Rabbi Hillel, von denen einige auch in den Predigten Jesu verwendet wurden, und später die 13 Auslegungsregeln des Rabbi Jischmael.

Christliche Exegese

Entsprechend der klassischen philologischen Schule in Alexandria stellte Origenes (ca. 185 - 254) für die Bibel die Theorie vom „mehrfachen Schriftsinn“ auf. Demzufolge reichte nicht die rein literarisch-philologische Analyse des Textes. Dem einfachen Gläubigen genügte dieser geschichtliche Sinn, jedoch sollte die Exegese für Geübtere auch den seelischen Sinn erheben und für Vollkommene der geistig-geistliche Sinn festgestellt werden.

Dieser Dreischritt somatische - psychische - pneumatische Exegese wurde dann durch Johannes Cassianus im 5. Jahrhundert zur Theorie vom vierfachen Schriftsinn ausgebaut, die für das gesamte Mittelalter prägend war. Ähnlich wie in der jüdischen Tradition der Bibelauslegung (siehe PaRDeS) tritt zur historisch-literalen Exegese nun ein Dreischritt, der sich am Schema Glaube-Liebe-Hoffnung orientiert.

  • Literalsinn (wörtliche, geschichtliche Auslegung)
  • Allegorischer Sinn (Interpretation „im Glauben“) = dogmatisch
  • Tropologischer Sinn (Interpretation „in Liebe“) = moralisch
  • Anagogischer Sinn (Interpretation „in Hoffnung“)= endzeitlich

Damit stand die Frage einer mehrdeutigen Schrift im Raum. Da aber nach eindeutigen Auslegungen gefragt wurde, setzten hier Reformbemühungen ein.

Die Reformatoren lehnen im Einklang mit dem in der Renaissance neu entdeckten historischen Bewusstsein den vierfachen Schriftsinn ab. Sie wollen historisch (und auch theologisch) „zu den Quellen“ (ad fontes). Sie fragen allein nach dem Wort- oder Literalsinn (sola scriptura). Vielfach kam es im protestantischen Raum zur Vorstellung einer „Verbalinspiration“, d. h. die Bibel sei Wort für Wort vom Heiligen Geist inspiriert und somit im wortwörtlichen Sinne unfehlbar. Damit stellte sich dann aber die Frage, ob das ausreicht. Die reformatorische Hermeneutik beantwortete das mit der theologischen These vom „Wort Gottes“, das alleinige Autorität hat und für sich spricht. Damit spitzte sich die Frage nach dem Verstehen zu und die neuzeitliche Hermeneutik entwickelte sich - zunächst als typisch protestantische Ergänzung der Exegese.

Eine entsprechende Verdeutlichung der katholischen Position erfolgte auf dem Konzil von Trient (1545-1563), als die mehrdeutige Schrift unter die Autorität von kirchlichem Lehramt gestellt wurde: Ohne das (bischöfliche bzw. päpstliche) Lehramt bleibt die Bibel zweideutig. Durch die enge Anlehnung der Bibel an die kirchliche Tradition bildete sich zunächst explizit keine Hermeneutik heraus.

Die Exegese seit der Aufklärung reagierte insbesondere auf die altprotestantische (lutherische) Orthodoxie des 16. und 17. Jahrhunderts, die den Literalsinn mit „Gottes Wort“ gleichsetzte und somit den Bibeltext erneut mit einem bis ins Äußerste verfeinerten Regelwerk umgab. Die sich als wissenschaftlich verstehende Exegese der Aufklärung propagierte dagegen die Trennung von Literalsinn der Bibel und „Wort Gottes“ in der Bibel. Damit konnte der Bibeltext mit nun sich schnell entwickelnden philologischen und historischen Methoden untersucht werden, wogegen die Dogmatik (insbesondere die Schriftlehre) und die Biblische Hermeneutik sich um das Verstehen der analysierten Texte kümmern sollte.

Der konservative Protest gegen die Bibelauslegung der Aufklärung firmierte im 19. Jahrhundert unter dem Stichwort Repristinationstheologie: Es war der Versuch, den früheren, voraufklärerischen Umgang mit der Bibel wiederherzustellen. Die Repristinationstheologie konnte sich allerdings nicht durchsetzen.

Wenn auch eine absolut objektive Exegese nicht möglich ist, so sind doch ihre Ergebnisse heutzutage zwischen katholischen und evangelischen (und mit Einschränkung auch orthodoxen) Theologen im akademischen Bereich weithin ähnlich. Die Verwertung der Ergebnisse einer exegetischen Standardanalyse jedoch kann sehr unterschiedlich sein.

Allgemeines zur biblischen Exegese

die Bibel Christians III. von Dänemark, Kopenhagen, 1550 - die erste dänische Übersetzung - in 3000-facher Auflage

In der heutigen Zeit gibt es verschiedene exegetische Methoden, die sich bezüglich ihrer Voraussetzungen und Methoden mehr oder weniger stark unterscheiden. Allen gemeinsam ist, dass sie sich bemühen, den ausgewählten Textabschnitt der Bibel (die „Perikope“) sachgemäß und fachgerecht auszulegen (Als „Schriftauslegung“ bezeichnet man umgangssprachlich ja die Interpretation eines Textes (einer Schrift): Im engeren Sinne ist damit die Auslegung einer Heiligen Schrift gemeint, so z. B. der Bibel (Biblische Exegese) oder des Koran). Einführend wird hier also zunächst versucht, das Vorgehen einer sachgerechten Schriftauslegung am Beispiel der Bibelauslegung (Exegese) für theologische Laien verständlich zu erklären und zu begründen:

Damit nicht jeder aus der Bibel die Ansichten heraushebt und für allein gültig erklärt, die ihm persönlich „in den Kram“ passen, sollten bei der Auslegung der Bibel („Exegese“) bestimmte Regeln beachtet werden, so z. B. dass Einzelverse nicht aus dem Zusammenhang gerissen werden dürfen, dass die Aussageabsicht des Verfassers in seinem ursprünglichen historischen, sozialen und politischen Kontext erforscht werden muss usw. (Beispiel: Man kann nicht davon ausgehen, dass mit dem Verbot des Blutvergießens im AT gemeint sei, dass eine Bluttransfusion gegen ein göttliches Gebot verstoße).

Nach Auffassung vieler Christen – mit Ausnahme von Fundamentalisten und Evangelikalen – ist die Bibel weder ein in jedem einzelnen Buchstaben unfehlbares, wörtlich zu befolgendes Buch, noch ist sie eine belanglose Sammlung alter und somit überholter Märchen und Legenden. Viele biblische Erzählungen, seien sie auch noch so alt, enthalten - neben vielerlei Inhalten symbolischer Bedeutung - historisch zuverlässige Kerne, die später archäologisch belegt werden konnten. Auch enthalten sie Lebenserfahrungen und „-weisheiten“ vieler Generationen, Erfahrungen von Liebe und Leid, Tod und „Schicksal“, aus denen man lernen kann (und die man, ihrer Schmerzhaftigkeit wegen, nicht alle selbst machen muss), - Erfahrungen, die schließlich den Glauben an Gott bewirkt haben und aus diesem Glauben heraus auch gedeutet worden sind. Als Hilfsangebot zur Verarbeitung von Erfahrungen aller Art, als Deutungs- und/oder Sinnangebot an jeden einzelnen Menschen wird die Bibel auch heute noch von ihren Befürwortern für wichtig gehalten.

Methoden der Exegese (I): Die historisch-kritische Methode

Die verbreitetste Methode der biblischen Exegese ist die „historisch-kritische Methode“. Sie hat zum Ziel, einen biblischen Text in seinem damaligen historischen Kontext auszulegen, wobei die Rekonstruktion der vermuteten Vorgeschichte des Textes eine besondere Rolle spielt. Die Vorgehensweise dieser Methode der Bibelauslegung wird unter „Historisch-kritische Methode“ ausführlich beschrieben. Dort finden sich auch Hinweise zur Geschichte und zur Kritik dieser Methodik.

Methoden der Exegese (II): (Neuere) Varianten

Die einzelnen, je nach Standpunkt unterschiedlichen Exegese-Methoden sind hier nun im Folgenden kurz beschrieben, Näheres findet sich in den einzelnen Artikeln.

Während die klassische historisch-kritische Methode im 18.-20. Jahrhundert von deutschen evangelischen Theologen entwickelt wurde und hierzulande weiter eine besondere Stellung einnimmt, wurden die neueren Methoden nahezu alle aus dem englischen oder französischen Sprachraum übernommen (ausgenommen Rezeptionsästhetik und Tiefenpsychologie). Es ist also eine deutliche Verschiebung der exegetischen Fachdiskussion hin zur Internationalität zu beobachten. Zu den folgenden Exegeseformen gibt es in der Regel jeweils schon hunderte oder tausende Publikationen, die mit dieser Methode Bibelauslegung betreiben:

Kontextuelle Exegese

Zur kontextuellen Exegese gehören verschiedene exegetische Modelle, die die Bibel und die religiöse Tradition jeweils für eine bestimmte – meist gesellschaftlich unterdrückte – Zielgruppe erschließen wollen. Es gibt kontextuelle Exegese u. a. für und von Frauen, Afroamerikaner und Homosexuelle. Begründet wird eine kontextuelle Exegese damit, dass eine kontextfreie Exegese ohnehin nicht möglich wäre. In jeder Exegese würden sich im Ergebnis die Machtverhältnisse der Gesellschaft widerspiegeln. Die kontextuelle Exegese will dieses Problem dadurch korrigieren, dass sie bewusst Partei für die Unterdrückten ergreift. Die kontextuelle Exegese fragt dabei nicht nur nach den gesellschaftlichen Machtverhältnissen der Gegenwart, sondern auch nach denen zur Zeit der Entstehung der Bibel und der Tradition.

Diejenigen, die von der bisherigen patriarchalischen Exegese unterdrückt worden sind (Frauen, Arme, Bewohner der nichtwestlichen Welt, Juden, Angehörige nichtmonotheistischer Religionen, Homosexuelle, theologische Laien, Kinder, die Schöpfung bzw. ökologische Bewegung), sollen nun auch zu Wort kommen können und ihre Sicht auf die Bibel und ihre Interpretation mitteilen. Dieses Anliegen wird mehr oder weniger kämpferisch formuliert, daher auch die alternative Bezeichnung „engagierte Exegesen“.

Siehe auch: The Context Group

Beispiele für kontextuelle Exegese:

Feministische Exegese

Gemeinsam ist den einzelnen Richtungen der feministischen Bibelauslegung das Interesse, die Rolle und das Leben von Frauen in der Bibel zu erforschen und stärker im allgemeinen Bewusstsein zu verankern. Zudem hinterfragt sie kritisch das Männer- und Frauenbild der Bibel, deren Texte wohl alle von Männern verfasst worden sind. Schließlich will sie biblische Inhalte für Frauen in der heutigen Zeit nachvollziehbar machen.

Bedeutende feministische Exegetinnen sind Carola Moosbach, Carter Heyward, Dorothee Sölle, Elisabeth Schüssler-Fiorenza, Helga Kohler-Spiegel, Luise Schottroff, Maria Jepsen, Marie-Theres Wacker, Irmtraud Fischer, Ruth Ahl, Ulrike Bail, Barbara Mörtl.

Siehe auch: Feministische Exegese, Feministische Theologie, Feminismus

Befreiungstheologische Exegese

Bedeutende befreiungstheologische Exegeten sind Alberto Libanio, Antônio Moser, Ernesto Cardenal, Dom Erwin Kräutler, Dorothee Sölle, Gustavo Gutiérrez, Dom Hélder Câmara, Horst Goldstein, Hugo Assmann, Ignácio Ellacuria, Johann Baptist Metz, Jon Sobrino, Leonardo Boff, Oscar Romero, Paulo Suess, Ronaldo Muñoz.

Siehe auch: Befreiungstheologie, Befreiungstheologische Exegese

Black Theology

In der vor allem in Südafrika und den Vereinigten Staaten entwickelten Black Theology wird Exegese aus dem Kontext der Lebenswirklichkeiten von Menschen mit schwarzer Hautfarbe betrieben. Der christliche Umgang mit Ausgegrenzten und Marginalisierten spielt eine wichtige Rolle, ebenso das Aufgreifen von Elementen afrikanischer Kultur und Religionen.[1]

Literaturwissenschaftlich und linguistisch orientierte Methoden

Narrative Exegese

Die narrative Exegese entstammt dem französischen literaturwissenschaftlichen Strukturalismus. Wichtigster Vertreter der strukturalistischen Erzähltheorie ist hier Gerard Genette. Sie ist zum Teil schon in die neuesten Methodenlehren unter den Methodenschritt "Textanalyse" integriert. Allerdings passt die strukturalistische Texttheorie möglicherweise nicht wirklich zur historisch-kritischen Methode.

Siehe auch: narrative Exegese

Intertextuelle Exegese

Intertextuelle Bibelauslegung ist ein noch recht junges exegetisches Auslegungsparadigma (seit Ende der 1990er), hat aber in den letzten Jahren bereits außerordentlich viele Publikationen hervorgebracht. Die intertextuelle Exegese basiert auf der Theorie der Intertextualität, die der französische Poststrukturalismus um Julia Kristeva in den 1960er Jahren entwickelte (vgl. Postmoderne). Bei „Intertextualität“ geht es um die Transposition eines Zeichensystems in ein anderes. Intertextualität versucht zu beschreiben, was passiert, wenn man einen Text mit anderen Texten in Beziehung setzt. Texte bilden miteinander ein Universum, ein Netzwerk, ein Gewebe. Es geht also um Text-Text-Relationen, wobei im Poststrukturalismus mit „Text“ alles gemeint sein kann: die Gesellschaft, der literarische Kontext, der historische Kontext, der Autor, der Leser und dessen Vorverständnis, die Gesellschaft usw. Für die intertextuelle Exegese wurden besonders die Kriterien für intertextuelle Echos von Richard B. Hays (1989) zum Standardinstrument. Zur intertextuellen Exegese gehört auch die Spezialform der kanonisch-intertextuellen Exegese (Georg Steins, Thomas Hieke u.a.), die eine literaturwissenschaftlich reflektierte Transformation der alten kanonischen Exegese (Brevard S. Childs) darstellt.

Siehe auch: intertextuelle Exegese, kanonisch-intertextuelle Exegese, Intertextualität

Rhetorische Exegese

Siehe auch: Rhetorische Exegese, Rhetorik

Rezeptionsästhetische Exegese (engl. reader-response criticism)

Die Interpretation richtet sich bei der Rezeptionsästhetik nicht mehr auf den Sinn des Textes, sondern konzentriert sich auf die Interaktion von Text und Leser. Die Methode der rezeptionsästhetischen Exegese fragt dabei danach, welche Leserlenkung ein Text bietet (Wolfgang Iser, Hans Robert Jauß). Sie ist in der Bibelauslegung bereits ein Klassiker unter den neuen Methoden, auch in Deutschland sehr verbreitet.

Siehe auch: Rezeptionsästhetische Exegese, Rezeptionsästhetik

Wirkungsgeschichtliche Exegese

Die wirkungsgeschichtliche Exegese beschäftigt sich mit der Frage, wie ein Bibeltext zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Medien (Malerei, Plastik, Architektur, Musik, Literatur, Predigten, wissenschaftliche Texte, Texte von Nichttheologen) interpretiert worden ist.

Siehe auch: Wirkungsgeschichtliche Exegese

Dekonstruktivistische Exegese

Eher im englischsprachigen Bereich vertreten, weniger in Deutschland. Die dekonstruktivistische Exegese ist eine ausgeprägte, häufig spielerisch erscheinende Form des Poststrukturalismus (vgl. intertextuelle Exegese). Nach Jacques Derrida ist „Sinn“ nur ein unendliches Spiel von Zeichen.

Siehe auch: Dekonstruktivistische Exegese, Dekonstruktivismus

Linguistische Exegese

Semiotische Exegese

Mit der semiotischen Exegese sind in Deutschland besonders die Namen Erhardt Güttgemanns und Stefan Alkier verbunden.

Siehe auch: Semiotische Exegese, Textsemiotik, Semiotik

Textpragmatische Exegese

Vertreter der (text)pragmatischen Exegese sind unter anderen Christof Hardmeier, Hubert Frankemölle.

Siehe auch: Textpragmatische Exegese, Textpragmatik, Pragmatik (Linguistik)

Von anderen Sozialwissenschaften inspirierte Exegese

Kulturanthropologische Exegese

Die kulturanthropologische Exegese ist im angelsächsischen Sprachraum recht weit verbreitet (Bruce J. Malina) und wird in Deutschland von Wolfgang Stegemann und seinen Schülern vorangetrieben.

Siehe auch: Kulturanthropologische Exegese, Kulturanthropologie, Ethnologie

Sozialgeschichtliche Exegese

Psychologische Exegese

Tiefenpsychologische Exegese

In der Tiefenpsychologischen Exegese geht es vor allem darum, im Gegensatz zu den anderen Methoden, von einem völlig anderen Ansatz auszugehen. Der Ansatz dieser Methode ist der Traum sowie die Welt des kollektiven Unbewussten (Archetypes). Die Methode stützt sich vor allem auf die Tiefenpsychologie von Sigmund Freud und Carl Gustav Jung. In der bekanntesten Arbeit über diese Methode, Tiefenpsychologie und Exegese, legt Eugen Drewermann detailliert dar, wie die Bibel gedeutet werden kann, und übt darin scharfe Kritik an der Historisch-Kritischen Methode. Drewermann geht davon aus, dass bei einer tiefenpsychologischen Auslegung eines archetypischen Textes grundsätzlich verschiedene Textarten vorhanden sein können, es sind dies: Mythos, Legende, Novelle, Erscheinungs- und Berufungsgeschichte, Prophetie sowie Apokalypse. Jede dieser Erzählformen projiziert ein bestimmter Teil des Unbewussten auf ein Bild.

Interaktionale Auslegung

Eine gruppendynamische Form der Auslegung, bei der erfahrungsbezogen und ganzheitlich gearbeitet wird. Die Auslegung findet in drei Phasen statt.

1. Phase: Nähe zum Text/ Begegnung aus den Vorerfahrungen

2. Phase: Distanzierung/ Begegnung mit den Fremderfahrungen des Textes

3. Phase: erneute Nähe/ Aktualisierung

Die Interaktionale Auslegung hat mehrere Ursprünge: die Kritik des historisch-kritischen Exegese (Walter Wink), dem Symbolischer Interaktionismus, und die Themenzentrierte Interaktion. Wichtige VertererInnen sind: Detlev Dormeyer, Walter Wink, Anneliese Hecht, Tim Schramm

Bibliodrama

Theologische Exegeseformen

Konfessionelle Exegese

Zur konfessionellen Exegese gehören z. B. katholische Exegese, lutherische Exegese, methodistische Exegese, baptistische Exegese oder pfingstkirchliche Exegese. Dies ist nicht im tatsächlichen Sinn gemeint, sondern als Programm: Die Verständnisvoraussetzungen, die ein Katholik, Lutheraner usw. hat, sollen in die Bibelinterpretation einfließen.

Grammatisch-historische Exegese

Die grammatisch-historische Exegese zielt darauf hin, den Text entsprechend der ursprünglichen Absicht des Autors zu verstehen, so weit dies möglich ist. Sie stützt sich dabei auf exakte Analyse von Grammatik und Wortbedeutung ebenso wie auf Elemente der historisch-kritischen Methode wie Formgeschichte, Redaktionsgeschichte, oder Midraschgeschichte.

Sie geht jedoch von grundsätzlich anderen Voraussetzungen aus als die Textgeschichte: die Bibel wird als Heilige Schrift gesehen, die von Gott inspiriert ist. Die als historisch berichteten Ereignisse werden im Wesentlichen als historische Ereignisse gesehen, auch Wunder werden nicht a priori ausgeschlossen.

Die grammatisch-historische Exegese wird von vielen evangelikalen Theologen angewandt.

Dogmatische Exegese

Die dogmatische Exegese versucht, aus den Schriften Grundparameter des Glaubens herauszuarbeiten, die für alle Menschen von Bedeutung sind, arbeitet also systematisch-philosophisch.

Die dogmatische Exegese spielt in der katholischen Kirche eine wesentliche Rolle.

Existenzialistische Exegese

Die existenzialistische Exegese gehört zu den sachorientierten Auslegungsarten: Hier wird versucht, menschliche Grundverfasstheiten aus den Texten zu schälen.

Siehe auch: Existentiale Interpretation

Fundamentalistische Exegese

Die fundamentalistische Exegese geht von der Verbalinspiration und Irrtumsfreiheit der Bibel aus. Sie versteht die Bibel (abgesehen von eindeutig poetischen Texten) als historische Berichte, welche genauso geschehen sind, wie sie in der Bibel stehen. Die fundamentalistische Exegese hat keinen Zweifel daran, dass die Wundergeschichten wirklich so geschehen sind, und sind der Meinung, dass man diese Texte nicht interpretieren muss.

Eisegese

Als Eisegese wird ein der Auslegung aus dem Text heraus gegenläufiges Verfahren bezeichnet, das darin besteht, eine vorher vorhandene oder vorgegebene Meinung anhand von z. B. biblischen Textstellen, die dabei dogmatisch verstanden werden, zu „beweisen“.

Zum Methodenpluralismus

Angesichts der großen Vielfalt der Methoden, die seit den 1970er Jahren ihren Eingang in die Exegese gefunden haben, stellt sich die Frage, wie diese miteinander zusammenhängen. Bauen alle diese Methoden in irgendeiner Weise aufeinander auf? Sind sie von ihren Voraussetzungen her miteinander vereinbar? Sind alle Methoden der Bibelauslegung gleich sinnvoll und legitim? Bei jedem Text? Darf es auch eine spezifisch theologische Interpretation der Bibel geben? Diese Fragen tauchen seit einigen Jahren in der exegetischen Fachdiskussion zunehmend auf, sind jedoch noch nicht befriedigend beantwortet.

Biblische Exegese im Kontext anderer Wissenschaften

Zur Stellung der Bibelwissenschaft innerhalb der theologischen Disziplinen siehe den Hauptartikel Theologie.

Die biblische Exegese war und ist bemüht, die Erkenntnisse und Methoden anderer textinterpretierender Wissenschaften aufzunehmen. Aufgrund des eng begrenzten Textkorpus (im Gegensatz zur Geschichts- oder Literaturwissenschaft), der hohen und zugleich umstrittenen Bedeutung der Bibel spielte die Entwicklung von genauen Methoden und einer reflektierten Hermeneutik natürlicherweise eine zentrale Rolle in der biblischen Exegese. Bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte sie auch noch wesentlichen Anteil am Entstehen einer allgemeinen Hermeneutik, als sich die historische Textinterpretation und juristische Textinterpretation abkoppelten. Heutzutage hat die biblische Exegese methodisch jedoch nur noch geringen Einfluss auf andere Wissenschaften, sie ist in hohem Maße rezipierend. Dafür ist sie seit einiger Zeit ein Schmelztiegel für sehr unterschiedliche Wissenschaften geworden, was auch neue methodische Erkenntnisse ermöglichen könnte.

  • Da sich die klassische historisch-kritische Auslegung vorrangig als historische Wissenschaft versteht, bestehen besonders enge Verbindungen zur Geschichtswissenschaft. Die Bibelexegese dürfe keine anderen Methoden verwenden als die allgemeine Geschichtswissenschaft. In den letzten Jahren werden zunehmend auch geschichtstheoretische Überlegungen rezipiert, z. B. von Jörn Rüsen oder Hayden White. Mit der Altphilologie wird insbesondere die Methode der Textkritik geteilt.
  • Die Archäologie wird in der Exegese in besonderer Weise aufgegriffen, da sie häufig zur historisch-kritischen Interpretation der Bibeltexte notwendig ist. Manche biblischen Exegeten sind zugleich Archäologen (biblische Archäologie). Zur Altorientalistik (Ägyptologie, Hethitologie, Assyriologie u.a.), Judaistik und Religionswissenschaft bestehen ebenfalls enge Beziehungen.
  • Zur Auslegungsmethode der Rechtswissenschaft bestehen fast nur historische Verbindungen, vor allem im 19. Jahrhundert gab es noch einen regen Austausch (Schleiermacher, von Savigny u.a.). Bibel- und Rechtswissenschaft verband ursprünglich beide die Aufgabe, dass man einen für die Gesellschaft oder für Teile der Gesellschaft normativen Text in reflektierter Weise auszulegen habe. Allerdings hat die Exegese die Voraussetzung, dass es sich bei der Bibel um einen normativen Text handle, und auch die speziellen Fragen, die damit verknüpft sind, aufgrund ihrer historischen Ausrichtung weithin aufgegeben und tritt so in eine gewisse Spannung zur theologischen Dogmatik (siehe Historisch-kritische Methode, Ernst Troeltsch, Biblische Theologie, Exegese-Dogmatik-Problem). Die juristische Textauslegung erscheint methodisch weniger stark reflektiert als die biblische Exegese; man vergleiche die Methodenbücher von Karl Larenz (Rechtswissenschaft) und Odil Hannes Steck (Biblische Exegese). Inhaltlich gibt es zwischen Bibel- und Rechtswissenschaft deutliche Bezüge. Für die Rechtsgeschichte ist die Bibelwissenschaft von besonderer Bedeutung, vgl. nur die Zehn Gebote, das Bundesbuch (Ex 20,24-23,12) und weitere alttestamentliche Gesetzestexte. Siehe auch die Zeitschrift für biblische und altorientalische Rechtsgeschichte und Gesetz (Theologie).
  • Bibelexegese und Philosophie berühren sich ebenfalls an vielen Punkten. Besonders die philosophische Hermeneutik (Gadamer, Ricoeur u.a.) hat auf die biblische Exegese eingewirkt. Außerdem wurden einzelne philosophische Konzepte auf die Exegese angewendet, wie z. B. Heideggers Existenzialontologie auf die existenziale Interpretation von R. Bultmann. Was die konkrete Methode der wissenschaftlichen Textinterpretation angeht, so wird die Interpretation von philosophischen Texten weniger stark durch methodische Überlegungen gesteuert als in der Bibelexegese. Einen konkreten Austausch auf dieser Ebene gibt es bisher kaum. Inhaltlich ist die Theologie insgesamt mit der Philosophie dadurch sehr verbunden, dass sie sich mit ähnlichen Fragen beschäftigt: Was ist der Sinn des Lebens? Gibt es etwas nach dem Tod? Was ist der Mensch? Was ist Glück? Gibt es Gott? Wie ist ein gelingendes Leben möglich usw. Die Bibelexegese hat an diesen Fragen jedoch höchstens indirekten Anteil.
  • Linguistik, Semiotik und Kommunikationstheorie werden in der Exegese inzwischen zum größten Teil aufgegriffen, vor allem in den neueren Methoden; die Übersetzungswissenschaft und Computerlinguistik bisher eher nur in Ansätzen.
  • Die Literaturwissenschaften (Germanistik, Anglistik, Romanistik, Slavistik u.a.) kommen methodisch in der rezeptionsästhetischen und narrativen Exegese zu ihrem Recht. Hier kommt es in den letzten Jahrzehnten zu einer zunehmenden methodischen Vernetzung von Bibel- und Literaturwissenschaft, die in einer nicht unerheblichen Spannung steht zur bisherigen historischen Orientierung der Bibelexegese („Diachronie“ versus „Synchronie“). Inhaltliche Berührungspunkte gibt es auch bei der wirkungsgeschichtlichen Exegese - wenn man z. B. als ExegetIn untersucht, wie Thomas Mann die Josephsnovelle (Genesis 37-50) verstanden und literarisch verarbeitet hat.
  • Über die wirkungsgeschichtliche Exegese ergeben sich weitere Verknüpfungen zur Musik-, Kunst-, Theater- und Filmwissenschaft. Beispielsweise die Johannespassion von Johann Sebastian Bach, ein Kreuzigungsbild von Lucas Cranach d.Ä. oder ein kunstreich geschnitztes Kruzifix, die Oberammergauer Passionsspiele oder der Film „Die Passion“ von Mel Gibson gelten nach diesem Verständnis auch als Formen von biblischer Exegese, hier speziell der Passionsgeschichte (Mk 14-15 und Parallelen). Allerdings ist das Verhältnis von bibel-, musik-, kunst-, theater- und filmwissenschaftlicher Hermeneutik noch nicht wirklich geklärt (vgl. Erwin Panofsky für die Kunstwissenschaft, Aristoteles für die Theaterwissenschaft u.a.). Auch christliches Brauchtum, nichtwissenschaftliche Bibelerklärungen, Predigten oder eben die christliche Dogmatik sind Formen von Bibelauslegung, deren Verhältnis zur „eigentlichen“ biblischen Exegese bestimmt werden kann.
  • Einzelne neuere Methoden versuchen die Erkenntnisse verschiedener anderer Wissenschaften in die Bibelexegese zu integrieren: Die soziologische Exegese greift auf die Soziologie zurück, die psychologischen und tiefenpsychologischen Exegeseformen auf psychologische Theorien und die kulturanthropologische Exegese auf Ethnologie, (vergleichende) Kulturwissenschaft und Kulturanthropologie.
  • Gelegentliche interdisziplinäre Verbindungen: Mit der Wirtschafts- und Politikwissenschaft bestehen weniger methodische, sondern eher inhaltliche Berührungspunkte. Zum einen dient die Bibelexegese als historische Quelle zur Wirtschaftsgeschichte und Geschichte des politischen Denkens. Daneben versuchen Theologen aus der Bibel Eckpunkte für eine Wirtschaftsethik sowie eine politische Ethik zu gewinnen. - Ähnlich ist es bei der Pädagogik und Didaktik. Für die Geschichte der Pädagogik ist die Bibel eine wichtige Quelle, seien es gewisse Erziehungsratschläge im Sprüchebuch oder das bekannte Schma Jisrael (Dtn 6,4f), das die Israeliten ihren Kindern einprägen sollen (6,6ff). Die Bibel selbst wurde außerdem bis in die Aufklärung hinein als „pädagogisches“ Buch Gottes für die Menschen angesehen (vgl. Lessings „Erziehung des Menschengeschlechts“). Inhaltlich findet man Ergebnisse der biblischen Exegese natürlich in der Religionspädagogik wieder. - Nur vereinzelt kommen Berührungspunkte zu naturkundlichen Disziplinen vor: Biologie (bei Tier- und Pflanzennamen im Alten Testament), Mineralogie (bei Namen von Edelsteinen), Astronomie (Namen von Sternbildern), Schifffahrt (z. B. Apostelgeschichte 27) oder Medizin (z. B. bei Krankheiten, die geschildert werden). Bei der Übersetzung und Auslegung entsprechender Stellen arbeiten Bibelexegeten manchmal mit jeweiligen Fachleuten zusammen. - Zu den Ingenieurswissenschaften schließlich bestehen nur indirekte Anknüpfungspunkte: nämlich über die Archäologie, wenn die biblische Exegese erforscht, wie Realia (Häuser, Tempel, Schiffe, Straßen, ...) in der damaligen Zeit konstruiert waren. Übrigens soll auch Jesus nach Mk 6,3 ein τεκτων (tekton), also ein Baumeister, gewesen sein.

Grenzen der biblischen Exegese

Grundsätzlich kann keine Auslegungsmethode mit Sicherheit für die Richtigkeit ihrer Ergebnisse garantieren. Historische Fakten können mit keiner Methode bewiesen werden, sondern höchstens gut belegt und plausibel gemacht werden.

Die Euphorie, die sich sowohl in den evangelischen Kirchen wie auch in der katholischen Kirche angesichts des neu erworbenen historischen Instrumentariums gebildet hatte, ist somit gebrochen.

Einzelnachweise

  1. als Standardwerk kann hier gelten: Felder, Cain Hope. The African Heritage Study Bible, Nashville, Tenn. The James C. Winston Publishing Company, 1993

Literatur

Geschichte der biblischen Exegese

  • Hans-Joachim Kraus: Geschichte der historisch-kritischen Erforschung des Alten Testaments von der Reformation bis zur Gegenwart. (1956) 3. erw. Aufl. Neukirchener Verl., Neukirchen-Vluyn 1982
  • Werner Georg Kümmel: Das Neue Testament. Geschichte der Erforschung seiner Probleme. (1958) 2. Aufl. Alber, Freiburg/München 1970
  • Peter Stuhlmacher: Vom Verstehen des Neuen Testaments. Eine Hermeneutik. NTD.E 6. 1979. 2. neubearb. Aufl. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1986, ISBN 3-525-51355-6 (formal falsche ISBN).
Auf S. 76-221 gut lesbarer Überblick über die Geschichte der biblischen Exegese: Von der altkirchlichen Schriftauslegung über Reformationszeit, Aufklärung, 19., 20. Jh. bis hin zu Paul Ricoeur und Textlinguistik.
  • Henning von Reventlow: Epochen der Bibelauslegung. 4 Bde. Beck, München 1990-2001 (monumentales Werk, detailliert)
Bd. 1: Vom Alten Testament bis Origenes, 1990 ISBN 3-406-34663-4; Bd. 2: Von der Spätantike bis zum Ausgang des Mittelalters, 1994 ISBN 3-406-34986-2; Bd. 3: Renaissance, Reformation, Humanismus, 1997 ISBN 3-406-34987-0; Bd. 4: Von der Aufklärung bis zum 20. Jahrhundert, 2001 ISBN 3-406-34988-9.
  • William Baird: History of New Testament Research. 2 Bde. Fortress Press, Minneapolis 1992/2003
  • Stephen Neill, Tom Wright: The Interpretation of the New Testament, 1861-1986. University Press, Oxford 2. Aufl. 1988.
  • Hans Josef Klauck: "Die katholische neutestamentliche Exegese zwischen Vatikanum I und Vatikanum II". In: Manfred Weitlauff, Peter Neuner (Hrsg.): Für euch Bischof - mit euch Christ. FS für Friedrich Kardinal Wetter. St. Ottilien 1998, S. 85-119. (zu den Umbrüchen in der kath. Exegese und deren Angleichung an die protestantische historisch-kritische Auslegung)

Wissenschaftliche Methodenlehren

Diese Methodenbücher beschreiben das Vorgehen bei der Bibelauslegung Schritt für Schritt.

Altes Testament

  • Klaus Koch: Was ist Formgeschichte? Methoden der Bibelexegese. (1964) 5. Aufl. Neukirchen-Vluyn 1989.
  • Georg Fohrer et al.: Exegese des Alten Testaments. Einführung in die Methodik. UTB 267. (1973) 6., durchges. Aufl., Quelle & Meyer, Heidelberg 1993 ISBN 3-8252-0267-4
  • Odil Hannes Steck: Exegese des Alten Testaments. Leitfaden der Methodik. Ein Arbeitsbuch für Proseminare, Seminare und Vorlesungen. 14., durchges. u. erw. Aufl. Neukirchener, Neukirchen-Vluyn 1999 ISBN 3-7887-1586-3 (immer noch das Standardwerk, ohne die neueren Ansätze)
  • Gottfried Adam / Otto Kaiser u.a.: Einführung in die exegetischen Methoden. Kaiser/Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2000 ISBN 3-579-02651-3 (formal falsche ISBN) (bearb. Neuaufl. einer zwanzig Jahre alten Methodenlehre, knapp, zu AT S. 13-70)
  • Helmut Utzschneider/Stefan Ark Nitsche: Arbeitsbuch literaturwissenschaftliche Bibelauslegung. Eine Methodenlehre zur Exegese des Alten Testaments. Kaiser/Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2001 ISBN 3-579-00409-3 (berücksichtigt auch die neueren "synchronen" Methoden)
  • Manfred Dreytza/Walter Hilbrands/Hartmut Schmid: Das Studium des Alten Testaments. Eine Einführung in die Methoden der Exegese. Bibelwissenschaftliche Monographien 10. 2., überarb. Aufl. R. Brockhaus, Wuppertal 2007 ISBN 3-417-29471-1
  • Christof Hardmeier: Textwelten der Bibel entdecken. Grundlagen und Verfahren einer textpragmatischen Literaturwissenschaft der Bibel. Band 1/1. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2003 ISBN 3-579-05449-X (Einführung in die textpragmatische Bibelauslegung, Transformation der bisherigen historisch-kritischen Methode)
  • Uwe Becker: Exegese des Alten Testaments. Ein Methoden- und Arbeitsbuch. UTB 2664. Mohr Siebeck, Tübingen 2005 ISBN 3-8252-2664-6 (knappe Übersicht; ohne neuere Methoden; weiterführende Literaturangaben)

Neues Testament

  • Heinrich Zimmermann: Neutestamentliche Methodenlehre. Darstellung der historisch-kritischen Methode. 7. Aufl. neubearb. v. Klaus Kliesch. Kath. Bibelwerk, Stuttgart 1982
  • Klaus Berger: Exegese des Neuen Testaments. Neue Wege vom Text zur Auslegung. UTB 658, 2., durchgesehene Auflage, Quelle & Meyer, Heidelberg 1984 ISBN 3-494-02070-1
  • Gerhard Lohfink: Jetzt verstehe ich die Bibel. Ein Sachbuch zur Formkritik. 13. Aufl. Kath. Bibelwerk, Stuttgart 1986 ISBN 3-460-30632-7
  • Klaus Haacker: Neutestamentliche Wissenschaft. Eine Einführung in Fragestellungen und Methoden. (1981) 2. Aufl. R. Brockhaus, Wuppertal 1985 (eher knapp)
  • Dieter Lührmann: Die Auslegung des Neuen Testaments. Zürcher Grundrisse zur Bibel. (1984) 2. Aufl. Zürich 1987
  • Wilhelm Egger: Methodenlehre zum Neuen Testament. Einführung in linguistische und historisch-kritische Methoden. Herder, Freiburg 1987 ISBN 3-7462-0441-0 (Klassiker; bezieht linguistische Methoden ein)
  • Grant R. Osborne: The Hermeneutical Spiral. A Comprehensive Introduction to Biblical Interpretation. InterVarsity, Downers Grove 1991 ISBN 0-8308-1288-1 (ein Beispiel für ein recht detailliertes engl. Methodenbuch)
  • Hans Conzelmann / Andreas Lindemann: Arbeitsbuch zum Neuen Testament. UTB 52. (1975) 12. Aufl. Tübingen 1998 ISBN 3-8252-0052-3 (Klassiker; rein historisch-kritisch; mehreren Generationen von ev. Theologiestudenten bekannt)
  • Willi Marxsen: Einleitung in das Neue Testament. Eine Einführung in ihre Probleme. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1978 (4. Aufl.) ISBN 3-579-04444-3
  • Thomas Söding: Wege der Schriftauslegung. Methodenbuch zum Neuen Testament. Unter Mitarb. v. Christian Münch. Herder, Freiburg/Basel/Wien 1998 ISBN 3-451-26545-1 (sehr fundiert)
  • Wolfgang Fenske: Arbeitsbuch zur Exegese des Neuen Testaments. Ein Proseminar. Kaiser/Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1999 ISBN 3-579-02624-0
  • Heinz-Werner Neudorfer / Eckhard J. Schnabel (Hrsg.): Das Studium des Neuen Testaments. Band 1: Eine Einführung in die Methoden der Exegese. Bibelwissenschaftliche Monographien 5. Brockhaus, Wuppertal; Brunnen, Gießen/Basel 1999 ISBN 3-417-29434-7
  • Martin Meiser / Uwe Kühneweg u.a.: Proseminar II. Neues Testament - Kirchengeschichte. Ein Arbeitsbuch. Kohlhammer, Stuttgart/Berlin/Köln 2000 ISBN 3-17-015531-8
  • Martin Ebner / Bernhard Heininger: Exegese des Neuen Testaments. Ein Arbeitsbuch für Lehre und Praxis. Schöningh, Paderborn 2005 ISBN 3-8252-2677-8 (didaktisch ausgefeilt, ziemlich unkonventionell)
  • Udo Schnelle: Einführung in die neutestamentliche Exegese. 6. neubearb. Aufl. UTB 1253. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005 ISBN 3-525-03230-7 (knappe Übersicht; wird im ev. Theologiestudium häufig verwendet)

Zu neueren Methoden und Methodenpluralismus

  • Walter Wink: Bibelauslegung als Interaktion. Über die Grenzen historisch-kritischer Methode. Urban-Taschenbücher 622. Kohlhammer, Stuttgart u.a. 1976
Wink verwendete als erster die Formulierung vom "Bankrott der Bibelkritik", weil die historisch-kritische Methode nicht in der Lage sei, "die Schrift so zu interpretieren, daß die Vergangenheit lebendig wird" (S. 7).
  • Horst Klaus Berg: Ein Wort wie Feuer. Wege lebendiger Bibelauslegung. Kösel, München / Calwer, Stuttgart 1991 ISBN 3-466-36196-6
Didaktisch orientiertes Arbeitsbuch; es werden neben der historisch-kritischen Methode auch existenziale, linguistische, tiefenpsychologische, feministische, lateinamerikanische, intertextuelle, wirkungsgeschichtliche, verfremdende, jüdische u.a. Auslegungsweisen eingeübt.
  • Christoph Dohmen: "Vom vielfachen Schriftsinn - Möglichkeiten und Grenzen neuerer Zugänge zu biblischen Texten". In: Th. Sternberg (Hrsg.), Neue Formen der Schriftauslegung? Quaestiones Disputatae 140. Herder, Freiburg i. Br. 1992, S. 13-74.
  • Ulrich Luz (Hg.): Zankapfel Bibel: Eine Bibel- viele Zugänge. Theol. Verlag, Zürich 1993 ISBN 3-290-10874-0
Sechs Autoren verschiedener theologischer Herkunft (historisch-kritisch, bibeltreu, evangelikal, feministisch, materialistisch, tiefenpsychologisch) beschreiben ihre grundlegenden Annahmen und Positionen und interpretieren den gleichen Bibeltext.
  • Julia Lehnen: Interaktionale Bibelauslegung im Religionsunterricht. Kohlhammer, Stuttgart 2006
Bietet einen guten Überblick über die verschiedenen Ausprägungen der Interaktionalen Bibelauslegung.
  • Lothar Ruppert (Hg.): Die Interpretation der Bibel in der Kirche. Das Dokument der Päpstlichen Bibelkommission vom 23. April 1993. Stuttgarter Bibelstudien 161. Kath. Bibelwerk, Stuttgart 1995 ISBN 3-460-04611-2 (kath. Kirche zeigt sich offen für verschiedene Formen der Bibelauslegung; einige Ansätze werden vorgestellt)
  • Louis C. Jonker: Exclusivity and Variety. Perspectives on Multidimensional Exegesis. Kampen 1997. (zum Verhältnis von "diachronen" und "synchronen" Methoden am Beispiel der Auslegung von Richter 13)
  • John Barton (Hg.): The Cambridge Companion to Biblical Interpretation. (1998) 7. Aufl. University Press, Cambridge 2005 ISBN 0-521-48593-2
Die historisch-kritische Methode nur auf den ersten zwölf Seiten, in den anderen Aufsätzen: literaturwissenschaftliche, soziologische, poststrukturalistische, politische, feministische, linguistische, jüdische u.a. Auslegung.
  • Manfred Oeming: Biblische Hermeneutik. Eine Einführung. Primus, Darmstadt 1998 ISBN 3-89678-316-5
Der Autor stellt die unterschiedlichen Lektüreweisen wie historisch-kritische Methode, sozialgeschichtliche Exegese, kanonische Schriftauslegung usw. nacheinander vor und benennt jeweils Vor- und Nachteile.
  • Stefan Alkier / Ralph Brucker (Hg.): Exegese und Methodendiskussion. Texte und Arbeiten zum neutestamentlichen Zeitalter 23. Tübingen 1998
Es werden einige z.T. sehr ausgefallene Methoden präsentiert, z.B. die Perspektive eines Filmregisseurs.
  • Steven L. McKenzie / Stephen R. Haynes (Hg.): To Each Its Own Meaning. An Introduction to Biblical Criticisms and Their Application. Westminster John Knox Press, Louisville, Ky. 1999 ISBN 0-664-25784-4
Insgesamt 13 Methoden; neben Literarkritik und Redaktionskritik wird u.a. auch rhetorische, strukturalistische, erzähltheoretische, rezeptionsästhetische, poststrukturalistische, feministische und sozioökonomische Auslegung der Bibel vorgestellt.
  • Gerd Theißen: "Methodenkonkurrenz und hermeneutischer Konflikt. Pluralismus in Exegese und Lektüre der Bibel". In: Joachim Mehlhausen (Hg.), Pluralismus und Identität [VIII. Europäischer Theologenkongress in Wien, 20.-24. September 1993]. Veröffentlichungen der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie 8. Gütersloh 1995, S. 127-140.
  • Ulrich Luz: "Kann die Bibel heute noch Grundlage für die Kirche sein? Über die Aufgabe der Exegese in einer religiös-pluralistischen Gesellschaft". In: New Testament Studies 44 (1998), S. 317-339.
  • Helmut Utzschneider: "Text – Leser – Autor. Bestandsaufnahme und Prolegomena zu einer Theorie der Exegese". In: Biblische Zeitschrift 43 (1999), S. 224-238. (versucht die Auslegungsansätze einander zuzuordnen; er unterscheidet intentio operis, intentio lectoris und intentio auctoris)
  • Jens Schröter: "Zum gegenwärtigen Stand der neutestamentlichen Wissenschaft. Methodologische Aspekte und theologische Perspektiven". In: New Testament Studies 46 (2000), S. 262-283.
  • Angelika Reichert: "Offene Fragen zur Auslegung neutestamentlicher Texte im Spiegel neuerer Methodenbücher". In: Theologische Literaturzeitung 126 (2001), Sp. 993-1006.
Münsteraner Antrittsvorlesung; sie benennt drei neuralgische Punkte in den neuesten Methodendarstellungen: 1. Ziel und Zusammenhang des Auslegungsverfahrens wird nicht deutlich; 2. Verhältnis von Synchronie und Diachronie ist ungeklärt; 3. es wird nicht reflektiert, welche Rolle Autor und Adressatenschaft im Auslegungsverfahren spielen.
  • Joachim Kügler: "Für wen arbeitet die Bibelwissenschaft? Exegese im Kontrast gegenwärtiger und zukünftiger Pluralität". In: R. Bucher (Hrsg.): Theologie in den Kontrasten der Zukunft. Perspektiven des theologischen Diskurses. Theologie im kulturellen Dialog 8. Graz 2001, S. 95-116.
  • Joachim Kügler: "Auf dem Weg zur Pluralitätsfähigkeit? Bibelwissenschaft im Spannungsfeld von Sozialkonstruktivismus, Rezeptionsästhetik und Offenbarungstheologie". In: Alexius J. Bucher (Hrsg.): Welche Philosophie braucht die Theologie? Eichstätter Studien 47. Pustet, Regensburg 2002, S. 135-160.
  • Oda Wischmeyer: Hermeneutik des Neuen Testaments. Ein Lehrbuch. Neutestamentliche Entwürfe zur Theologie 8. Francke, Tübingen/Basel 2004 ISBN 3-7720-8054-5
Wischmeyer versucht eine Synthese verschiedener Zugangsweisen, indem sie historisches, rezeptionsgeschichtliches, sachliches und textuelles Verstehen unterscheidet.

Allgemeinverständliche Einführungen, Hilfen für das Bibellesen

  • Jakob van Bruggen: Wie lesen wir die Bibel? Eine Einführung in die Schriftauslegung. Hänssler, Neuhausen-Stuttgart 1998 ISBN 3-7751-2955-3 (etwas anspruchsvoller, Griechischkenntnisse sind hilfreich)
  • Howard G. Hendricks / William G. Hendricks: Bibellesen mit Gewinn. Handbuch für das persönliche Bibelstudium. Christliche Verlagsgesellschaft, Dillenburg 1995 ISBN 3-89436-088-7 (didaktisch aufbereitet; hilft zu einer echten Beschäftigung mit dem Bibeltext)
  • Gordon D. Fee / Douglas Stuart: Effektives Bibelstudium. 3. überarb. Aufl. ICI, Asslar 1996 ISBN 3-923924-27-5 (Übersetzung des im engl. Sprachraum bekannten How to Read the Bible for All Its Worth)

Siehe auch

Weblinks

Recherche nach exegetischer Literatur

  • OPAC der Uni Tübingen (Sondersammelgebiet Theologie; auch sehr viel internationale Literatur; nur Bücher, keine Aufsätze)
  • Bibliotheca Theologica Theologische Literatur mit exegetischem Schwerpunkt
  • IxTheo Index Theologicus (Aufsätze, Schwerpunkt auf evangelischer Bibelwissenschaft)
  • BILDI Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Uni Innsbruck (Aufsätze, Schwerpunkt auf katholischer Bibelwissenschaft)
  • BIBIL Biblische Bibliographie Lausanne (Aufsätze, französisch, international)
Anmerkung: Bei diesen Links handelt es sich um Datenbanken. Man kann hier ein Stichwort, z.B. "Johannesevangelium", eingeben und erhält die aktuelle Forschungsliteratur zum Thema. Die Bücher können dann in der örtlichen Unibibliothek eingesehen, über Subito ausgeliehen oder direkt bestellt werden. Es gibt bisher leider kaum bibelwissenschaftliche Online-Literatur (siehe aber unten WiBiLex und auf Engl. BSW und RBL; BiBIL (s.o.) indiziert seit 2006 auch online Literatur mit direktem Link zu den Dokumenten (z.B. Journal of Hebrew Scriptures)).

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