Fasse dich kurz


Fasse dich kurz
Fasse dich kurz!

Fasse dich kurz!, oft ergänzt durch den Hinweis Nimm Rücksicht auf Wartende, war eine Aufforderung, die in Deutschland von den 1930er bis in die 1970er Jahre neben nahezu allen öffentlichen Fernsprechern angebracht war.

Die unübersehbar neben den Telefonen platzierten Emailleschilder mit roter Aufschrift wurden für notwendig gehalten, da es noch keinen Zeittakt für Ortsgespräche gab (Ferngespräche konnten von Telefonzellen aus bis in die 1960er Jahre nicht geführt werden). Das Gespräch konnte daher nach Einwurf des notwendigen Betrags in den Münzfernsprecher beliebig ausgedehnt werden.

Da private Telefonanschlüsse noch wenig verbreitet waren, stellten Telefonzellen für die Anwohner der näheren Umgebung oftmals die einzige Möglichkeit dar, Telefongespräche zu führen oder selbst angerufen zu werden. Infolge dessen waren die Fernsprecher meist stark frequentiert, oft auch durch Leute, die vor der Zelle standen und auf einen Anruf warteten, den sie mit dem Gesprächspartner für eine bestimmte Zeit vereinbart hatten. Wenn Benutzer die praktisch unbegrenzte Gesprächszeit für besonders ausgedehnte Gespräche verwendeten, konnte es somit rasch zur Bildung längerer Warteschlangen vor den Telefonzellen kommen. Um dem entgegenzuwirken, mahnte die Deutsche Reichspost bzw. Deutsche Bundespost ihre Kunden durch die auffälligen Schilder zu Gesprächsdisziplin.

Mit der zunehmenden Zahl von Privatanschlüssen und der daraus resultierenden geringeren Nutzung der öffentlichen Fernsprecher verlor die Aufforderung im Lauf der Jahrzehnte ihren Sinn. Noch bevor die Deutsche Bundespost am 1. Januar 1980 den Zeittakt für Ortsgespräche einführte und damit die unbegrenzte Gesprächsdauer abschaffte, verschwanden die Schilder schrittweise aus den Telefonzellen. Die Aufforderung wird heute im Volksmund noch bei anderen Zusammenhängen verwendet.

Literatur

  • Michael Reuter: Telekommunikation - Aus der Geschichte in die Zukunft. Decker Verlag, 1990. ISBN 3-7685-0990-7

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