F123

F123
Brandenburg-Klasse
Fregatte Mecklenburg-Vorpommern in der Deutschen Bucht
Fregatte Mecklenburg-Vorpommern in der Deutschen Bucht
Übersicht
Typ Fregatte
Namensgeber Bundesland Brandenburg
Einheiten 4
Dienstzeit

seit 1994

Heimathafen Wilhelmshaven
Technische Daten
Verdrängung

4900 t

Länge

138,90 m

Breite

16,70 m

Tiefgang

6,90 m

Besatzung

219

Antrieb

CODOG:

  • 2 MTU 20V 956 TB92-Dieselmotoren (je 3.820 kW)
  • 2 GE LM 2500 SA-ML-Gasturbinen (je 19.000 kW)
Geschwindigkeit

> 29 kn

Reichweite

4.000 sm bei 19 kn

Bewaffnung
Radar
  • 1 3D-Radar Signaal SMART-S
  • 1 2D-Radar Signaal LW 08
  • 2 Navigationsradar Raytheon Raypath
  • 1 Cassidian MSSR 2000 I IFF
Sonar
Bordhubschrauber

2 SeaLynx

F 123 ist die marineinterne Bezeichnung für die Fregatten der Brandenburg-Klasse der Deutschen Marine. Typschiff ist die Fregatte Brandenburg. Die Schiffe bilden den Kern des 2. Fregattengeschwaders in Wilhelmshaven.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Planung und Bau

Die Fregatten des Typs F123 wurden in den 1980er-Jahren als Ersatz für die veralteten Zerstörer der Klasse 101A (Hamburg-Klasse) geplant. Basierend auf den Erfahrungen mit der Bremen-Klasse sowie dem aufgegebenen Projekt NFR-90 begann Blohm + Voss mit der Entwicklung eines neuen Schiffstyps, der auch die Vorteile des modularen MEKO-Systems berücksichtigte. 1989 wurde der Bau von vier Schiffen genehmigt. Das erste Schiff, die Brandenburg, wurde 1992 bei Blohm + Voss in Hamburg auf Kiel gelegt, lief noch im gleichen Jahr vom Stapel und wurde 1994 bei der Deutschen Marine in Dienst gestellt. Noch im gleichen Jahr wurde die von den Howaldtswerken in Kiel gebaute Schleswig-Holstein in Dienst gestellt. 1996 folgten dann die Bayern, gebaut von den Nordseewerken in Emden, und die von der Bremer Vulkan Werft gebaute Mecklenburg-Vorpommern.

Modernisierung

Für die Fregatten des Typs F 123 ist ein umfassendes Modernisierungsprogramm, die sogenannte „Fähigkeitsanpassung F123“ vorgesehen; unter anderem sollen die Sea-Sparrow-Boden-Luft-Flugkörper ab 2008 durch die Weiterentwicklung ESSM ersetzt werden. Als weitere Maßnahme ist geplant, die F123 zwecks verbesserter Stabilität zu verlängern. Die leichten 20-mm-Geschütze wurden durch zwei 27-mm-Marineleichtgeschütze ersetzt. [1]

Als neues Führungs- und Waffeneinsatzsystem (FüWES) wird „SABRINA 21“ verwendet, damit werden auch die Fähigkeiten des Systems insgesamt erweitert; außerdem wird die Feuerleitanlage ersetzt.

Nachdem der Fregatte F123 SCHLESWIG-HOLSTEIN bereits im Dezember 2006 mit vier Täuschkörperwurfanlagen TKWA des Typs MASS von Rheinmetall ausgerüstet worden war, erhielten bis 2009 auch die anderen drei Fregatten des Typs F 123 diese System.[2]

Im Zeitraum 2009–2011 werden alle Fregatten mit einer neuen Aussetzvorrichtung für Speedboote versehen, gleichzeitig erfolgt die Ausrüstung mit neuen Speedbooten der Firma Boomeranger. Testweise wird die Fregatte Bayern (F217) 2011 mit einem Massenevakuierungssytem der Firma Viking Life Sea Systems ausgerüstet; nach erfolgreicher Erprobung sollen alle Fregatten des Typ F 123 mit diesem System ausgerüstet werden.

Einsätze

Die Bayern (F 217) war bis zum 29. Februar 2008 das Flaggschiff des deutschen Truppenkontingents zur Überwachung der libanesischen Küste im Rahmen des UNIFIL-Einsatzes und löste dort die Schleswig-Holstein ab. Vorher löste die Brandenburg (F 215) die Mecklenburg-Vorpommern (F 218) ab, die sich zuvor bei der Operation Enduring Freedom beteiligte und mit einigen Einsätzen für eine Kontroverse im Bundestag sorgte. Sie bot US-amerikanischen und britischen Kriegs- und Hilfsschiffen Geleitschutz, die auf dem Weg zur Operation Iraqi Freedom – dem Irakkrieg – unterwegs waren. Da Kritiker den Irakkrieg als völkerrechtswidrig ansehen, wurde von der Bundestagsopposition der Abbruch der Mission gefordert.

Die Bayern (F 217) war Anfang des Jahres 2002 das Flaggschiff des ersten Deployments an das Horn von Afrika (Dschibuti) im Rahmen der Operation Enduring Freedom. Der gut sechsmonatige Einsatz erfolgte unmittelbar nach einer etwa viermonatigen Teilnahme an der SNFM (Standing Naval Force Mediterranean) der NATO und der Operation Active Endeavour. Sie hatte so mit zehn Monaten Abwesenheitszeit vom Heimathafen eine der längsten Fahrten eines Schiffes der Deutschen Marine.

Die Schleswig-Holstein (F 216) sowie die Mecklenburg-Vorpommern (F 218) nahmen auch am Horn von Afrika an der Operation Enduring Freedom teil.

Die Fregatte Brandenburg bekam Ende Februar 2011 zusammen mit anderen Marineschiffen den Marschbefehl zur Küste Libyens, um bei der Evakuierung deutscher Staatsbürger zu helfen.[3]

Einheiten

Name Kennung
Rufzeichen
Bauwerft,
Baunummer
Kiellegung Stapellauf Indienststellung
Brandenburg F 215
DRAH
Blohm + Voss AG, Hamburg
950
11. Februar 1992 28. August 1992 14. Oktober 1994
Schleswig-Holstein F 216
DRAI
Howaldtswerke-Deutsche Werft AG, Kiel
255
1. Juli 1993 8. Juni 1994 24. November 1994
Bayern F 217
DRAJ
Thyssen Nordseewerke GmbH, Emden
569
16. Dezember 1993 30. Juni 1994 15. Juni 1996
Mecklenburg-Vorpommern F 218
DRAK
Bremer Vulkan Werft
und Maschinenfabrik GmbH, Bremen

1097
23. November 1993 23. Februar 1995 6. Dezember 1996

Technik

Rumpf

Der in Modulbauweise gefertigte Schiffsrumpf aus Schiffbaustahl ist an der Konstruktionswasserlinie 126,90 Meter lang und 15,74 Meter breit. Die Länge über alles beträgt 138,90 Meter, die maximale Breite 16,70 Meter. Der Tiefgang beträgt am Sonardom 6,90 Meter, die Einsatzverdrängung liegt bei 4900 Tonnen. Auf Höhe des B-Decks mit 16 Metern Breite befinden sich drei durchlaufende Kastenträger (steuerbord/mittschiffs/backbord), die die tragenden Hauptelemente des Schiffsrumpfs sind. Der Rumpf wird durch sechs wasserdichte Querschotte (Doppelschotte) in 15 wasserdichte Abteilungen unterteilt, der durchlaufende Doppelboden gewährt weitere Sicherheit. Die Aufbauten aus Schiffbaustahl und Leichtmetall, die sich über die mittlere Hälfte der Schiffslänge erstrecken, sind ABC-geschützt.

Antrieb

Die Schiffe der Brandenburg-Klasse werden durch einen CODOG-Antrieb (Combined Diesel or Gas Turbine) angetrieben. Hauptantriebsmaschinen sind zwei Antriebsdieselmotoren 20V 956 TB92 von MTU Friedrichshafen mit je 3.820 kW (5.200 PS) Leistung. Bei Bedarf kann der Antrieb auf zwei Gasturbinen LM 2500 SA-ML von General Electric mit je 19.000 kW (25.840 PS) Leistung umgeschaltet werden, die als Booster fungieren und die Schiffe auf ihre Höchstgeschwindigkeit bringen. Zwei Stirnradgetriebe von Renk-Tacke übertragen die Leistung auf zwei Wellen mit zwei fünfflügeligen Verstellpropellern (Sulzer Escher Wyss). Die Marschgeschwindigkeit liegt bei 19 Knoten, die Höchstgeschwindigkeit bei über 29 Knoten. Die Reichweite beträgt bei Marschgeschwindigkeit 4000 Seemeilen. Die Steuerung übernimmt ein Halbschweberuder.

Zur Stromversorgung befinden sich vier E-Dieselmotoren (EDiMot) KHD-MWM TBD 602V 16U mit je 750 kW (1.020 PS), die zwei Generatoren (A.-v.-Kaick) antreiben, an Bord.

Bewaffnung

76-mm-Geschütz

Hauptbewaffnung der Schiffe ist ein Vertical Launching System Mk 41 mit 16 Zellen für Flugabwehrraketen des Typs RIM-7 Sea Sparrow, die in Zukunft durch RIM-162 Evolved Sea Sparrow Missile ersetzt werden sollen. Zur Bekämpfung von Seezielen stehen vier Seezielflugkörper-Starter für Aerospatiale MM 38 Exocet zur Verfügung. Die Nahbereichverteidigung gegen anfliegende feindliche Flugkörper übernehmen zwei RIM-116 RAM-Starter mit je 21 Zellen.

Auf dem Vorderdeck befindet sich ein Oto Melara 76-mm-Geschütz, das gegen See-, Land- und Luftziele eingesetzt werden kann. Zwei MLG 27 von Rheinmetall können zur Verteidigung gegen kleinere Seeziele verwendet werden.

Für die U-Jagd verfügen die Fregatten über zwei Doppeltorpedorohre Mk 32 Mod 9 für Mk-46-Torpedos mit Aufschlagzünder. Haupt-U-Jagdwaffe sind jedoch die beiden SeaLynx-Bordhubschrauber, die im Hangar auf dem Achterdeck untergebracht sind.

Elektronik

Radaranlage der Mecklenburg-Vorpommern

Hauptradar der Schiffe ist das 3D-Mittelbereichsradar Signaal SMART-S (Signaal Multibeam Acquisition Radar for Tracking, S-Band). Es wird durch ein 2D-Weitbereichsradar Signaal LW 08 unterstützt. Als Navigationsradar werden zwei Sperry Marine Bridgemaster E eingesetzt. Die Fregatten verfügen zudem über eine Bugsonaranlage Atlas Elektronik DSQS-23BZ die auf der „trockenen Seite“ auf DSQS-24B aufgerüstet wurde. Die Bayern wurde 2006–2008 versuchsweise mit einem Schleppsonar (Low Frequency Active Sonar System) nachgerüstet. Nach erfolgreicher Beendigung dieses Versuch sollen ab 2011 alle Einheiten das Schleppsonar FDSQS-30A LFTAS der Atlas Elektronik erhalten.

Die Verarbeitung der Gefechtsfelddaten erfolgt durch SATIR (System zur Auswertung Taktischer Informationen auf Rechnerschiffen) mit einem US-Standard-Rechner Unisys AN/UYK 43, einem Signaal Multi Weapon Control System (MWCS) und einer IBM-DV-Anlage Link 16 (1x Link 11, 1x Link 16). Die Zieldaten werden an zwei Feuerleitradare STIR 180 weitergegeben.

Zur Kommunikation verfügen die Schiffe über diverse UHF- und HF-Funksendeanlagen, ein Matra Marconi SCOT 3 Satcom, ein SHF SATCOM sowie eine Inmarsat-Satellitenkommunikationanlage.

Einsatzprofil

Das Haupteinsatzprofil der Brandenburg-Klasse ist die U-Boot-Bekämpfung (ASW). Dieser speziellen Aufgabe dient in erster Linie der Bordhubschrauber SeaLynx, von dem jedes Schiff zwei aufnehmen kann. Neben der U-Jagd besitzt die Klasse die Fähigkeit zur Abwehr von Luftzielen im Eigenschutz und zur Seezielbekämpfung.

Literatur

  • Stephen Saunders (Hrsg.): Jane's Fighting Ships 2007–2008. Jane's Information Group Limited, Coulsdon (UK) 2007.
  • Hannes Ewerth, Peter Neumann: Deutsche Marine. The German Navy. Verlag E. S. Mittler & Sohn, Hamburg, Berlin, Bonn 2006.
  • Presse- und Informationszentrum Marine (Hrsg.): Die Flotte. 9. Auflage. Presse- und Informationszentrum Marine, Glücksburg 2006.
  • Sigurd Hess, Guntram Schulze-Wegener, Dieter Stockfisch, Heinrich Walle (Hrsg.): 50 Jahre Deutsche Marine im Bild. Report Verlag, Bonn, Frankfurt am Main 2006.
  • Sigurd Hess, Guntram Schulze-Wegener, Heinrich Walle (Hrsg.): Faszination See. 50 Jahre Marine der Bundesrepublik Deutschland. Verlag E. S. Mittler & Sohn, Hamburg, Berlin, Bonn 2006.
  • Wolfgang Harnack: Die Zerstörerflottille der Deutschen Marine von 1958 bis heute. Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg 2001.
  • Siegfried Breyer, Gerhard Koop: Die Schiffe, Fahrzeuge und Flugzeuge der deutschen Marine von 1956 bis heute. Bernhard & Graefe Verlag, Bonn 1996.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Fregatten der F 123-Klasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Offizielle Marineseite: Alle 20-mm-Geschütze der Marine werden durch MLG 27 ersetzt
  2. europaeische-sicherheit.de: MASS-Schutzsystem auf Fregatte F123 August 2007; abgerufen am 26. Juni 2011.
  3. faz.net: EU schließt Militäreinsatz nicht aus. Abgerufen am 24. Februar 2011

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