Exuperantius

Exuperantius
Exuperantius, Reformierte Kirche in Elgg
Martyrium von Exuperantius, Felix und Regula, Reliefs in der katholischen Kirche Felix und Regula in Zürich und im Kreuzgang des Fraumünsters
Fresco der drei Stadtheiligen in der Reformierten Kirche in Pfäffikon
Die heute übliche Siegelform geht zurück auf das seit 1347 verwendete sogenannte Sekretsiegel des Rates von Zürich. Umschrift: SECRETVM CIVIVM THVRICENSIVM.[1]
Siegel Stadt und Kanton Zürich

Exuperantius (* unbekannt, † nach 302 in Zürich, im Volksmund Häxebränz genannt[2]) ist mit Felix und Regula der dritte Zürcher Schutzpatron, ein Heiliger und Märtyrer der Römisch-katholischen Kirche. Sein Gedenktag ist der 11. September.[3]

Inhaltsverzeichnis

Kurzbiografie

Exuperantius soll der „Diener“ von Felix und Regula gewesen sein, wie sie ein Angehöriger der legendären Thebäischen Legion, und während der Christenverfolgungen in der Amtszeit von Kaiser Diokletian als Märtyrer getötet worden sein. Nach seinem Märtyrertod soll Exuperantius, Felix und Regula vorausgehend, seinen Kopf 40 Ellen das Ufer der Limmat hinaufgetragen, sich niedergekniet und schliesslich zur Ruhe gelegt haben. An diesem Ort sollen die drei Stadtheiligen bestattet und im 9. Jahrhundert das ihnen geweihte Grossmünster der Stadt Zürich erbaut worden sein.[4]

Über dem Hinrichtungsstein auf einer kleinen Insel in der Limmat, Ort ihres Martyriums und der Enthauptungen, wurde die Wasserkirche errichtet. Das Umfeld der mittelalterlichen Grabstelle und des vermeintlichen Hinrichtungssteins in der Krypta der Wasserkirche datiert ins 11. Jahrhundert.[5]

Legende

Die älteste schriftliche Form der Legende von Felix und Regula stammt aus der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts (Codex 225, Stiftsbibliothek St. Gallen). Die Einleitung mit der Formel «Tempore illo» (in jener Zeit) weist auf das karolingische Zeitalter. Die schriftliche Fassung der Legende entstand zeitlich wohl nach der «Passio acaunensis martyrum», in der die Legende von der Thebäischen Legion überliefert ist.[6]

Die Geschichte des Exuperantius’ soll erst seit dem 13. Jahrhundert als Teil der Legende überliefert worden sein, obwohl in der Sage über die Thebäische Legion der Name Exuperius erwähnt wird. Ob diese historisch nicht zweifelsfrei belegte 'Neufassung' der Legende aus christlich-orthodoxen Quellen berichtigt worden ist, bedürfte der genaueren Abklärung, ebenso die Wandlung von Felix und Regula zu „Vornehmen“ und Exuperantius zu ihrem „Diener“.

Historische Deutung

Aus Johannes Stumpf' Schweizer Chronik von 1547/48 soll eine weitere Deutung stammen, wenn auch diese nicht als gesichert gilt: Exuperantius – im Volksmund auch «Häxebränz» (Bränz = Weinbrand) genannt – soll im 13. Jahrhundert eine im Volk beliebte Heiligenfigur gewesen sein. Das für Glaubensfragen in Zürich massgebliche Grossmünster soll sich aber gegen diesen unrechtmässigen Heiligen verwahrt haben, bis ihm 1264 ein Bürger seine Ländereien unter der Bedingung vermachte, dass Exuperantius von nun an auch in die Liturgie aufgenommen werde.[7]

Eine weitere Erklärung geht von einem Übersetzungsfehler aus. Der Text «Felix exuperantius et Regula» (also Felix, der sich hingebende zusammen mit Regula – der Fokus lag auf dem Mann) wurde geschrieben als FELIX EXUPERANTIUS ET REGULA und dann übersetzt mit Felix, Exuperantius und Regula, wodurch aus zwei Personen drei wurden.

Um das Stadtsiegel von demjenigen der Fraumünster-Äbtissin (der damaligen nominellen Stadtherrin) abzuheben, fügte der städtische Rat im Siegel den bisherigen zwei Stiftsheiligen deren „Diener“ Exuperantius bei, so die viel profanere, machtpolitische Erklärung. Eines der ältesten noch erhaltenen Stadtsiegel mit den drei Stadtheiligen findet sich an einer Urkunde aus dem Jahre 1225.

Ungeachtet der möglichen Deutungen interessant ist, dass seit 1348 Exuperantius zusammen mit Felix und Regula auf dem Stadtsiegel (sigillum civium thuricensium) und auch demjenigen des Kantons (Staates) Zürich abgebildet wird.

Siehe auch

Literatur

  • K. Werner Glaettli: Zürcher Sagen. 2. vermehrte Auflage. Rohr, Zürich 1970.
  • Hansueli F. Etter, Urs Baur, Jürg Hanser, Jürg E. Schneider: Die Zürcher Stadtheiligen Felix und Regula. Legenden, Reliquien, Geschichte und ihre Botschaft im Licht moderner Forschung. Büro für Archäologie der Stadt Zürich, Zürich 1988, ISBN 3-905243-01-6.
  • Iso Müller: Die frühkarolingische Passio der Zürcher Heiligen. In: Zeitschrift für schweizerische Kirchengeschichte. Bd. 65, 1971, ISSN 0044-3484, S. 132–187, online.
  • Cécile Ramer: Felix, Regula und Exuperantius. Ikonographie der Stifts- und Stadtheiligen Zürichs. Antiquarische Gesellschaft, Zürich 1973 (Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich. 47, ZDB-ID 280134-6 = Neujahrsblatt. 137), (Zugleich: Zürich, Univ, Diss., 1972: Die Zürcher Stadtheiligen Felix, Regula und Exuperantius in Legende und Kunst.).
  • Cécile Ramer: Die Zürcher Stadtheiligen Felix, Regula und Exuperantius in Legende und Kunst. (9.–17. Jahrhundert). o. N., Zürich, 1972 (Teildruck, Zürich, Univ, Diss., 1972).

Weblinks

 Commons: Exuperantius (Zurich) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Staatskanzlei des Kantons Zürich: Zur Geschichte des Staatssiegels
  2. Geschichte von Exuperantius, Felix und Regula in den FAQ des Stadtarchivs der Stadt Zürich
  3. vgl. Ökumenisches Heiligenlexikon
  4. Zitat aus dem Buch Heimatkunde der Stadt Zürich (Seite 7), Karl der Grosse und der Hirsch: «Als Kaiser Karl, da er noch König war, einst von der Stadt Köln aus auf die Jagd geritten war, stiess er auf einen grossen, schönen Hirsch ... Also jagte er ihm nach, von Köln bis nach Zürich ... ob dem Schloss Turicum [die ehemalige Pfalzburg auf dem Lindenhof am linken Limmatufer] jenseits des Wassers, fiel der Hirsch auf die Knie. Desgleichen taten auch die Hunde und wollten nicht weiter laufen. Dieses Wunder berichteten die Jäger dem König, der eilends herbeiritt, um es zu sehen. Als die Pferde herzukamen, fielen sie auch auf die Knie. Da verstand der König wohl, dass Gott ihm den Hirsch gesandt, weil er hier ein Wunder wirken wollte. Karl stieg von seinem Pferde und bat Gott, er möge ihm seinen Willen offenbaren. Alsobald erschienen zwei Einsiedler, welche in der Gegend wohnten. Sie sagten, dass da drei Heilige begraben lägen, die vormals um des christlichen Glaubens willen gemartert worden wären. Da nahm der Kaiser in Stadt und Schloss Turicum, die ja gleich dabei lagen, Wohnung. Er berief alle Priester des Landes und berichtete ihnen das grosse Wunder, das ihm begegnet war. Er liess graben und die Märtyrer suchen. Nachdem sie gefunden waren, wurden sie zu hohen Ehren erhoben und heilig gesprochen. Über den Gräbern der Heiligen baute Karl der Grosse etliche Jahre später die Felix- und Regulakirche [Grossmünster].»
  5. Grabungsbericht (Wasserkirche) vom 7. Dezember 2004, Amt für Städtebau, Archäologie, Dölf Wild
  6. R. Luginbühl (Hrsg.): Heinrich Brennwald, Schweizerchronik im Anschluss zur Schweizergeschichte, S. 613
  7. Stadtarchiv Zürich: Fragen und Antworten

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