Estnische Evangelisch-Lutherische Kirche


Estnische Evangelisch-Lutherische Kirche

Die Estnische Evangelisch-Lutherische Kirche (EELK) (estnisch: Eesti Evangeelne Luterlik Kirik) ist die nationale evangelisch-lutherische Kirche von Estland. Der Amtssitz ist Tallinn (Reval). Die Kirche ist Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) und des Lutherischen Weltbundes (LWB), beide in Genf, der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) in Brüssel, der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) und des Rates Christlicher Kirchen Estlands in Tallinn. Die Estnische Evangelisch-Lutherische Kirche ist des Weiteren Mitglied der Porvoo-Gemeinschaft und hat mit diesen Kirchen volle Kirchengemeinschaft vereinbart.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Kirche in Viljandi

Obwohl die ersten Kontakte der Esten mit dem Christentum weit ins erste Jahrtausend zurückreichen, begann die organisierte kirchliche Aktivität erst im 13. Jahrhundert. Damals gab es drei Diözesen auf estnischem Gebiet: Tallinn 1229, Tartu (Dorpat) 1224 und Saaremaa (Ösel) 1228, vorübergehend also Virumaa (Wierland). Im 15. Jahrhundert hatte Estland 94 Pfarrbezirke mit Kirchen und Kapellen, sowie 15 Klöster.

Die Reformation mit den Gedanken Martin Luthers etablierte sich 1524 in Estland und brachte Predigten in estnischer Sprache hervor.

Entscheidend war der „Erste estnische Kirchentag“ am 31. Mai 1917, als die Kirche in Estland als freie Volkskirche entstand, indem zum ersten Mal die 127 lutherischen Gemeinden mit ihren 920.000 Mitgliedern vereinigt wurden. Beim Einmarsch der Roten Armee in Estland 1918 wurden die lutherischen Gemeinden bis zu ihrer Befreiung durch estnische Truppen am 14. Januar 1919 brutal verfolgt und erneut zerschlagen; zwei ihrer Märtyrer in dieser Zeit waren Pastor Traugott Hahn und Pastor Carl Hesse.

Der Zweite Weltkrieg und die darauf folgenden 45 Jahre sowjetischer Besatzung mit ihrer atheistischen Ideologie verhinderte die kirchliche Arbeit und entfremdete die Bevölkerung von religiösem Leben. Der Nation war es versagt, die Werte und Gedankenwelt des christlichen Glaubens kennenzulernen, geschweige denn theologisch forschen zu können.

So gehört heute zwar die Mehrheit der sich zum christlichen Glauben bekennenden Esten der Estnischen Evangelisch-Lutherischen Kirche an. Doch ist die Zahl der Gemeindeglieder auf 167.000[1] gesunken. Von den bekennenden Christen gehören somit 13,6% zu zur Estnisch Evangelisch-Lutherischen Kirche (vor den beiden Orthodoxen Kirchen = 12,8%, der Römisch-Katholischen Kirche = 0,5% und den Baptisten = 0,5%).

Kirchenstruktur der EELK

Konsistorium

Die Verwaltung der Kirche liegt beim Konsistorium. Der Sitz der Kirchenleitung ist in 10130 Tallinn, Kiriku plats 3.

Erzbischof/Bischof

Geistliches Oberhaupt der Estnischen Evangelisch-Lutherischen Kirche ist der Erzbischof. Er leitet als ranghöchster Pfarrer die gesamte Kirche. Seine rechte Hand ist der untergeordnete Bischof. Zusammen führen sie die Aufsicht über die in 12 Propsteien untergliederte Kirche.

Bisherige Amtsinhaber:

  • Erzbischof:
  1. 1949–1967: Jaan Kiivit (sen.) (1906–1971)
  2. 1967–1977: Alfred Tooming (1907–1977)
  3. 1978–1986: Edgar Hark (1908–1986)
  4. 1987–1994: Kuno Pajula (* 1924)
  5. 1994–2005: Jaan Kiivit (jun.) (1940–2005)
  6. 2005–heute: Andres Põder (* 1949)
  • Bischof:
  1. 1992–heute: Einar Soone (* 1947)

Kirchenleitung

Die Kirchenleitung liegt beim Oberkirchenrat. Vorsitzender ist der Erzbischof. Mitglieder des Oberkirchenrates sind der Bischof und fünf Assessoren, die jeweils einen bestimmten Arbeitsbereich leiten.

Generalsynode

In die Generalsynode delegieren die Kirchengemeinden ihre Vertreter. Sie ist höchstes Entscheidungsgremium.

Propsteien

Die EELK ist in zwölf Propsteibezirke untergliedert:[2]

  • Ida-Harju (Propst Tanel Ots)
  • Järva (Propst Teet Hanschmidt)
  • Lääne (Propst Tiit Salumäe)
  • Lääne Harju (Propst Jüri Vallsalu)
  • Pärnu (Propst Enn Auksmann)
  • Saarte (Propst Veiko Vihuri)
  • Tallinna (Propst Jaan Tammsalu)
  • Tartu (Propst Joel Luhamets)
  • Valga (Propst Vallo Ehasalu)
  • Viljandi (Propst Marko Tiitus)
  • Viru (Propst Avo Kiir)
  • Võru (Propst Urmas Nagel)

Kirchengemeinden

Die 167.000 Gemeindeglieder sind in 165 Kirchengemeinden verbunden und werden von 214 Pfarrerinnen und Pfarrern betreut.

Unter diesen Gemeinden gibt es in Tallinn eine kleine deutschsprachige Gemeinde, die hauptsächlich aus Russlanddeutschen besteht.

EELK im Ausland

Geschichte

Im Herbst 1944 wurden ca. 80.000 Esten aufgrund der herannahenden Roten Armee gezwungen, aus dem Land zu fliehen. Darunter waren etwa 60.000 Lutheraner (siehe Estnisch Evangelische-Lutherische Kirche im Ausland - Estonian Evangelical Lutheran Church Abroad - EELC Abroad). Viele von ihnen lebten danach in Schweden, Großbritannien und Deutschland, einige auch in den USA und in Kanada. Dort begannen sie, eigene Gemeinden mit ihrer Muttersprache zu gründen.

So entstanden eigene estnische Kirchen, die zwar Verbindungen zu den örtlichen einheimischen Gemeinden hatten, rechtlich aber einen eigenen Status in diesen Ländern vertraten. Diese estnische Exilkirche mit Gemeinden, die in ihrer Fläche oft größer sind als das ganze Gebiet von Estland, gibt es bis heute. Amtssitz der EELK im Ausland ist im kanadischen Toronto.

Die EELK im Ausland hat heute 15.700 Gemeindeglieder, die in 63 Gemeinden aufgeteilt sind und die von 37 Pfarrerinnen und Pfarrern betreut werden.

Erzbischöfe

  • 1919 – 1933: Jakob Kukk (Bischof, 1870–1933)
  • 1934 – 1939: Hugo Bernhard Rahamägi (Bischof, 1886–1941)
  • 1939 – 1964: Johan Kõpp (bis 1957 Bischof, seit 1944 in Exil; 1874–1970)
  • 1964 – 1971: Johannes Oskar Lauri (1891–1974)
  • 1972 – 1990: Konrad Veem (1914–1996)
  • 1990 – 2006: Udo Petersoo (1934–2006)
  • 2007 – heute: Andres Taul (*1936)

Literatur

  • Lutherischer Dienst, 43 Jg., 2007, Heft 2 = Sondernummer: Estland, hg. v. Martin-Luther-Bund, Erlangen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.lutheranworld.org/lwf/wp-content/uploads/2011/03/LWF-Statistics-2010.pdf Der statistische Jahresbericht des Lutherischen Weltbundes 2010 verzeichnet hingegen noch eine Mitgliederzahl von 172.000.
  2. [1]

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