Edo


Edo
Alter Stadtplan von Edo, mit den verschiedenen Flussgräben in Blau

Edo (jap. 江戸, wörtlich: „Flusstor“), in älteren westlichen Texten auch Jedo, Yedo oder Yeddo geschrieben[1], ist der frühere Name der japanischen Hauptstadt Tokio. Es war der Sitz des Tokugawa-Shōgunats, das Japan von 1603 bis 1868 beherrschte, und gab dieser Periode der japanischen Geschichte den Namen Edo-Zeit. Während dieser Zeit wuchs Edo zu einer der größten Städte der Welt und besaß eine pulsierende städtische Kultur nach dem Gedanken der „fließenden Welt“.[2]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Shogun Tokugawa Ieyasu erhob Edo zu seiner Residenzstadt
Ansicht von Edo, mit der Burg ganz rechts, dem Sumida-Fluss unten, dem Hafen unten links und dem Fujisan ganz oben links

Der Standort der Stadt, heute bekannt als Bucht von Tokio, war schon seit einigen Jahrhunderten besiedelt, als Ōta Dōkan 1457 hier die Burg Edo errichtete. 1590 übernahm Tokugawa Ieyasu im Rahmen eines Gebietsabtausches die Herrschaft über die nordöstlichen Provinzen Honshūs und machte Edo zu seinem Hauptsitz. Nachdem er in der Schlacht von Sekigahara alle Konkurrenten um die Herrschaft über Japan besiegt hatte, wurde er 1603 vom Tennō zum Shōgun ernannt. Edo wurde Regierungssitz und damit politisches Zentrum Japans, Kyōto blieb als Residenzstadt des Tennō formelle Hauptstadt des Landes.

Um die Macht zu festigen, wurde sankin kōtai erlassen. Diese Bestimmung verpflichtete alle Daimyō (Feudalherren), in regelmäßigen Intervallen dem Shōgun ihre Aufwartung zu machen sowie eine ständige Residenz in Edo zu unterhalten, wo auch stets Teile ihrer Familie und deren Gefolge als Geiseln des Shōguns leben mussten. Das brachte viel Kapital in die Stadt und zog Händler und Handwerker an. Edo wuchs daraufhin beständig und aus dem relativ unbekannten Fischerdorf von 1457 wurde 1721 die - mit einer Million Einwohner - größte Stadt der Welt.[2][3]

Edo wurde wiederholt von Bränden zerstört, wobei der Meireki-Großbrand 1657, bei dem geschätzte 100.000 Menschen starben, der verheerendste war. Während der Edo-Zeit gab es über 100 Brände, die meist durch eine Unachtsamkeit ausgelöst wurden und sich schnell durch die hölzernen Machiya, die mit Kohleöfen beheizt wurden, in den Nachbarschaften ausbreitete. Zwischen 1600 und 1945 wurde Edo/Tokio ungefähr alle 25–50 Jahre durch Brände, Erdbeben, Tsunami, vulkanische Eruptionen und Krieg zu großen Teilen zerstört.

Als das Shōgunat 1868 aufgelöst wurde, wurde die Stadt in Tokio („östliche Hauptstadt“) umbenannt. Der Tennō verlegte seine Residenz hierher und machte sie zur Hauptstadt. Diese Verlegung ist weder durch ein Gesetz noch durch eine kaiserliche Verordnung formell besiegelt.

Regierung und Verwaltung

Während der Edo-Zeit ernannte das Shōgunat Stadtverwalter (machi bugyō), die die Polizei und ab Tokugawa Yoshimune die Bürgerfeuerwehr (machi bikeshi) leiteten. Der machi bugyō hörte sich außerdem Straf- und Zivilklagen an und übte weitere Verwaltungsfunktionen aus.

Geographie

Eine der gewaltigen Stadtmauern von Edo mit Wachtürmen (1868)
Im Zōjō-ji wurden die Shogune beigesetzt
Nihonbashi in Edo, Ukiyo-e von Hiroshige

Die Stadt wurde als Burgstadt um die Burg Edo gebaut. Das Gebiet, das die Burg unmittelbar umgab, war als Yamanote bekannt, und bestand größtenteils aus den Anwesen der Daimyō. Diese vermögende Samurai-Bevölkerung bestimmte den Charakter von Edo, besonders im Kontrast zu den beiden großen Städten Kyōto und Ōsaka, die weder von einem Daimyō beherrscht noch einen bedeutenden Anteil an Samurai in der Bevölkerung hatten. Der Charakter Kyōtos wurde vom Kaiserlichen Hof, dem Hofadel, seinen unzähligen buddhistischen Tempeln, seinem traditionellem Erbe und seiner Identität geprägt und Ōsaka, als Handelszentrum des Landes, wiederum von der Chōnin-Klasse (Händlern).

Andere, weiter vom Zentrum entfernte Gebiete waren für die Gemeinen (町人, chōnin, dt. Stadtmenschen). Shitamachi (下町, dt. untere Stadt) im Nordosten des Schlosses war ein Schlüsselzentrum der städtischen Kultur. Der alte buddhistische Tempel Sensō-ji in Asakusa markiert das Zentrum dieser Kultur. Einige der Läden um den Tempel werden seit der Edo-Zeit ununterbrochen betrieben.

Der Sumida, damals einfach Großer Fluss (大川, Ōkawa) genannt, lief entlang des östlichen Stadtrandes, wo sich die Lagerhäuser mit den Reisvorräten des Shōgunats und andere Regierungsgebäude befanden, zusammen mit den berühmtesten Restaurants. Dazu muss angemerkt werden, dass die Steuern damals in Reis entrichtet wurden (siehe Koku).

Die Edo-Brücke (江戸橋, Edo-bashi) markierte das Handelszentrum der Stadt, bekannt als Kuramae (蔵前, dt. vor den Lagerhäusern). Viele Fischer, Handwerker und Händler arbeiteten hier, sowie Verschiffer, die Schiffe (tarubune) von und nach Ōsaka und anderen Städten mit Gütern segeln ließen und auf den Flüssen oder dem Landweg (z.B. über die Tōkaidō) transportierte Waren annahmen. Auch heute noch bildet diese Gegend eines der Finanz- und Geschäftszentren Tokios.

Der nordöstliche Stadtrand, der als gefährliche Richtung in der traditionellen Onmyōdō (Kosmologie/Geomantie) betrachtet wurde, wurde durch eine Reihe von Tempeln, wie dem Sensō-ji und dem Kan'ei-ji, vor bösen Geistern geschützt. Knapp außerhalb dieser lagen die Stadtviertel der Eta bzw. Ausgestoßenen, die unreinen Berufen nachgingen, und somit von den Häusern der Gemeinden getrennt waren. Eine lange unbefestigte Straße lief westlich eines Flussufers, knapp nördlich des Eta-Stadtviertels, zum nördlichen Stadtrand zum Vergnügungsviertel Yoshiwara. Dies befand sich ursprünglich im Inneren der Stadt bei Asakusa, wurde aber nach dem Meireki-Großbrand hier wieder aufgebaut.

Panorama

Panorama von Edo 1865/66 (Montage von Albumindrucken von fünf Photographien von Felice Beato)
Panorama von Edo 1865/66 (Montage von Albumindrucken von fünf Photographien von Felice Beato)

Siehe auch

  • Edokko (Einwohner von Edo)

Quellen

  1. Diese Schreibungen spiegeln ein heute verschwundenes schwaches i im Anlaut der Silbe e wider. Lutz Walter (Hrsg.): Japan mit den Augen des Westens gesehen. Prestel, München/New York 1994, S. 49
  2. a b George Sansom: A History of Japan: 1615-1867. Stanford University Press, Stanford 1963, S. 114
  3. Andrew Gordon: A Modern History of Japan from Tokugawa Times to the Present. Oxford University Press, 2003, S. 23

Weblinks

 Commons: Edo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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