Dolby

Dolby
Dolby Laboratories, Inc.
Dolby 2009 logo.svg
Rechtsform Incorporated
ISIN US25659T1079
Gründung 1965
Sitz San Francisco, Vereinigte Staaten
Leitung Ray Dolby
Umsatz 640 Millionen USD (2008)
Branche Audiotechnik
Website www.dolby.de

Dolby Laboratories, Inc. ist ein Unternehmen, das Kompandersysteme zur Rauschverminderung im Audiobereich und Mehrkanal-Tonformate entwickelt. Das Unternehmen wurde 1965 von Ray Dolby in England gegründet, 1976 verlagerte er es in die Vereinigten Staaten von Amerika.

Inhaltsverzeichnis

Analoge Kompandersysteme (Rauschverminderungsverfahren)

Doppelkassettendeck von JVC mit Dolby B, C und HX Pro

Bei den analogen Dolby-Verfahren werden bei der Aufnahme leise Töne in der Lautstärke angehoben und bei der Wiedergabe um denselben Betrag wieder abgesenkt. Dabei wird gleichzeitig das Bandrauschen mit abgesenkt. Das hat nichts mit der statischen Prä- und Deemphase zu tun.

Dolby A und Dolby SR werden vor allem im professionellen Bereich eingesetzt, zum Beispiel beim analogen Lichttonverfahren.

Das am meisten verbreitete Dolby-Verfahren bei handelsüblichen Kassettenrekordern heißt Dolby B. Dieses wird in höherwertigen Geräten, die früher zum Standardumfang einer Stereoanlage gehörten, durch die Weiterentwicklung Dolby C und manchmal Dolby HX Pro ergänzt. Dolby S, erschienen zu Beginn der 1990er Jahre, sollte als Ergänzung zu B und C der Standard für höherpreisige HiFi-Tapedecks für den Heimbereich werden. Durch den Siegeszug der Digitaltechnologie brach dieses Marktsegment jedoch weitgehend weg, so dass Dolby S keine nennenswerten Marktanteile mehr erreichen konnte.

Dolby A

Dolby A ist das erste von Dolby entwickelte Kompandersystem für Studio-Magnettonbandgeräte (1966). Es besteht aus vier voneinander unabhängig arbeitenden Kompandern. Kompander 1 arbeitet unterhalb von 80 Hz, Kompander 2 zwischen 80 Hz und 3 kHz und Kompander 3 oberhalb von 3 kHz. Kompression ist 10 dB. Der vierte Kompander arbeitet oberhalb von 8 kHz und liefert in diesem Frequenzbereich weitere 5 dB.

Ab 1972 hat Dolby A den Kinoton (Lichtton) entscheidend in Dynamikumfang und Frequenzgang verbessert.

Dolby B

Das 1968 auf den Markt gekommene Dolby B wirkt von mittleren Frequenzen ab etwa 1 kHz (beim von JVC entwickelten, Dolby-kompatiblen ANRS ab 500 Hz) bis in den Höhenbereich. Während der Aufnahme wird das aufzunehmende Signal frequenz- und pegelabhängig verstärkt auf das Tonband aufgespielt und bei der Wiedergabe um denselben Betrag abgeschwächt. Dadurch wird bei der Wiedergabe auch das Bandrauschen mit abgeschwächt. Wichtig ist also, dass das Rauschverminderungssystem bei Aufnahme und Wiedergabe eingeschaltet ist. Frequenz- und pegelabhängige Komprimierung und Expandierung bedeutet, dass das Musiksignal während Aufnahme und Wiedergabe nicht gleichmäßig bearbeitet wird. Der Grad der Bearbeitung ist im unteren Frequenzbereich ab 1 kHz geringer und im Hochtonbereich stärker ausgeprägt. Außerdem werden leise Musiksignale stärker und laute Musiksignale weniger durch das Dolby-System bearbeitet. Alle Pegel, die schwächer sind als diese Marke, werden vom Dolby-System bearbeitet. Je leiser sie sind, desto stärker erfolgt diese Bearbeitung. Daher ist es wichtig, das Musiksignal laut genug auszusteuern, natürlich unter Berücksichtigung der vom Tonbandhersteller empfohlenen Aufsprechpegel. Die Verwendung nur einer Bearbeitungsstufe bei Dolby B führte mit der Qualitätszunahme aller anderen Hi-Fi-Komponenten zur Notwendigkeit der Weiterentwicklung dieses Rauschverminderungsverfahrens. Unter bestimmten Aufnahmebedingungen, wie etwa eines einzelnen Schlagzeug-Beckens oder Klanghölzern, also quasi bei kurzen, stakkatohaften Geräuschen, waren aufgrund der Trägheit und der Bearbeitung des vergleichsweise breiten Frequenzspektrums durch Dolby B deutliche Rauschfahnen zu hören. Dieses Problem wurde bei der Entwicklung des Nachfolgers Dolby C berücksichtigt. Bei älteren Tape Decks, die ausschließlich über Dolby B verfügen, wird das Verfahren auch als Dolby NR (NR für Noise Reduction) bezeichnet.

Dolby C

Dolby C arbeitet mit zwei kaskadierten Kompandern sowie einer Antisättigungsschaltung. Der erste Kompander entspricht genau dem Dolby-B-Kompander. Der zweite Kompander arbeitet bei 20 dB geringeren Pegeln mit einem Einsatzpunkt, der reichlich zwei Oktaven tiefer liegt (5-dB-Punkt: 200 Hz statt 1 kHz). Das Anti-Sättigungsnetzwerk verbessert die Höhenaussteuerbarkeit bei 10 kHz um etwa 4 dB. Dolby C wurde 1980 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Dolby S

Dolby S ist eine abgerüstete Version des professionellen Dolby SR, des Dolby-A-Nachfolgers, verfügt über drei Kompanderstufen und wirkt zusätzlich zu Dolby B und C im Bassbereich. Außerdem sind die drei Frequenzbänder so aufgeteilt, dass Aufnahmen mit Dolby S auch auf Geräten mit Dolby B in akzeptabler Qualität wiedergegeben werden können, beispielsweise in Autokassettengeräten, die selten über eine höhere Version als Dolby B verfügen. Die ersten Geräte mit Dolby S erschienen 1990 auf dem Markt.

Während die einfache Idee der Komprimierung und Expandierung die Stärke der Dolby-Rauschverminderung ist, so ist sie auch gleichzeitig ihre Schwäche: Voraussetzung für ein einwandfreies Funktionieren des Systems ist nämlich eine genaue Kalibrierung des Kassettengerätes auf das verwendete Bandmaterial. So ist es nicht nur wichtig, den Tonkopf exakt rechtwinklig auf den Bandlauf auszurichten, auch die Vormagnetisierung und besonders der Aufsprechpegel müssen genau eingestellt sein. Damit ist nicht nur die Grobeinstellung auf die verwendete Bandsorte Normal, Chromdioxid oder Metall gemeint, denn auch innerhalb dieser Klassen gibt es feine Nuancen. So kann es vorkommen, dass ein mit 0 dB aufgenommener Pegel aufgrund der geringen Empfindlichkeit des Tonbandmaterials bei der Wiedergabe weniger als 0 dB beträgt. Dadurch kommt es in der Signalverarbeitung des Dolby-Systems zu Ungenauigkeiten, die sich durch eine dumpfe Wiedergabe der Höhen oder Pumpgeräusche äußern können. Aufgrund dieser Problematik hat die Dolby-Licensing-Corporation bei der Einführung von Dolby S strikte Lizenzbedingungen vorgegeben. Kassettengeräte, die Dolby S einsetzen wollen, müssen einen exakt ausgerichteten Tonkopf und eine von außen zugängliche Vormagnetisierungseinstellung haben.

Dolby HX Pro

Dolby HX Pro (HX steht für „Headroom eXtension“) ist per se kein Rauschunterdrückungssystem wie Dolby A, B, C und S, sondern eine Einrichtung, die die Höhenaussteuerbarkeit erweitert. Entwickelt und vorgestellt wurde es 1982 von Bang & Olufsen, ein Jahr später von Dolby als HX Pro vermarktet. Funktion: Ein normales Kassettendeck besitzt einen Wahlschalter für bis zu vier Bandsorten. Dieser Schalter stellt (unter anderem) die fest vorgegebene Vormagnetisierung dieser Bandsorten ein. Nun bewirken laute, hohe Töne im aufzunehmenden Musiksignal ebenfalls bereits eine Vormagnetisierung. Diese addiert sich zur ursprünglichen Vormagnetisierung, und so wird das Band nicht optimal ausgenutzt (zu viel Vormagnetisierung begrenzt die Aufnahme hoher Töne, zu wenig erhöht andererseits die Verzerrungen). Der HX-Pro-Schaltkreis misst nun ständig die Pegel der höheren Frequenzen (das Signal vom Aufnahmeverstärker), die dem Tonkopf zugeführt werden. Steigt der Anteil von hohen Frequenzen im Signal, wird die Vormagnetisierung entsprechend verringert, was letztlich zu einer verbesserten Hochtonaussteuerbarkeit führt oder anders ausgedrückt: Eine gleichmäßige Aufzeichnung des ganzen Frequenzspektrums wird garantiert. So erhöht HX Pro die Dynamikbandbreite von Kassetten und ermöglicht damit klarere Aufnahmen. (Quelle: The Audio Professional von Bang und Olufsen, 1982) Auf der Decoderseite, also im Abspielgerät, ist keine besondere Logik vonnöten.

Play Trim

Zusammen mit NAD entwickelte Dolby die Play-Trim-Regelung, mit deren Hilfe ein fehlerhafter Hochtonfrequenzgang Dolby-codierter Kassettenbänder vor der Dynamikexpansion näherungsweise korrigiert werden kann, so dass auch solche Bänder ganz passabel klingen. Ein fehlerhafter Hochtonfrequenzgang kann durch falsche Vormagnetisierung, Nichtverwendung von HX Pro, Bandalterung oder Azimutfehler des Wiedergabetonkopfes entstehen.

Dolby SR

Dolby-SR-Steckkarte für Mehrkanalton von 1986

Dolby SR ist ein seit 1987 gebräuchliches Rauschunterdrückungsverfahren für die Tonaufzeichnung für analogen Lichtton auf 35mm-Film und auf analogen Tonbändern. SR steht für spectral recording und heißt so, weil dieses Kompandersystem eine für das Gehör angepasste, spektrale Kompanderfunktion besitzt.

Das Verfahren ist das am höchsten entwickelte Audio-Rauschunterdrückungsverfahren und markiert vermutlich auch den Abschluss der Entwicklung dieser Verfahren, da für digitale Systeme keine Rauschunterdrückung mehr benötigt wird. Der bei dieser Technik erreichbare Dynamikbereich ist manchen heute gebräuchlichen digitalen Tonaufnahmeverfahren überlegen.

Analoge Mehrkanal-Tonformate

  • Dolby Stereo 6-Track: 6-Kanal-Magnetton bei 70-mm-Kinofilmen (wird nicht mehr hergestellt)
  • Dolby Stereo A: professionelles Kinotonsystem mit matrizierten vier Kanälen und Dolby A-Rauschunterdrückung
  • Dolby Stereo SR Matrizierung wie Dolby Stereo A, aber mit verbesserter Dolby SR-Rauschunterdrückung
  • Dolby Surround: Heimanwenderpendant zu Dolby Stereo
  • Dolby Pro Logic: wie Dolby Surround, aber verbesserte En- und Dekodiertechniken (Erweiterungen: Pro Logic II, Pro Logic IIx und Pro Logic IIz)

Digitale Mehrkanal-Tonformate

Dolby E Encoder und Decoder in Form von 19"-Geräten, wie sie in der Abwicklung bei Fernsehanstalten eingesetzt werden

Live Sound

  • Dolby Lake Processor[1]

Video-Verarbeitung

  • Dolby Contrast [2]
  • Dolby Vision[3]

Digitales Kino

  • Dolby Digital Cinema[4]

Quellen

  1. Dolby - Dolby Lake Processor for Digital Loudspeaker System Control and Equalization
  2. Dolby Debuts New Video Technologies at International CES 2008. Dolby press release. Abgerufen am 28. März 2008.
  3. Dolby Vision
  4. Dolby Digital Cinema

Literatur

  • Hubert Henle: Das Tonstudio Handbuch. 5.Auflage, GC Carstensen Verlag, München, 2001, ISBN 3-910098-19-3
  • Gustav Büscher, A. Wiegemann: Kleines ABC der Elektroakustik. 6. Auflage, Franzis Verlag, München, 1972, ISBN 3-7723-0296-3
  • Roland Enders: Das Homerecording Handbuch. 3. Auflage, Carstensen Verlag, München, 2003, ISBN 3-910098-25-8

Weblinks

 Commons: Dolby – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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