Dino Compagni

Dino Compagni

Dino Compagni (* ca. 1246/47 in Florenz[1]; † 1324) war ein florentinischer Kaufmann, Politiker und Chronist.

Der aus einer etablierten florentinischen Familie stammende Dino Compagni war erfolgreich als Tuchhändler tätig und Mitglied der Seidenwebergilde von Por Santa Maria, deren Vorsteher er insgesamt sechsmal war. Dino war auch politisch aktiv; er zählte zur Gruppe der sogenannten „weißen Guelfen“, die in der Regel mehr pro-kaiserlich eingestellt waren als die sogenannten „schwarzen Guelfen“. Dino setzte sich für Reformen in der Florentiner Kommune ein, die auf eine stärkere Mitwirkungen der Popolanen setzte.[2] 1282 war er maßgeblich an der Etablierung der Gildenherrschaft in Florenz beteiligt: In diesem Jahr wurde eine Gruppe von (zunächst drei, dann sechs) Prioren eingesetzt,[3] die die Regierungsgeschäfte der Kommune führten und die aus den großen Gilden und den einzelnen Stadtteilen gewählt wurden. An der Spitze der Regierung stand nun der Gonfaloniere; das Amt wurde von Dino 1293 selbst bekleidet.[4]

1289 und 1301 war Dino einer der Priore. Als 1301 die weißen Guelfen aus Florenz vertrieben wurden, blieb Dino das Exil (anders als etwa Dante) aufgrund seiner Amtsposition und den damit verbundenen rechtlichen Privilegien erspart, doch spielte er fortan in dem politischen Leben der Stadt keine Rolle mehr.

Dino ging in der Folgezeit seinen Geschäften nach und verfasste zwischen 1310 und 1312/13 eine Chronik der Stadt Florenz in drei Büchern (Cronica delle cose occorrenti ne' tempi suoi), in der die Kämpfe zwischen weißen und schwarzen Guelfen eine zentrale Rolle spielen. Dino beschränkte sich auf den Zeitraum zwischen den 1280er Jahren und 1312. Das Werk bricht in der Darstellung des Italienzugs Heinrichs VII. ab, in den Dino große Hoffnungen bezüglich einer Stabilisierung der Verhältnisse in Italien gesetzt hatte. Dino war in seiner Chronik bestrebt, die Motive der handelnden Personen und die politischen Hintergründe zu beschreiben und auch zu bewerten, womit das Werk deutlich über eine reine Chronik hinausgeht. Besonders kritisch betrachtet Dino die Politik der schwarzen Guelfen in Florenz. Literarisch ist das Werk reizvoll und lebendig gestaltet. Es bietet wertvolle Informationen für diese Phase der florentinischen Geschichte. Daneben verfasste Dino auch mehrere, teils verlorengegangene Gedichte.

Ausgaben und Übersetzungen

  • Dino Compagni: Cronica delle cose occorrenti ne’ tempi suoi. Hrsg. von Isidoro Del Lungo. In: Rerum Italicarum Scriptores N.S. Bd. 9,2. Città di Castello 1913.
  • Dino Compagni: Cronica. Hrsg. von Gino Luzzatto. Turin 1968 (hier online).
  • Dino Compagni’s Chronicle of Florence. Übersetzt von Daniel E. Bornstein. Philadelphia 1986.
  • Chronik des Dino Compagni von den Dingen, die zu seiner Zeit geschehen sind. Übersetzt und eingeleitet von Ida Schwartz. Verlag Eugen Diederichs, Jena 1914 (hier online und als pdf-Download).

Literatur

  • Girolamo Arnaldi: Dino Compagni cronista e militante ‘popolano’. In: Cultura 21, 1983, S. 37–82.
  • Louis Green: Chronicle into History: An Essay on the Interpretation of History in Florentine Fourteenth-Century Chronicles. Cambridge 1972 (allgemeiner Überblick).
  • Sonja Leissing-Giorgetti: Compagni, Dino. In: Lexikon des Mittelalters. Bd. 3, Sp. 97f.

Anmerkungen

  1. In der älteren Forschung wurden auch andere, spätere Geburtsdaten erwogen, doch ist 1246/47 die in der neueren Forschung geläufigere Annahme.
  2. Der Begriff popolo konnte in unterschiedlichem Zusammenhang benutzt werden. Im Mittelalter wurde damit oft der Teil der Bevölkerung einer italienischen Kommune bezeichnet, der nicht zum Adel zählte, aber sich wirtschaftlich und politisch organisiert hatte und im Wirtschaftsleben der Stadt eine Rolle spielte, also vor allem die Handwerker und Unternehmer. Allgemein zum Terminus und zum Bezug auf Florenz siehe den knappen Überblick bei John N. Najemy: A History of Florence. Malden/MA u.a. 2006, S. 35ff.; vgl. dazu auch Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriß der verstehenden Soziologie. 5. revidierte Auflage. Besorgt von Johannes Winckelmann. Tübingen 1980, S. 775ff.
  3. Siehe Dino Compagni, Cronica, I 4.
  4. Vgl. dazu ausführlich Robert Davidsohn: Geschichte von Florenz. Bd. 2.2, Berlin 1908, S. 212ff.

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